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»Kunst für das Volk zu schaffen«

Dem Gedächtnis Franz Hoch

„Einfach schenken aus sich heraus, Freude und Schönheit voraussetzungslos austeilen“

An einem Junimorgen des Jahres 1916 verrann das Leben des Münchener Malers Franz Hoch in einem Vogesenwald. Trotz seiner 43 Jahre hatte er sich im Sturm der unvergeßlichen Augusttage von 1914 als Freiwilliger einschreiben lassen. Lange Zeit hat er unverdrossen unterrichtet; seine Vorgesetzten meinten, niemals einen gewandteren Lehrer für das Krokizeichnen gehabt zu haben. Endlich zog er als Leutnant mit den Mindelheimer Landsturmmännern ins Elsaß. Die dem prächtigen Manne nachtrauerten, erinnerten sich, wie der hochgewachsene Alemanne aus Freiburg i. B. vor 18 Jahren nach einem bedeutenden Ausstellungserfolge sich in München niedergelassen und da alsbald Wurzeln zu schlagen begonnen hatte, daß er sieben Jahre lang vorher der Lieblingsschüler und Freund Schönlebers in Karlsruhe gewesen, daß ihn einst ein träumerisch-weiser Landmann, Emil Lugo, in den baumreichen Ebenen der Dreisam gelehrt, was ein Naturausschnitt und was ein Bild sei — jener Emil Lugo, dem aus dem 17. Jahrhundert herüber die Geisterhand des Lothringers Claude Gelee so verwandtschaftlich zugewinkt hatte. Man erinnerte sich auch an die Bilder, die man da und dort in Ausstellungen gesehen und dann wieder in öffentlichen Sammlungen angetroffen hatte, daß die Zeitungen ihn gar manchmal ärgerlich einen Proteus gescholten, weil er so oft in neuer Gestalt aufgetaucht war, was doch nicht sein darf.

Und mancher von den vielen Tausenden, deren bescheidene Wohnräume eine seiner großen farbigen Steindrucke über den eintönigen Alltag hinaushob, mochte mit Wehmut davon gelesen haben, daß die freundliche Hand, die diese Erquickungen geschaffen, nun für immer erlahmt sei. Im allgemeinen hatten sich — nicht ohne eine gewisse Schuld des Malers selbst — weite Kreise, die nur das von seinem Schaffen kannten, was vereinzelt in Ausstellungen gedrungen war, daran gewöhnt, ihn als einen zwar sehr tüchtigen Künstler, jedoch nicht als einen solchen gelten zu lassen, der sich durch Frische und Nahrhaftigkeit ausdrückte. Dazu kam, daß man sich schwer tat, wenn man ihn in eines der vor dem Kriege so sehr beliebten Abwandlungsschemata einreihen wollte. Er gehörte nicht zu den lockeren Impressionisten, weder zu denen von der Seine, noch zu denen von der Spree. Und gab es damals sonst einen einigermaßen brauchbaren, von der Allgemeinheit der ästhetischen Schriftgelehrten anerkannten Maßstab, mit dem man einen entschiedenen Landschafter zu messen vermochte?
Da begab sich aber etwas Erstaunliches. Kundige Freunde nahmen sich seines recht stattlichen Nachlasses an. Und siehe da, sie erlebten merkwürdige Dinge. Sie entdeckten, reihenweise geschichtet, Leinwänden, die nie jemand außer der Familie gesehen hatte, verworfene Sachen, voll Unmittelbarkeit und klingenden Lebens, die er in die Ecke gestellt, man begriff nicht warum. Mehrmals ließen sie Pappendeckel spalten, weil beide Seiten wertvolle Eingebungen und Erinnerungen enthielten. Schließlich lehnte ein imponierender Schatz schönfarbiger Lebenseindrücke, die Ernte eines reichen Malerlebens, an den Wänden der verlassenen Werkstatt. Von dem, was Hoch in den Jahren seines Münchener Aufenthaltes gedichtet und gesungen, stellten die Freunde etwa hundert Bilder zusammen und vereinigten sie für andere Freunde und Kenner zu einer Besichtigung in Brakls Kunsthaus. Welche Überraschung! Hoch hatte allerdings seine Arbeit niemals in einer umfassenden Überschau vorführen können, wie es etwa mit dem Lebenswerk seines väterlichen Freundes Schönleber 1912 in Stuttgart in einer für die deutsche Kunst so denkwürdigen Weise der Fall gewesen war.

Kunstartikel


Unser ganzes Museumswesen befindet sich zur Zeit nicht nur wissenschaftlich, sondern auch künstlerisch vor einer Wende. Namentlich gilt dies für die völkerkundlichen Sammlungen. Viele stellen auch im heutigen Zeitpunkt noch unübersichtliche, selbst für denFachmann schwer zugängliche Aufstapelungen von ethnographischem Studienmaterial dar, mit dem der Laie schon gar nichts anzufangen weiß. Wo eine Neuordnung versucht wurde, ergaben sich die größten Schwierigkeiten. Konnte man etwa wagen, dieHochkulturen, vor allem Asiens, neben die reine Ethnographie zu stellen? Andererseits wurde die Forderung erhoben, die bildende Kunst aus dem Völkerkundemuseum herauszunehmen und den sogenannten Kunstmuseen zuzuweisen. Damit würden die Völkerkundemuseen eines großen Teiles ihrer wertvollsten Schätze beraubt, und die Kunstmuseen mit einem Material bereichert, das formal und wissenschaftlich doch nur im Rahmen der Ethnographie erfaßbar bleibt. — Das hier berührte Problem wird aber noch weiter kompliziert, indem auch außerhalb der Hochkulturen in Mexiko, in Afrika und in Ozeanien schöpferische Kunstleistungen entdeckt wurden. Wo zusammenfassen und wo trennen? Unsere Kunst- u. Bildungssnobs hätten es vielleicht über sich gebracht, Negerplastik anschließend an die Antike vorzuführen. Dagegen wendeten sich scharf die Kunsthistoriker, diese offenbar mit mehr Recht als jene. Schließlich besteht auch die Anschauung der Völkerkundler zu recht, daß man viele künstlerische Erscheinungen nur aus der regionalen Ethnographie und dem Kult erklären kann. Nicht unberechtigt sind endlich auch die Forderungen nach künstlerischer Lösung der Aufgabe.

Die Neuaufstellung des Museums für Völkerkunde in München, das zu den ältesten und umfangreichsten Instituten dieser Art in Deutschland zählt, bedeutet all diesen wichtigen Problemen gegenüber sowohl theoretisch wie künstlerisch eine vorbildliche Tat. Der verdiente Leiter dieses Museums, Geheimrat Prof. Dr. L. Schermann, hat durch seine GeneraldispositionPionier-arbeit geleistet. Sich beschränkend auf das absolut Wichtige und Wertvolle, leitet er die klare Führungslinie in allen Abteilungen vom einfachen Gebrauchsgerät über das Handwerk zu Kult und Kunst. Dadurch, daß es die Neuordnung verstanden hat, Kunstwerke im völkerkundlichen Rahmen so zu isolieren, daß sie nicht nur als ethnographische Objekte zum Beschauer sprechen, wurde der ethnographische und kunstgeschichtliche Gehalt mit der ästhetischen Forderung eng verknüpft.

Auch der künstlerische Teil der Aufstellung, sowie die innenarchitektonische Gestaltung des Museums, die beide in der Hand des Professors Ludwig Segmiller lagen, bedeutet namentlich für die ethnographischen Museen Neuland. Nach dem Urteil in- und ausländischer Fachleute wurde hinsichtlich der Sachlichkeit der Aufstellung und der Hervorhebung des Charakteristischen des einzelnen Objekts Mustergültiges erreicht. Es geschah dies durch übersichtliche Einordnung des Schaugutes, durch sorgfältiges Abwägen der Beleuchtung und durch eine geschickte Auswahl des farbigen Hintergrunds.

Andererseits wurde durch parallele oder rhythmische Reihung eine klare Anordnung der Freiaufstellung oder der einzelnen Kasten-und Vitrineninhalte erreicht. Durch dieses Vorgehen gelang es, das Interesse des Beschauers selbst bei den einfachsten Geräten, wie etwa den Ackerbaugeräten aus Indien, Siam, und Birma, nicht nur in ethnographischem Sinne wachzurufen, sondern auch die Schönheit der Werkform eindringlich zu erweisen. Auf diese Art kann man im Münchener Museum ein sehr instruktives vergleichendes Werkformenstudium treiben. Beleuchtete Diapositive erläutern den Gebrauch der Werkform, das Tragen von Schmuck und Tracht u.a.; die sonst üblichen Puppen konnten daher von vorneherein in Wegfall kommen. Von einem Einbau der Schränke in die Mauer mußte abgesehen werden, da die in jedem Saal des ersten Stockwerkes vorhandenen Wandfresken nicht entfernt werden durften und kaschiert werden mußten.

Durch die erstmalige Anwendung der Farbe als selbständiges Raumgestaltungsmittel versuchte man den Sälen und Durchblicken eine gewisse Wärme zu verleihen. Von Saal zu Saal sollte nach den Grundsätzen psychischer Spannung und Entspannung in ästhetischer Hinsicht eine Steigerung zu den Höhepunkten jeder Abteilung herbeigeführt werden.

Die Aufstellung der Museumsgegenstände in bezug auf Belichtung und übersichtliche Anordnung erfuhr selbst dann sorgfältige Beachtung, wenn es sich wie in Assam oder in manchen Sälen der afrikanischen und amerikanischen Abteilung um eine unvermeidliche Häufung der Objekte drehte. Auf jede romantische und imitierende Aufstellung wurde verzichtet und der absoluten Sachlichkeit der Vorzug eingeräumt. In der Neuaufstellung des Münchener Museums für Völkerkunde haben sich Wissenschaft und Kunst in einer selten einmütigenWeise zum frohen Werk die Hand gereicht. Dieses im höchsten Sinne moderne Museum mit seinen erst jetzt sichtbar werdenden reichen Schätzen und neu hinzugekommenen seltenen Sammlungen bedeutet nicht nur einen Glanzpunkt in der stattlichen Reihe der Münchener Kunstinstitute, sondern ist auch eines der besten unter den ethnographischen Sammlungen der Welt.

Verzeichnis der Abbildungen:
Buddha
Buddha-Japan
Budhist-Plastik

Siehe auch:
Münchener Kunstausstellung-Glaspalast 1927
Die Kunst und die Gegenwart
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Modernes Sammlertum

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Die heurige Glaspalast-Ausstellung zeigt insofern ein verändertes Gesicht, als fünf der Haupträume in besonderer dekorativer Weise behandelt wurden. Es sind die links an die Haupthalle sich anschließenden Säle 2—6. Während alle übrigen Ausstellungsräume die einfache gelblichweiße Wand aufweisen, treten in diesen fünf Sälen andere Farben, andere Formgesinnungen hervor. So kleidet sich Saal 2 nach Entwurf von Bernhard Ingwersen in ein dunkles, stumpfes Grauviolett, das nur von einer breiten, matten Goldfläche (als Türbetonung) unterbrochen wird. Saal 3 hat von dem Architekten Willy Erb ein kirchenartiges Gepräge erhalten: Stein-Estrich, hoch hinaufgehende, architektonisch gegliederte Wände. An Farben herrschen Grau und Grün vor, der Estrich besteht aus braunroten Backsteinen. Saal 4 ist eigentlich nur ein niedriger Verbindungsraum, hat aber von Wilhelm Kreis eine wuchtige architektonische Körperlichkeit erhalten : der Anstrich ist hier rot. Saal 5 ist von dem Wiener Architekten Clemens Holzmeister geformt worden.

Hier wie in den zwei vorangehenden Räumen handelte es sich im wesentlichen darum, Wände für Bewurf und Freskomalerei zu erhalten. Der Architekt hat dem Raum durch offenes, teils stehendes, teils querlaufendes Balkenwerk eine Aufteilung gegeben, die wohl absichtlich an gewisse Gemälde von Egger-Lienz anknüpft. Um die Türen läuft eine breite Abfassung in Backsteinen. Der letzte Saal endlich ist wieder von Wilhelm Kreis gestaltet worden: die Wände bestehen aus geschichteten Ziegeln (nach Art von Biberschwänzen), mit Mörtellagen verbunden, der Estrich aus dunklen, braunroten Blendsteinen; aus dem gleichen Material ist das niedere Mauerwerk, das den Innenteil der Grundfläche hof-artig eingrenzt und der aufgestellten Plastik (Figuren, Gruppen und Köpfe von Kolbe) als Sockel dient. Von allen an diesen Räumen beteiligten Architekten ist mit dekorativem Geschick und jenem kunstgewerblichen Geschmack gearbeitet worden, der eine so besondere Beziehung zu einer in München seit langem beheimateten Auffassungsweise besitzt. Das geschmackliche, das dekorative Element steht sogar etwas zu sehr im Vordergrund: die Wirkung streift nahezu das Bereich der Theaterszene, so sicher und so elegant sitzen die dekorativen Effekte; und gerade auch die Effekte des Wuchtigen, des sakralen Ernstes.

Der kirchenartige Raum bietetin seinen Wandmalereien manches technisch sehr Interessante. So z. B. ein Sgraffito „Traum“ von Lois Gruber (München), in verschiedenfarbigen Sand-Arten an die Wand angetragen und formal ungemein witzig und sicher behandelt, nämlich mit einer abwechselnden Verwendung von negativer (eingetiefter) und positiver Form. Die Wandgemälde von Baumhauer und von Willi Schmid (München) verbinden, ebenfalls in höchst fesselnder Weise, die Technik des Fresko mit den Wirkungen einer Art Steingravur. Schmid hat dabei in der Farbe eine orgelartige, archaistische Harmonik, wie denn auch seine in Saal 2 befindlichen Gemälde mit verblüffendem Geschick gewisse Reize und Effekte altmeisterlicher Malerei nachzuahmen wissen: schmale, blitzende Goldkontur-Fragmente um grünlich-fahle Gesichter, verräucherte Schattenmassen usw. Die wuchtig umrahmten Wandfelder des roten Saales (4) haben Eberz und Seewald mit Wandmalereien geschmückt. Diejenigen von Seewald könnte man sich gut in einem Restaurant, einem Cafe denken; es sind Landschaften, die nach Art der Panoramenmalerei mit hebenswürdiger Ironie auf die einrahmende Wand und den Sockel übergreifen.

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Bildverzeichnis der 74 Abbildungen unten.










































































Bildverzeichnis:

Abtei Laach und Laacher See
Alexisbad
Berlin, Begasbrunnen
Berlin, Kaiserliches Schloß
Berlin, Lustgarten mit Dom
Berlin, Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms des Großen
Berlin, Palais Kaiser Wilhelms I.
Berlin, Pariser Platz und Brandenburger Tor
Berlin, Reichstagsgebäude
Bremen, Rathaus
Brockenhaus mit Aussichtsturm
Burg Dankwarderode in Braunschweig
Burg Hohenzollern
Burg Stolzenfest
Charlottenburg, Königliches Schloß
Dresden, Elb-Terasse und Elb-Quai
Dresden, Königliches Schloß
Dresden, Zwinger und Sophieenkirche
Ems, vom Kriegerdenkmal gesehen
Erfurt, Friedrich Wilhelmsplatz mit Dom
Fischmarkt und Rathaus in Halberstadt
Franckeschen Stiftung zu Halle
Frankfurt am Main, Hauptbahnhofshalle
Göltzschtalbrücke bei Mylau
Hamburger Hafen
Heidelberg, Philosophenhöhe
Heidelberger Schloß
Heilandskirche bei Sakrow
Helgoland
Hermansdenkmal
Kaiser Wilhelmsbrücke über das Wuppertal
Kaiserhaus in Goslar
Kaiser-Wilhelm-Kanal, Holtenauer Schleuse
Kassel, Schloß Wilhelmshöhe
Kölner Dom
Königsee
Kyffhäuser-Denkmal
Lübeck, Holstentor
Luther-Denkmal in Worms
Magdeburg, alter Markt mit Rathaus und Kaiser Otto-Denkmal
Magdeburg, Dom mit Fürstenwall
Martin Luther, Geburtshaus in Eisleben
München, Bavaria mit Ruhmeshalle
Nationaldenkmal auf dem Niederwald
Nord-Ostsee-Kanal
Panorama Wittenberg
Park von Sansouci mit Windmühle
Partenkirchen mit der Zugspitze
Plön, Schwanensee
Potsdam, Pfaueninsel
Provinzial-Denkmal Kaiser Wilhelm der Große, Wittekindsberg
Rheinfall bei Schaffhausen
Rolandseck mit Drachenfels
Rübeland im Bodetale
Rügen, Stubbenkammer
Sächsische Schweiz, Bastei
Sächsische Schweiz, Kubstall
Saleck und Rudelsburg
Schloß Wernigrode
Schneekoppe
Schwarzwald, Höllsteig im Höllental
Schwebebahn in Barmen-Elberfeld
Siegessäule in Berlin
Speyer Dom
Spreetunnel
Spreewald, Schneidermühle bei Lübbenau
Spreewald, Wasserstraße
Stadt Königstein mit Festung
Straßburger Münster
Straße in Nürnberg
Tyriaki-Kirche in Herrnrode
Walhalla, von Ruine Stauf gesehen
Wartburg
Westerland auf Sylt

Abbildungen Das Deutsche Reich in Landschaftsbildern