Schlagwort: Freimaurer

Frankreichs Griff nach der Herrschaft.
Die Freimaurerlogen peitschen auf.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war in England die gefährliche Gesellschaft der Freimaurer entstanden. Von hier aus zog sich das Netz ihrer „Logen“ mit „Brüdern“, „Meistern“ und „Großmeistern“ über alle Länder.

Die Freimaurer waren ein Geheimbund und erkannten sich an geheimen Zeichen. Wer eintrat, mußte einen furchtbaren Eid schwören, daß er nichts von ihren Taten und Plänen verraten wolle. Bald traten auch Juden in die Freimaurerlogen ein und übernahmen in den „Hochgraden“ die Führung. Durch eine „Weltrevolution“ wollten die Freimaurer „Throne und Altäre“ stürzen und eine „Weltrepublik“ errichten. Auch die Völker sollten verschwinden und in einer einzigen, großen Mischrasse untergehen. Das nannten die Freimaurer „Menschenveredlung“ und „Menschheitsbeglückung“. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ waren die Schlagworte, mit denen sie das Volk einfingen. Sie sorgten dafür, daß ihre Meister überall an die führenden Stellen kamen. Sie wurden Minister und Generale, sie schrieben die Zeitungen und beeinflußten dadurch die Öffentliche Meinung; sie bestimmten durch ihr Geld Kunst und Wissenschaft. Und überall arbeiteten sie geheim für ihre verderblichen, internationalen Ziele. Auf diese Weise verfälschten sie den Willen zur Freiheit und zu einer neuen völkischen Lebensordnung, der sich besonders bei den nordischen und nordisch geführten Völkern regte. Sie lenkten diese gewaltige Kraft in eine Richtung, die zur Weltherrschaft des Judentums führen mußte.

Eine blutige Revolution.

In Frankreich fanden die Freimaurer einen besonders günstigen Boden. Der „Ruhm“ des Landes war in den Kriegszügen gegen Friedrich den Großen, bei Roßbach, verflogen; die Kolonien hatte England geraubt. Das verschwenderische Leben der Könige hatte eine große Schuldenlast auf das Land gelegt. Die ganze Last ruhte auf den Bauern und armen Bürgern, die zwar alle Steuern zu zahlen, aber im übrigen den Mund zu halten hatten. Sie waren politisch ohne alle Rechte. Adel und Geistlichkeit waren steuerfrei. Darauf baute die Freimaurerei ihren furchtbaren Plan, die Vorbereitung der Revolution. Sie predigten die „allgemeinen Menschenrechte“ und versprachen dem Volke „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Einer der Hetzer fragte in einer Flugschrift, warum man den germanischen Adel nicht wieder in die Wälder Deutschlands zurückjage. König Ludwig XVI. war zu schwach, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Der aufgehetzte Straßenpöbel 1789 stürmte das Staatsgefängnis, die Bastille, befreite die darin befindlichen Verbrecher und machte die Wache nieder. In wüstem Zuge trug er die Köpfe der Erschlagenen durch die Straßen. Diese Mordtat und Verbrecherbefreiung feierte Frankreich lange als seinen Nationalfeiertag, als Geburtstag der „Demokratie“, der „Volksherrschaft“. Immer schlimmer wurde die Lage des Königs, der keinen Mut und keine Kraft hatte. In ihrer Verzweiflung schrieb die Königin Marie Antoinette, eine Tochter Maria Theresias, an ihren Bruder, den deutschen Kaiser:

„Nehmen Sie sich dort unten gut in acht vor jeder Freimaurerverbindung. Die hiesigen Ungeheuer rechnen darauf, in allen Ländern das gleiche Ziel zu erreichen. O Gott, schütze mein Vaterland und Sie vor solchem Unglück!“

Deutsche Geschichte


Paris bedeutet für Frankreich viel, viel mehr als Berlin für Deutschland; denn es ist von alters her und im weitesten Sinne die Hauptstadt des Landes. Es umschliesst mit seinen Mauern nicht nur das zentrale politische Leben des Landes, sondern bildet auch den geistigen und kulturellen Mittelpunkt Frankreichs und des französischen Kolonialreiches in Uebersee. Ausser Paris spielen auch andere Städte des Landes wie Lille, Le Havre, Bordeaux, Marseille usw. eine Rolle in Wirtschaft, Handel und Verkehr. Kulturell werden sie jedoch von der überragenden Bedeutung der Landeshauptstadt überstrahlt. Paris zählte schon im 13. J. 120 000 Einwohner, anfangs des 18. J. bereits 500 000 und war schon längst Weltstadt, als Berlin erst nach der Gründung des Zweiten Reiches in die Reihe der Weltstädte einzurücken begann. Paris ist eine fast unübersehbare Stadt, da Innenstadt, Aussenbezirke, nähere und weitere Vororte ohne Zwischenraum unmerklich ineinander übergehen.

Von den Grosstädten der Welt hat keine eine so geprägte Form wie Paris. Das gründet sich auf die Baugesinnung des einzelnen, der sich willig den Absichten der jeweiligen Stadtsehöpfer unterordnete, ohne dabei seine Selbständigkeit aufzugeben. Regierungsseitig wurden Plätze bestimmten Charakters geplant. Die Bevölkerung folgte in ihren Bauten dem gegebenen Stil (Concordeplatz, Vendômeplalz, Vosgesplalz u. a.). Die Strassen machen durchweg einen geschlossenen Eindruck. Die übliche Zerrissenheit der Grosstadtstrasse, bewirkt durch Balkone, Loggien, Lücken und dergl.m., durch verschiedenes Baumaterial und sich widersprechende Farbtöne fällt in der Hauptsache fort. Das französische Haus ist durch die Art seiner Fenster, die grundsätzlich bis auf den Fussboden reichen, bestimmt. Da die so nach der Strasse zu entstehenden Oeffnungen durch schwarze Eisengitter geschützt werden, lässt sich mit deren Hilfe das Gebäude architektonisch gut gliedern. Die Wagerechte herrscht. Das Romanische gibt also den architektonischen Charakter, betont durch die Baumreihen der Strassen, die dem Süden fremd sind. Die Einheitlichkeit des Ganzen wird durch das gleiche Baumaterial, den Kalkstein gesichert, der auch die Farbtöne einheitlich wirken lässt.

Frankreich deutsch gesehen Stadtansichten

Über dem Beginn der griechischen Geschichte steht wie ein Morgenrot die homerische Poesie.

Hellenische und asiatische Fürsten verlassen ihre schimmernden Stadtpaläste, um zehn Jahre hindurch auf dem Gefilde zwischen dem schiffbedeckten Gestade, Priams hoher Feste und dem waldigen Idagebirge um schöne Weiber, Waffen, Schätze und Ruhm mit einander zu ringen. Dann fahren sie von Trojas rauchenden Trümmern in ihren dunklen Schiffen heim, manche von Insel zu Insel, von einem Abenteuer zum andern verschlagen, bis in die Tiefe des Hades hinab. Über alles ragt der Berg Olympos, auf dessen Gipfel unter Vater Zeus Lenkung die glanzvolle Götterfamilie wohnt, ewig und selig und doch oft von Liebe und Haß unter sich entzweit und in Liebe und Haß dem Treiben der Sterblichen dort unten zugewandt. So schwingen sie sich denn auch hilfreich oder verderblich zu ihnen herab oder empfangen droben den Fettdampf ihrer reichen Schlachtopfer oder die Gebete, die aus einfachen Tempeln zu ihnen aufsteigen. Auf einer nicht weiten und fest umrissenen Bühne, den Wogen und Inseln und Küsten des östlichen Mittelmeers, bewegen sich diese Menschen und diese Götter, nach Alter und Geschlecht, Geburt und Schicksal, Wuchs und Gemüt, Rang und Beruf scharf von einander geschieden. Ihre klare, milde, freie Schönheit, die reife und doch so frische Frucht einer langen Kultur, erquickt uns fremde Ungläubige noch heute, und ihr phantastisches Bild schwebt noch heute uns vor Augen wie eine zwar zerronnene, einst aber lebendig gewesene Wirklichkeit.

Und nach Homer verkündeten den Glauben an diese Wunderwelt und viele andere Götter und Dämonen und ihre mannigfachen Schicksale, Dienste und Feste Hunderte von hochbegabten Dichtem, Geschichtschreibern, Reiseschriftstellern und fast lauter noch zahllose Baumeister, Bildhauer und Vasenmaler durch unvergleichliche Werke, jeder in seiner, jeder aber in echt griechischer Weise. Schier unerschöpflich fließen die reinen Brunnen hellenischer Überlieferung.

Der Urkundenschatz unsrer germanischen Mythologie ist weit ärmer an alten, vollen heimischen und echt heidnischen Zeugnissen und ist untermischt mit viel fremdem Gut. Denn er ist bunt zusammengesetzt aus Berichten römischer Offiziere, Inschriften fremder Steinmetzen, Straf- und Bußparagraphen kirchlicher Synoden und Mönchsorden und aus Anekdoten christlicher Bekehrungsgeschichten, aus deutschen Zaubersprüchen, nordischen Götterliedern und isländischen Romannotizen, aus noch heute nicht verschollenen Sagen und still geduldeten Bräuchen unsrer Bauern. Es fehlt ein klares, echtes zusammenfassendes Bild, denn die altnordische Völuspa, die von der Götterdämmerung singt, ist voller Rätsel und noch dazu aus christlichen Ideen erwachsen; es fehlt auch fast völlig der Schmuck der Bildnerei. Aber überall, wo er nicht zu stark verschüttet ist, bricht auch aus germanischem Boden ein reicher Strom von Glaubenspoesie hervor, die denn doch trotz aller Renaissance und allem Humanismus uns oft tiefer ergreift als alle andre Heidenpracht, weil sie aus einem Geist geboren ist, von dem wir noch immer einen Hauch in uns selber verspüren.

die Quellen der germanischen Mythologie Mythologie der Germanen

I. IM FREIMAURERORDEN

DIE Freimaurerloge in Weimar wurde am 24. Oktober 1764 gegründet. Es war der 25. Geburtstag der Herzogin Anna Amalia. Daß sie der Loge, die sich nach ihr nennen durfte, ihren Schutz verlieh und bei mehr als einer Gelegenheit ihre Teilnahme bekundete, darf ebenso aus dem vielseitigen Interesse der hochgebildeten Fürstin im allgemeinen erklärt werden, wie aus den besonderen Familienüberlieferungen. Ihr Vater, Herzog Karl von Braunschweig, war dem Freimaurerorden günstig gesinnt; sein ältester Sohn Ferdinand (1721—1792), der Schwager Friedrichs des Großen, war Großmeister der schottischen Logen Niederdeutschlands (Magnus Superior Ordinis per Germaniam inferiorem); der zweite Sohn, Friedrich August (1740—1805), wurde als Socius, Amicus et Fautor Ordinis2) geehrt; der vierte Sohn Leopold (1752 bis 1785), seit 1774 ebenfalls dem Templerorden angehörig, hieß Socius, Amicus et Fautor septimae Provinciae (zwischen Elbe und Oder), war Meister vom Stuhl der Loge in Frankfurt an der Oder und starb, ein Opfer seiner menschenfreundlichen Hilfsbereitschaft, bei einer Überschwemmung dieses Flusses. Ihr hochgeschätzter Ratgeber, der Geh. Legationsrat Jakob Friedrich von Fritsch, ward zum beständigen Meister vom Stuhl bestellt. 1731 in Dresden geboren, war er gleich seinem Vater, Thomas von Fritsch (kursächs. .Geheimrat und Konferenzminister, 1775) ein fein gebildeter Mann von wohlwollender Gesinnung und ein geschickter Staatsmann. Er wurde 1766 Geheimrat und 1772 Präsident des Conseils, bis ihm mit Rücksicht auf sein schweres Augenleiden i. J. 1800 in gnädigsten Ausdrücken seine Entlassung gewährt wurde. Er lebte dann teils auf seinem Gute Seehausen bei Riesa, teils in Weimar, wo er 1814 starb. Er war 1762 in Jena als Freimaurer auf genommen worden. Die übrigen Mitglieder der Loge waren fast ausnahmslos dem Hofe nahestehende Herren. Ausgezeichnete Männer von auswärts fanden Aufnahme, so 1765 der kurmainzische Statthalter in Erfurt, Karl Joseph von Schmidtburg. Doch wuchs die Mitgliederzahl zunächst langsam, und es fanden während der ersten Jahre wenig Versammlungen statt; erst von 1773 an wurden sie regelmäßiger. Am 3. September 1775, unmittelbar nach der Übernahme der Regierung, versicherte der junge Herzog die Loge der von ihm erbetenen Protektion. Am 4. März 1777 beehrte der schon erwähnte Großmeister, Herzog Ferdinand von Braunschweig, die Loge mit seinem Besuch. Der Obermeister der Schottenloge zu Leipzig, Freih. v. Hohenthal, der öfter nach Weimar kam, und verschiedene Freunde aus Jena und Rudolstadt waren ebenfalls erschienen, und bei der sich anschließenden festlichen Tafelloge „hatte die Loge Amalia das große Glück und die unschätzbare Ehre, außer dem durchlauchtigsten hochwürdigsten Großmeister und den anwesenden Fremden und besuchenden Brüdern die hiesigen durchlauchtigsten Herrschaften, des Herzogs Karl August, der Herzogin Luise, der verwitweten Herzogin Amalia und des Prinzen Constantin Durchlauchten, bei sich zu sehen und zu bedienen. In deren Gefolge befanden sich die Oberhofmeisterin, Gräfin von Giannini, und vier Hofdamen von beiden Herzoginnen Durchlauchten, ingleichen die Ehegattinnen der S. E. Brr. v. Fritsch, v. Lynker sen. und v. Witzleben“. Es ist immerhin auffällig, daß zu dieser Festlichkeit auch Nichtmitglieder geladen waren, wie die höchsten Herrschaften und die sie begleitenden Damen. Ob auch Hofherren zugegen gewesen, läßt sich nicht erkennen. Es ist schwer, eine Vermutung aufzustellen, bei welcher Veranlassung Goethes Interesse am Logenleben erwacht sein mag. Daß ihm der Geheimrat v. Fritsch zunächst nicht freundlich gesinnt war, ist bekannt. Nicht als ob dieser gegen Goethes Wesen und Persönlichkeit etwas einzuwenden gehabt —

„seine Jugend, seine Unerfahrenheit in den Geschäften, seine Eigenschaft als Fremder, das waren die Punkte, die dem streng geschulten Minister die Mittel, durch welche der junge Herzog seinen Freund an sich fesseln wollte, als ein höchst bedenkliches Experiment erscheinen ließen“. —

Allmählich gestaltete sich das Verhältnis zwischen beiden freundlicher. Vor dem Antritt seiner Rückreise aus der Schweiz fühlt sich Goethe gedrungen, an den Vorgesetzten eine vertraulichehrerbietige Begrüßung zu richten, des Genusses zu gedenken, den diese drei Monate der Reise seinem gnädigsten Herrn bereitet haben, und daran anschließend zu sagen (Zürich, 30. Nov. 1779): Was mich betrifft, kann ich diese Zeit unter die glücklichste meines Lebens rechnen, und wenn ich bei meiner Rückkehr die alten freundschaftlichen Gesinnungen der Gewogenheit von Ew. Exzellenz noch unverändert antreffe, so bleibt mir nichts für den Augenblick zu wünschen übrig.

Und wiederum an Herrn v. Fritsch, als Meister v. St. der Amalia, richtet er bald nachher folgendes Schreiben: Ew. Exzellenz nehme mir die Freiheit mit einer Bitte zu behelligen. Schon lange hatte ich einige Veranlassung, zu wünschen, daß ich mit zur Gesellschaft der Freimaurer gehören möchte; dieses Verlangen ist auf unserer letzten Reise viel lebhafter geworden. Es hat mir nur an diesem Titel gefehlt, um mit Personen, die ich schätzen lernte, in nähere Verbindung zu treten, und dieses gesellige Gefühl ist es allein, was mich um die Aufnahme nachsuchen läßt.

Wem könnte ich dieses Anliegen besser empfehlen als Ew. Exzellenz? Ich erwarte, was Sie der Sache für eine gefällige Leitung zu geben geruhen werden, erwarte darüber gütige Winke und unterzeichne mich ehrfurchtsvoll

Ew. Exzell.  ganz gehorsamster Diener Goethe.  (präs. 13. Febr. 1780)

Dieses Gesuch wurde den Brüdern durch Zirkular bekannt gemacht, und da sich keinerlei Widerspruch erhob, wurde auf den 23. Juni 1780 die Aufnahme angesetzt. Die Loge wurde in Abwesenheit des Meisters v. St. von Br. Bode) geleitet. Daß Br. v. Fritsch aus persönlicher Abneigung gegen das neu gewonnene Mitglied fern geblieben sei, ist im Grunde eine ebenso leere Vermutung wie die Angabe, daß bei der Aufnahme gewisse Abweichungen von den herkömmlichen Gebräuchen vorgekommen wären. Wenn man bedenkt, daß ältere Herren von Adel sich diesen Gebräuchen unbedenklich unterwarfen, so ist es sehr unwahrscheinlich, daß man dem jungen Manne bürgerlicher Abkunft (was doch nach damaliger Auffassung selbst in der Loge noch in Betracht kommen mochte) einen nach dieser Richtung etwa geäußerten Wunsch erfüllt habe. Wurde doch anderthalb Jahre darauf — das geht , aus den Logenakten klar hervor — der regierende Fürst ganz nach dem alten Gebrauchtum zum Freimaurerlehrling aufgenommen. Das Protokoll vom 23. Juni 1780 meldet in der Tat nur: „Die Brr. v. Lynker (Freih. v. L. der Ältere, Landkavalier auf Dennstedt bei Weimar) und v. Fritsch jun. (einer von den drei Brüdern des Vorsitzenden Meisters), die die Präparation übernommen, bezeugten bei ihrer Wiederkunft den festen Eifer und Wunsch des Kandidaten, in den Orden aufgenommen zu werden, worauf dessen Einführung nach dem gewöhnlichen Rituale geschah. Es heißt derselbe Joh. Wolfgang Goethe, ist 30 Jahre alt, lutherischer Religion,, zu Frankfurt a. M. geboren, dient dem Herzoglichen Hause als Geheimer Rat und hält sich hier in Weimar wesentlich auf.“ — Eine Tafelloge wurde nicht gehalten; sie blieb der am folgenden Tage, abermals unter Bodes Leitung, stattfindenden Feier des Johannisfestes Vorbehalten. Ein Jahr lang unterblieben dann die Logenversammlungen aus nicht erkennbarem Grunde. Vielleicht wirkten schon damals auf den ruhigen Gang der Arbeiten die Streitigkeiten über den Ursprung und die Aufgabe der Freimaurerei hemmend ein, die seit fahren die Kreise der deutschen Brüder erregten und verwirrten7) und schließlich auch für die Loge Amalia verhängnisvoll wurden.

In dieser Zwischenzeit richtete Goethe folgendes Schreiben an den Meister vom Stuhl:

Darf ich Ew. Exzellenz bei der nahen Aussicht auf die Zusammenkunft einer Loge auch meine eigenen kleinen Angelegenheiten empfehlen? So sehr ich mich allen mir unbekannten Regeln des Ordens unterwerfe, so wünschte ich doch auch, wenn es den Gesetzen nicht zuwider wäre, weitere Schritte zu tun, um mich dem Wesentlichen mehr zu nähern. Ich wünsche es sowohl um mein selbst als um der Brüder willen, die manchmal in Verlegenheit kommen, mich als einen Fremden traktieren zu müssen. Sollte es möglich sein, mich gelegentlich bis zu dem Meistergrade hinaufzuführen, so würde ich’s dankbarlichst erkennen. Die Bemühungen, die ich mir bisher in nützlichen Ordenskenntnissen gegeben, haben mich vielleicht nicht ganz eines solchen Grades unwürdig gelassen.

Der ich jedoch alles Ew. Exzellenz gefälligster Einleitung und besseren Einsicht lediglich überlasse und mich mit unwandelbarer Hochachtung unterzeichne

Ew. Exzellenz

den 31. März 1781. ganz gehorsamster, Goethe.

 

Daß dem hierin vorgebrachten Anliegen eine günstige, wenn auch nicht unbedingte Erfüllung verheißende Erwiderung zuteil geworden, ist aus nachstehendem Schreiben zu erkennen:

Unter Ew. Exzellenz freundschaftlicher und meisterlicher Leitung werde ich jeden Schritt mit Vergnügen tun, den mir die Gesetze und inneren Verhältnisse des Ordens vergönnen.

Empfangen Sie meinen besten Dank für die gütigen Bemühungen bei dem gegenwärtigen, und fahren fort, mich auch als O. Br. sich verbindlich zu machen. Weit entfernt, etwas zu begehren, was mir noch zurzeit versagt ist, begnüge ich mich gern an dem morgenden Tage mit dem zweiten Grade, und lege das Übrige mit Zuversicht allein in Ihre Hände. Finden Sie es rätlich und tunlich, um meinetwillen bei den hohen Obern des Ordens eine Dispensation auszuwirken, so werde ich durch dieses bezeigte besondere Vertrauen der Gesellschaft und Ew. Exzellenz immer mehr schuldig werden.

Mit den aufrichtigsten und beständigsten Gesinnungen unterzeichne ich mich

Ew. Exzellenz ganz gehorsamster Diener

und verbundenster O. Br. Goethe.

d. 22. Juni 81.

So wurde nun am 23. Juni Br. Goethe in Gemeinschaft mit den Brr. Hamberger und Loder) in den Gesellengrad befördert. Nur Hamberger wurde gleich darauf auch in den Meistergrad erhoben, mit Rücksicht darauf, daß er im Begriff stand, eine längere Reise nach Livland anzutreten. Nach der am folgenden Tage abgehaltenen Feier des Johannisfestes trat abermals eine Pause ein,  bis am 5. Februar 1782 Herzog Karl August „auf ausdrückliches Verlangen in völlig versammelter Loge“, in Anwesenheit des Herzogs von Gotha und des Prinzen August Durchl. durch Br. v. Fritsch

„mit den gewöhnlichen, der hohen Würde des Kandidaten angemessenen Solennitäten“

als Freimaurer auf genommen wurde, nachdem er vom Br. Bode, den der Herzog von Gotha zu begleiten geruhte, zu seiner Einführung vorbereitet worden war. Am 2. März erhielt der durchlauchtigste Bruder den zweiten und den dritten Grad; auch wurden die Brr. Goethe und Loder „mit den gewöhnlichen Solennitäten als Meister auf genommen“. Br. v. Fritsch sprach ihnen seinen Glückwunsch aus zu dem neuen Schritt in der maurerischen Laufbahn, den sie damit getan, und gedachte des Wunsches, den sie naturgemäß haben müßten, „nunmehr ausgelernte, vollständige Meister unserer sogenannten Königlichen Kunst zu werden“, daher auch „über das, was ihnen noch immer dunkel und verhüllt vor Augen schwebte, mehreren Aufschluß zu erhalten“. Seine Pflicht verbiete ihm jedoch, „über das, was man gemeiniglich das Geheimnis des Ordens nennt, sich zu verbreiten“. — „Über den Zweck des Ordens,“ fuhr er fort, „einen Gegenstand, über welchen neuerlich so viel — und, wie solches denn gemeiniglich der Fall ist, so viel Gutes und Schlechtes, Richtiges und Unrichtiges — geredet und geschrieben worden, will ich nur so viel erwähnen, als zu meiner der-maligen Absicht notwendig und von Nutzen sein dürfte. Dem Orden allen Zweck absprechen, würde für denselben und für so viele würdige Männer, welche sich mit selbigem beschäftigen, beleidigend sein; es läßt sich auch nicht denken, daß eine Verbindung, wobei man sich keinen gemeinschaftlich zu verfolgenden Zweck vorgesetzt, auch nur kurze Zeit bestehen könne. Was nun aber der eigentliche Zweck der Maurerei, und welches der wahre Zweck unter den verschiedenen sei, so ihr von dieser oder jener Seite zugeschrieben werden, diese Frage ist so leicht nicht zu beantworten. Ohne mir anzumaßen, entscheiden zu wollen, welcher Teil recht oder unrecht habe, glaube ich am besten zu fahren, wenn ich behaupte, daß, je edler, je gemeinnützlicher, je wohltätiger ein solcher Zweck wäre, desto mehr derselbe Zweck des Ordens zu sein — und wäre er es nicht schon, zu werden — verdiene. Schon dies kann hinlänglich sein, meine sehr ehrwürdigen Brüder, Ihr Urteil zu leiten und zu bestimmen, wenn von dem Zweck des Ordens die Rede ist, und wenn Sie meinem brüderlichen Rate folgen, Sie vor allem Irrtum über diesen Gegenstand sicher zu stellen. Wie ich vor kurzem bei einer für uns ebenso feierlichen als erfreulichen Veranlassung gesagt habe, wiederhole ich aus inniger Überzeugung und mif der Freude, welche erfüllte Erwartungen gewähren, daß ich keinen edleren, des denkenden Mannes würdigeren Zweck des Ordens kenne als den, welcher Verbesserung unseres sittlichen Zustandes zum Gegenstände hat und sich damit beschäftigt, uns für uns selbst, so gut als es die Menschheit nur immer gestattet, und dann für das gemeine Wesen brauchbarer, nützlicher, wohltätiger zu machen. Dahin sind allezeit meine dringenden Bitten an Sie gerichtet gewesen, und dahin sollen sie es noch sein, solange mir an diesem Orte das Wort zu führen zukommen wird. Bei aller Gelegenheit habe ich Sie an die bei Ihrem Eintritte in den Orden feierlich und freiwillig übernommenen Gelübde erinnert, durch welche Sie sich, außer der Beobachtung der Ihnen in Beziehung auf den Orden obliegenden besonderen Pflichten, zum Dienste der Tugend und Rechtschaffenheit auf eine unwiderrufliche Art verpflichtet haben. Ich tue es auch heute und entlehne, um es desto besser zu tun, einen — wie mich dünket — herrlichen Gedanken, welchen ich kürzlich bei 20 einem Schriftsteller über den Orden gefunden zu haben mich mit innigem Vergnügen erinnere. Der Verfasser, einer unserer erfahrensten und würdigsten Brüder, drückt sich ohngefähr wie folgt aus:

„Da fürs erste wenigstens wohl noch keinem Bruder ein ausschließendes Freimaurergeschäft angewiesen werden kann, so wird er dem Publikum, dem Orden und sich selbst am nützlichsten, wenn er in seinen Berufsgeschäften nach Vortrefflichkeit strebt, und der Orden wird in einem hohen Grade fürs Allgemeine wohltätig, wenn er zu diesem Streben seinen Gliedern Motive und Erleichterung darbietet. Und daß er beides vermag, läßt sich nicht bestreiten.“

In Wahrheit, meine Brüder, es kann nichts Richtigeres und zugleich nichts dem Orden mehr zur wahren Ehre Gereichendes, nichts dem Schutze aller Mächte würdiger Machendes gesagt werden. Letzteres ist eine nicht zu bezweifelnde Folge davon, wenn wir unsern Pflichten, unsern Gelübden, unsern Grundsätzen stets treu bleiben, wenn wir es dahin bringen, daß der Satz als ohne Widerrede richtig allgemein anerkannt werde:

je besserer, je vollkommenerer Freimaurer, desto besserer Fürst, desto besserer Bürger des Staats, Untertan, Diener seines Herrn; desto eifriger und zugleich glücklicher in gewissenhafter Wahrnehmung aller der Obliegenheiten, so uns die verschiedenen Verhältnisse auf legen, in welche uns die Vorsehung zu setzen für gut gefunden hat. Diese ewig gütige Vorsehung erfülle den reinsten Wunsch meines Herzens, daß Sie alle, sehr ehrwürdige und geliebte Brüder, diesen edelsten der Zwecke ohne Unterlaß vor Augen haben!“

Dem würdigen Redner sollte nur noch einmal, am 9. April, beschieden sein, eine Logenversammlung zu leiten. Am Johannistage war er am Erscheinen behindert; der deputierte Meister, Br. C. v. Schardt (Karl Konstantin, Bruder der Frau v. Stein) vertrat ihn. Der schlichte Bericht des Protokollbuchs meldet weder über die Logenarbeit, noch über die sich anschließende Tafel etwas Auffälliges. Aber eine Äußerung des Br. Bertuch über die noch immer andauernden Systemstreitigkeiten muß einen heftigen Wortwechsel veranlaßt haben, der am Ende nicht der erste und einzige war. In der Überzeugung, daß die Loge

,,bei den derzeitigen Bewegungen den Frieden nicht behaupten könne, ohne den der Zweck des Instituts nicht bestehen kann“

, wurde beschlossen, die Zusammenkünfte der Loge bis auf weiteres auszusetzen.

Der „innere Orden“, der eigentliche Träger der Phantastereien der strikten Observanz, welcher in Weimar noch durch sieben Ritter vertreten war, war jedenfalls geneigt, diesem Beispiel zu folgen, und als Karl August für sich und Goethe „auf einen zu tuenden Fortschritt in unserer Ordensverbindung“ bestand, hätte Br. Jacobus Eques a Clypeo (v. Fritsch) sich nicht getraut, „eine förmliche Schottenloge zu halten“, wenn nicht der Br. a Lilio Convallium (Bode) ihn versichert hätte,

„von der hohen Behörde die Erlaubnis erhalten zu haben, dem durchlauchtigsten Bruder seines doppelten Wunsches zu gewähren und demselben sowohl als dem Br. v. Goethe, nicht nur in Ansehung des vierten Grades, sondern auch in Ansehung dessen, was nächst diesem folgt, was der Orden gewesen oder geworden zu sein glaubt, was er uns ist und was er künftig sein wird, unter einer von ihnen zu erbittenden Verpflichtung ad silentium einen Unterricht und Aufschluß zu geben, mithin sie mit dem inneren Orden ohne weitere Umstände bekannt zu machen“.

Nachdem der Vorschlag, diese Distinktion gleichzeitig dem alten, würdigen Bruder, Obermarschall von Witzleben, zuteil werden zu lassen, gebilligt worden war, fand die dazu angesetzte Konferenz am io. Dezember 1782 statt, wie sich aus folgendem Schriftstück ergibt.

Nachdem uns Endesunterzeichneten am heutigen Dato auf dazu von der hohen Behörde ausgewirkte Dispensation nicht nur der vierte Grad der Maurerei historisch mitgeteilt, sondern auch über die ferneren Verhältnisse, Absichten, Beschäftigungen pp. des sogenannten inneren oder hohen Ordens erläuternde Aufschlüsse und Unterricht gegeben werden sollen, als machen wir uns, in dankbarer Anerkennung der uns hierunter angediehenen auszeichnenden Begünstigung der Hochw. hohen Obern des Ordens, mit Wiederholung der bei dem Eintritt in denselben abgelegten Verpflichtung, bei resp. Fürstl. wahren Worten, Treu und Glauben, hierdurch verbindlich, über dasjenige, was wir bei Gelegenheit des uns zu erteilenden Unterrichts über den 4. schottischen Grad des Maurerordens, über den inneren oder hohen Orden und über andere mit selbigem in Verhältnis und Zusammenhang gestandene, noch stehende oder künftig etwa noch kommende Ordensverbindungen in Erfahrung bringen und vernehmen werden, ein unverbrüchliches Stillschweigen gegen alle diejenigen, welche zu gleicher Wissenschaft nicht berechtigt sind, zu beobachten, und davon nichts, unter keinerlei Vorwand und zu keiner Zeit, auskommen zu lassen. Zu dessen Urkund wir gegenwärtige Versicherung wissentlich und wohlbedächtig von uns gestehet und unterzeichnet haben. So geschehen Weimar, 10. Dezember 1782.

Carl August, H. z. S.
Friedrich Hartmann von Witzleben.
Johann Wolfgang von Goethe.

Karl August nahm den Ordensnamen Eques a Falcone albo an, offenbar im Zusammenhang mit dem 1732 vom Herzog Ernst August gestifteten Orden der Wachsamkeit oder vom weißen Falken, welchen Karl August am 18. Oktober 1815 erneuerte. In dem „Alphabetischen Verzeichnis der inneren Ordensbrüder der strikten Observanz“ von Br. v. Lindt (Dresden 1846) ist v. Witzleben als Eques a Vulpe10) aufgeführt, während bei Goethe ein solcher Ordensname fehlt, was in der langen, 1190 Namen umfassenden Liste höchstens ein halbdutzendmal vorkommt. Der innere Orden war eben in der Auflösung begriffen.

Das gleiche Schicksal stand dem Illuminatenorden bevor. Auch darin spielte Bode (unter dem Namen Amelius) eine Rolle, und durch seine Vermittelung fand Goethe Aufnahme. Über die näheren Umstände ist nichts bekannt; die Tatsache aber wird bestätigt durch die nachstehende Erklärung, deren Original, von Goethes eigener Hand, im Logenarchiv zu Gotha verwahrt wird.

Ich Endesunterzeichneter verpflichte mich bei meiner Ehre und gutem Namen, mit Verzicht auf allen geheimen Vorbehalt, von den mir durch den H. Hof- und Legationsrat Bode anvertrauten Sachen, meine Aufnahme in eine geheime Gesellschaft betr., gegen niemanden, auch nicht gegen die vertrautesten Freunde und Verwandten, auf keine irgendmögliche Weise, weder durch Worte, Zeichen noch Blicke, oder sonst niemals nicht das geringste zu offenbaren, es mag nun diese meine Aufnahme zustande kommen oder nicht. Dies um so mehr, da man mich versichert, daß in dieser Gesellschaft nichts gegen den Staat, Religion und gute Sitten unternommen werde. Auch verspreche ich, die mir desfalls mitzuteilenden Schriften und zu erhaltenden Briefe, nach vorher gemachten, außer mir niemand verständlichen nötigen Auszügen, sogleich zurückzugeben; und wenn ich künftig Ordensschriften in meine Gewahrsam bekommen sollte, dieselben besonders verschließen und mit einer Adresse an ein belehrtes rechtschaffenes Ordensglied versehen will, damit dieselben auf meinen unvorhergesehenen Todesfall auf keine Weise, Art und Wege in fremde Hände geraten können. Dies alles verspreche ich ohne geheimen Vorbehalt und erkläre, daß ich keine Verbindlichkeit von einer anderen Gesellschaft auf mir habe, Geheimnisse, welche man mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut, anderen mitzuteilen: so wahr ich ein ehrlicher Mann bin und sein will.

Weimar, den n. Februar 1783.

Goethe.

Text aus dem Buch: Goethe und die königliche Kunst (1905), Author: Wernekke, Hugo.

Hier geht es weiter:
Goethe und die königliche Kunst – Vorwort

Weiterführendes über Goethe:
Goethe und die graphischen Künste – Vorwort und Einleitung
Goethe und die graphischen Künste – Die Grundlagen der Urteile
Goethe und die graphischen Künste – Kupferstich und Radierung – Die Italiener.
Goethe und die graphischen Künste – Kupferstich und Radierung – Deutsche.
Goethe und die graphischen Künste – Kupferstich und Radierung – Niederländer.
Goethe und die graphischen Künste – Kupferstich und Radierung – Franzosen.
Goethe und die graphischen Künste – Kupferstich und Radierung – Engländer.
Goethe und die graphischen Künste – Holzschnitt.
Goethe und die graphischen Künste – Steindruck.
Goethe und die graphischen Künste – Goethes graphische Sammlungen.
Goethe und die graphischen Künste – Goethes Anregungen zu graphischen Werken.
Goethe und die graphischen Künste – Goethe und die Einrichtung von graphischen Anstalten in Weimar.

Goethe und die königliche Kunst