Schlagwort: Inquisition

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Der Papst rüstet zum Kampf.

Der Gegenangriff der Papstkirche zur erneuten Unterdrückung der Glaubensfreiheit ließ nicht lange auf sich warten. Auf dem Konzil zu 1545—63 Trient wurde die Säuberung der katholischen Kirche in Sitte und Lehre durchgeführt und die unbedingte Machtstellung des Papstes erneut begründet.

Seine zuverlässigste Kampftruppe war der Jesuitenorden, die „Gesellschaft Jesu“. Ein spanischer Ritter, Ignatius von Loyola, hatte den Orden zusammen mit mehreren getauften Juden aus Spanien und Italien gegründet, ein Papst, der selbst aus Judenblut stammte, bestätigte seine Regeln. Die Aufgabe des Jesuitenordens war „Krieg gegen die Ketzerei. Friede ist ausgeschlossen. Auf Loyolas Geheiß haben wir auf den Altären ewigen Krieg geschworen1! Damit er erfolgreich geführt werden konnte, mußten sich die Jesuiten zu unbedingtem Gehorsam gegen den Papst und den Ordensgeneral verpflichten. „Wie ein Stock, der sich überall hintragen läßt, wie ein Leichnam, der nicht sehen kann“, so müssen sie blind jedem Befehl gehorchen.

Vater und Mutter, Bruder und Schwester sollen sie verlassen und verleugnen, kein Volk und Vaterland dürfen sie kennen. Auch ihr eigenes Gewissen soll sie nicht mehr warnen dürfen. Deshalb bekamen sie ein eigenes Sittengesetz, nach dem jedes Mittel, auch das verwerflichste, recht ist, wenn mit ihm der jesuitische Zweck erreicht werden kann. Diese gefährliche Kampftruppe wurde in alle Länder geschickt, wo sich Glaubensfreiheit zu regen begann. Wo eine Bibel im Hause gefunden wurde, wo ein verdächtiges Wort gehört wurde, wo jemand der Beichte femblieb, da hieß cs: „Ketzer, widerrufe oder brenne!“ Mit furchtbaren Folterwerkzeugen arbeitete die „Inquisition“. Furcht und Schrecken zogen durch die deutschen Lande. Zwar ertrugen Hunderttausende den Flammentod oder flüchteten aus der Heimat, aber viele Herzen verzagten. Als das neue Jahrhundert anbrach, war ein Drittel Deutschlands wieder katholisch geworden. Die katholischen Fürsten standen, in der „Liga“ (Bund) fest zusammengeschlossen, hinter Kaiser und Papst.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.

Deutsche Geschichte

Vorspiel.

Wegen der Veröffentlichung seines Dialoges wurde Galilei vor die Inquisition geladen. Er sollte sich verantworten, weil er in diesen Ausführungen die 1616 verbotene Lehre des Kopernikus als wahr hingestellt hatte. Allerdings hat Galilei in einer Einleitung versucht, dem Leser vorzutäuschen, daß er das kopernikanische System gar nicht für wahr halte, sondern es nur auseinandersetzen wolle. Diese Einleitung war zwischen ihm und dem Zensor genau besprochen worden. Es läßt sich heute nicht aktenmäßig feststellen, aus welchem Grunde der Papst sich nach der Veröffentlichung des Dialogs so außerordentlich feindselig gegen Galilei verhielt, wie er es wirklich tat. Urban VIII. verlangte, daß der florentinische Hofmathematiker sofort nach Rom kommen solle. Der im 69. Lebensjahr stehende Galilei wies vergebens auf seinen sehr bedenklichen Gesundheitszustand hin. Wenn er nicht freiwillig komme, ließ Urban sagen, so werde er ihn in Ketten legen und in diesem Zustand nach Rom transportieren lassen! Der Papst maßte sich die richterliche Gewalt in geistlichen Dingen in allen katholischen Ländern an — und Florenz war nicht Venedig! Der Großherzog Ferdinand II. wagte gegen den gefürchteten und als sehr energisch bekannten Urban VIII. nicht den geringsten Widerspruch. Er riet selbst zur Abreise. Mitten im Winter wurde der greise Gelehrte durch das von der Pest verseuchte Land in einer Sänfte nach Rom getragen, wo er am 13. Februar 1633 ankam. Unterwegs hatte er eine zehntägige Quarantäne an der Grenze des Kirchenstaates erdulden müssen.

Galileo Galilei

Galilei war nun der Gefangene der Inquisition in Florenz. Im November 1634 bezog er ein kleines Landhaus am Monte Rivalto im Kirchspiel Arcetri. Der greise Gelehrte, der schon von 1616 an schwerhörig war, lebte hier ein einsames Leben unter der ständigen Drohung, bei jedem Verstoß gegen die vorgeschriebene Isolierung von der Außenwelt sofort in den wirklichen Kerker der Inquisition nach Rom gebracht zu werden. Im Jahre 1637 bildete sich der Star auf beiden Augen aus und im Jahre 1640 erblindete Galilei ganz. Trotzdem war er nie müßig und sein Geist ist wunderbarerweise bis zur letzten Minute völlig klar geblieben. Die Inquisition hatte ihm nicht nur verboten, über die Erdbewegung zu schreiben oder mit irgendeinem Menschen zu sprechen, sondern sie hatte auch den Neudruck seiner früheren Schriften sowie auch den Druck irgendeiner neuen Schrift gänzlich untersagt. Galilei fügte sich dem letzteren Verbot nur scheinbar. Er sandte seinem Freunde Diodati in Paris das Manuskript seines nach dem Prozeß niedergeschriebenen Werkes: „Discorsi e demonstrazioni mathematiche in torno a due nuove scienze“. Ein Schreiben vom 25. Juli 1634 an den genannten Diodati gibt einen Einblick in Galileis Zustand nach dem großen Prozeß. Galilei erzählt dem Freunde, daß seine Angelegenheit „eine unglückliche Wendung genommen“ habe und berichtet über die Rückreise nach Siena.

Galileo Galilei