Schlagwort: Mosaik

Gedanken eines Praktikers.

Sowohl die Glasmalerei als auch das Mosaik sind weite Gebiete; erstere findet man bereits im Mittelalter, letztere schon im frühesten Altertum. Beide haben eine riesige Entwicklungsstrecke zurückgelegt und wurden beeinflußt durch rein technische Erfindungen. Der Grundbegriff des Mosaiks ist das Nebeneinandersetzen von verschiedenfarbigen Materialien, und so kann man von Stein-, Glas-, Papier-, Holz-, Ziegel-, Metallmosaik etc. sprechen. Soweit es sich um Außenschmuck eines Gebäudes handelt, kommt jedoch nur unverwitterliches Material, vor allem Marmor in Betracht. Die ersten und ältesten Arbeiten dieser Art sind wohl die orientalischen Fußböden – Mosaiken. Später verwendete man auch Glas und ging daran, auch die Wände und vor allem die Kuppeln mit Mosaik zu schmücken. Bis zum Ende der byzantinischen Zeit war das Mosaik sachlich und künstlerisch einwandfrei. Als man aber dazu überging, gemalte Bilder in Mosaik umzusetzen, wurde das Gebiet überschritten.

Was verleiht beispielsweise der Markuskirche in Venedig ihre Weihe? Gewiß nicht die in Mosaik umgesetzten Gemälde, sondern die alten byzantinischen Mosaiken, bei denen man sieht, wie der Künstler die Fläche schätzte, mit der er rechnete und die er mit seinem Werke nicht optisch durchbrechen mochte. Auch der Laie wird das erkennen. Wenn er gesehen, wie ein Mosaik entsteht, wird er auch erkennen, was möglich, was ehrlich, was Auswuchs und Vortäuschung ist. Venedig wird uns als die Pflegstätte des Mosaiks gepriesen. Sie war es; heute ist der Akkordmosaikist, der Mosaikist, der en gros Broschen und Manschettenknöpfe verfertigt, der eigentliche Vertreter dieses Kunstzweiges in Venedig.

Unsere Zeit bietet dem Mosaik neue Möglichkeiten. Die Anregung hierzu gaben die Architekten, die die neuen Materiale, die neuen technischen Errungenschaften künstlerisch zu verwerten wußten.

Der Betonbau, an den hier in erster Linie gedacht ist, diese ideale zeitgemäße Bauweise, ist dem Mosaik besonders günstig. Den großen Flächen dient am besten die flächige Dekoration: das Mosaik, sei es nun Glas-, Stein- oder kombiniertes Mosaik aus größeren Stücken. Die Verwendung von größeren Glasstücken erlaubt eine kräftigere Wirkung zu erzielen, erlaubt billiger zu sein als die alte Art des venetianischen Stiftenmosaiks. Wie sehr das von Oberbaurat Wagrer angeregte Plattenmosaik (sichtbar befestigte Glasplatten, Steinplatten etc.) zu schätzen ist, werden später noch gereifte Beispiele zeigen.

Kunstartikel

Verzeichnis der 93 Abbildungen unten.

Die Zeiten, in denen griechisch-römische Kultur als höchstes Ideal und als einziges oder doch vornehmstes Bildungsmittel erschien, sind vorüber; die Gegenwart hat es gelernt, auf eignen füßen zu stehen. Wenn wir aber auch von antikem Wesen nicht mehr direkt abhängig sind, so werden wir uns doch hütten müssen, die Beschäftigung mit dem Altertume überhaupt als antiquiert und unnütz zu erklären.

Antike Kunst bietet bietet so viel herrliches und Großes, antike Technik so viel Herrliches und Großes, antike Technik so viel erstaunlich Durchdachtes, antikes Privatleben so viel liebenswürdiges Anheimelndes, daß wir der alten Kultur nie den Rücken wenden dürfen. Wir haben aufgehört, direkt praktisch von Griechen und Römern zu lernen – wenigstens bis zu einem gewissen Grade; wenn wir sie näher kennen lernen, sie zu lieben. Recht wenigen freilich, ist eine solch eingehende Beschäftigung mit dem Altertume möglich; allen denen aber, die der antiken Welt nicht durch eigne Studien nahe stehen, soll hier, soweit es auf engen Raume möglich war, ein Bild jener Kultur gegeben werden, der nicht nur unser deutsches Volk, sondern ganz Europa und die ganze europäische Welt ihre Bildung verdankt.



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