Schlagwort: Hamburg

Es gibt manche schöne Bilder aus dem alten Hamburg, auf denen man sieht, wie eine ganze Budenstadt auf der fest zugefrorenen Alster entstanden war, und wie in heller Lust alt und jung sich auf der glitzernden Eisfläche vergnügte. Getanzt wurde sogar, und grosse und kleine Schlitten fuhren über die von Dampfern nicht zerfurchte weite weisse Ebene. Aber auch auf der Elbe wurden Ausflüge auf Schlittschuhen und mit Schlitten veranstaltet. Alte, schöne Zeiten . . . „Solchen Winter erleben wir heute nicht mehr, es gibt in unserer Zeit überhaupt keinen Winter mehr“, so und ähnlich hörte man nicht selten die alten Hamburger reden.

Nun, diesmal haben wir einen Winter, der alles, ganz Hamburg und hinauf die ganze Elbe entlang, und hinunter bis weit in die See hinaus, in seinen starren Bann geschlagen hat, mit Folgen für die Allgemeinheit, wie sie allerdings auch die ältesten Hamburger noch nicht erlebt haben. Seit Wochen fegt ein schneidender Ostwind über die norddeutsche Niederung, und während er das Wasser aus der Elbe seewärts trieb, so dass die Wasserbestände ungewöhnlich sanken, froren unter der heissenden Ostwindkälte die Fleete der älteren Stadtteile und so mancher Kanal der neuen Handels- und Industrieviertel bis auf den Grund. Zwar blieb das Quecksilber nicht die ganze Zeit auf der Tiefe von fast 20 Grad Celsius unter Null, aber es überschritt den Gefrierpunkt keine Stunde. So ist der Eispanzer sämtlicher Kanäle unverändert geblieben. Natürlich war das zu früheren Zeiten in harten Wintern auch nicht anders, und die uralten schmalen Speicher an den Fleeten, denen die Jahrhunderte das Bückgrat gekrümmt haben und die sich so oft anscheinend bedenklich zur Seite neigen, ohne dass aber ihre aus Eichen- und Buchenstämmen fest gefugten Zusammenhänge unter der Last der Waren nachgeben, mögen gar oft schon wochenlang eingefrorene Schuten zu ihren Füssen liegen sehen.

Deutsch-Amerikaner

Und ihre neuen Lehrer.

An die Nachahmer werden keine Bestellungen gegeben, jeder Auftraggeber wendet sich direkt an diejenigen, von denen die Originale stammen. Wir lieben indische, persische Teppiche, arabische, französische, englische, dänische, holländische, amerikanische, japanische und chinesische Kunst wegen ihrer nationalen Werte. Ergibt sich daraus nicht von selbst, daß, wenn auch wir auf dieselbe Achtung, die jene Völker durch ihre Kunsterzeugnisse uns abringen, Anspruch erheben wollen, wir für eine ebenso nationale deutsche Kunst und deutsches Kunstgewerbe sorgen müssen: Im Deutschtum liegen die Wurzeln unserer Kraft. Die Nachahmung widerspricht unserem Ansehen, unserem wirtschaftlichen Vorteil und zugleich dem Geiste unserer Kunst selbst!

Von der Schärfe abgesehen, mit der Handwerker und Gewerbetreibende auf der einen, und Kunstgewerbeschule auf der anderen Seite zuweilen gegeneinander stehen, und die mehr Ausfluß ist des Temperaments als Folgewirkung einer tatsächlich bestehenden Verschiedenheit der grundlegenden Anschauung, ist das Vorhandensein eines solchen Gegensatzes an sich menschlich durchaus verständlich. Schon weil Handwerk und Gewerbe aut eine Vergangenheit zurückblicken können, die der Schule fehlt. Und in welcher Lebensstellung immer es auch sei, wer wäre bereit, seine wohl erworbenen Rechte ohne weiteres preiszugeben?

Und dennoch, sobald sie über die natürliche Abneigung wider alles auf Um- und Neugestaltung Abzielende erst hinweg gekommen sind, können Kunstgewerbtreibende und Handwerker alles Frondieren wider die Kunstgewerbeschule unmöglich anders denn als einen Schnitt in das eigene Fleisch empfinden. Ist doch die Quelle aus der die kunstgewerbliche Fachschule ihre besten Kräfte schöpft die Summe der aus dem werktätigen Leben, den Arbeitssälen und Ausstellungen gezogenen Erfahrung. Wider die Schule sein, heißt also für Handwerk und Gewerbe wider das eigenste Lebensinteresse handeln.

Diese Erkenntnis hat denn auch in letzter Linie immer noch über alle Widerstände obgesiegt, wo solche vorhanden waren, während, wo es ohne solche abging, diese Erkenntnis dem kunstgewerblichen Unterrichts wesen die Wege in der segensvollsten Weise hat vorbereiten helfen — Hamburg befand sich, dank dem entgegenkommenden Eingehen seiner hierfür in Betracht kommenden Behörde auf alle berechtigten Wünsche , seit jeher in dieser letzteren erfreulichen Lage.

Die Hamburger Kunstgewerbeschule als selbständige Lehranstalt besteht seit 1896. Wie dem obersten Chef der betreffenden Verwaltungsbehörde , Herrn Senator Refarth, so war auch dem ehemaligen Leiter des gewerblichen Schulwesens Herrn Prof. Dr. A. Stuhlmann und dem früheren Direktor Herrn Prof. M. Wekwerth, deren Förderung stets Herzenssache gewesen, so daß, als im Winter 1905 die Notwendigkeit sich ergab, die Schule in einer dem mächtig anwachsenden Gemeinwesen Hamburgs gemäßen Form weiter auszubauen, die bereits vorhandene Organisation als wertvolle Unterlage auch für diesen Erweiterungsbau hat benutzt werden können.

Bei dem ausgesprochen konservativen Zuge des Hamburgers, der noch bis in die neuere Zeit herein in einer gewissen Abneigung gegen alles von »buten« (außen) kommende sich äußerte, kann der Entschluß der maßgebenden Behörde, zur Bildung dieser kunstgewerblichen Schul-Xeuform einen Buten-Minsehen zu berufen, nicht hoch genug in Anschlag gebracht werden.

Die Wahl fiel auf den Maler und Direktor Richard Meyer, der eine ähnliche Aufgabe an der Elberfelder Handwerker- und Kunstgewerbeschule bereits auf das erfolgreichste gelöst hatte. Nachdem der Genannte die Direktionsgeschäfte übernommen, wurde es ihm anheim gegeben, die zu seiner Unterstützung ihm geeignet scheinenden Künstler in Vorschlag zu bringen, von deren Mitarbeit er ein Erreichen des verdienten Zieles glaubte erhoffen zu dürfen.

Verwirklichung des Idealgedankens, deutscher Kunst und deutschem Kunstgewerbe die Heimat und die Fremde zu erobern, beitragen können. Es ist in dieser hier im dürftigsten Umriß wiedergegebenen Planskizze wohl schon zur Genüge klar gelegt, daß in der Werkstattarbeit der Schule keine Konkurrenz-Objekte geschaffen weiden sollen, daß das hier Entstehende lediglich die Aufgabe hat, der Wertung des Kunstwerkes zur Unterlage zu dienen. Ich halte diesen von Herrn Direktor Meyer eingeschlagenen Weg, um den zwischen Maschinen- und Arbeit der Hand bestehenden Unterschied auch schon der in unseren allgemein bildenden Anstalten heranwachsenden Jugend klar zu machen, für ganz außerordentlich glücklich.

Die von Direktor Meyer als erforderlich bezeihneten neuen Lehrstellen (im ganzen elf) wurden ohne Einschränkung bewilligt. Sie wurden zum 1. April 1907 besetzt mit den Herren Bildhauer Fr. Adler aus München, Maler Prof. Wilhelm von Beckerath aus München, Graphiker und Bildhauer J. Bossard aus Friedenau, Innenarchitekt H. Heller aus Darmstadt, Maler R. Klaus aus Warnsdorf, Bildhauer R. Luk sch aus Wien, Architekt R. Schmidt aus Mainz, Kunstbuchbinder Fr. Weiße aus Elberfeld, Alex. Schönauer, Senats-Goldschmied aus Hamburg.

Hierzu gesellte sich mit 1. Oktober Maler Czeschka aus Wien, und Maler M. Salzmann aus Leipzig, so daß der aus fest und kontraklich angestellten oder auch in nebenamtlicher Beschäftigung tätigen Lehrkräften zusammengesetzte Lehrkörper sich in der Zahl wesentlich erhöhte. Diese Vergrößerung des Lehrkollegiums kann je nach Umständen, d. h. je nach Beteiligung viel und wenig sein. Für die zur Zeit bestehenden Verhältnisse scheint es gerade zu genügen. Es ist indes kaum anzunehmen, daß diese Verhältnisse wie sie jetzt vorliegen, das Höchstmaß des hier überhaupt Erreichbaren bedeuten. Man dürfte vielmehr mit der Annahme, daß das lokale Kunstgewerbe eben erst am Anbeginne der ihm in Hamburg naturgemäß zukömmlichen Bedeutung steht, sich kaum von der Wahrheit entfernen.

Wenn von einem Vorherrschen einer bestimmten Art Industrie, wie sie z. B. Solingen in seinem Metall, Krefeld in seiner Seiden- und Textilindustrie besitzt, in Hamburg auch nicht gut gesprochen werden kann, so stehen hier einerseits durch das stark zunehmende Schiffbau wesen und andererseits durch die großartigen baulichen Umgestaltungsprozesse, die sich gerade jetzt im Kern der inneren Stadt, unserer City, und an deren äußeren Umfassungslinie vollziehen, dem Kunstgewerbe in Hamburg Betätigungsgebiete offen, die allein schon für das Fehlen einer eigentlichen Eigenindustrie völlig ausgleichend aufzukommen vermögen.

Kunstartikel

Kunstdrucke zu Besuch in der Kunsthalle Hamburg

Hamburg. Im Vordergrund ein Reisewagen. Kpfr. von J. Haas. Hamburg, Stadtbibliothek.

Siehe auch:
Mittelalterliche Hafenstadt
Erbauung von Augsburg
Deutsche Flußlandschaft
Jüdischer Wechsler im Gespräch
Mittelalterliche Landschaft
Allegorie auf die Gründung Magdeburgs
Ansicht von Köln am Rhein
Mittelalterliches Handelsschiff
Kaufmann im 14. Jahrhundert
Mittelalterlicher Kleinhändler
Vierräderiger Frachtwagen
Himmelswagen und Höllenwagen
Schiffbruch eines Kauffahrers
Abschluß eines Kaufes auf dem Markt
Edelsteinverkäufer
Ein Wannenkramer, Frauen seine Ware anpreisend
Das Geschlechterstechen zu Nürnberg v.J. 1446
Kaufleute zu Schiff
Hansische Schiffe im 15. Jahrhundert
Burgthor in Lübeck
Ansicht der Stadt Bremen
Allegorie auf die Handelschaft 1572
Augsburg mit eintreffenden Kaufmannswagen
Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig 1616
Schiff des 15. Jahrhunderts
Hamburger Schiffe des 17. Jahrhunderts
Räuberischer Überfall von Kaufleuten
Reisende zu Fuß
Allegorie auf den betrügerischen Kaufmann
Bilder aus dem Kaufmannsleben
Kaufmännischer Betrieb im 16. Jahrhundert
Beschäftigung aus dem Kaufmannsleben des 16. Jahrhunderts
Schreibstube im 16. Jahrhundert
Handelsmarken aus dem 15. und 16. Jahrhundert
Marktplatz zu Lübeck
Geldwechsler
Mehlmarkt zu Nürnberg
Vorrats- und Lagerräume
Halle und Hof eines Großkaufmannes
Haus der Hansa in Antwerpen
Artushof in Danzig 1765
Hochmut der reichen Klassen
Der reiche Kaufmann
Bestraffung der Weinfälschung im 17. Jahrhundert
Wechsler
Wucherer
Wucher und Fürkauf
Kaufmännisches Rechnen
Alter Markt zu Köln 1655
Frankfurt am Main im 17. Jahrhundert
Amsterdam im 17. Jahrhundert
Jacob Fugger
Spottbild auf dem Geldteufel
Der wucherische Münzmeister
Ein Fuhrmann für Frachtfuhrwerk 1577
Auf der Landstraße im 17. Jahrhundert
Allegorie auf das Borgen
Allegorie auf das zurückzahlen der Schulden
Allegorie auf das Eintreiben der Schulden
Kaufsüchtige Frauen des 17. Jahrhundert
Zollamt und Güterniederlage zu Nürnberg 1725
Verspottung der Kipperer und Wipperer
Kaufmännisches Kontor im 17. Jahrhundert
Kontor eines Hamburger Großkaufmanns im 18. Jahrhundert

Abbildungen