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Speicher, Silos, Bunker




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Abbildungen Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung

Die Bauten der modernen Ingenieurkunst sind neben ihren sonstigen Leistungen bewunderungswert wie kaum sonst Menschenwerk.

Sie stehen auf einer nie vorher erreichten Höhe vollendeter Technik. Ihre Mannigfaltigkeit und ihre vielfache und nachhaltige Auswirkung auf Handel und Wandel, auf das ganze menschliche Dasein macht sie zu ungewöhnlich bemerkenswerten Ausdrucksformen unserer Zivilisation. Einzelne unter diesen Werken und auch ganze Reihen von ihnen sind oder erscheinen ohne jeglichen Vorgang in der Menschheitsgeschichte; andere sind Schritt für Schritt aus rein handwerklich arbeitenden Zeiten entwickelt. Aber alle sind mit den Kulturproblemen der Gegenwart eng verknüpft, geben den Gestaltern von Bauwerken, jedem mit Empfinden für Außergewöhnliches und Schönes Begabten außerordentliche Rätsel auf. Unser Zeitalter wird in seinen Formerscheinungen durch sie geradezu bestimmend beeinflußt. Die bei diesen Werken nicht selten vorhandene unwandelbare Gesetzmäßigkeit, sichtbar in Zweck, Rhythmus und Kraft ausgedrückt auch bei vollständig neuen Baustoffen und Konstruktionen, kann eher als alles andere unsere von den Zeitgewalten erschütterten, befruchteten und vielfach auch verwirrten künstlerischen Kräfte auf den richtigen Entwicklungsweg weisen. Der Hochbau für Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungszwecke gibt bei noch so origineller Einstellung des Architekten in Kühnheit, Eigenart und Neuheit der Aufgaben nicht im entferntesten den Schaffenden so schwierige Rätsel auf wie der Ingenieurbau.

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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung

INDUSTRIEANLAGEN UND ZU IHNEN GEHÖRIGE EINZELHEITEN. Alte Bergwerks-, Hütten-, Salinen- und Fabriksbauten, besonders aus der Zeit um 1800, sind vielfach in der Klarheit ihres Organismus baulich mustergültige Schöpfungen, wenn man die veränderte Lage der modernen Wirtschaft richtig in Betracht zieht. Gesamtplan, Grundriß und Baukörper beispielsweise der formvollendeten württem-bergischen Salinen können den Gestaltern großanzulegender heutiger Industriebauten wertvolle Winke geben.

Der Zweck der Industriebauten besteht darin, „die Waren in einem möglichst wirtschaftlichen Betriebsvorgang herzustellen, der sich vom Heranführen des Rohmaterials bis zum Versand des Fertigfabrikates erstreckt“ (Maier-Leibnitz). Die Anlage eines Industriebaues, im großen betrachtet, muß ein Organismus guter, aufeinander abgestimmterTeile sein. Erst ein solcher bietet die Erweiterungs- und Verbesserungsmöglichkeiten, die sich oft als nötig erweisen und unerwartet schnell eintreten können, ohne die Gefahr einer Minderung der einmal erreichten wirtschaftlichen, praktischen und zugleich schönheit-lichen Vorzüge im Gesamtwert der Anlage. Nur ein solcher ermöglicht die beste Rentabilität des Betriebes.

Der als zweckmäßig erkannte Betriebsvorgang hat die Planung der Gesamtanlage von vornherein entscheidend zu beeinflussen. Wenn die fraglichen Räume zur Verwaltung und Kraftgewinnung, wenn Werkstätten, Lagerhäuser und Arbeits- und Lagerplätze in ihrer notwendigen Größe bestimmt sind, und der Arbeitsvorgang in seinen einzelnen Phasen und deren Aufeinanderfolge geklärt ist, können die Einzelgebäude und -anlagen in ein Verkehrsnetz eingruppiert werden, das aus Verkehrswegen für die Menschen und Werksgleisen und sonstigen Transportanlagen für Rohmaterial, Fertigfabrikate, Abfälle usw. besteht (Maier-Leibnitz). Hier ebenso wie beim Einfügen der ganzen Anlage in Landschaft oder Ort (Wege, Gleise, Fahr- und Hebezeuge, Kraftleitungen, Eisenbahn-, Landstraßen- und Wasserwegeanschluß, Rücksicht auf vorhandene oder geplante andere Baulichkeiten, Baum wuchs, Geländeart usw.) besteht eine enge Verwandtschaft mit grundlegenden und entscheidenden Voraussetzungen der Siedlungskunst, die in wesentlichen Zügen viel eindeutiger und vom Sondergeschmack ihrer Schöpfer weit unabhängiger sind, als bisher im allgemeinen unter den Beteiligten angenommen wird.

Man muß den Industriebauten und den ganzen Werkanlagen auch äußerlich — und zwar nicht so sehr infolge angebrachter Reklameschilder als vielmehr zweckmäßigen und zugleich ausdrucksvollen Gestaltens—ansehen, um was für einen Betrieb es sich handelt, warum er so und so aufgefaßt ist. Eine derartige Wirkung nach außen hin ist das beste Zeichen für wirtschaftlich und baulich gute Lösung.

Es versteht sich von selbst, daß alle Einzelheiten innerhalb der Anlage und ganz besonders Einrichtungen des Transports von Rohmaterialien, Abfällen, Kraft usw., die das Werk mit der städtebaulichen und landschaftlichen Umgebung verbinden, bei voller Rücksicht auf deren Eigenart so gut wie möglich gestaltet werden. Hier wiedergegebene Beispiele zeigen deutlich, daß auch der Gestaltung und Wirkung dieser Dinge in zunehmendem Maße gebührende Aufmerksamkeit seitens der Verantwortlichen zuteil wird.



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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung

Die Speicher vergangener Jahrhunderte pflegen als Nutzbauten von zum Teil erheblichen Ausmaßen gegenüber malerischen und reichen bürgerlichen Stilbauten von großer Einfachheit in Mauer- und Dachkörper zu sein. Niedrige, langgestreckte Lagerräume, die gemäß den hohen Nutzlasten gedrungene Gewölbe bzw. starke Holzböden auf kräftigen Zwischenstützen benötigen, eine volle Ausnutzung des oft steilen Dachstuhls, knappe Licht-und Lüftungsöffnungen in langer, gleichmäßiger Folge mit entsprechend großflächigen Wänden und Dachhaut geben den Bauten von vornherein ihre charakteristischen Züge. Diese werden weiter ganz von selbst bestimmt durch Gebrauch von Backstein, Werkstein oder ausgemauertem Fachwerk, wobei letzteres häufig aus konstruktiven Gründen von Geschoß zu Geschoß übergekragt ist, durch die freie Stellung des Baues auf einem Platz oder seinen Stand im Zug der Straße als Giebel- oder Langbau.

Der Städtebauer und Architekt von heute scheut sich oft, sehr zum Nachteil für seine Aufgabe, vor der hier im Thema ruhenden Einfachheit und gelangt deshalb selten zur Wucht und Großzügigkeit der alten Bauten.

Neuzeitliche Speicher sind häufig durch romantische Zugeständnisse in der Dachausbildung (Mansarddach auf plumpem Mauerwerk in Königsberg i. Pr.) oder durch zu stark gegliederte Dachaufbauten, die weitere Vollgeschosse ersetzen sollen (Köln, Dresden), um die mögliche gute Wirkung gebracht. Die Gestaltung der neuen Speicher ist dann besonders wichtig, wenn sie durch ihre hohen Abmessungen in charakteristischen alten Stadtbildern mit niedrigeren Häusern und weniger hohen Kirchdächern und Türmen (z. B. Stralsund) oder an hervorragender Stelle eines Flußufers wesentlichen Einfluß auf das Gesamtbild hervorrufen.

Für den Silobau in Eisenbeton hat namentlich Amerika neuartige typische Formen gefunden. Sie sind dann von überzeugender Selbstverständlichkeit, wenn man auf hier am wenigsten angebrachte formale Requisiten klassischer oder moderner Architekturstile verzichtet hat.

Von bezeichnenden Formen der in Industriebezirken häufigen Kohlenbunker in Eisenkonstruktion, mit Mauerstein-Ausfachung von Eisengerippe oder in Eisenbeton sind hier Beispiele nicht gegeben. Es sind Baukörper, die ebenfalls durch ihren äußerlich in allen Teilen erkennbaren Zweck die gegebenen Elemente einer charakteristischen Gestaltung in sich tragen; im allgemeinen haben sich bei ihnen gutgebildete Typen noch nicht durchgesetzt. Geradeso wie die modernen Werkstätten wirken sie oft im Gerippezustand der fertigen Eisenmontage vortrefflich, nach der Fertigstellung in Einzelheiten und Gesamtheit der Flächen- und der Dachausbildung wieder kleinlich und unharmonisch.

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