Verzeichnis der 21 Abbildungen unten.





















Verzeichnis der Abbildungen:

Babylonian
Buddhist-Goatama
Central American-Mexican-Twin Horses-Lords of Xibalba-Quetzalcoatl Azteca
Children of Mars-Sibyl-Pomona-Vertumnus
Chinese-Maiden-Herdsman
Græco-Cupid-Psyche
Herakles
Icelandic-Mimir-Baldr-Loki-Ragna Rök
Indian-Vedic-Hymph-Mortal Husband-Ganges-Savitri-Lord of the…
Isis-Osiris
Jamshid
Japanese-Sun Goddess-Storm God-Strife
Jewish Post-Christian Period
Lemminkainen-Finnish
Midir-Etain-Celtic-Irish
Orpheus
Osiris-Isis
Polynesian-Ma-Ui-Creatures-Pe-Le-Hawaii Goddess-Volcanic Fir…
Prometheus-Pandora-Demeter-Orpheus-Dionysos-Apollo-Herakles
Pwyll-Prince of Dyfeed
Zu´ni-Paíyatuma-Maiden

Siehe auch:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Feldgeister
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Luftriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Berg- und Waldriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Wasserriesen
Deutsche Mythologie – Der Götterglaube
Deutsche Mythologie – Name und Zahl der Götter
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise – Der Feuergott
Deutsche Mythologie – Mythenkreise – Licht und Finsternis. Gestirnmythen.
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Tius
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Foseti
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Wodan
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Donar
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Balder
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Deus Requalivahanus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen
Deutsche Mythologie – Die Mutter Erde
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nehalennia
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Tanfana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Hludana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Haeva
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Frija
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Ostara
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Baduhenna
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Walküren
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Schwanjungfrauen
Deutsche Mythologie – Der Kultus
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Gottesdienst, Gebet und Opfer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferspeise
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferfeuer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Wirtschaftsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst itn Staatsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Kriege
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst des Einzelnen im täglichen Leben
Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen
Deutsche Mythologie – Wahrsagerinnen und Priesterinnen
Deutsche Mythologie – Das Erforschen der Zukunft
Deutsche Mythologie – Ort der Götterverehrung
Deutsche Mythologie – Tempel
Deutsche Mythologie – Tempelfrieden
Deutsche Mythologie – Tempelschatz
Deutsche Mythologie – Götterbilder
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Der Anfang der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Die Einrichtung der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Das Ende der Welt

Abbildungen Kunstdrucke

Viel ist verlorengegangen, was germanische Sagen von Taten und Leiden der Götter erzählten.

Der Skalde Ulf Uggissohn sang in einem berühmten Gedicht den Zweikampf Heimdalls mit Loki um das schönschimmernde Halsband der Göttin Freyja. Von diesem Gedicht und der Sage, die es besang, blieb nichts erhalten als ein paar Zeilen, daraus wir sehen, daß Heimdall den Sieg davontrug über den urgeu Gefährten der Götter. Auch sagt uns der weise Isländer Snorri, daß beide bei diesem Kampf in Seehundsgestalt waren. Dem Dichter sei vergönnt, aus den wenigen Trümmern das Bild des Ganzen nachzugestalten.

„Einmal, als Loki, der unstete Riesensproß, den die Götter unbedacht in ihre Gemeinschaft aufgenommen hatten, in Gestalt eines Falken über das Meer dahinflog, sah er einen großen Fisch dicht unter der Oberfläche, dessen Schuppen und Flossen von lauterem Golde blitzten.

In der Begierde, das Kleinod zu erjagen, stieß Loki auf die Wogen des Meeres hinunter, doch in dem Augenblick, da seine Fänge in das Wasser tauchten, um den kostbaren Fisch zu fassen, umschloß sie das unsichtbare Netz der Meerriesin Ran. Mit List hatte sie, ihm ein Blendwerk vorgaukelnd, den Habgierigen in diese Falle gelockt und zog ihn nun hinunter auf den Grund des Meeres in ihr düsteres Reich.

Neun Tage hielt sie ihn in unholder Haft unter ertrunkenen Seefahrer in glanzloser Tiefe, bis er mit heiligsten Eiden auf das Haupt seines treuen Weibes Sigrun gelobte, das herrliche Halsband Freyjas der häßlichen Herrscherin des Meeres als Lösegeld zu bringen.

Dieses Sternenhalsband der Göttin, das ihr in jeder klaren Nacht am Himmel funkeln seht, war der Götter Stolz und das Glück der Menschen. Niemals tat Freyja es vom Halse. Loki aber, der vielgewandte Sohn der Riesin Laufey, wußte, wie er sie bereden könne, ihm den himmlischen Schmuck anzuvertrauen.

Freyja, die schönheitstrahlende Göttin, die das Herz der Götter und Menschen entflammt und nach deren Anmut sich die plumpen Riesen in Sehnsucht verzehren, war selber eine unheilvoll Liebende. Einem Manne namens Od hatte sie ihr Herz zugewandt und sich ihm vermählt; doch er verließ sie, und in allen Landen suchte sie vergebens die Spur des Geliebten. Als Loki zurückgekehrt war nach Asgard, in die Burg der Götter, da ging er zu Freyja und sprach zu ihr:

„Ich hab Od gefunden, nachdem du verlangst. Ran, die raubende Riesin, hat ihn in ihr Todesnetz gezogen und hält ihn auf dem Grunde des Meeres gefangen. Doch will sie ihn dir wiedergeben, gewährst du ihr dein schimmerndes Halsbund als Lösegeld.“

Nie hätte Freyja sich von ihrem holden Halsschmuck getrennt, aber die Liebe fordert den höchsten Preis. Goldene Freudentränen raunen über ihr Antlitz. „Nimm hin das Geschmeide!“ sprach sie. „Kein Kleinod ist mir zu kostbar für dos Leben Ods, des Geliebten. Führe den Gemahl an mein Herz, und ich will ewig dir danken!“

Da löste Loki frohlockend ihr das Geschmeide vom Halse und tauchte in Seehundsgestalt zur Tiefe des Meeres, um der unerbittlichen Ran den erlisteten Schmuck zu bringen.

Einer aber hatte jedes Wort des Betrügers vernommen, Heimdall, der hohe Himmelswächter, dessen allspähendes Auge bei Tage und Nacht nie in Schlummer fällt und dessen Ohr so fein ist, daß er jedes Geräusch vernimmt. Er, der bis ins Herz der Erde blickt, wußte um Lokis Gefangenschaft bei Ran und durchschaute den Trug. Mit der Schnelle des Blitzes kleidete auch er sich in Seehundsgestalt und tauchte Loki nach.

In den Fluten des Meeres entspann sich ein wütender Kampf zwischen der Stärke Heimdalls und Lokis geschmeidiger List, der immer wieder dem Würgegriff des Wächters der Himmelsburg entglitt.

Ran, die Grimmige, wollte Loki zu Hilfe eilen, aber die neun Wogenmütter Heimdalls, des aus dem Meere Geborenen, drangen auf sie ein und hinderten sie. Gjalp, die Brausende, Greip, die Packende, Eistla, die Raschdahinstürmende, Eyrgjafa, die Sandspenderin. Ulfrun, die Wölfische, Angeyja, die Bedrängerin, Imd, die Rauschende, Atal, die Verderbliche, Jarnsaxa, die mit dem Eisenmesser, sie alle, die Heimdall gebaren, stürzten sich auf die raubende Riesin und hemmten die Heraneilende. daß sie nicht eingreifen konnte in den Kampf. So wütend wogten die Wogen, so zornig spritzte der weiße Schaum gen Himmel, daß die Schiffe der Menschen auf der Meerflut zerschmetterten und selbst das Land weithin erbebte.

Endlich gelung es Heimdall, Loki zu fassen und ihm das helle Geschmeide zu entreißen. Kraftlos sank Loki zurück. Heimdall aber enthob sich dem Meer und flog in Adlergestalt zur Götterhöhe empor.

„Wie konntest du dem Verderber trauen?“ schalt er Freyja. als er ihr das funkelnde Kleinod zurückgab. „Wisse, nie wieder wirst du Od schauen, ehe denn Ragnarök, die Götterdämmerung, hereinbricht. Vergeblich suchst du ihn bei Ran. Odin allein und ich wissen um das Geheimnis, das ihn verbirgt. Aber du sollst ihn Wiedersehn am Tage des Weltenkampfes, ehe durch Tränen und Blut die neue Welt aus den Fluten steigt. Und dann wird auch Loki seine Strufe empfangen, dessen Arglist so oft uns Göttern zum Unheil ward.“

Als der weiße Ase wieder an der Himmelsbrücke stand, wachend, damit nicht die Riesen vor der Zeit die Burg der Götter erstürmten, da nahm er einen Kerbstock hervor und schnitt eine Kerbe hinein zu den vielen, die Lokis Untaten dem Gedächtnis bewahrten. Als er aber den Schnitt tat, war es, als stieße ein Messer in das Herz Lokis, des Argen. Er, der daheim mit bitterem Lächeln auf dem Ruhebett lag, fühlte plötzlich einen schmerzenden Stich in der Brust und stöhnte auf in vorahnender Qual; doch Sigrun, sein getreues Weib, tröstete ihn.

Wer das Gute will

muß mit dem Bösen kämpfen

Read More Wie Loki und Heimdall um Freyjas Halsband kämpften

Leitgedanken

Allvater heißt er, der älteste und mächtigste der Götter. Er lebt und herrscht überall und allzeit, und alles, was ist, Himmel und Erde wurde aus seiner Macht.

In der Urzeit, als es weder Sand und Meer noch rinnende Woge gab, ward Nebelheim (Niflhel) geschaffen mit dem Brunnen Rauschekessel, aus dem zwölf Ströme flössen. Und weit im Süden entstand Muspelheim, das Reich des Surt; dort herrscht Feuer und Hitze, daß niemand da wohnen kann. Ein Strom von Gift ergoß sich gen Norden, und je weiter er floß von seiner Quelle, um so mehr erstarrte seine Flut, bis sie zu hartem Eise wurde. Das Gift aber dunstete aus der Flut, und als Reif sank es nieder, und so legte sich Eis zu Eise bis hinauf nach Ginungagap, der gähnenden Kluft. Im Norden ist sie erfüllt von Regen und kalten Stürmen, aber im Süden wird sie erwärmt von Glut und Funken aus Muspelheim.

In dieser Wärme schmolzen Eis und Schnee, Tropfen fielen herab, und aus ihnen entstand durch Allvaters Willen ein Wesen in Mannsgestalt. Es ist Ymir, der Brüller, und von ihm stammt das Geschlecht der Reifriesen. Kein Ase ist er, sondern bösen Sinnes wie all sein Geschlecht. Als er schlief, begann er zu schwitzen, und da wuchsen ihm unter der Achsel Mann und Weib.

Auch eine Kuh entstand aus dem tauenden Eise, und sie leckte an dem salzigen Eis. Da kam Menschenhaar hervor und am andern Tage ein Manneshaupt und am dritten ein lebendiger Mann; der wurde Buri geheißen, d. i. der Ge­borene. Sein Sohn hieß Bör; er nahm eines Riesen Tochter zum Weibe, und sie gewannen Söhne miteinander: Odhin, Wili und We, die göttlichen Asen.

Börs Söhne erschlugen den Riesen Ymir, und in dem Strom seines Blutes erstickten sie das ganze Riesengeschlecht bis auf einen; der floh in einem Boote, und von ihm stammt das junge Geschlecht der Riesen.

Aus dem Leib des erschlagenen Ymir bildeten die Asen die ganze Welt: sein Fleisch ward zur Erde, sein Blut zu Strom und Meer, aus seinen Knochen wurden Felsen und Berge, aus seinen Zähnen die losen Steine. Ymirs Schädel wurde aufgerichtet über Erde und Meer und heißt nun Himmel; vier Zwerge tragen ihn: Nord, Süd, West und Ost.

Funken, die geflogen kamen aus Muspelheim, fingen die Asen, setzten sie an den Himmel und wiesen ihnen Weg und Stunde, daß sie die Erde erleuchteten. Ymirs Gehirn warfen sie an den Himmel; daraus wurden die hartgesinnten Wolken. Aus seinen Augbrauen bildeten sie einen mächtigen Wall, und jenseits des Walles, am Meere, erlaubten sie den jungen Riesen zu wohnen; dort ist Jötunheim, die Welt der Thursen oder Riesen. So wurde die Erde erschaffen in­mitten von Ginungagap, der gähnenden Kluft, und Midgard geheißen, d. i. Statt der Mitte.

Darauf wandelten Börs Söhne am Meeresufer und fanden da zwei Bäume; daraus erschufen sie die ersten Menschen: Odhin verlieh ihnen Seele, Wili das Leben und We die Schärfe der Sinne. Dann gaben sie ihnen die Namen Ask und Embla (Esche und Ulme) und wiesen ihnen Midgard zur Wohnstätte. Von Ask und Embla kommt das Geschlecht der Menschen. Hierauf erbauten die Götter Asgard (Man muß sich Asgard nicht auf der Erde vorstellen, sondern schwebend zwischen Himmel und Erde), das Heim der Asen, inmitten der ganzen Welt. Dort wohnt nun Odhin mit seinen Brüdern und dem Geschlecht der Asen, das von ihnen stammt.

Narfi, ein Riese aus Jötunheim, hatte eine Tochter, die war dunkel und schwarz und wurde die Nacht geheißen. Ihr Gemahl war aus dem Geschlecht der Asen und beider Sohn schön und licht wie seines Vaters Geschlecht, und sie nannten ihn Tag. Da nahm Allvater den Tag und die Nacht, gab ihnen Rosse und setzte sie an den Himmel, daß sie, jeder in zwölf Stunden, die Erde umführen. Zuerst reitet die Nacht, und ihr Roß heißt Reifmähne; mit dem Schaum seines Gebisses betaut es die Erde. Hinter der Nacht reitet der Tag, sein Roß heißt Scheinmähne, und von dem Licht seiner Mähne leuchten Luft und Erde.

Gar schnell aber fährt die Sonne am Himmel daher, denn hinter ihr jagen die Wölfe Skol und Hali. Sie stammen von einem Riesenweibe im Eisenwalde, das noch anderen Un­holden zur Mutter wurde.

Von der Erde zum Himmel (von Midgard nach Asgard) haben die Asen eine Brücke gebaut; sie heißt Bifrost und bei den Menschen Regenbogen. Sie ist dreifarbig und mit großer Kunst errichtet. Aber wie stark sie auch ist, so wird sie doch brechen, wenn Muspels Söhne geritten kommen. Das Rot in Bifrost ist brennendes Feuer, und brennte es nicht, so würden die Reifriesen über Bifrost kommen und Asgard erstürmen.

Zum Thing- und Gerichtsplatz über das Geschick der Menschen hat Allvater das Idafeld bestimmt; inmitten von Asgard ist es gelegen. Dort ist die hohe Halle errichtet und die hohen Stühle der Asen um Allvaters Hochsitz. Wunder­bar ist diese Halle, und sie erglänzt wie lauteres Gold von innen und außen. Gladsheim, d. i. Haus der Freuden, heißen sie die Menschen. Auch den Asinnen bauten die Götter eine Halle, ein treffliches und schönes Heim, und bei den Menschen heißt es Wingolf, d. i. die freundliche Halle.

Die Asen bauten nun Öfen und schmiedeten Hammer und Zange, Amboß und anderes Werkzeug, und dann bearbeiteten sie Erz, Eisen, Holz und Stein und schmiedeten alles Gerät für Tisch und Halle, Roß und Mann. Und den Zwergen, die als Maden gewohnt hatten in Ymirs Fleisch, gaben sie Menschengestalt und Menschenwitz und erlaubten ihnen zu Wohnen in Berg und Stein und ihre Kunst zu pflegen. Bessere Kleinode, als die Zwerge schufen, besitzen die Asen nicht.

Auf Idafeld wächst der größte und beste aller Bäume, die Weltesche, die Yggdrasil geheißen wird. Ihre Krone wölbt sich über alle Welt; in den Himmel hinauf wachsen ihre Zweige. Drei mächtige Wurzeln halten sie: die eine ist bei den Asen, die andere bei den Reifriesen und die dritte über Nebelheim, und an dieser Wurzel nagt Nidhogg, der Neid­drache. Unter der Wurzel bei den Reifriesen quillt der Brunn der Weisheit; aus ihm trinkt Mimir, aller Riesen weisester. (Einmal kam Allvater zu Mimir und bat um einen Trunk aus Mimirs Brunnen; dafür mußte er Mimir ein Auge als Pfand lassen. Mimir schmiedete einen Becher daraus, und nun trank er täglich aus Allvaters Auge.)

Unter der ersten Wurzel, nahe bei der Thingstatt der Asen, ist der Brunnen der Urd. Dorthin reiten die Götter jeden Tag auf ihren Hengsten über Bifrost, die Götterbrücke, zum Gericht. Nur einer schreitet zu Fuß und watet durch die Ströme; das ist der Ase Thor; denn sooft Thor kommt Wenn Thor kommt, d. h. während des Gewitters, ist Bifrost unsichtbar), steht Bifrost in Flammen. Auch eine Halle steht am Brunnen der Urd, und aus ihr schreiten die Jungfrauen, die Nornen (Die freundlichen Nornen stammen von Asen und Lichtelfen, die bösen von den Schwarzelfen. Der germanische Weltbau kennt acht Welten oder reiche: Niflheim, Muspelheim, Jötunheim, Schwarzalbenheim – die Welt des Bösen – und Midgard, Asgard, Nornenheim, Lichtalbenheim – die Welt des Guten) heißen: Urd, Werdandi und Skuld. Die Nornen bestimmen jedem Menschen sein Schicksal, und jedem ist eine Norne zugesellt. Die Nornen sind verschiedenen Geschlechtes; diese stammen von den Asen, andere von den Lichtelfen, andere von den Schwarzelfen, und nach dem Geschlecht ihrer Norne ist das Geschick der Menschen verschieden. Die Nornen edlen Stammes schaffen dem Menschen freundliches Los; wer aber eine böse Norne hat, der fällt ins Unglück.

Ein Adler sitzt in den Zweigen Yggdrasils, und große Weisheit ist ihm eigen. Auf und ab am Stamm der Esche rennt Ratatosk (Rattenzahn), ein Eichhorn, und es trägt die Neidworte, die da gesprochen werden, vom Neiddrachen zum Adler und vom Adler zum Neiddrachen.

Die Nornen schöpfen Wasser aus dem Brunnen der Urd und begießen den Baum, damit er nicht verdorre. Von den immergrünen Blättern Yggdrasils träuft der Tau, den die Menschen Honig heißen.

Noch viele prächtige Wohnstätten sind in Asgard erbaut worden. Da ist Walhall, Odhins Saal; daran haben alle Götter gebaut und sein Dach mit weißem Silber belegt. Darin ist auch Odhins Hochsitz, Hlidskjalf, und sitzt er darin, so schaut er über alle Welt und sieht alles Geschehen. Schöner und prächtiger aber als jede andere Halle ist die, welche oben im höchsten Himmel liegt und Gimle heißt, d. i. Edelsteindach. Sie wird bleiben, wenn Himmel und Erde verbrennen, und dann werden dort alle Guten wohnen in Ewigkeit. Jetzt aber hausen dort nur die Lichtelfen und hüten sie, wenn Surts Lohe Himmel und Erde verbrennt.

Quelle: „Germanische Göttersagen“ von Severin Rüttgers, Bielefeld und Leipzig 1943, S. 5 – 9



























Deutsche Mythology:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Feldgeister
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Luftriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Berg- und Waldriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Wasserriesen
Deutsche Mythologie – Der Götterglaube
Deutsche Mythologie – Name und Zahl der Götter
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise – Der Feuergott
Deutsche Mythologie – Mythenkreise – Licht und Finsternis. Gestirnmythen.
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Tius
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Foseti
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Wodan
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Donar
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Balder
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Deus Requalivahanus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen
Deutsche Mythologie – Die Mutter Erde
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nehalennia
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Tanfana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Hludana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Haeva
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Frija
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Ostara
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Baduhenna
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Walküren
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Schwanjungfrauen
Deutsche Mythologie – Der Kultus
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Gottesdienst, Gebet und Opfer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferspeise
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferfeuer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Wirtschaftsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst itn Staatsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Kriege
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst des Einzelnen im täglichen Leben
Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen
Deutsche Mythologie – Wahrsagerinnen und Priesterinnen
Deutsche Mythologie – Das Erforschen der Zukunft
Deutsche Mythologie – Ort der Götterverehrung
Deutsche Mythologie – Tempel
Deutsche Mythologie – Tempelfrieden
Deutsche Mythologie – Tempelschatz
Deutsche Mythologie – Götterbilder
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Der Anfang der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Die Einrichtung der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Das Ende der Welt

Germanische Schöpfungsgeschichte Nordische Mythologie

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Hier gezeigte Abbildungen:
Auf nach Walhall
Badhild in Wielands Schmiede
Baldur
Bordüre
Der Strandwart und Beowulf
Die Königin reicht Beowulf das Methorn
Dietrich fängt den Zwerg Alfrich
Dietrichs Verschwinden
Freya
Freyr
Frigga
Gudrun an Sigurds Bahre
Gudrun wird gefangen weggeführt
Hagen und Volker auf der Wacht
Hel
Helgi und Sigrun
In Walhalls Wonnen
Kampf in Atlis Saal
Loki und Sigyn
Nornen
Odin bei Gunnlöd
Odin entführt Sinsttötlis Leiche
Odin
Oserich und Oda
Ostara
Rüdiger entführt Helche und Bertha
Siegfrieds Tod
Sigmunds Schwert
Sigmunds Tod
Sigrun geht zu Helgi in den Grabhügel
Sigurd erweckt Brunhild
Sigurd prüft das Schwert
Thor
Walhall der letzte Kampf
Walhall
Walther und Hildgund auf der Flucht

Asen

Balder, Bör, Bragi, Buri, Dag, Delling, Forseti, Heimdall, Hermod, Höder, Hönir, Kvasir, Lodur, Loki, Magni und Modi, Odr, Odin, Ríg, Skjöld, Thor, Tyr, Uller, Vali, Vé, Vili, Vidar

Asinnen

Bil, Eir, Frigg, Fulla, Gefjon, Gna, Hnoss, Idun, Jörd, Lin, Lofn, Nanna, Nótt, Saga, Sif, Sigyn, Sjöfn, Snotra, Skadi, Sol, Syn, Thrud, Var (Vör)

Vanen (Wanen)

Freyr, Freyja, Gullveig, Nerthus, Njörðr

Nornen

Urd, Verdandi, Skuld

Alben

Bejla, Byggvir,

Walküren

Brynhild, Geirahöd, Geiravör, Geirölul, Gunn, Göll, Herja, Herfjötur, Hild, Hjörthrimul, Hlökk, Hrist, Mist, Randgrid, Reginleif, Rist, Rota, Sigrun, Skeggjöld, Skögul, Svipull, Thrud

Riesen (Thursen, Jöten)

Ägir, Angrboda, Aurboda, Baugi, Beli, Bergelmir, Bestla, Billing, Bölthorn, Byleist, Farbauti, Fenja, Fjalar, Fornjoter, Gerd, Gilling, Gjalp, Greip, Grid, Gunnlöd, Gymir, Hel, Hrimnir, Hyndla, Hyrrokkin, Jarnsaxa, Laufey, Logi, Menja, Mimir, Mjöll, Mundilfari, Muspells Söhne, Mökkurkalfi, Narfi, Ragnhild, Rán, Rind, Rungnir, Surt, Suttung, Thjazi, Thrym, Thökk, Utgardaloki, Vaftrudnir, Vali (Lokis Sohn), Ýmir

Zwerge

Alviss, Andvari, Austri, Berlingr, Bil, Brokkr, Dain, Dvalin, Galar, Hjuki, Ivaldi, Lit, Lofar, Modsognir, Nidi, Norðri, Nyi, Reginn, Suðri, Vestri

Menschen

Ask, Agni Skjafarbondi, Arngrim, Aurvandill, Beowulf, Bjarkie, Berserker, Domaldi, Draug, Edda, Einherjer, Embla, Frodi, Gangleri, Gjuki, Godi, Grimhild, Groa, Gudrun Gjukidottir, Gunnar Gjukison, Gylfi, Hadding, Haddingjar, Hagbard, Hedin, Lif, Lifthrasir, Thialfi, Röskva, Sygni, Sigurd Fafnisbani, Skirnir, Völva

Mythische Orte

Albenheim, Asgard, Bifröst, Bilskirnir, Breidablik, Eliwagar, Eljudnir, Fensalir, Folkwang, Gimle, Ginnungagap, Gjöll, Gladsheim, Glasir, Glitnir, Hel, Himinbjörg, Hindarfjall, Hörg, Hvergelmir, Idafeld, Jötunheim, Jarnskog, Landwidi, Lärad, Midgard, Mimameid, Mimirs Brunnen, Muspellsheim, Nastrand, Niflheim, Noatun, Schwarzalbenheim, Sessrumnir, Singastein, Sökkwabeck, Thrudvang, Thrymheim, Urdbrunnen,Utgard, Valaskjalf, Wanenheim, Vigrid, Vilmur, Vingólf, Walhall, Ydalir, Yggdrasil

Mythische Gegenstände

Andvaranaut, Brisingamen, Draupnir, Gand, Gjallarhorn, Gleipnir, Gram, Grotti, Gungnir, Hlidskialf, Hringhorni, Megingjörd, Misteltein, Mjölnir, Naglfar, Odhrörir, Reginnagl, Skidbladnir, Tyrfing

Mythische Tiere

Alsvidr und Arwakr, Auðhumbla, Dain, Dwalin, Duneyr und Durathror, Eikthyrnir, Fafnir, Fenriswolf, Garm, Geri und Freki, Grani, Gullinborsti, Gullinkambi, Gulltopp, Hati, Heidrun, Hildisvini, Hofvarpnir, Hræsvelgr, Hugin und Munin, Midgardschlange, Managarm, Nidhöggr, Ratatöskr, Rimfaxi, Skinfaxi, Skalli, Sköll, Sleipnir, Svadilfari, Sährimnir, Tanngnjostr und Tanngrisnir, Vedrfölnir, Widofnir

Germanische Schöpfungsgeschichte

Allvater heißt er, der älteste und mächtigste der Götter. Er lebt und herrscht überall und allzeit, und alles, was ist, Himmel und Erde wurde aus seiner Macht.

In der Urzeit, als es weder Sand und Meer noch rinnende Woge gab, ward Nebelheim (Niflhel) geschaffen mit dem Brunnen Rauschekessel, aus dem zwölf Ströme flössen. Und weit im Süden entstand Muspelheim, das Reich des Surt; dort herrscht Feuer und Hitze, daß niemand da wohnen kann. Ein Strom von Gift ergoß sich gen Norden, und je weiter er floß von seiner Quelle, um so mehr erstarrte seine Flut, bis sie zu hartem Eise wurde. Das Gift aber dunstete aus der Flut, und als Reif sank es nieder, und so legte sich Eis zu Eise bis hinauf nach Ginungagap, der gähnenden Kluft. Im Norden ist sie erfüllt von Regen und kalten Stürmen, aber im Süden wird sie erwärmt von Glut und Funken aus Muspelheim.

In dieser Wärme schmolzen Eis und Schnee, Tropfen fielen herab, und aus ihnen entstand durch Allvaters Willen ein Wesen in Mannsgestalt. Es ist Ymir, der Brüller, und von ihm stammt das Geschlecht der Reifriesen. Kein Ase ist er, sondern bösen Sinnes wie all sein Geschlecht. Als er schlief, begann er zu schwitzen, und da wuchsen ihm unter der Achsel Mann und Weib.

Auch eine Kuh entstand aus dem tauenden Eise, und sie leckte an dem salzigen Eis. Da kam Menschenhaar hervor und am andern Tage ein Manneshaupt und am dritten ein lebendiger Mann; der wurde Buri geheißen, d. i. der Ge­borene. Sein Sohn hieß Bör; er nahm eines Riesen Tochter zum Weibe, und sie gewannen Söhne miteinander: Odhin, Wili und We, die göttlichen Asen.

Börs Söhne erschlugen den Riesen Ymir, und in dem Strom seines Blutes erstickten sie das ganze Riesengeschlecht bis auf einen; der floh in einem Boote, und von ihm stammt das junge Geschlecht der Riesen.

Aus dem Leib des erschlagenen Ymir bildeten die Asen die ganze Welt: sein Fleisch ward zur Erde, sein Blut zu Strom und Meer, aus seinen Knochen wurden Felsen und Berge, aus seinen Zähnen die losen Steine. Ymirs Schädel wurde aufgerichtet über Erde und Meer und heißt nun Himmel; vier Zwerge tragen ihn: Nord, Süd, West und Ost.

Funken, die geflogen kamen aus Muspelheim, fingen die Asen, setzten sie an den Himmel und wiesen ihnen Weg und Stunde, daß sie die Erde erleuchteten. Ymirs Gehirn warfen sie an den Himmel; daraus wurden die hartgesinnten Wolken. Aus seinen Augbrauen bildeten sie einen mächtigen Wall, und jenseits des Walles, am Meere, erlaubten sie den jungen Riesen zu wohnen; dort ist Jötunheim, die Welt der Thursen oder Riesen. So wurde die Erde erschaffen in­mitten von Ginungagap, der gähnenden Kluft, und Midgard geheißen, d. i. Statt der Mitte.

Darauf wandelten Börs Söhne am Meeresufer und fanden da zwei Bäume; daraus erschufen sie die ersten Menschen: Odhin verlieh ihnen Seele, Wili das Leben und We die Schärfe der Sinne. Dann gaben sie ihnen die Namen Ask und Embla (Esche und Ulme) und wiesen ihnen Midgard zur Wohnstätte. Von Ask und Embla kommt das Geschlecht der Menschen. Hierauf erbauten die Götter Asgard (Man muß sich Asgard nicht auf der Erde vorstellen, sondern schwebend zwischen Himmel und Erde), das Heim der Asen, inmitten der ganzen Welt. Dort wohnt nun Odhin mit seinen Brüdern und dem Geschlecht der Asen, das von ihnen stammt.

Narfi, ein Riese aus Jötunheim, hatte eine Tochter, die war dunkel und schwarz und wurde die Nacht geheißen. Ihr Gemahl war aus dem Geschlecht der Asen und beider Sohn schön und licht wie seines Vaters Geschlecht, und sie nannten ihn Tag. Da nahm Allvater den Tag und die Nacht, gab ihnen Rosse und setzte sie an den Himmel, daß sie, jeder in zwölf Stunden, die Erde umführen. Zuerst reitet die Nacht, und ihr Roß heißt Reifmähne; mit dem Schaum seines Gebisses betaut es die Erde. Hinter der Nacht reitet der Tag, sein Roß heißt Scheinmähne, und von dem Licht seiner Mähne leuchten Luft und Erde.

Gar schnell aber fährt die Sonne am Himmel daher, denn hinter ihr jagen die Wölfe Skol und Hali. Sie stammen von einem Riesenweibe im Eisenwalde, das noch anderen Un­holden zur Mutter wurde.

Von der Erde zum Himmel (von Midgard nach Asgard) haben die Asen eine Brücke gebaut; sie heißt Bifrost und bei den Menschen Regenbogen. Sie ist dreifarbig und mit großer Kunst errichtet. Aber wie stark sie auch ist, so wird sie doch brechen, wenn Muspels Söhne geritten kommen. Das Rot in Bifrost ist brennendes Feuer, und brennte es nicht, so würden die Reifriesen über Bifrost kommen und Asgard erstürmen.

Zum Thing- und Gerichtsplatz über das Geschick der Menschen hat Allvater das Idafeld bestimmt; inmitten von Asgard ist es gelegen. Dort ist die hohe Halle errichtet und die hohen Stühle der Asen um Allvaters Hochsitz. Wunder­bar ist diese Halle, und sie erglänzt wie lauteres Gold von innen und außen. Gladsheim, d. i. Haus der Freuden, heißen sie die Menschen. Auch den Asinnen bauten die Götter eine Halle, ein treffliches und schönes Heim, und bei den Menschen heißt es Wingolf, d. i. die freundliche Halle.

Die Asen bauten nun Öfen und schmiedeten Hammer und Zange, Amboß und anderes Werkzeug, und dann bearbeiteten sie Erz, Eisen, Holz und Stein und schmiedeten alles Gerät für Tisch und Halle, Roß und Mann. Und den Zwergen, die als Maden gewohnt hatten in Ymirs Fleisch, gaben sie Menschengestalt und Menschenwitz und erlaubten ihnen zu Wohnen in Berg und Stein und ihre Kunst zu pflegen. Bessere Kleinode, als die Zwerge schufen, besitzen die Asen nicht.

Auf Idafeld wächst der größte und beste aller Bäume, die Weltesche, die Yggdrasil geheißen wird. Ihre Krone wölbt sich über alle Welt; in den Himmel hinauf wachsen ihre Zweige. Drei mächtige Wurzeln halten sie: die eine ist bei den Asen, die andere bei den Reifriesen und die dritte über Nebelheim, und an dieser Wurzel nagt Nidhogg, der Neid­drache. Unter der Wurzel bei den Reifriesen quillt der Brunn der Weisheit; aus ihm trinkt Mimir, aller Riesen weisester. (Einmal kam Allvater zu Mimir und bat um einen Trunk aus Mimirs Brunnen; dafür mußte er Mimir ein Auge als Pfand lassen. Mimir schmiedete einen Becher daraus, und nun trank er täglich aus Allvaters Auge.)

Unter der ersten Wurzel, nahe bei der Thingstatt der Asen, ist der Brunnen der Urd. Dorthin reiten die Götter jeden Tag auf ihren Hengsten über Bifrost, die Götterbrücke, zum Gericht. Nur einer schreitet zu Fuß und watet durch die Ströme; das ist der Ase Thor; denn sooft Thor kommt Wenn Thor kommt, d. h. während des Gewitters, ist Bifrost unsichtbar), steht Bifrost in Flammen. Auch eine Halle steht am Brunnen der Urd, und aus ihr schreiten die Jungfrauen, die Nornen (Die freundlichen Nornen stammen von Asen und Lichtelfen, die bösen von den Schwarzelfen. Der germanische Weltbau kennt acht Welten oder reiche: Niflheim, Muspelheim, Jötunheim, Schwarzalbenheim – die Welt des Bösen – und Midgard, Asgard, Nornenheim, Lichtalbenheim – die Welt des Guten) heißen: Urd, Werdandi und Skuld. Die Nornen bestimmen jedem Menschen sein Schicksal, und jedem ist eine Norne zugesellt. Die Nornen sind verschiedenen Geschlechtes; diese stammen von den Asen, andere von den Lichtelfen, andere von den Schwarzelfen, und nach dem Geschlecht ihrer Norne ist das Geschick der Menschen verschieden. Die Nornen edlen Stammes schaffen dem Menschen freundliches Los; wer aber eine böse Norne hat, der fällt ins Unglück.

Ein Adler sitzt in den Zweigen Yggdrasils, und große Weisheit ist ihm eigen. Auf und ab am Stamm der Esche rennt Ratatosk (Rattenzahn), ein Eichhorn, und es trägt die Neidworte, die da gesprochen werden, vom Neiddrachen zum Adler und vom Adler zum Neiddrachen.

Die Nornen schöpfen Wasser aus dem Brunnen der Urd und begießen den Baum, damit er nicht verdorre. Von den immergrünen Blättern Yggdrasils träuft der Tau, den die Menschen Honig heißen.

Noch viele prächtige Wohnstätten sind in Asgard erbaut worden. Da ist Walhall, Odhins Saal; daran haben alle Götter gebaut und sein Dach mit weißem Silber belegt. Darin ist auch Odhins Hochsitz, Hlidskjalf, und sitzt er darin, so schaut er über alle Welt und sieht alles Geschehen. Schöner und prächtiger aber als jede andere Halle ist die, welche oben im höchsten Himmel liegt und Gimle heißt, d. i. Edelsteindach. Sie wird bleiben, wenn Himmel und Erde verbrennen, und dann werden dort alle Guten wohnen in Ewigkeit. Jetzt aber hausen dort nur die Lichtelfen und hüten sie, wenn Surts Lohe Himmel und Erde verbrennt.

Siehe auch:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Feldgeister
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Luftriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Berg- und Waldriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Wasserriesen
Deutsche Mythologie – Der Götterglaube
Deutsche Mythologie – Name und Zahl der Götter
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise – Der Feuergott
Deutsche Mythologie – Mythenkreise – Licht und Finsternis. Gestirnmythen.
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Tius
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Foseti
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Wodan
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Donar
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Balder
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Deus Requalivahanus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen
Deutsche Mythologie – Die Mutter Erde
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nehalennia
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Tanfana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Hludana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Haeva
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Frija
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Ostara
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Baduhenna
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Walküren
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Schwanjungfrauen
Deutsche Mythologie – Der Kultus
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Gottesdienst, Gebet und Opfer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferspeise
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferfeuer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Wirtschaftsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst itn Staatsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Kriege
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst des Einzelnen im täglichen Leben
Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen
Deutsche Mythologie – Wahrsagerinnen und Priesterinnen
Deutsche Mythologie – Das Erforschen der Zukunft
Deutsche Mythologie – Ort der Götterverehrung
Deutsche Mythologie – Tempel
Deutsche Mythologie – Tempelfrieden
Deutsche Mythologie – Tempelschatz
Deutsche Mythologie – Götterbilder
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Der Anfang der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Die Einrichtung der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Das Ende der Welt

Abbildungen Nordische Mythologie Walhall - Germanische Götter