Abbildungen Weltgeschichte

Durch die Niederwerfung der Revolution, zu der er selbst so viel beigetragen, in seinem ohnehin schon überschäumenden Selbstgefühl weiter bestärkt, wähnte sich Zar Nikolaus unüberwindlich und glaubte, daß ihm alles gelingen müsse. Aus reinem Übermute begann er 1853 einen Krieg gegen die Türkei. Dies benutzte England, um den Russen einen empfindlichen Schlag zu versetzen. Schon längst war ihnen die Ausbreitung der Russen ein Dorn im Auge. Nun aber schickten sich die Russen an, auch noch die Amurländer zu besetzen, und neuerdings in Mittelasien vorzugehen; dazu marschierten sie jetzt gegen Kars und Erzerum, näherten sich also dem Mittelmeere. Um die Russen zurückzuwerfen, versicherte sich England des Beistands der Franzosen und Italiener, die doch an dieser Zurückdrängung kein Interesse hatten. Die Russen errangen einen vorübergehenden Erfolg, indem sie die türkische Flotte bei Sinope, am Südrande des Schwarzen Meeres, vernichteten. Dafür drangen englische und französische Schiffe in das Schwarze Meer ein und zwangen die Russen, sich auf die Verteidigung zu beschränken. Der Mittelpunkt des Krieges wurde Sewastopol. Die Truppen der Westmächte machten glänzende Angriffe bei Inkerman und Bala-clava, aber kamen seltsamerweise nicht auf den einzig richtigen Gedanken, nämlich die Krim an der schmalen Landzunge, die sie mit dem festländischen Rußland verbindet, abzuschnüren; da dies versäumt wurde, ging der Transport russischer Truppen munter weiter. In der Festung selbst schaltete ein Mann aus deutschem Blute, der geniale Artillerist General Totleben, und leitete die Verteidigung so, daß die Truppen der verbündeten vier Mächte, daß Türken, Briten, Franzosen und Italiener, die zusammen eine viertel Million zählten, viele Monate hindurch keine Fortschritte machten. Auch ein anderer Deutscher wurde den Russen nützlich, nämlich Siemens, der eine Telegraphenlinie während des Krieges legte und hier die erste größere Probe seines Könnens lieferte. Die Erstürmung des Malakoff-Turmes durch die Franzosen brachte endlich 1855 Sewastopol zur Übergabe. Zar Nikolaus war noch vorher aus Verdruß über das Scheitern seiner hochfliegenden Pläne gestorben. Bei der Ausdehnung des russischen Reiches wurden auch andere Gebiete in den Krimkrieg hineingezogen. Vor allen Dingen Armenien, wo die russischen Waffen in der Hauptsache siegreich waren. Sodann die Ostsee; dort kreuzten englische und französische Schiffe bis vor Kronstadt, ohne jedoch erhebliches auszurichten. Andere Schiffe griffen Nikolajewsk, das soeben gegründete, an der Mündung des Amur an, wurden jedoch zurückgeschlagen.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
Hellenismus
Wuti und Cäsar
Römischer Imperialismus
Germanen
Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
Die Condottieri
Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation
Entdeckungen und Erfindungen : Europäer in Afrika, Asien und Amerika
Entdeckungen und Erfindungen : Südeuropa gegen Nordeuropa
Aufstieg der Nordvölker : Holländer und Engländer
Aufstieg der Nordvölker : Kämpfe in Ostasien
Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens
Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große
Aufstieg der Nordvölker : Das Wachstum Preußens
Aufstieg der Nordvölker : England und Frankreich werden Weltmächte
Aufstieg der Nordvölker : Friedrich der Große
Aufstieg der Nordvölker : Die Vereinigten Staaten von Amerika
Zeitalter der Revolutionen : Napoleon
Zeitalter der Revolutionen : Wachstum Englands
Zeitalter der Revolutionen : Lateinisch-Amerika unabhängig
Zeitalter der Revolutionen : Heilige Allianz und Romantik
Zeitalter der Revolutionen : Die Woge des Liberalismus
Zeitalter der Revolutionen : Englands Hand über Asien und Afrika
Zeitalter der Revolutionen : 1848

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