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In der Galerie – Kunstgemälde der Kasseler Galerie (1907) werden 40 Abbildungen gezeigt.

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Ausgewählte Abbildungen aus der Galerie.
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Gezeigte Kunstgemälde in der Galerie

1. ANTONIS MOR, Bildnis Wilhelms I. von Oranlen-Nassau
2. FRANS HALS, Die singenden Knaben
3. FRANS HALS, Der junge Mann mit dem Schlapphut
4. REMBRANDT VAN RIJN, Saskia
5. REMBRANDT VAN RIJN, Nicolaus Bruyningh
6. REMBRANDT VAN RIJN, Der Architekt
7. GERARD TER BORCH, Die Lautenspielerin
3. JACOB ISAAKSZOON VAN RUISDAEL, Der Wasserfall
9. PETER PAUL RUBENS, Der Orientale
10. FLORENTINISCHE (?) SCHULE, Bildnis des spanischen Dichters Garcilaso de la Vega
11. TIZIANO VECELLIO, Bildnis eines vornehmen italienischen Kriegsmannes
12. PAOLO VERONESE (?) oder LAMBARD SUSTRIS, Die sterbende Kleopatra
13. REMBRANDT VAN RIJN, Die sogenannte Holzhackerfamilie
14. REMBRANDT VAN RIJN, Landschaft mit Ruine
15. REMBRANDT VAN RIJN, Der Segen Jakobs
16. JAN STEEN, Das Bohnenfest
17. PHILIPS WOUWERMAN, Der Scheck vor, der Schmiede
18. PHILIPS WOU WERMAN, Feldarbeiter bei der Mittagsrast
19. ADRIAEN VAN DE VELDE, Strand von Scheveningen
20. MELCHIOR D'HONDECOETER, Der weiße Pfau
21. JACOB SALOMONSZOON VAN RUISDAEL, Die Herde am Waldeingang
22. PETER PAUL RUBENS, Die Flucht nach Ägypten
23. ANTONIUS VAN DYCK, Sebastian Leerse mit Frau und Kind
24. ANTWERPENER SCHULE (?), Die Anbetung der Hirten
25. GONZALES COQUES, Der junge Gelehrte und seine Schwester
26. ANTONIS MOR, Bildnis des Johann Gallus
27. GERARD DOU, Rembrandts Vater
28. GERARD DOU, Rembrandts Mutter
29. ADRIAEN VAN OST ADE, Bauern unter einer Sommerlaube
30. ADRIAEN VAN DER WERFF, Der verliebte Schäfer
31. NICOLAS POUSSIN, Bacchische Szene
32. JACOPO TINYORE ro, Bildnis eines Edelmannes
33. JOHANN ROTTENHAMMER, Heilige Familie
34. REMBRAND VAN RIJN, Winterlandschaft
35. PAUL POTER, Kühe auf der Weide
36. ARNOUD VAN DER NEER, Sonnenuntergang
37. JAN BRUEGHEL DER ÄLTERE, Dorfstraße
38. JACOB JORDAENS, Der Apfelschimmel
39. THOMAS GAINSBOROUGH, Landschaft
40. HANS IHOMA, Landschaftsstudie

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Landschaftsstudie


Die hier wiedergegebene Landschaftsstudie Hans Thomas stammt aus dem Jahre J880. Sie trägt entschieden südliches Gepräge. Thoma war 1874 in Italien gewesen, er war mit gefüllten Skizzenbüchern heimgekehrt und hatte 1876 seinen dauernden Wohnsitz in Frankfurt am Main genommen. „Dieser Aufenthalt in Italien“, so schrieb Hans Thoma selbst, „war von bestimmendem Einfluß für mein Schaffen, ich brauchte es nicht zu ändern, sondern ich strebte nach Vollendung und Klarheit. Was andere taten und wie die Ausstellungen aussahen, war für mich gleichgültiger als je. Der Gedanke, einsam zu sein, drückte mich nicht mehr, ein hohes Freiheitsgefühl belebte mich und ließ alle kleinlichen Sorgen, die sich massenweise nahten, nicht zum Siege kommen.0 — Es war in Frankfurt damals noch längst nicht die Zeit, da Hans Thoma Mode war. Im engeren Kreise fand er Freunde und Bewunderer seiner Kunst, weitere Kreise hatten noch immer nur Spott und Mißachtung für sein Schaffen. „In diesen Frankfurter Jahrzehnten, in welchen die Handelsstadt nichts von ihm wissen wollte, ihre ausendmarkscheine für Grützner, Achenbach und Knaus ausgab und Grützner, Achenbach und Knaus für unverrückbare Werte hielt, malte er nach seinem freien Willen und Geschmack. Die Notizen in seinem Skizzenbuch, die noch viel reicheren Notizen in seinem eminenten Gedächtnis wurden zu Bildern. Aus dem Schwarzwald und aus Italien, aus der Wirklichkeit, aus der Legende, aus dem Märchen, aus der Phantasie überströmten ihn die Stoffe — er gab ihnen Gestalt, Farbe, Leben —, bedauerte, daß er nicht längere Tageshelle, daß er nicht mehr Hände habe. Sein ganzes unablässiges Schaffen, nach der Natur, nach dem Modell, nach Gedächtnis und Phantasie, wie es diese siebziger und achtziger Jahre erfüllte, war ein frohes Ernten.“ (A. Spier in der Kunst unserer Zeit, 11. Band.) In den Jahren 1880 und 1887 war Thoma wieder in Italien, schaute, zeichnete, malte, brachte neue Reichtümer nach Hause. Zu diesen gehörte unsere Landschaftsstudie. Ob aber auch das Motiv italienisch ist, man sieht es auf den ersten Blick, daß nur ein Deutscher das Bild gemalt haben kann, und von diesen eben wieder nur Hans Thoma., Es ist Größe und Kraft in dem Motive, aber ebensoviel anheimelnde Innigkeit und tiefe Empfindung. Wie köstlich ist die Gruppe zur Linken, die man als Flucht der heiligen Familie nach Ägypten deuten mag, wie reizvoll ist die Gruppe der drei spielenden Kinder im Vordergründe, wie natürlich und ungezwungen geben die Gestalten auf dem Wege die Empfindung des Heimkehrens. Natur und Menschen eins — Sonnenschein, Heiterkeit, Frieden, Ruhe, stilles Glück —, all das spricht zu uns in keuscher, aufrichtiger Innigkeit. Wer die Natur so sieht und malt, der muß sie innig lieben, und wir lernen sie wieder lieben durch den Künstler, der so eins ist mit ihrer stillen Schönheit.

Aus dem Buch “Album der Casseler Galerie” von 1907.

HANS THOMA 1839-1924 Kasseler Galerie

 

 

Landschaft


Der hoch geschätzte Porträtmaler Thomas Gainsborough ist zugleich der Begründer der modernen englischen Landschaftsmalerei, ausgezeichnet durch seinen aufrichtigen Sinn für die einfache Natur und durch eine frische und ungekünstelte Auffassung, die das künstlerische Interesse der Engländer an der Landschaft wesentlich mit gefördert hat. Bilder von ihm kommen auf dem Kontinent ausserordentlich selten vor. Die 1892 versteigerte Sammlung von Edward Habich in Kassel besass drei Landschaften, von denen die hier mitgeteilte für die Galerie erworben wurde. So klein sie ist, so viel Leben und Stimmung spricht sich in ihrer breiten und flotten Malweise aus. Ein feuchter, duftiger Herbsttag mit aufklärendem Licht, vorne steht ein Wassertümpel. Das Laub hat sich gefärbt, die zwei schlanken Birkenstämme sind zum I’eil schon entblättert. Der bildeinwärts führende Waldweg ist von einem Wanderer belebt. Munter leuchtet das kräftige, warme Rot eines Ziegeldaches auf.

Aus dem Buch “Album der Casseler Galerie” von 1907.

THOMAS GAINSBOROUGH 1727-1788

 

 

Der Apfelschimmel


Für den oberflächlichen Blick hat der Antwerpener Jacob Jordaens einige Ähnlichkeit mit dem sechzehn Jahre älteren Rubens. Sie hatten ja denselben Lehrer gehabt» Adam van Noort; als der eine noch bei diesem lernte» war der andere schon Hofmaler in Antwerpen. Näher angesehen sind sie doch sehr verschieden. Bei Rubens denkt jeder zuerst an die Pracht kirchlicher Feste, er hört das Rauschen kostbarer Gewänder und achtet unwillkürlich auf den anspruchsvollen Wink der hohen italienischen Gebärde. Der naturwüchsige, etwas plumpe Jordaens, der Adam van Noorts Schwiegersohn wird und von der derben, knorrigen Art des Alten offenbar ziemlich viel in seine Kunst mit herübergenommen hat, will durchaus volkstümlich sein. Biblische Gegenstände verlegt er aus dem Kirchenbarock des Rubensstils auf die Gasse» Mythologisches malt er wie für Bauern, alles gewöhnlich in mächtigem Format und in der Wirkung auf starke Nerven und gröbere Instinkte berechnet. In Italien ist er nicht gewesen; was etwa daran erinnert in seinen Bildern, mag er grossenteils Rubens abgesehen haben, dem er übrigens in voller Selbständigkeit gegenübersteht. Dagegen mutet uns manches bei ihm holländisch an; er war auch heimlicher Kalvinist und verkehrte viel in Holland. Als Künstler war er zu seiner Zeit höchst angesehen und gesucht, dabei äusserst fleissig und fruchtbar. Seine plastisch hervortretenden Figuren sind ungemein sicher gezeichnet, wundervoll malt er Tiere, Geräte, Blumen und landschaftliches Beiwerk, als Kolorist ist er ganz selbständig: er hat mehr Helldunkel als Rubens und geht von prächtig frischen Lokalfarben später zu einer mehr tonigen Malweise mit metallisch glänzenden Lichtern über. — In dem hier wiedergegebenen schönen farbigen Bilde der Kasseler Galerie (wo er überhaupt in allen Arten ausser im Kirchenbilde am besten kennen Zu lernen ist) zeigt er sich uns wesentlich zahmer und gesellschaftlich feiner als sonst; man schrieb es ehemals der Schule von Rubens zu» es ist jedoch mit Jordaens Namen bezeichnet. Was mag es bedeuten? Als Genrebild würde es für einen Besteller oder Käufer schwerlich Anziehung genug gehabt haben. Es ist offenbar ein Porträt und hauptsächlich dem prächtigen Apfelschimmel zuliebe gemalt worden, den sich sein Besitzer hier vorführen lässt. Der alte Herr steht vor dem — vielleicht ein wenig idealisierten — Portal seines Hauses, hinter ihm seine Tochter, und der bäurische Merkur — den ein Rubens anders gegeben haben würde — wird den Kaufmannsstand des Bestellers ausdrücken sollen.

Aus dem Buch “Album der Casseler Galerie” von 1907.

JACOB JORDAENS 1593-1678 Kasseler Galerie