Schlagwort: Franz Metzner

Zu dem Gebilde, das uns so fremd anmutet, kam Metzner — auf seinem Wege — mit Notwendigkeit. In dem Komplex „Ein Denkmal für Johann Strauß“ mußte er den ersten Bestandteil „Ein Denkmal“ mit dem fast ausschließenden Nachdruck betonen, weil ihm das der Begriff „Denkmal“ zu fordern schien, besonders heute, wo das Bewußtsein, daß das Denkmal vor allem andern ein „Mal“, ein monumentales, aus der Vergangenheit in die Zukunft ragendes Zeichen sein soll, gänzlich verloren ist. Wuchtige Monumentalität erstrebte also Metzner zu allererst. Der monumentale Wille war in ihm so stark, daß er sogar die Leiber der Tanzenden zu einem wuchtigen Kloß zusammenballte, zu einem Kloß, der dasteht wie ein Symbol des tanzenden Volkes.

Metzner liebt das Zierliche, Leichte, Kleine nicht. Alles Gestalten führt bei ihm zur kompakten Masse. Dadurch drängt er aber, mehr als andere, unsere Aufmerksamkeit auf das Plastische hin, während sie sonst sich allzu gern an die Details und an Assoziationen verliert. Meßner ist so sehr Plastiker, daß er mehr Leiber als Menschen bildet. Die Tanzenden in seinem Denkmal sind tanzende Leiber. Allein — liegt nicht die dämonische Macht eines Johann Strauß darin, daß seine Melodien am Geiste vorbei durch die Adern rieseln, die Glieder schwingen, den ganzen Leib ergreifen wie eine unheimliche Naturkraft? Das Dämonische witterte Meßner in Johann Strauß, das Dämonische, auf das seine eigene Persönlichkeit gerichtet ist.

Anton Jaumann.

Bildverzeichnis:
Franz Metzner-Denkmal-Johann-Strauss
Elma Luksch-Makowska-Relief-Keramik-Bürger-Theater-Wien

Siehe auch:
Die Kunst vor Gericht
Moyssey Kogan
George Minne
Wirtschaft und Kunst
Eindrücke von der Brüsseler Welt-Ausstellung
Bernhard Hoetger-Bildhauer
Georg Kolbe-Bildhauer
Eine Deutsche Welt-Ausstellung?
Haus „Rheingold“ in Berlin
Wettbewerb für das Bismarck-National-Denkmal
Sascha Schneider auf der Dresdner Kunstausstellung
Otto Greiner
Modelle zum Völkerschlacht-Denkmal
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Ein Kriegerdenkmal
Fritz Boehle
Ratschläge vorm Verkauf von Kunstbesitz
Die Kunst nach dem Kriege
Ein Deutsches Ledermuseum
Heldenhaine und Ehrenhaine
Kriegs-Gedächtnis-Male
Krieger-Denkmäler
Constantin Meunier-Denkmal der Arbeit
Die Anfänge einer neuen Architektur-Plastik
Neue Brunnen und Denkmäler von Franz Metzner
Monumentale Kunst
Franz Metzner-Steinmetz und Bildhauer
Bildhauer Georg Kolbe
Zum Denkmals-Problem
Sascha Schneider-Bildhauer und Maler
Die Wiener Plastik und Malerei
Vom Vorstellen und Gestalten des Kunstwerks
Anton Hanak-Bildhauer
Hermann Geibel-Bildhauer
Ausstellung Richard Teschner-Wien 1920
Gaston Béguin
Max Klinger-Dem Grossen Toten
Etwas über Kunstbesitz

Franz Metzner Kunstartikel

»Wer uns umwirft, der ist stark; wer uns erhebt, der ist göttlich; wer uns ahnen macht, der ist tief.«

Wenn ein ernsthafter Mensch sieh entschließt über einen einzelnen Künstler nachzudenken, so kann dies nur geschehen, weil der ernsthafte Mensch von dem Künstler ergriffen und erregt wurde.

Ein die Alltäglichkeit durchbrechendes und aus dem gewohnten Niveau aufragendes Erlebnis lockt den Theoretiker auf die Spuren des Einzelnen. Damit ist von vornherein festgestellt, daß dieser Künstler ein Außergewöhnlicher ist, eine Persönlichkeit, die sich gegenüber den Problemen der Allgemeinheit und deren Entwicklung zu behaupten weiß. Das bedeutet viel, denn eine in ihren fundamentalsten Empfindungen soziologisch gerichtete Zeit erforscht und pflegt des Einzelnen nur dann, wenn sie von ihm und seiner Art einen Strom der Fruchtbarkeit für sich und ihre Genossen erwartet. Somit ist der Künstler, der Mittelpunkt einer Abhandlung wird, ein Kronenträger. Er ist und bleibt ein Kronenträger aus eigenem Recht und durch Erkürung der Kundigen — wie die Diskussion sich auch immer gestalte. —

Die Absicht einer solchen geistigen Aussprache kann aber nur dahin gehen, den erlesenen Künstler und sein Werk nach Herkunft und Ziel zu analysieren, das Geheimnis der besonderen Wirkungsart nach Möglichkeit zu lösen, und schließlich dahin: Grenzen abzustecken. Diese letzte Verrichtung wird zuweilen an den Stolz des Künstlers rühren; er sollte dann nie vergessen, daß solche Grenzregulierung, schon darum eine Ehrung ist, weil es sich verlohnt, sie vorzunehmen.

Mannigfach ist die Art, wie Kunstwerke betrachtet sein wollen. Und da hier alles auf Wechselbeziehung zwischen dem Be schauer und dem zur Schau stehenden Objekt beruht, so and der Annäherung dieser beiden prinzipiell feindlichen Pole Hemmungen gesetzt. Es gibt für jeden Menschen bestimmte Kunstwerke, zu denen er kein Verhältnis und finden kann; es gibt Kunstwerke, die nur von bestimmten Menschen betrachtet sein können. Es läge nahe, zu sagen: das Maß der Schwierigkeit, ein Kunstwerk anschauend zu erfassen, wäre ein Gradmesser für die Größe dieses Werkes.

Diese Meinung kann aber ebenso richtig wie falsch sein. Artistenkunst, geschmacklich überfeinerte Dekadenz wird von der Volksmenge abgelehnt, glatt übersehen; diese Mißachtung ist gewiß kein Wahrzeichen für die Größe solcher Fingerspitzentänze. Süßer und melancholischer Kitsch wird von der Masse begehrt; niemand wird darum von Kunst reden. Das Nachlaufen oder die Verstocktheit des großen Haufens ist darum noch kein Beweis für den Wert oder Unwert eines Kunstwerkes. Man kann nun wohl behaupten, daß das Urteil an Sicherheit zunimmt nach dem Maße der Bildung des Richters. Aber auch der Spruch des Sachkenners, des historisch und ästhetisch geschulten Fachmannes, dessen, der vieles gesehen und mehr im Innersten erlebt hat, kann keine absolute Gültigkeit für sich beanspruchen. Alles Kunsturteil ist im höchsten Grade subjektiv und im letzten Sinne nichts als die auf eine Formel gebrachte Aussage von Erregungen der Sinne und der Seele eines bestimmten Menschen durch ein bestimmtes Kunstwerk. Somit kommt es schließlich darauf an. daß der Künstler Menschen findet, die ihm optisch und geistisch verwandt sind, die darum allein die Fähigkeit haben, überhaupt zu erfassen, worauf es in diesem oder jenem Werke ankam: das Künstlerische, das Problem.

Aber selbst angenommen, der Künstler fände nicht einen einzigen Kongenialen, nicht einen einzigen schüchternen Freund, so wäre damit noch nicht das Geringste über den Ewigkeitswert seines Schaffens gesagt. Allerdings, ebensowenig darf aus der allgemeinen Ablehnung nun ohne weiteres auf wahrhaftige und sich einst mit Sicherheit entfaltende (iröße geschlossen werden. So ist also die Kunstkritik etwas wie ein Ringelreihspiel, wie ein Haschen von Seifenblasen. Diese Gedanken stellen sich ein. reihen sich wie eine Mauer und eine abweisende Warnung, wenn etwas über Franz Metzner gesagt sein soll. In wilden Sprüngen schwankt das Urteil auf und nieder. Die Menge mag ihn nicht; desto besser. Das heißt: es will immerhin beachtet sein, und es gilt zu erfahren: warum sie ihn nicht mag.

In der Ablehnung des Volkes offenbart sich häufig die Gesundheit des völkischen Instinktes; die himmelstürmende Kunst des gotischen Domes wurde von der Leidenschaft der Volksgemeinde getragen. Es wird also richtig sein, zu sagen: daraus, daß die Menge das Werk Metzners abwehrt, ist nichts über dessen künstlerischen Wert gesagt; aber es ist damit festgestellt, daß Metzner nicht aus dem Urgründe der Volksseele herauftaucht. Diese Erkenntnis hat für ein der Wahrheit möglichst nahe kommendes Werturteil nur dann Bedeutung, wenn der Betroffene glaubt, oder die Absicht hat, ein Prophet, eine Stimme der tiefsten Regungen der Volksseele zu sein.

Dies gilt für Metzner; und darum ergibt sich hier eine Dissonanz. Und sie muß sich ergeben, denn noch ist das deutsche Volk künstlerisch zu ungebildet. um nach einer Ausdrucksform für die höchsten Lebenskräfte auszuschauen, um überhaupt darauf gefaßt zu sein, in Kunstformen die Erfüllung sehnsüchtigen Erwartens zu empfangen. Andererseits ist aber auch das Innenleben des Volkes noch nicht so abgeklärt, daß ihm überhaupt eine künstlerische Form gefunden werden könnte. Die Zeit der neuen Religion ist noch nicht gekommen: die Stunde, wo Kunst wieder zu Religion wird, ist noch fern. Darum, sage ich, liegt hier eine Dissonanz: denn Metzner will Kunst zur Religion erheben, er kämpft um eine Religion der Form.

Franz Metzner Kunstartikel

Eine Studie über Franz Metzner

Geld und Mode sind die wahren Götter der Menschheit.

Geld und Mode sind die wahren Götter der Menschheit. Sie sind so alt als die Kultur, ihre Lebenskraft ist, zäher als die aller erträumten Gottheiten. Ihre Macht wird erst enden, wenn das ersehnte Traumreich des ewigen Friedens zur Wirklichkeit wird; sie reicht in alle Gebiete des Lebens. Geld und Mode beherrschen auch die Geschichte der Kunst. Die Mode regiert hier nach dem altbewährten launischen Grundsätze variatio delectat. Sie gibt jeder Zeit ihre moderne Kunst. Auch unsere Moderne ist nur eine Mode, nur dass in ihr mächtige Keime aufspriessen zu einer besseren modernen Kunst; dann werden unsere Nachfahren ebenso mitleidig uns betrachten oder übersehen, wie wir unsere Vorgänger. In der Malerei hat heute die Landschaft die Stelle der Nazarener, Bauern und Anekdotenmaler, der grossen Historie eingenommen. Landschaften füllen alle Ausstellungen, bis man ihrer überdrüssig ein anderes gelobtes Land erfinden wird, auf das sich dann alle Maler ebenso herdenhaft stürzen werden, wie heute auf die Landschaft.

So auch in der Plastik, soweit sie modern ist. Auch hier die Mode. Überall stehen und sitzen dieselben gespreizten, gesteiften, »stilisierten« Figuren, überall dieselben modernen Motive, das sind die Modemodernen; dann kommen einige, die die Mode nach sich zu modeln verstehen. Beide leben und sterben mit der Mode. Sie sitzen und horchen, was ihre Meisterin, die allmächtige Mode sagt und tun darnach. Zuletzt — ja, das ist frische Luft — taucht da und dort ein Mann auf, der ausser und über der Mode steht, der nicht von der Mode lebt, sondern über sie hinausstrebt, weil seine Kraft und sein Eigenes mächtiger ist als alle Mode. Ein solcher Moderner ist Metzner.

Auch die Kritik krümmt sich nach der Mode. Am besten versteht sie daher die Modemodernen. Ihnen spendet sie ihren Lorbeer und ihr bestes Lob erteilt sie einem Künstler, wenn sie von ihm sagt, er suche den neuen Stil und strebe nach dem ehernen Ziele des neuen Stils. Als ob Stil gesucht und gemacht werden könnte! Stil, d. h. der reinste Ausdruck des Geistes einer Zeit in den Werken ihrer Kunst, kann nicht gemacht werden. Er wächst organisch aus einem Zeitganzen und aus einer ganzen Zeit mit derselben Notwendigkeit, mit der Frühjahr und Sommer duftende Blüten und schwere Früchte zeitigen.

Es ist gar nicht wichtig für einen Künstler, dass er sich um einen neuen Stil kümmere. Aber von grösster Wichtigkeit ist es, dass er sich mit eifrigstem Ernste bemühe, den eigenen Stil zu finden, sofern er welchen in sich hat. Ein wahrhafter Künstler ist nur der, der seine eigene Bahn findet und sie wandelt mit der Treue und Kraft des Planeten; der ehrfürchtig lauscht, was der Strom der Zeit in seinen Tiefen rauscht. Mit Ernst und Eifersucht strebe er nur nach dem Eigenen, dann wird er am meisten sich und dem werdenden Stile der Zeit nützen, denn seiner Zeit kann er so wenig entrinnen als seiner Haut. So wächst aus ihm sein Stil und die Zeit wird diese Blume dem Kranze einfügen als ein echtes Stück. Wenige Künstler haben den Mut, so sich ganz zu vertrauen. Franz Metzner zeigt sich in seinen reifsten Arbeiten als solcher Eigenmensch.

Seit der letzten vorjährigen Veröffentlichung der Arbeiten Metzners wurde dieser Künstler nach Wien berufen. Noch in Friedenau bei Berlin entstand der Entwurf zu dem Kaiserin Elisabethdenkmal für Wien, das ja leider, trotzdem viel darum gekämpft wurde, nicht zur Ausführung gelangte. Dies war das erste reife Meisterwerk des Künstlers, damit hatte er zum ersten Mal völlig unabhängig und bewusst seinen Weg gefunden zu seinem hohen Ziele, der monumentalen Kunst. Seitdem hat er den Weg beharrlich weiter verfolgt und sich mit der, dem auf sich selbst gestellten und stehenden Manne eigenen Sicherheit ruhig und rasch weiterentwickelt.

In der heutigen Kritik ist ein böser Brauch Mode geworden: die Sucht bei jedem Künstler ein Abhängigkeits- oder Verwandtschafts-Verhältnis mit irgend einer Kunstgrösse nachzuweisen, mag diese Beziehung noch so äusserlich sein. Man glaubt damit etwas getan zu haben, während es in bedeutenderen Fällen doch nur die leichteste Art ist, mit einem Künstler für das Publikum gut genug fertig zu werden, dem man sonst nicht gerecht werden kann. Man hat Metzner mit Minne in Beziehung gebracht, doch wohl nur auf Grund ganz oberflächlicher äusserer Ähnlichkeits-Momente, wie sie sich bei Künstlern derselben Zeit wohl leicht ergeben. Aber im Wesen und Ziel sind beide Künstler wirkliche Gegensätze. Metzners männliche urwüchsige Art hat mit der reichen Mystik Minnes nichts zu tun.

Kriegerdenkmäler Kunstartikel

An den alten Bauwerken schuf der Steinmetz als Künstler und Form-Erfinder, an den altgotischen Domen bewundern wir die entzückende Naivität des Meisseis, der die Fülle volkstümlicher Vorstellungen und Empfindungen in den Stein übertragen. Stein ward nicht mehr Stein, sondern sichtbares Gebet. Die heimatliche Flora, der kleinbürgerliche Personenkreis, in die biblische Legende übertragen, leben fort in die Ewigkeit.

Die Kunst hing an der Spitze des Werkzeuges. Der ganze plastische Schmuck der alten Dome wird für alle Zeiten das herrlichste Denkmal einer deutschen, lebendigen Kunstblüte bleiben, die längst abgestorben ist. Noch spät im Zeitalter des Barock schuf der Meissei an allen Häusern, heute feiert die Kunst. Der Bildner und der Kunstfreund klagen mit Recht über den Industrialismus, dem die Plastik zum Opfer gefallen ist.

Trotz des reichen Formen – Gespinstes unserer gipsüberladenen Großstadt – Kasernen hat die Plastik verhältnismäßig wenig zu tun. Der ornamentale Schmuck für die Zinshausfassaden wird einmal entworfen, abgegossen und bis ins Unendliche vervielfältigt.

Unter solchen Umständen mag man es begreiflich finden, dass der moderne Architekt den Bildner verdrängte. Selbst Monumente und Grabmale entstehen, die eitel Architektur sind. Durch diese Erscheinungen irregeführt, ist der Plastiker leicht geneigt, die Moderne verantwortlich zu machen, er wird Reaktionär zum Schaden seiner künstlerischen oder wirtschaftlichen Existenz und sieht sich bald allein.

Demgegenüber ist zu konstatieren, dass gerade die moderne Raumkunst im Begriffe ist, die Bildnerei aus dem lähmenden Bann des Industrialismus zu befreien und ihr neue künstlerische Wege zu erschliessen. Am Hausbau hat auch in der modernen Baukunst die Plastik zahlreiche Gelegenheit, sich auszuleben. Freilich nicht in dem Sinne, dass sie die Fassaden mit einem Gespinst fabrikmäßiger Formen überzieht und mit solcherlei unnützem Zierrat überladet. Unsere Großstädte bieten in dieser Hinsicht der abschreckenden Beispiele genug. — Die Moderne hat naturgemäß nicht das Prinzip, Plastik auszuschliessen, es sei denn schlechte Plastik. Es wäre ganz gut zu denken, dass ein moderner Bau eine Relieffassade trägt, wofern es einen Künstler gibt, der eine glückliche plastische Lösung fände. —

Franz Metzner Kunstartikel