Es hieße das gegebene Thema einseitig behandeln, wenn in diesem Buche nicht neben dem Explosionsmotor der Elektromotor behandelt würde. Auch dieser hat in den letzten Jahren zum Antrieb von Fahrzeugen und als transportabler Motor die größte Vervollkommnung erfahren. Leider eignet sich der Elektromotor nicht für jedes Gut, wie der Spiritus- bzw. der Benzinmotor, denn noch ist seine Anschaffung dort, wo elektrischer Strom von einer nahegelegenen Zentrale oder durch Ausnutzung einer Wasserkraft billig zu beschaffen ist, sehr in Erwägung zu ziehen. Für solche Güter aber, welche nicht mit einem Großbetriebe, z. B. einer Brennerei oder einer Zuckerfabrik, in Verbindung stehen, würde die Umwandlung des Betriebes in den elektrischen mit zu großen Unkosten verknüpft sein.

Die elektrische Kraftübertragung ist die beste, welche wir besitzen. Es ist diese geradezu als ideal zu bezeichnen, denn einige Drähte genügen, um die Kraft überall hinzuleiten, soweit dieses sich natürlich mit der Praxis vereinbaren läßt. Die nachstehenden Bilder und Angaben sind mir von den bekannten Siemens-Schuckert-Werken in Berlin zur Verfügung gestellt worden und lassen erkennen, mit welcher Energie sich bereits die elektrische Industrie der Landwirtschaft annimmt. Die Angaben dieser Weltfirma machen insofern schon einen recht guten Eindruck, weil sie ohne Schönfärberei und rein objektiv gehalten sind. Messungen über den Kraftbedarf von Maschinen lassen sich bei dem elektrischen Betriebe bekanntlich sehr leicht und einfach anstellen, und die angeführte Firma teilt mit, daß zum Pflügen im Mittel 30—50 PS. notwendig sind. Die zur Anwendung kommenden Pflugmaschinen sind nach demselben Prinzip konstruiert, wie die Dampflokomotiven. Wir haben daher das Einmaschinen- und das Zweimaschinensystem zu unterscheiden.

Read More Die Elektrizität im Dienste der Landwirtschaft

Automobilmotor und Landwirtschaft


Die Firma H. P. Saunderson & Co. in Redford baut Petroleum- und Benzinmotoren von 2 ½ —25 PS. mit einem oder zwei Zylindern. Namentlich werden schwere Kohlenwasserstoffe benutzt, wovon meistens das billige Paraffinöl, ein Destillat, welches aus der Braunkohle gewonnen wird, bei uns deshalb auch Braunkohlenöl genannt, zur Anwendung kommt. Im Gegensatz zu dem „Ivel“motor werden bei dieser Maschine alle drei Räder angetrieben, wobei die Vorderräder zur Lenkung eingerichtet sind.

Der Antrieb der Vorderräder wird wohl in Zukunft für solche Zugmaschinen, welche Sandwege befahren sollen, gefordert werden müssen, denn die Vorderräder klettern gewissermaßen über den Sand und bohren sich nicht so fest ein, als wenn der Wagen geschoben wird. Der Motor leistet 25 PS. und ist mit einem drei- bis sechsscharigen Pfluge versehen, der abmontiert werden kann, wenn stationäre Maschinen angetrieben werden sollen, oder wenn er als Vorspann für einen Lastwagen benutzt werden soll.

Wenn die Maschine vor zwei Bindern geht, soll sie in einem Tage 20 Acker oder ca. 30 Morgen Getreide mähen und binden, wozu für 14 sh Petroleum oder für 3 sh 4 d Paraffinöl gebraucht werden. Vergleichspreise, die einen Rückschluß auf deutsche Verhältnisse zulassen, sind nicht bekannt, man kann aber mit ca. 125 Liter Petroleum pro Tag rechnen.

Read More Saunderson Motor Cultivator

Automobilmotor und Landwirtschaft

…Domänen und Forsten für eine Vorspannmaschine mit Spiritusbctrieb.

Das Kriegsministerium und das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten setzen für die besten in Deutschland hergestellten Vorspannmaschinen mit Spiritusmotor, welche den unten stehenden Bedingungen entsprechen, folgende Preise aus:

I. Preis 10 000 Mk.,

II. Preis 5000 Mk.,

III. Preis 2000 Mk.

A. Militärische Anforderungen:

1. Das Gesamtgewicht der Vorspannmaschine einschließlich Bemannung, sämtlichen Betriebsstoffen, Zubehör an Werkzeug und Gerät, Reservestücken und Mannschaftsgepäck darf 7500 kg nicht überschreiten; dabei soll die sclnverstbeladene Achse (Triebachse) nicht über 5000 kg Achsdruck ausüben.

2. Die Vorspannmaschine soll auf guten Straßen, deren Steigungen 1 : 10 nicht überschreiten, imstande sein, eine angehängte Bruttolast von 15 000 kg mit einer mittleren Geschwindigkeit von 5 km/h täglich 70 km weit zu schleppen. Eine höhere Geschwindigkeit als 8 km/h soll dabei nicht angewendet werden. Betriebsstoffe, Kühlwasser und sonstiger Bedarf sind lediglich auf der Maschine selbst mitzuführen.

Der Vorrat an Betriebsstoffen soll für mindestens zwei Tagesmärsche mit voller Last ausreichen; das Kühlwasser darf täglich ergänzt werden.

3. Steigungen bis 1:5 soll die Maschine noch ohne Anhänge wagen herauffahren können; sie soll Windevor-richtungen besitzen, um ihre Nutzlast im ganzen oder in zwei Teilen am Seil heranzuziehen, wobei sie stationär zu arbeiten hat. Es ist gestattet, zur Erreichung des für die unter 2 und 3 genannten Aufgaben erforderlichen Reibungsgewichtes Nutzlast als Ballast aufzunehmen, sofern dabei die unter 1 genannten Gewichtsgrenzen nicht überschritten werden.

Wo die vorhandenen Straßenbrücken höhere Achsdrucke zulassen als unter 1 angegeben, soll es als besonders erwünscht gelten, diese durch Nutzlast zu erreichen und vermöge der erzielten höheren Reibungsgewichte das Schleppen von mehr als 15 000 kg Zuglast zu ermöglichen. Maschinenkraft und Tragfähigkeit der Vorspannmaschine würden hiernach zu erhöhen sein.

4. Die Vorspannmaschine soll auf allen Arten von Wegen und Straßen, welche von mit Pferden bespannten, belasteten Fahrzeugen benutzbar sind, mit Last fahren können, auch wenn die Wege ausgefahren und uneben sind und stark wechselnde Gefällverhäitnisse auf weisen. Sie muß auch imstande sein, an geeigneten Stellen die Straße zu verlassen und — wenigstens ohne angehängte Last — Heide-, Wiesen- oder Ackerland usw. zu befahren.

Zu diesem Behufe soll sie derart gebaut sein, daß keine empfindlichen Teile beim Versinken auf weichen Stellen den Boden berühren; Furten mit festem Untergründe und bis 0,40 m Wassertiefe müssen durchfahren werden können.

5. Die Maschine muß sowohl vorwärts wie rückwärts mit entsprechend angehängter Last fahren können. Während aber für den Vorwärtsgang es möglich sein muß, mit jeder beliebigen Geschwindigkeit bis zu 8 km/h zu fahren (und dabei nach Umständen die volle Maschinenkraft wirken zu lassen), genügen für den Rückwärtslauf Geschwindigkeiten bis zu 3 km/h. Die kleinste Vorwärtsbewegung soll zwecks leichten und sanften Anfahrens, sowie zur Vermeidung von Schleudern der Treibräder, so gering wie möglich bemessen werden.

Die Wahl der Mittel, um die verschiedenen Geschwindigkeiten zu erreichen, bleibt dem Konstrukteur überlassen (Wechselräder, hydraulische, elektrische, Hebelübertragung usw.).

6. Es sollen zwei voneinander unabhängige Bremsen vorhanden sein; zur Sicherung des Betriebes auf Steigungen ist eine Bremsvorkehrung anzuwenden, welche bei unbeabsichtigtem Rückwärtslauf automatisch in Tätigkeit tritt, aber bei beabsichtigter Rückwärtsfahrt zwangläufig ausgeschaltet wird.

7. Die Achsen müssen gut abgefedert sein.

8. Die Bedienung muß zeitweise durch einen Mann allein erfolgen können; mehr als zwei Mann sollen für die Maschine nicht erforderlich sein. Die Maschine muß jedoch Sitzplatz für ein Reservepersonal bieten. Für sämtliches Personal soll angemessener Schutz gegen die Unbilden der Witterung vorhanden oder leicht zu schaffen sein.

9. Alle Handhaben müssen so angeordnet sein, daß Vorwärts- und Rückwärtsgang, Geschwindigkeit und Richtung gewechselt werden können, auch gebremst und geölt werden kann, ohne daß jemand zu diesem Behufe absteigen muß.

10. Zum Schutze des Getriebes gegen Staub und Schmutz sind besondere Vorkehrungen zu treffen; etwaige Einkapselungen müssen indes so eingerichtet sein, daß sie bei der erforderlichen Dichtigkeit doch leicht entfernbar sind, damit die zu schützenden Maschinenteile leicht beaufsichtigt und schnell instand gesetzt werden können. Bequeme Zugänglichkeit aller Teile ist Erfordernis.

11. Als Material für das Drahtseil der Windevorrichtung ist bester galvanisierter Stahldraht (Patent-Pflugstahldraht) zu wählen. Die Bruchbelastungsfähigkeit des Seiles muß der hohen Beanspruchung beim Anziehen und bei ruckweisem Ziehen infolge von Verschiedenheiten der Straßenwiderstände mit angehängter Last von 15 t auf Steigungen von 1 :5 mit genügendem Überschuß entsprechen. Das Seil ist derartig zu führen, daß ein sicheres Auf- und Abrollen ohne heftige Schläge und Rucke erfolgt. Das Seil muß während des Vorwärtsfahrens der vom Lastzug losgekuppelten Maschine ablaufen können.

12. Die Treibräder sollen einen Durchmesser von nicht unter 1,60 m und nicht über 2,00 m haben, bei einer Rcifenbreite von nicht unter 40, möglichst etwa 50 cm.

13. Folgende Maße müssen im übrigen innegehalten werden:

Höhe aller festen Teile der Maschine über der
Standfläche nicht mehr als ……. 250 cm
Höhe aller beweglichen Teile (einschließlich eines
etwaigen Daches)………… 360 „
Breite nicht über………….215,,
Länge nicht über…………. 600 „
Radstand nicht über……….. 350 „

14. Bezüglich des Betriebsstoffes ist Bedingung, daß der Motor in erster Linie mit Spiritus — und zwar möglichst ohne fremde Beimischungen — gleichmäßig und wirtschaftlich arbeitet, und daß dieser Betrieb keinen schädlichen Einfluß auf den Motor ausübt. Es wird ferner gefordert, daß der Motor stets sofortige Betriebsbereitschaft besitzt; zum Anlassen Benzin usw. in kleinen Mengen mitzuführen ist zulässig. Erwünscht ist es, Einrichtungen zu treffen für die Verwendung beliebiger für Explosionsmotoren in Frage kommender Stoffe, ev. unter Anwendung verschiedener Vergaser, die aber leicht auswechselbar sein müssen. Bezüglich der Anordnung des Motors wird keine Vorschrift gegeben, als daß er dem neuesten Stande der Technik des Motorbaues entsprechen und elektrische Zündung mit eigener Stromerzeugung besitzen muß.

15. Alle Gefäße, welche Vorrat an leicht entflammbaren Stoffen enthalten, müssen explosionssichere Verschlüsse besitzen.

16. Etwaige Schwungräder sind aus bestem Stahl zu fertigen; sie sollen so angeordnet sein, daß sie die Bedienungsmannschaften in keiner Weise gefährden.

17. Die Maschine muß leicht und für die Bedienung ungefährlich in Gang gesetzt werden können. Stöße oder lästiges Geräusch sollen weder beim Anfahren noch beim Wechsel der Geschwindigkeit usw. entstehen.

18. Falls Schrägstreifen zur Erzielung besserer Reibung auf der Wegefläche angewendet werden, soll deren Material durch oberflächliches Härten vor zu schneller Abnutzung geschützt sein. Dabei soll aber die Möglichkeit bestehen, einzelne Streifen unterwegs leicht auszuwechseln. Die Streifen dürfen nicht dicker als 15 mm sein, und müssen im übrigen so angeordnet werden, daß sie mit den zur Zeit der Probefahrten geltenden Vorschriften im Einklänge stehen.

19. Es müssen Vorkehrungen getroffen sein, um auch bei Schnee, Eis und schlüpfrigem oder lockerem Boden vorwärts kommen zu können.

20. Die Zugvorrichtung muß zwecks Erzielung günstiger Zugrichtung für die Anhängewagen mindestens 85 cm über der Erdoberfläche liegen.

21. Jede Maschine muß mit einer 25 m langen Kette ausgerüstet sein, welche mit 6 Fahrzeugen von zusammen 15 000 kg Bruttolast auf Steigung 1:5 mit Sicherheit beansprucht werden darf.

22. Die Maschine soll 24 Stunden fahren können, ohne Ausbesserungen oder Reinigungen erforderlich zu machen. Bei Beurteilung der Brauchbarkeit der in Wettbewerb tretenden Fahrzeuge werden nachstehende Punkte besonders berücksichtigt werden:

a) Verhältnis des Eigengewichts (betriebsfertig) zum Gewichte der angehängten Bruttolast und Fähigkeit durch Vermehrung des Betriebsgewichts der Maschine mittels Ballastaufnahme eine entsprechende Steigerungder Bruttozuglast zu ermöglichen;
b) Verhältnis des Kaufpreises zur Leistung;
c) Verbrauch an Betriebsstoffen für 1 t/km;
d) die Zeiten, in welchen die vorgeschriebenen Tagesleistungen erreicht werden (bei Innehaltung der unter Ziffer 2 angegebenen Geschwindigkeiten);
e) Dauerhaftigkeit;
f) leichte Handhabung und Lenkbarkeit;
g) Zugänglichkeit der Teile;
h) Klarheit der gesamten Anordnung;
i) Vermeidung von Geräusch, Geruch und Dampf usw.

B. Prüfungsordnung:

1. Die Prüfungen der zum Wettbewerbe gestellten Fahrzeuge werden von der Versuchsabteilung der Verkehrstruppen unter Zuziehung eines Vertreters des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten geleitet; sie sollen sich auf etwa drei Wochen ausdehnen. Ein allgemeiner Plan über den in Aussicht genommenen Gang der einzelnen Prüfungen wird ausgearbeitet und allen denjenigen Bewerbern mitgeteilt werden, die ihre Teilnahme am Wettbewerbe spätestens bis zum 15. Januar 1903 durch Einsendung der gewissenhaft ausgefüllten, von der Versuchsabteilung der Verkehrstruppen, Berlin SW., Wilhelmstraße 101, zu erbittenden Anmeldelisten erklärt haben. Als äußerster Termin für die Bereitstellung der Fahrzeuge zur Prüfung wird vorläufig der 1. Februar 1903 bestimmt. Die Bestimmung eines anderen Termins in dem auszuarbeitenden Plane für die Prüfungen bleibt Vorbehalten.

Die Ministerien behalten sich ferner das Recht vor, nach Erfordernis über das Prüfungsprogramm hinausgehende Zusatzproben anzustellen. Die Versuchsabteilung ist ermächtigt, Maschinen, welche den bekannt gegebenen Anforderungen nicht entsprechen, ganz zurückzuweisen und solche, welche bei den Versuchen minderwertige Leistungen auf weisen, von der weiteren Prüfung auszuschließen.

2. Die Entscheidung in allen mit dem Wettbewerb zusammenhängenden Angelegenheiten trifft auf Vorschlag der Inspektion der Verkehrstruppen das Unterzeichnete Kriegsministerium. Die Entscheidung ist endgültig.

3. Es werden nur solche Vorspannmaschinen zugelassen, von denen maßstabsgerechte Zeichnungen, genaue Beschreibung mit allen Einzelheiten, sowie eine im einzelnen durchgeführte Berechnung des Kaufpreises vor Beginn der Prüfungen bei der Versuchsabteilung niedergelegt sind; etwaige Patentansprüche müssen dabei zum Ausdruck gebracht werden.

4. Wegen des Anfangstages und des Ortes der Versuche erfolgt die Mitteilung spätestens am 1. Januar 1903

5. Für geeignete Anhängewagen mit Belastung sorgt die Versuchsabteilung; dieselbe wird auch die erforderlichen Betriebsstoffe — diese gegen Erstattung der Selbstkosten — bereit halten.

6. Das Kriegsministerium behält sich das Recht vor, von den zur Prüfung bereitgestellten Fahrzeugen, ohne Rücksicht darauf, ob sie einen Preis erhalten, das eine oder andere zu den nach Ziffer 3 der Prüfungsordnung anzugebenden Preisen zu erwerben.

Berlin, den 1. April 1902.

Der Kriegsminister.
gez. von Podbielski.

Der Minister für Landwirtschaft
Domänen und Forsten, gez. von Goßler.

Siehe auch:
Die Bedeutung des Maschinenbetriebes in der Landwirtschaft

Automobilmotor und Landwirtschaft

Der kolossale Aufschwung, den das Kleingewerbe in den letzten 30 Jahren genommen hat, ist in erster Linie dem Gasmotor zuzuschreiben. Hunderttausende davon sind im Laufe der Jahre gebaut worden und alle verrichten Tag ein Tag aus zum Segen der Kleinindustrie ihre Dienste.

Der landwirtschaftliche Betrieb hat sich, bis auf wenige Ausnahmen, bisher immer noch an alte Überlieferungen, aus Großvaters Zeiten her, gehalten. Wohl sind schon viele Maschinen in Benutzung genommen, aber von einem reinen Maschinenbetriebe kann noch lange nicht die Rede sein. Dieses konservative Festhalten an alten Gewohnheiten war auch früher in unserer Industrie, soweit man von einer solchen überhaupt reden konnte, allgemein üblich. Die Folge davon war, daß wir Deutschen vom Auslande überflügelt wurden. Zu der Zeit sprach Professor Reuleaux die bekannten Worte „billig und schlecht“ gerade rechtzeitig genug und hat dadurch, obwohl er anfänglich mißverstanden wurde, sehr viel für sein Vaterland getan. Man hat sich das Ausland zum Muster genommen, und heute marschiert Deutschland mit seiner Industrie an der Spitze auf dem internationalen Weltmärkte.

Neue Maschinen und neue Arbeitsmethoden sind ins Land gekommen, und man hat gelernt, die Betriebe zu organisieren. Der Fabrikant, welcher früher nur der biedere Handwerker war, ist inzwischen Kaufmann geworden. Daher ist auch heute in einer modernen Werkstatt oder Fabrik von dem früheren handwerksmäßigem Arbeiten nichts mehr zu spüren.

Die Landwirtschaft hat aber von diesem Umschwung zum Bessern ebenfalls profitiert und den Maschinen immer mehr Beachtung geschenkt. Nach Band 112 der Statistik des Deutschen Reiches (A. Oschmann, Spirituskraftwagen für den landwirtschaftlichen Betrieb) waren im Jahre 1895 in 909 239 landwirtschaftlichen Betrieben 1696 Dampfpflüge, 259 364 Dampfdreschmaschinen und 596869 andere Dreschmaschinen im Gebrauch. Inzwischen wird noch eine ganz bedeutende Verschiebung stattgefunden haben, denn der große Vorzug des Maschinenbetriebes wird allgemein anerkannt. Hierzu sei erwähnt, daß sich bereits mehrere hundert Spiritusmotoren und Lokomobilen zur Zufriedenheit ihrer Besitzer im Betriebe befinden. Vereinzelt sind auch schon größere und kleinere Automobile für den Lastentransport, sowie durch Spiritusmotoren betriebene Feldbahnen im Gebrauch, abgesehen von den kleinen stationären Motoren, welche für die Zwecke der elektrischen Hausbeleuchtung und zum Wasserpumpen benutzt werden.

Die heute immer mehr überhand nehmende Leutenot und die Konkurrenz des Auslandes zwingt den Landwirt, die Maschinenkraft zur Arbeitsleistung mit heranzuziehen. Maschinen, die heute noch als entbehrlich betrachtet werden, machen sich in ganz kurzer Zeit vollständig unentbehrlich. Was würde wohl der Landwirt anfangen, wenn ihm plötzlich die Drillmaschinen, Mähmaschinen und Dreschmaschinen genommen würden? Anfangs ist jeder Landwirt ohne Frage mit Widerwillen an die Beschaffung der neuen Maschinen gegangen, aber mit der Zeit hat er die großen Vorzüge derselben kennen gelernt, so daß er ohne sie überhaupt nicht mehr existieren könnte. Betrachtet man die Landwirtschaft als Fabrikation, denn weiter ist sie doch eigentlich nichts, dann muß auch hier der Betrieb mit geeigneten Maschinen bedeutend leistungsfähiger und gewinnbringender gestaltet werden können.

Die Kraft der Menschen und der Tiere ist bisher immer durch die Maschinenkraft ersetzt worden. Noch sind keine 40 Jahre vergangen, als der erste Dampfpflug von John Fowler an den Kommerzienrat Freise in Wolmirstedt in der Provinz Sachsen geliefert wurde, und heute kann man wohl annehmen, daß ca. 2000 Dampfpflüge in Deutschland im Gebrauch sind.

Die kolossale Leistungsfähigkeit der Dampf pflüge ist hinlänglich bekannt und nur die hohen Anschaffungskosten verhinderten die schnellere Einführung. Laut Liste kostet ein Takel des Fowlerschen Zweimaschinensystems immer noch 40—63 000 Mk., je nach Stärke der Lokomotiven.

Es wird hier in diesem Buche noch von anderen Pflugmaschinen die Rede sein, weshalb es sich wohl verlohnt, etwas näher auf das Pflügen mit Dampf einzugehen. Bei dem Zweimaschinensystem wird der mehrscharige Kipppflug an einem Stahldrahtseil durch die rechts und links auf dem Schlag stehenden Lokomotiven hin- und hergezogen. Sobald der Pflug an dem einen Ende des Schlages angekommen ist, fahren die Lokomotiven durch eigene Kraft um die Furchenbreite vor, der Pflug wird wieder eingesetzt und nach dem anderen Ende gezogen. Hierbei macht derselbe eine Geschwindigkeit bis zu 7 km pro Stunde und die aufgeworfene Ackerkrume spritzt nur so nach allen Seiten, wie das Wasser am Bug eines Dampfers. Dadurch wird der Boden ganz gehörig durchgearbeitet und gelüftet, und das feine Wurzel werk wird vollkommen bloßgelegt. Wie in verschiedenen Vorträgen in landwirtschaftlichen Vereinen von berufener Seite klargelegt wurde, soll eine bedeutende Erhöhung der Ertragsfähigkeit durch das Pflügen mit Dampf stattfinden.

Hierüber finde ich in der interessanten Broschüre des Herrn Dr. Eisbein ,,Die Anwendung der Dampf kraft zur mechanischen Bearbeitung des Ackerfeldes“ in einem Vortrage des Herrn Oberamtmann Bödecker in Marienstein folgende Angaben:

,,Auf den Gütern des Erzherzogs Friedrich in Ungarn, auf denen seit 1872 etwa ein Dutzend Dampfpflug apparate in Betrieb gesetzt sind, hat man durch exakte komparative Versuche ermittelt, daß die Dampfkultur durchschnittlich folgende Mehrerträge lieferte: an Weizen 166 Pfund, an Gerste 250 Pfund, an Rüben 23 Zentner pro Morgen. Ich habe dieses in meiner Praxis im wesentlichen bestätigt gefunden.“

Dr. Eisbein gibt die Leistungsfähigkeit des kleinsten Takels mit 10 PS. Lokomotiven mit 500 ha (á 3,917 preuß. Morgen), des mittleren mit 15 PS. Lokomotiven mit 625 ha und des 20 PS. Takels mit 750 ha für die Herbstkampagne an. Für kleinere Güter, wo nicht mehr wie 1000—1500 Morgen in der Herbstkampagne gepflügt werden sollen, wird das Einmaschinensystem empfohlen.

Hierzu dient eine Lokomotive mit zwei Seiltrommeln, einem Ankerwagen und einer Eckverankerung. Das Seil läuft von der Lokomotive zum Ankerwagen, von diesem zur Eckverankerung und von hier zurück zur Lokomotive. Der Pflug wird zwischen Eckverankerung und Ankerwagen bewegt. Eine andere Methode ist Fowlers Umkreiselungssystem. Der Antrieb erfolgt durch eine Lokomobile oder durch eine Straßenlokomotive von ca. 12 PS.

Dieselbe wird am Kopfende des Schlages aufgestellt und ihre Welle steht durch ein Universalgelenk mit einem Windewagen in Verbindung. Auf diesem befinden sich zwei Seiltrommeln, die das geleitete Seil zwischen zwei Ankerwagen hin- und herziehen. Das Seil ist etwa 1300 m lang und wickelt sich entsprechend dem Vorrücken des Ankerwagens ab. Der Pflug geht zwischen den beiden Ankerwagen hin und her.

Während diese drei Systeme mit indirektem Zuge arbeiten, was vorzuziehen ist, arbeitet das letzte System mit direktem Zuge. An eine Straßenlokomotive, die mit extra breiten Rädern versehen ist, wird ein Kipppflug gespannt. Um das Wenden der Lokomotive zu vermeiden, sind an dem Rahmen derselben sowohl vorne als auch hinten Anhängeösen angebracht. Die Lokomotive kann also am Ende der Furchen Vorfahren, geht zurück, am Pflug vorbei, dieser wird an die andere Öse gehakt, umgekippt und wieder zurückgezogen.

Die Anwendung des direkten Zuges stellt große Anforderungen an die feste Bodenbeschaffenheit, denn da die Lokomotive auch ihr eigenes Gewicht schleppen muß, so wird hierzu sehr viel Kraft verbraucht. Hierbei ist zu bedenken, daß die Bewegung einer Last über losen Acker über fünfmal soviel Kraft erfordert, als wenn dieselbe über eine feste Straße bewegt wird.

Durch Versuche ist festgestellt worden, daß ein Acker, der sofort nach der Ernte umgepflügt, bzw. geschält wird, ganz bedeutend gewinnt. Die Krume hat Zeit zu ruhen und zu lüften. Es wird behauptet, daß die Ertragsfähigkeit pro Morgen um 3 Mk. für jede 4 Wochen, die der Acker früher geschält wurde, steigt.

Leider hat der Landwirt zum sofortigen Umpflügen des Ackers nach der Ernte keine Arbeitskräfte zur Verfügung, denn alle Leute sind vollauf beschäftigt und mit den Zugtieren ist es ebenso. Hier kann nun weiter nichts als wie eine Maschine helfen. Der Dampfpflug wird für solch leichte Arbeiten nicht in Betrieb gesetzt werden, denn seine Bedienung verlangt zu viele Arbeitskräfte, und hier erscheint der leichte Automobilmotor am rechten Platze.

Seine geringe Größe und sein, im Verhältnis zu seiner Leistungsfähigkeit, geringes Gewicht lassen ihn als Zugkraft für die diversen landwirtschaftlichen Maschinen geeignet erscheinen. Es sind bereits viele Versuche hierzu gemacht worden, welche die größte Beachtung verdienen, und da der weitere Ausbau der verschiedenen Ideen rüstig fortschreitet, so ist es wohl angebracht, das bisher Geleistete etwas näher zu betrachten. Bevor hierzu jedoch übergegangen wird, möge noch kurz der Dampfstraßenlokomotive gedacht werden. Sie ist der große Vorläufer des modernen Automobils und hat sich trotz ihres riesigen Gewichtes überall glänzend bewährt.

Das Gewicht einer solchen Straßenlokomotive beträgt je nach Leistung 8500—21 000 kg. Während einerseits das hohe Gewicht für die Zugkraft erforderlich ist um die nötige Adhäsion am Erdboden zu finden, denn es werden nur die beiden Hinterräder angetrieben, macht sich dasselbe beim Befahren von Kunststraßen recht unliebsam bemerkbar. Die Straßendecke ist für solch hohe Belastungen nur in den seltensten Fällen konstruiert, und die beteiligten Behörden gestatten daher nur ausnahmsweise die Benutzung. Ferner sind die meisten Brücken nicht für eine so hohe Belastung gebaut.

Der größte übelstand, der sämtlichen Dampflokomotiven anhaftet, ist die Herbeischaffung des notwendigen Speisewassers für den Dampfkessel und der Kohlen. Diese Gründe waren es hauptsächlich, welche das Kriegsministerium in Gemeinschaft mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten am 1. April 1902 zu einem Preisausschreiben veranlaßte, für eine Vorspannmaschine mit Spiritusbetrieb.

Automobilmotor und Landwirtschaft