Schlagwort: Kriegerdenkmal

von Professor Hugo Eberhardt zu Offenbach A.M.

Auf dem Friedhof zu Offenbach liegen zehn brave Landsturmmänner begraben, die in treuer Pflichterfüllung bei heimatlicher Kriegsarbeit ihrem Berufe zum Opfer gefallen sind. Es galt die 10 Grabstätten in einem Grabmal mit Denkmalcharakter zusammen zu fassen, und das hatte so zu geschehen, daß die Einzelgräber als solche dennoch erkennbar waren. Die Aufgabe wurde gelöst durch eine gesimsgekrönte Pfeilerumfriedigung aus Kirchheimer Muschelkalk, rechts und links je eine rasenbedeckte Gräberreihe mit 5 Gräbern, geteilt durch einen Plattengang, auf dessen Mitte sich eine mit Adlern geschmückte monumentale Steinvase erhebt.

Beiderseits zwischen den Pfeilern nehmen zehn auf der Abbildung mit Kränzen belegte Abdeckplatten des rauhbossierten Sockels die Namen der im Dienste des Vaterlandes Gebliebenen, hier zur letzten Ruhe bestatteten, auf. Das Gesims erhielt nach Fertigstellung der gezeigten Aufnahme noch eine ringsum laufende Inschrift. Die Pfeiler sind gekrönt durch reiche Kapitelle mit Männer- und Frauenköpfen darstellend, Mut, Beharrlichkeit, Trauer und Schmerz.

Die Bildhauer-Arbeiten des Denkmals entstammen der Hand Karl Hubers, Offenbach a. M.

An den Pfeilern rankt die dünnzweigige Klematis hoch und hüllt die ruhig-graue friedliche Grabstätte in einen zarten durchsichtigen, aber farbenstarken violetten Blütenschleier.

Das Wesen der Größe ist aber auf allen Stufen dasselbe: daß man aus dem Vielfältigen der Sichtbarkeit das Eine heraussieht, in dem die entscheidende Bedeutung steckt. Das andere braucht man nicht fallen zu lassen, aber es soll sich so weit unter-ordnen, daß die führende Stimme klar heraustönt. Es ist gleichgültig, was es sei, ein bloßer Kopf, oder eine Historie: immer müssen diese Verhältnisse der Neben- und Unteroidnung gewahrt bleiben und das Auge fähig gemacht sein, unmittelbar und leicht das Wesentliche zu fassen.

Siehe auch:
Münchener Kunstausstellung-Glaspalast 1927
Die Kunst und die Gegenwart
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Modernes Sammlertum
Zur Neuaufstellung des Völkerkunde-Museums in München
Friedrich Stahl
Holzschnitte von Josef Weiss
Europa und die Ostasiatische Kunst

Kriegerdenkmäler Kunstartikel

Von Johannes Linke.

In dem stattlichen Schwabendorfe Aichhardt kreuzen sich seit undenklichen Zeiten drei Straßen, und vielleicht verdankt das Dorf dieser Straßenkreuzung überhaupt seine Entstehung. Die Schmiede, ein Kramladen, die Wagnerei und das Wirtshaus „Zum goldenen Roß“ wenden ihre hohen Fachwerkgiebel dem Platze zu, der sich dort ausgeweitet hat, und etliche Bauernhäuser, wohlgebaut und besser gepflegt als in den umliegenden Dörfern, stehen dabei.

Bis zum Kriege ragte in der Mitte dieses Platzes eine gewaltige Eiche, die viel älter sein mochte als die Grundmauern der ersten Häuser im Dorfe, älter wohl auch als die drei Straßen, und reckte ihr Astwerk hoch über die Dachfirste hinaus. Im Jahre 1917 fingen einige der Hauptäste an zu verdorren und abzusterben, bei den Herbststürmen gegen Kriegsende brach ein solcher Ast nieder, der so stark war wie mancher Baumstamm, und erschlug ein Kind, und da die Gefahr bestand, daß die alte Eiche noch mehr Unheil anrichtete sollte sie ausgegraben werden.

Als aber die großen Aste abgesägt waren, die morschen wie die gesunden, legte sich der Wagner Scholterbeck, der das Eichenholz am besten hätte brauchen können, ins Mittel und meinte, nun sei ja die Gefahr beseitigt; den Stamm, den drei Männer mit Mühe umspannten, sollten sie zum Andenken stehen lassen, damit er das Wahrzeichen des Dorfes werde, wie es einst der Eichbaum gewesen sei. Da das Ausgraben des unbändigen Stammes eine heillose Mühe und Anstrengung gemacht hätte und es nach den Jahren der Frauenherrschaft allenthalben in Feld und Hof, in den Obstgärten und an den Weinbergen mehr Arbeit gab, als die Aichhardter bewältigen konnten, erklärten sie sich nur allzu gern damit einverstanden und ließen den kronenlosen Eichenstamm stehen, wo er immer gestanden hatte.

Leitgedanken

Durch die Taten unsrer Krieger in Südwestafrika, durch die Leistungen unsrer deutschen Ansiedler auf wirtschaftlichem Gebiet und durch die rastlose Aufklärungsarbeit in der Heimat sind unsre Kolonien allmählich zu Ehren gelangt. Aeusserlich kommt dies u. a. auch darin zum Ausdruck, dass man das Andenken unsrer Kolonialpioniere durch bleibende Zeichen der Erinnerung mehr als früher zu ehren beginnt. Man hat die 25jährige Jubelfeier einiger von unsern Kolonien dazu benutzt, z. B. Hermann von Wissmann in Daressalam und in seiner Heimat Lauterberg a. H. ein Denkmal zu setzen, man hat zu Ehren von Adolf Lüderitz, des Gründers von Deutsch-Südwest, in Lüderitzbucht eine öffentliche Lesehalle ins Leben gerufen und soeben ist auf dem Wege des Wettbewerbs der Entwurf für ein Kriegerdenkmal in Windhuk beschafft worden. Die dabei vorgelegten Arbeiten — der an erster Stelle prämiierte und zur Ausführung bestimmte Entwurf nicht ausgenommen — weichen von dem Herkömmlichen nicht ab, obwohl die deutsche Kunst hier einmal Gelegenheit gehabt hätte, etwas Neuartiges, Originelles zu schaffen. Dies ist nicht geschehen und darum wird das Erinnerungszeichen an die südwestafrikanischen Krieger eben in dem oft gesehenen Reiter bestehen, der in die Ferne blickt. Im Grunde genommen kann man unsern Künstlern daraus keinen Vorwurf machen. Sie haben die Kolonien eben nicht aus eigner Anschauung kennen gelernt, ja nicht einmal Gelegenheit gehabt, sich in das Wesen und den Geist der kolonialen Sache einzuleben und hineinzudenken. Es erhebt sich daraus die Frage: muss es denn immer eine Statue oder eine allegorische Figur sein, durch die das Andenken bahnbrechender Persönlichkeiten, in diesem Falle unsrer Kolonialpioniere, geehrt wird? Einmal ist man ja schon von der herkömmlichen Schablone abgegangen, nämlich bei dererwähntenLüderitz-Gedächtnishalle in Lüderitzbucht.

Kolonie und Heimat