Hier hilft kein Recht: wir müssen weichen;
Hier hilft kein Kraut: der Mensch ist Gras;
Hier muss die Schönheit selbst erbleichen.
Hier hilft nicht Stärke: du bist Glas;
Hier hilft kein Adel: du bist Erden,
Nicht Ruhm: du musst zu Asche werden.

Hier hilft kein Purpur, kein Gepränge,
Die Herrlichkeit ist nur ein Traum;
Und wird uns gleich die Welt zu enge,
Wir finden doch im Grabe Raum.
Hier gilt nicht Gold, nicht greise Haare:
Der Tod wirft alles auf die Bahre.

Siehe auch:
Arbeit des Todes
Albert Anker-Besuch im Atelier
Das Photographische Porträt
Bagordas-Mantinadas
Tränen des Vaterlandes im Jahre 1630

Kunstartikel

Wie am Himmel ruht das blaue Gebirg,
so steht am Rande der Jahre immer die
Heimat, zugewendet den Gesichtern der
Jugend, aus der Schale der Träume fließt sie.

***

Es wachsen die Sterne über die Felder herauf,
im Dickicht der Wälder atmet noch immer die Sage,
aus der Quellen Mund reden die Geister:
in uralter Verzauberung endet der Pfad.

***

Dumpf engen die Städte sich ein, aber über
die Berge donnern die Wogen der Stürme, an
zaudernden Flüssen ruhen die Ebenenreich.

***

Der Mensch schlägt Wurzeln überall, aber am
fröhlichsten ist Heimat. Jahrhunderte leben
in allem und allem mit ihr, und aller Dinge
Ursprung ist sie.

Gedichte Leitgedanken

Als Säer wir kammen
in saatlose Wildnis,
es quollen die Schollen
von unseren Pflug.

Wir fällten viele Bäume,
wir hellten die Räume,
wir schufen dieses Land,
das die Heimat uns trug.

Wir drangen ins Herze
den Bergen und Erze,
wir gruben und huben
viel Reichtum hervor.
Die Esse erlohte,
es stiegen die Schlote
noch übern höchsten Turm
dein Dome empor.

Wir schafften und rafften,
vergessen des Geistes,
da traf uns, O Herr,
deine richtende Hand!
Nun sehn dein Gebot wir,
nun danken der Tod wir
und beten nur um eins:
Herr, Schirm unser Land.

Wilhelm Pleyer

Abbildungen Gedichte

Ueber glühenden Boden in scharfem Trab,
Die Düne auf, die Düne ab,
Hetzt einsam ein blutjunger Reiter;
Das gleissende Gold hat den Sinn ihm verwirrt.
Wohin er jagt, wohin er irrt,
Er folgt dem lockenden Schimmer,
Und Ruhe findet er nimmer.
Die nächste Farm ist stundenweit,
Und um ihn die dürre Einsamkeit —
Hier gibt es kein rastend Verweilen.
Auf Leben und Tod muss er eilen!
Da plötzlich stürzet das brave Ross,
In Lust und Kampf sein treuer Genoss,
Er muss ihm den Gnadenschuss geben. —
Nun strengt er die Kräfte aufs äusserste an
Und keuchet vorwärts so schnell er kann. —
Der Durst löst die schwankenden Glieder,
Verzweifelnd wirft er sich nieder.
Die brennenden Augen fallen ihm zu.
Und um ihn die tiefe Grabesruh. —
Doch die Angst lässt nicht lange ihn rasten
Und treibt ihn, aufs neue zu hasten.
Schon erspähet sein scharles Auge die Farm,
Er hebet voll Hoffnung zum Winken den Arm,—
Da schwinden die totmatten Sinne.
Aus trockener Kehle quält sich ein Schrei:
Mutter, Mutter! — dann ist’s vorbei. —
Er ist verdurstet, verschmachtet,
Der nach Golde gierig getrachtet.

Doerthe Roellenbleg.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

Read More Verdurstet!

Kolonie und Heimat