Schlagwort: Hammurabi

Während man sich in Babylonien zumeist mit der Verbrennung des Bildes der Hexe begnügte, führte dieser Aberglaube in Europa unter der Führung der Kirche zum grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen. Während in Babylonien schon Hammurabi im § 2 seiner Gesetzessammlung jeden, der jemanden unschuldig der Hexerei anklagt, mit dem Tode und der Konfiskation seiner Güter bedroht, wurden im Abendland Millionen von unschuldigen Opfern auf dem Scheiterhaufen verbrannt, darunter Persönlichkeiten wie Huß, Giordano Bruno und Jeanne d’Arc. Haben die Hexenverbrennungen seit der „Aufklärung“ in Europa aufgehört, so lebt der Teufelsglaube in den Kirchenreligionen unverändert fort…


Auch du warst am Anfang nur eine Handelsexpositur von Eridu und Ur, den beiden großen sumerischen Handelsemporien an der Mündung des Euphrat, aber du hast sie und alle andern Städte im Zweistromland überflügelt und hast deinem Namen Ewigkeit verliehen! Schon die Wahl deines Namens war selbstbewußt und in die Zukunft weisend, Babilu, „Pforte des Herrn“!

Deine Feinde und Eroberer, die kriegsgeübten Bergvölker, Assyrier, Kassiten, Churri und Hettiter befriedetest du durch deinen Geist und ließest sie zu deinem Ruhm beitragen. Du warst widerspenstig und aufwieglerisch, stets begierig, das fremde Barbarenjoch abzuwerfen, wofür du oft und bitter gebüßt hast mit Blut und Ruinen. Es straften dich die Assyrerkönige Tukulti-Ninib, Sargon, Sanherib, Assurbanipal und der Perser Xerxes. Und jeder von ihnen zerstörte auch den Hochtempel deines großen Schutzgottes, des Marduk, der deine Triumphe ebenso wie deine Mißgeschicke mit dir geteilt hat, mit dir groß wurde, aber auch mit dir in die assyrische Gefangenschaft ging. Denn, wie die irdischen Könige mit dem Titel auch die Macht der unterjochten Herrscher usurpierten, so eigneten sich ihre Siegesgötter auch die Machtbezirke der unterjochten an, und so kamst du, Marduk, in Besitz von Anus Macht, des Königs der Götter, Ellüs Macht, des Herrn der Länder, und Bels Macht, des Herrn des Luftreiches.

Asien

Sechshundert Jahre vor der Zeitwende wurde Ninive zerstört und Assyrien ausgelöscht als Weltreich. An der Spitze einer starken Armee von Medern, Persern und Babyloniern nahm Kyaxares, der Mederkönig, die Stadt nach kurzer Belagerung ein, schleifte ihre Mauern, zerstörte ihre Paläste und verließ sie als Trümmerhaufen. Assyrien wurde dem Mederreich einverleibt, um nie mehr wieder als selbständiger Staat in der Geschichte eine Rolle zu spielen. Die Prophezeiung des Propheten war erfüllt.

Eineinhalb Jahrtausende hatte das Reich gedauert und zweimal hatte es sich zum Weltreich aufgeschwungen und über Westasien geherrscht. Tukulti-Ninib hatte 1275 Babylonien erobert, Assurnasirpal (885 — 860) die Grenzen des Reiches geweitet und Salmanassar II. (860—825) hatte sich aufgeschwungen zum Herrn von Westasien. Die Israeliten mußten die Oberhoheit ihres Erbfeindes anerkennen. Tiglath-Pileser III. 1(745 — 727) machte die Verluste seiner Vorgänger wieder wett und trieb jüdische Stämme in die Gefangenschaft. Salmanassar IV. (727— 722) belagerte Samaria, die Hauptstadt des nördlichen Königreiches Israel, und Sargon (722—705) eroberte und entvölkerte es, schlug die Ägypter, verkleinerte Babylonien und bekriegte Elam. Sanherib (705—681) unterwarf das unbotmäßige Babylonien nochmals, schlug die Ägypter, führte Krieg in Palästina, machte Hezekiah von Judäa zum Untertan und zerstörte endlich Babylon im Jahre 689. Esarhaddon eroberte 872 Unterägypten, und Asurbanipal (668 bis 626) bekriegte das wiederum trotzende Nilland abermals, plünderte 666 Theben, seine Hauptstadt, und unterwarf Elam völlig. Damit war der Höhepunkt von Assyriens Macht erreicht. Von nun an ging es abwärts. Ägypten und Lydien schüttelten das lästige Joch wieder ab, und vom Osten her bedrängten die Meder das Reich. Kurz nach Asurbanipals Tode schlug Kyaxares die Assyrer und belagerte Ninive zum erstenmal. Durch eine Skytheninvasion in Schach gehalten, vereinigte er sich bald darauf mit den Babyloniern, zerstörte Ninive und gliederte Assyrien ins Mederreich ein, während Babylonien dem Nabupolasar, einem assyrischen General, zufiel, der eine neue Dynastie gründete.

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Kann man die Geschichtlichkeit der Sintflut beweisen? Soweit ein vorgeschichtliches Naturereignis mit den Methoden und Ergebnissen einer Ausgrabung bewiesen werden kann, ist es geschehen. Leonard Woolley, der Ausgräber von Ur am unteren Euphrat, hat durch die Feststellung einer 2,5 m starken Tonschicht, die in beträchtlicher Tiefe die Kulturschichten unterbrach, eine Flutkatastrophe von einzigartiger Mächtigkeit einwandfrei nachgewiesen. Daß diese Flut mit der biblischen Sintflut identisch ist, kann kaum ernstem Zweifel unterliegen. Die Überlieferung einer solchen Flut ist ja nicht biblisch, sondern sumerisch und wurde im babylonischen Gilgamesch-Epos dichterisch verarbeitet, wo Utnapischti seinem, das ewige Leben suchenden Urenkel Gilgamesch die Geschichte seiner Errettung von der Flut erzählt, und zwar in fast völliger Übereinstimmung mit der späteren biblischen Fassung. Wenn wir die heutige Entfernung von Ur vom Persischen Golf in Betracht ziehen, erscheint die Möglichkeit einer großen Flut, die ohne Mitwirkung der See undenkbar ist, freilich fabulos. Wenn wir jedoch den unablässigen Landzuwachs des babylonischen Alluvialgebietes in Betracht ziehen und erfahren, daß das Meer um 400 n. d. Zw. noch bis Kuma reichte, wo heute Euphrat und Tigris sich vereinigen, und daß um 2000 v. d. Zw. die beiden Ströme noch weit voneinander getrennt in den Golf mündeten, dann erscheint Ur ganz nahe an die Meeresküste herangerückt und mußte natürlich in eine Flutkatastrophe mit einbezogen werden.

Das Tal des Euphrat war damals noch ein Sumpf, aus dem immer mehr Inseln trockenen Alluvialbodens auftauchten, der mit seiner überwältigenden Fruchtbarkeit die an harte Feldarbeit auf dem unwirtlichen Boden des nahen arabischen Plateaus oder des mittleren Euphrattals gewohnten Bauern magnetisch anzog. Die alljährlichen Überschwemmungen, die das Land weithin in eine einzige Wasserfläche verwandelten, zwangen die Siedler mehr als irgendwo anders auf Erden zum Zusammenschluß in Städten, die im Laufe der Jahrhunderte, da Schlammziegelhütten kurzlebig sind und grundsätzlich von jeder Generation erneuert zu werden pflegen, immer höher über das Alluvialland emporwuchsen, die sich aber von ihrer Gründung an durch drei bis fünf Meter starke Rohziegelmauern vor dem Hochwasser schützen konnten. Daraus erklärt sich, daß Ur und andere Städte des Schwemmlandes sogar die Große Flut überlebten.

Asien

Eine Weltgeschichte in einem Bande.

Zugleich mit den Indogermanen und Chinesen tauchen jüngere Semitenstämme auf: die Phönizier, die Minäer, die Juden und die Karthager. Auch von ihnen gilt das, was die Arier durchgemacht haben, nämlich, daß sie von der Wucht älterer Kulturen starke Einwirkungen erlitten. Die Gesetze des alten Testamentes erinnern vielfach an das Gesetz Hammurabis. Bei dem Zug Abrahams mit Amraphel wird eine ältere östliche Chronik im alten Testamente benutzt. Durch die Mischung mit den kasischen Ureinwohnern Kanaans, ein Vorgang, den ja die Propheten so bitter beklagen, wurde auch eine Mischung jüdischer Eigenart und der angestammten Kulturbegriffe mit den Vorstellungen und Sitten der vorsemitischen Rasse angebahnt. Wenn Salomon den Göttern seine vielen Frauen opfert, so ist das ein Fall, der nicht nur im Königshaus, sondern auch im ganzen Volke häufig gewesen sein muß. Die Juden errichteten seit 1100 eine eigene Herrschaft. Diese ging in ihren Grenzen jedoch selten über die Ausdehnung des heutigen Badens oder Hessens hinaus. Unter Salomon um 950 setzte eine rege Kolonialtätigkeit ein. Goldminen wurden in Südafrika,südlich vomSambesi ausgebeutet, und wahrscheinlich wurde schon damals der ganze schwarze Erdteil von phönizischen Schiffen umsegelt. Die jüdische Überlieferung sprach von Ophir oder in der alten Form Sofira; das ist wahrscheinlich die Sofala, und die Goldmine war wohl das heutige Zimbabwe, wo noch gewaltige Ruinen von ehemaliger Schürftätigkeit künden, und die Nachbarschaft bis zum Sambesi hin. In unseren Tagen hat Karl Peters bewußt und nicht ohne Erfolg an die salomonischen Versuche angeknüpft und hat ebenfalls beträchtliches Gold in der Nähe von Ophir dem Erdboden entrissen.

Der Besitz ist immer von allergrößter Wichtigkeit gewesen. Reich sein und mächtig sein, war in der Regel gleichbedeutend. Gerade auch bei einfachen Verhältnissen, etwa bei schweifenden Viehzüchtern sinkt sofort der Einfluß eines Häuptlings, wenn er durch irgendeinen Unglücksfall, sei es durch Seuche oder feindlichen Angriff, sein Vieh verloren hat. Nicht minder ist von uralters an der Handel und Bergbau dazu benützt worden, um die Stellung der Mächtigen zu befestigen. Bei heutigen Negerstämmen hat nicht selten der Oberhäuptling das Alleinrecht, Handel zu treiben, und nicht minder verfügt er unumschränkt über die Metallschätze seines Gebietes. Heutzutage beruht die Macht eines Staates ganz wesentlich auf der Fülle von Mineralien, die sein Boden enthält. Gold und Eisen und Kohle sind die Grundlagen für die Macht Englands und Amerikas, Kohle und Eisen ebenso für die des deutschen Reiches. Genau so war es auch im Altertum. Schon um 3000 hören wir, daß die Pharaonen sich um das Kupfer des Sinai und die mesopotamischen Großkönige um das Kupfer Cyperns bemühten. Von dem Namen dieser Insel hat ja das rote Metall überhaupt seine Bezeichnung. Bereits im fünften Jahrtausend aber hat ein belangreicher Mittelmeerhandel bestanden. Die Haupthandelsstraßen zu Lande gingen einmal von dem mittleren Nil nach der Mündung des Flusses und von dem Ufer des persischen Golfes nach Syrien oder aber nach Trapezunt am Schwarzen Meere. Die Vorzugsstellung Mesopotamiens ist ganz wesentlich darin begründet, daß es ein Durchgangsland für den Handel von Südasien nach dem Abendlande war. Doch hat schon in grauer Vorzeit ein Verkehr auch auf nördlicheren Wegen bestanden, die von dem Kaukasus nach Mittel- und Ostasien und von Südrußland nach der Ostsee führten. So will man herausgebracht haben, daß schon im dritten Jahrtausend das ostasiatische Gewerbe, durch den nördlichen Uberlandweg vermittelt, von westlichen Formen beeinflußt war, und man kann als sicher annehmen, daß im zweiten Jahrtausend abendländiche Topf formen nicht nur bis Ostasien, sondern sogar bis Alaska und Kalifornien gelangten. Auch die See wurde sehr früh befahren. Wir wissen das durch die verschiedenen ägyptischen Schiffsmodelle, die uns erhalten sind, und durch Keilschriften, die uns von Seefahrten in grauer Vorzeit berichten. Uber die einzelnen Seewege können wir jedoch Genaues nur wenig in Erfahrung bringen. Höchstens daß eine Schiffsverbindung zwischen den Mündungen des Euphrat und Tigris mit Ostarabien und ferner eine zwischen Ägypten und den „Inseln im Norden“ bestand. Als Inseln konnten sehr wohl, wie ich im Anfang dieses Werkes dargetan habe, auch Halbinseln, z. B. Kleinasien verstanden werden. Im dritten Jahrtausend erlebte die Schiffahrt einen merklichen Aufschwung. Die Ägypter befuhren mit Erfolg die Ufer des Roten Meeres und gelangten vielleicht bis über das Osthorn Afrikas hinaus, bis nach Somaliland. Hierbei scheint es aber ein ganzes Jahrtausend sein Bewenden gehabt zu haben. Erst die Phönizier brachten hierin neuerdings Wandel. Sie trieben nicht nur festländischen Handel bis nach Indien und Mittelasien hinein, sowie bis zur Bernsteinküste, die an der Ostsee lag, sondern sie dehnten auch die Schiffahrt um mehr als das Doppelte aus. Sie gelangten als die ersten unter den Seevölkern nach dem Westbecken (des Mittelmeeres und nach den Gestaden des Schwarzen Meeres; sie durchfuhren die Straße von Gibraltar und kreuzten bis nach der Bretagne hinauf; hier nämlich ist das Land zu suchen, wo die Phönizier das Zinn holten; sie erreichten endlich fern im Süden, wie oben erwähnt wurde, die Sofala, überschritten also — zum erstenmal in der Weltgeschichte — den Wendekreis des Steinbocks. Die Blütezeit der Phönizier war von rund 1200—800. Ihr Hauptmangel war das Fehlen eines Hinterlandes, auf dem sich ihre Volkskraft hätte entwickeln können. Aus diesem Grunde ist es auch nicht gerechtfertigt, wie man es so oft getan hat, die Phönizier durchaus mit den Engländern zu vergleichen. Denn die Engländer haben sicherlich ein starkes Volkstum. Dafür entschädigten sich die Phönizier in der Weise, daß sie einen weiträumigen Kolonialbesitz erwarben und dort in der Ferne, in Nordafrika und Spanien, hinreichend Boden und Luft und Licht für jede nur gewünschte Ausbreitung hatten. Zwar bildeten die Phönizier alle die Jahrhunderte hindurch nur eine dünne Oberschicht, dennoch ist es ihnen anscheinend gelungen, ihre Sprache und Art auch bei den rassefremden Berbern zur maßgebenden zu erheben. Darin ist sicher eine Ähnlichkeit mit den Engländern zu finden und nicht minder in der Gepflogenheit, auch zahlreiche Mitglieder anderer Völker, der Juden und der kasischen Kiliker zur gemeinsamen Kolonisationsarbeit mit heranzuziehen: Genau so bedienen sich die Engländer der Deutschen und der Iren, die ihnen bei der Kolonisation helfen. Noch enger wird die Ähnlichkeit, wenn man die Neigung der Phönizier zu überseeischem Handel und zur Ausbeute von Bergwerken in Betracht zieht. Als Nerv der Dinge betrachteten auch die Phönizier das Geld und suchten zu dem Ende möglichst viel Metalle, Kupfer und Silber und Zinn zu gewinnen. Das lieferte ihnen die Mittel für ihr Großgewerbe und zugleich für die Kriege, die sie zumeist mit Hilfe fremder Söldner führten.

Der Handelsgeist, den die Phönizier betätigten, war auch ihren Nachbarn, den Juden, angeboren. Man kann niemals zu einem Verständnis des Judentums gelangen, wenn man seine Taten in der vorchristlichen Zeit von denen in der nachchristlichen Zeit scheiden, wenn man nicht einsehen will, daß die Juden vor dreitausend Jahren nicht anders waren, als sie heute noch sind. Wer das verkennt, der kommt entweder zu einer Uber- oder Unterschätzung der jüdischen Eigenschaften. Ohne Zweifel haben sie stets ein hervorragendes Talent für Organisation besessen. Aus irgendeinem rätselhaften Grunde aber hat dieses Talent für staatliche Dinge versagt. Die selbständige Herrschaft des ohnehin nicht sehr ausgedehnten Judenreiches hatte kaum ein Jahrhundert gewährt, als das Reich schon auseinanderbrach; und als zwei weitere Jahrhunderte ins Land gegangen waren, da begann die Unterwerfung durch andere Völker, ein Zustand, in dem die Juden so ziemlich bis heute verharrt sind. In der Beziehung sind sie den Iren sehr ähnlich und auch den Polen, die es ebenfalls nie zu eigenen Staatsbildungen von Belang gebracht haben, die aber unter fremder Flagge, in Nordamerika und Sibirien sich als besonders tüchtige Organisatoren bewähren.

Die Uneinigkeit der Juden, die heutigen Tages sich zu einem Gegensatz zwischen West- und Ostjuden zugespitzt hat, ist ebenfalls schon seit den Anfängen vorhanden gewesen. Nicht minder die Abneigung gegen Fremde, die sogenannten Gojjim oder Göj, verknüpft mit dem eifrigen Bestreben, die Fremden zu gewinnen oder gar sich selbst ihnen anzuähnlichen. Gerade dieser widerspruchsvolle Zug wird sich vermutlich am ehesten aus Göj erklären.

Wir haben vorhin gesehen, daß die semitischen Juden sich mit kasischen Ureinwohnern Kanaans innig verbanden; dazu sind, wahrscheinlich schon seit dem vierzehnten Jahrhundert vor Christi, indogermanische Elemente gekommen, und selbst afrikanische sind nicht ganz ausgeschlossen. So kommt es, daß auf der einen Seite ein Verständnis und eine rege Empfänglichkeit für den Geist der Fremden besteht, während auf der anderen Seite die eifernde Ausschließlichkeit der Semiten doch auch ihr Recht behaupten will. Die Überlieferungen der Juden, wie sie in dem alten Testamente niedergelegt sind, verhüllen nichts und beschönigen keine Schwächen; sie künden von so manchem unangenehmen und wenig ehrenvollen .Zuge des eigenen Volkstums. Was dagegen den Stil dieser Überlieferungen auszeichnet und was ihnen bis in die Gegenwart eine unübertroffene Wirksamkeit gewährleistet hat, das ist die plastische Lebendigkeit, mit der Dinge und Personen angefaßt werden. Übertrieben zwar, in einseitiger Beleuchtung, aber dennoch mit zwingender Wucht.

Das Persönliche ist schon früher in die Weltgeschichte getreten.

Wenn wir auch von Hammurabi nicht wissen, ob er selbst sein Rechtsbuch verfaßt oder ob er nicht, wie wahrscheinlicher, bloß seine Hof juristen dazu befohlen hat, so besitzen wir doch verschiedene Briefe von ihm an seine Verwaltungsbeamten. Auch diese mögen von seinen Schreibern ausgedacht sein, aber schließlich gilt doch der alte Spruch: Wie derHerr, so die Diener. Und man gewinnt entschieden von Hammurabi den Eindruck eines weisen, besonnenen und maßvoll schaltenden Herrschers. Allein schon vor ihm ist das Persönliche in der Geschichte wahrnehmbar. Ich denke dabei vorzüglich an die lebenswahren, man könnte sogar sagen: naturalistischen Porträtbüsten, die wir von sumerischen Königen und altägyptischen Staatsbeamten besitzen. Nur leider wissen wir sonst gar nichts von den Urbildern jener Porträte, wissen gar nicht, was sie gesagt und getan haben, und wissen nicht einmal immer den Namen des Betreffenden. Ein bestimmter, mit Gewißheit nachweisbarer Zusammenhang zwischen Porträtbüsten und Standbildern mit geschichtlichen Persönlichkeiten, über deren Leben wir ausreichend durch Inschriften unterrichtet sind, hebt erst nach 1500 an, mit der ägyptischen Dynastie der Tuthmosiden und Ramseniden. Namentlich von Ramses II., dessen Mumie mit einem sehr ausgesprochenen, sicherlich porträtähnlichen Gesichte das Louvre in Paris aufbewahrt, kennen wir die Ansichten, Sprüche und Handlungen ziemlich genau. Von hier bis zu den Charakterschilderungen des alten Testamentes ist aber doch ein großer, gar nicht leicht zurückzulegender Schritt. Mit welch dramatischer Frische muten uns die Schilderungen von Saul, David und Salomon an, wenn auch noch so manche Züge dabei sagenhaft sein mögen! Auch ist in diesen Charakterbildern zum erstenmal eine richtige Verkettung von Verdienst und Glück, von Schuld und Sühne.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen

Männer; Völker und Zeiten