Masken und Marren

Zu jeder Zeit hören wir von Maskierungen der Handwerker bei ihren Festen. Nach den uns vorliegenden Berichten können wir das Auftreten maskierter Gruppen und einzelner Masken unterscheiden. Die Belege für das Auftreten maskierter Bünde im Handwerk sind nicht allzu häufig, es sind jedoch einige recht altertümliche vorhanden.

Da ist zunächst das Schodüvellopen, das aus niedersächsischen Städten wie z. B. Braunschweig, Hildesheim und Göttingen bekannt ist. Schon 1293 hören wir aus Braunschweig von den Schodüveln. Ceibniz berichtet aus den Ratsordinarien derselben Stadt von 1408:

CXLIV.Wu man den schoduvele kündiget.

Vorthmer is hier ein wonheit, dat de jungen lüde pleggen to hebbende eine cumpanie, also dat se lopen Schoduvel in den hilligen dagen to Winachten. Hierumme schall de Radt tovoren in des hilligen Carstes avende drye storme lüden lathen in der Oldenstadt, unde kundigen van der lövene aldüs. De Borgermester secht: gy fromen lüde, de schriver schall ju kundigen, wu de schoduvel ore dingk holden schullen, dar möge gy na hören. So kündiget de schriver alldüs: Idt enschall nemendt schoduevel lopen, de schaffer van jowelker rotte enbringe(n) erst pande vor tein mardk by dem Radt. Ock enschullen de schoduevel nicht-4open in de kercken, edder tfp de kerdchöve, bestubben edder sdhlan. Dusse pande schullen die Borgermester to sidc nemen, ein jowelck in sinem Wickbelde, dar schoduvel lopen wilt, unde holden de to des Rades hand darup,- effte juwelker rotte wol wesen hedde, de ungevog gedaen hedde in dem schoduvele, in kercken edder up kerdc-höven, edder in geistlichen personen; dar me na de dinge na hebben moste, edder kost darup liden, dat me sedc darane verhalde: also lange namhafftig gemaket worde, de de ungevog gedan hedde, unde den Radt unde de partie von derwegen schaden beneme.

In dem Fragmentum Chronici Hildeshemmensisheißt es:

Anno 1428 liepen eilff Schodüvels tho Hildensheimb up der straten … (folgen 11 Namen) … der worden etliche erslagen, dan sie sich övell up der stratten anstellenden; deden frauwen, megde und kinder verfehren, darvon hefft dat Schodüvels Creuze in Hildensheimb vor der korsners hoffe stahend den namen bekomen.

Offenbar haben wir hier einen altheidnischen Weihnachtsbrauch vor uns. Wichtig ist, daß den Masken das Betreten der Kirchen und Kirchhöfe verboten ist. Ich erinnere an andere brauchtümliche Gestalten, die ebenfalls die Kirche nicht betreten dürfen und sich beim Läuten der Kirchenglocken verstecken müssen. Ferner weise ich auf den Zusammenhang mit den bekannten Kirchhofstänzen hin. Auch scheinen in Braunschweig die Geistlichen von den Masken gehänselt zu sein. Der Hildesheimer Beleg ist uns darum wichtig, weil er zeigt, wie ernst der Hintergrund dieser »Belustigungen« oft sein kann! Wolfram berichtet, daß die Schmiede der Gegend um Warburg um die Mitte des 16. Jahrhunderts zu Fasnacht den Schwerttanz tanzten, während sie zu Weihnachten als Schodüvel auftraten. Auch eine politische Rolle scheinen diese »Cumpanien« der Schodüvel gespielt zu haben. 1397 ermordeten sie bei ihrem Tanz den Bischof Burchhard von Magdeburg:

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Germanengut im Zunftbrauch