Schlagwort: Hamburg

Abbildungen Deutsche Geschichte Stadtansichten

Abbildungen Deutsche Geschichte Stadtansichten

Von Max Glaser.

Jeder Seemann in Hamburg kennt die Seemannsschule auf Waltershof, die in Hamburg an der Wasserkante ganz allgemein unter dem Namen „Die Matrosenfabrik“ bekannt ist. Gar mancher fixe Segelschiffskapitän und viele von den jüngeren Hamburger Dampferkapitänen, die sich jetzt unter dem Reisepublikum allgemeiner Beliebtheit erfreuen, sind aus der „Matrosenfabrik“ hervorgegangen, d. h. sie haben in ihr je nach ihrer Ausdauer oder der Grösse ihres väterlichen Geldbeutels einige Monate resp Jahre verbracht, bevor sie im Ernst zur See gingen.

Denn die Seemannsschule auf Waltershof ist eine Art Präparandenanstalt für angehende Seeleute der deutschen und speziell der Hamburger Handelsmarine, bevor sich die Aspiranten der harten Schule der See selbst anvertrauen.

Damit nun namentlich den angehenden Seeleuten, die nicht von der Wasserkante stammen, sondern die das Binnenland alljährlich scharenweise an Deutschlands Nordseeküste schickt, weil in ihrer Brust der Drang in die Ferne wohnt, der bereits die alten Wikinger vor Columbus an die Gestade Amerikas trieb, eine allzu unvermittelte Bekanntschaft mit ihrem zukünftigen Beruf nicht die Lust und Liebe von vornherein nimmt, hat der Hamburger Staat die „Matrosenfabrik“ auf Waltershof eingerichtet, damit dort die „Grünen aus dem Binnenlande“, oder, wie sie an der Wasserkante etwas derb genannt werden, die „von oben herabgefallenen Butterblumen“, lernen, was ihrer auf See wartet, wenn sie als wohlbestallte Schiffsjungen zum ersten Male die unsicheren Planken eines Hamburger Seglers betreten, um mit frohem Mut und keckem Wagemut in die Ferne zu steuern.

Denn namentlich für die jungen, angehenden Seeleute aus dem Binnenlande ist das Leben an Bord eines Segelschiffes schlimmer als ein böhmisches Dorf. Die an der Wasserkante gross gewordenen Jungen finden sich an Bord schon besser zurecht, weil sie meistens schon mit dem Leben an Bord aus eigener Anschauung einigermassen vertraut sind.

Deutsch-Amerikaner

Vom 17. bis 29. August 1922

Aus guten Gründen war Hamburg bis zum Kriege der grösste Handelsplatz und der führende Exporthafen des deutschen Reiches und natürlich ganz überwiegend auf „Uebersee“ eingestellt. Begünstigt von seiner natürlichen Lage, der Sitz einer weitschauenden, in der Welt geachteten und unternehmungsfreudigen Kaufmannschaft, hatte es seine Stellung zu einer Achtung gebietenden Höhe entwickelt. Man weiss, wie ungeheuer der Krieg und seine Folgen diese früheren Errungenschaften geschädigt haben.

Aber Hamburg arbeitet daran, mit allen Mitteln sich seine frühere Weltgeltung zurückzuerobern. Eine wichtige Aufgabe, Hamburgs Bedeutung wieder zu heben, soll nun durch die Ueberseewoche zum guten Teil erfüllt werden. Ihre Veranstaltung wurde aus der Erwägung heraus beschlossen, dass durch seine einzigartige Stellung als Repräsentantin der deutschen Volkswirtschaft für das Ausland und als beste Kennerin überseeischer Verhältnisse die Stadt Hamburg besonders zu einer solchen ständigen, internationalen, alljährlich wiederkehrenden Einrichtung berufen sei. Der diesjährige August soll sie zum ersten Mal in die Erscheinung treten lassen.

Diese erste Ueberseewoche will, der Eigenart Hamburgs als Mittler zwischen binnendeutschen und ausserdeutschen Beziehungen zur Uebersee entsprechend, die vom Krieg zerrissenen kulturellen und wirtschaftlichen Fäden aufs neue knüpfen und ihnen erhöhte Widerstandsfähigkeit geben. Um das zu erreichen, sollen sich in erster Linie volks- und weltwirtschaftliche Praktiker und führende Wissenschaftler des In-und Auslandes auf dieser Ueberseewoche zu einer weithin vernehmbaren, wirksamen Kundgebung vereinigen, die der Wiedereinschaltung Hamburgs und damit Deutschlands in den Kreislauf ungestörten Weltverkehrs praktisch gangbare Wege weisen.

Deutsch-Amerikaner