»Der oberste Feldherr dieses Zuges nennt sich einen tatarischen Kaiser, Zerzigalei, welcher gar tyrannisch in demselben Zug gewütet und getobt. Denn er hat schwangere Frauen voneinander gehauen und junge Kindlein an die Zaunstecken gespießt, alte und junge Leute niedergeworfen, sie in den Seiten aufgeschnitten, Büchsenpulver darein gestreut und die armen Leute ohne einig Erbarmen auseinander gesprengt. Item Unzähligen die Halsknochen an der Gurgel entzwei gehauen, und sie so mit halb abgehauenen Halfen liegen lassen, bis sie mit großer Angst und Schmerzen in ihrem Blut ersticket. Sie haben ihrer auch viele mit fettem Kienholz gespickt, gebunden und zu Tode verbrennen lassen. Summa, wer kann von Herzeleid all Grausamkeiten desselben tatarischen Wüterichs erzählen.«

So schildert ein Zeitgenosse, Salomon Henning, den Raubzug Iwans des Schrecklichen gegen Livland.

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Das Balten-Gebet
Litauen war ehemals mächtige europäische Großmacht
Baltikum-11. Jahrhundert bis zur Gegenwart
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Die Ukraine als Arbeitsfeld für Deutsche und Deutsches Kapital

Baltikum

Nach dem vernichtenden Sieg über die Schwertbrüder gelang es dem litauischen Fürsten Mindaugas Mitte des 13. Jahrhunderts, die zersplitterten Stämme zusammenzufassen. Dies war notwendig nicht zuletzt wegen der »Litauerreisen«, die die Ordensritter in den nachfolgenden Jahren immer wieder unternahmen – angeblich zum Zwecke der Missionierung und zur Eroberung Sche-maitens (nördlich von Kaunas) als Landbrücke von Livland ins spätere Ostpreußen, tatsächlich aber entartet zu blutigen »Vergnügungsreisen« für Ritter und Fürsten, bei denen die »Heiden« regelrecht abgeschlachtet wurden.

Zäh verteidigten die Litauer dennoch ihre Position und dehnten sogar ihr Territorium aus. Unter Gediminas (1316-1341) begann der endgültige Aufstieg zu einer Großmacht. Schemaiten, das der Orden vorübergehend erobert hatte, wurde zurückgewonnen, Kiew und das Fürstentum Smolensk litauischer Herrschaft unterstellt. Gediminas Söhne Algirdas und Keistutis, die bis 1380 nebeneinander residierten, vergrößerten den Mächtebercich noch weiter: Im Süden entlang des Dnjepr bis über Kiew hinaus, im Osten an der Oka bis auf 150 km vor Moskau und im Norden bis an die obere Lowat.

Schicksalhaft wurde der 18. Februar 1386 für Litauen und für den Fortgang der ostmitteleuropäischen Geschichte insgesamt. Jogaila, ältester Sohn aus der zweiten Ehe des 1377 verstorbenen Olgerd und Alleinherrscher seit 1382, heiratete die polnische Königin Hedwig, jüngste Tochter des 1370 verstorbenen Königs Ludwig von Ungarn, der auch die polnische Krone getragen hatte. Hedwig,damalsein 12jährigcs Kind, leistete der Eheschließung mit dem über 20 Jahre älteren Großfürsten aus Litauen verständlicherweise Widerstand. Doch die politischen Motive standen für jene polnischen Adligen, litauischen Diplomaten und den einflußreichen deutschen Kaufmann und Berater Jogailas, Stadthauptmann Hanulo von Wilna, im Vordergrund: Der litauische Herrscher hatte drei Tage vor der Trauung das römische Christentum angenommen und sich darüber hinaus verpflichtet, sein Land der Krone Polens »auf ewig« anzugliedern, auch sein Volk taufen zu lassen und »verlorene polnische Gebiete« wiederzuerobern. Derartige Gelüste sollten in der weiteren Geschichte Polens immer wieder auftauchen. Zur Zeit Jogailas ging es vor allem um die (keineswegs ursprünglich polnische) Region Pommerellen sowie das an Ungarn gefallene Rotreußen (später Ostgalizien) und um die Zurückdrängung der Ordensmacht insgesamt.

Als König Wladyslaw II. von Polen nahm Jogaila die versprochene Christianisierung seiner Untertanen in Form von Massentaufen vor. Gleichzeitig regierte sein Vetter Vytautas von Traken (Trakai) Litauen. Die dort von Keistutis 1382 errichtete Wasserburg war eine der modernsten europäischen Festungen ihrer Zeit und ist, nahe der Straße von W’ilna nach Kaunas, heute eine touristische Attraktion.

Litauen erreichte unter Vytautas die größte Ausdehnung: als ein mächtiges Imperium von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, insgesamt rund 520 000 Quadratkilometer. Außerdem gelang es Vytautas, die weitestgehende Unabhängigkeit seines Großfürstentums von Polen sichcrzustellen.

Die permanente Rivalität Litauens und Polens mit dem Deutschen Orden eskalierte durch den Streit um Schcmaiten. Am 15. Juli 1410 kam es zu einer der folgenreichsten Schlachten des Mittelalters. Bei Tannenberg in Ostpreußen wurde das Ordensheer von der polnisch-litauischen Union vernichtend geschlagen und der Hochmeister Ulrich von Jungingen getötet. Sein Nachfolger Heinrich von Plauen mußte im Ersten Thomer Frieden 1411 auf Schemaiten verzichten, das er ohnehin nie hatte erobern können, und umfangreiche Zahlungen an die Sieger leisten.

Mit Vytautas (1430) und Jogailas (1434) Tod war die glorreiche Zeit litauischer Herrscher vorüber. Die Union mit Polen, obgleich »auf ewig« geschlossen, zerbrach und wurde 1446 im Unionsvertrag von Brest als Personalunion, die beiden Staaten ihre Unabhängigkeit auch formal beließ, nur halbwegs wiederhergestellt.

Doch im Osten wuchs zugleich eine neue Gefahr heran, die über die nächsten Jahrhunderte hinweg das Schicksal des Baltikums bestimmen sollte. Iwan III. begann von Moskau aus eine neue Etappe des »Sammelns der russischen Erde«. Schritt um Schritt verschob sich das einstige Mächlcgleichgewicht zwischen dem römisch-katholischen Litauen und dem orthodoxen Rußland zugunsten der Russen.

Das ehemalige Erzbistum Riga und das Ordensland nördlich der Düna wurden 1566 als Herzogtum Livland Litauen angegliedert. Doch die Bedrohung aus Moskau, wo inzwischen Iwan IV., der Schreckliche, regierte, wuchs. In dieser Situation folgten die Litauer dem jahrzehntelangen Drängen der Polen und Unterzeichneten am 1. Juni 1569 den Vertrag zur »Union von Lublin«, der einen gemeinsam zu wählenden Herrscher vorsah, der zugleich automatisch Großfürst von Litauen war. Die Souveränität Litauens schwand damit weitgehend. Deutliches Zeichen dafür ist die nur in polnischer Sprache abgefaßte Unions-Urkunde. Litauen mußte außerdem seine ukrainischen Gebiete an Polen abtreten und einem Kondominium mit Polen über Livland zustimmen. Am 7. Juli 1572 verstarb mit dem litauischen Großfürsten und gleichzeitigen polnischen König Sigismund II. August der letzte männliche Sproß des litauischen Jogaila-Hauses.

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Nach dem Zusammenbruch des Gotenreiches im Jahre 375 breiteten sich die slawischen Stämme nach Nordosten aus und erreichten die finno-ugrischen Gebiete. Gehörte die dortige Bevölkerung im Westen zur ostbaltischen Rasse, so zeigte sie weiter östlich einen anderen, zum Teil mongoloiden Einschlag. Dieser ganze Raum stand vom 9. Jahrhundert an unter warädischer Führung. Erst von Holmgardr (Naugard) und dann von Koenugardr (Kiew) strömten slawische Siedler an die Oberwolga nach. So wurde das Land christianisiert und sprachlich überschichtet.

Ein neues Volk, das man heute als russisches bezeichnet, ging aus diesem Slawisierungsprozeß hervor.

Jedoch begann die politische Geschichte des Russentums erst mit Iwan Kalita (1328—1340), der seine Großfürstenwürde dem Mongolenkhan zu verdanken hatte. Von der „Goldenen Horde“ völlig abhängig, übernahm Moskowien gleichfalls in seiner Kultur, Sille und Tracht mongolische Wesenszüge, Die Oberschicht, „Bojaren“ genannt, verschmolz größtenteils mit regierenden Tatarengeschlechtern zu einem neuen, dem Kremlherrscher gefügigen Dienstadel. Auf diese Weise erlosch auch hier das warägische Bluterbe, und Moskau wurde zum Träger desselben Gedankens, der in vielem das Eroberungswerk von Dschingis-Khan geprägt hatte.

Diesem moskowitischen „Drang nach Westen“ erlag zunächst unter Iwan III. (1462—1505) der Volksstaat von Großnaugard, und dann erzwang Iwan IV. „Grosnyj“ genannt (1533—1584), die Auflösung des Livländischen Ordensstaates. Zu gleicher Zeit öffnete sich dem mongolischen Blut durch die Eroberung der Chanate von Kasan (1552) und Astrachan (1556) ein weites Tor zum russischen Volkskörper.

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Die Sowjet-Union