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Abbildungen Deutsche Geschichte Stadtansichten

Abbildungen Deutsche Geschichte Stadtansichten


Wie ein ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht, wenigstens für Bayern und für die zahlreichen Touristen, denen die neugebackene Vornehmheit noch nicht so sehr in die Glieder fuhr, dass ihnen der schöne deutsche Süden nicht mehr gut genug ist und die daher in die Modebäder des Auslandes rennen müssen, wird demnächst in der Woche vor und in der Woche nach dem ersten Sonntag im Oktober auf der Theresienwiese zu München abermals das Oktoberfest gefeiert werden.

Wieder wird das am Rand der Wiese auf einer Anhöhe stehende Standbild der Bavaria, ein handfestes Frauenzimmer, dem man es gern glauben möchte, dass es bei Schwarzbrot und Kas, Radi und dunklem Starkbier gross geworden ist, und das das ganze Jahr hindurch in geruhiger Einsamkeit sich langweilen muss, zwei Wochen lang auf ein recht buntes Leben und Treiben herabblicken.

Deutsch-Amerikaner

Die älteste und volkstümlichste Kirche der Stadt München, der St. Peter, konnte in diesem Sommer auf ein 700jähriges Bestehen zurückblicken.

Aus den Berichten des alten Aktenmaterials im Kreisarchiv zu Landshut und aus denen des bayerischen Reichs- bezw. Stadtarchives geht hervor, dass 1222 der Hl. Franziskus Seraphikus den P. Kastinus nach München schickte, um dort die Seelensorge der seinerzeit ausserhalb der Stadt auf einem Anger liegenden Jakobskapelle zu übernehmen. Aus ihr hat Kastinus die Jakobskirche mit daranschliessendem Kloster gemacht, die sich bis auf den heutigen Tag am St. Jakobsplatz erhalten hat. Eine gleiche Wandelung machte die Peterskirche durch. Sie bestand auch aus einer kleinen, im Jahre 1181 gegründeten Kapelle, auf deren Grund und Boden ein spätromanisches Gotteshaus erbaut wurde, dessen Einweihung am 28. Juli 1222 stattfand.

Bei der 1902 erfolgten Restaurierung sind im Innern nicht nur alte Gebäudemalereien, sondern auch Struktur- bezw. Architekturteile ans Tageslicht gekommen, die uns, mit dem aus mehreren Jahrhunderten stammenden Mauerwerke, ein Bild von der hochinteressanten, aber sehr komplizierten Baugeschichte geben. Denn die vielen, sich oftmals widersprechenden archivalischen Mitteilungen über den Werdegang des Baues müssen mit dem Studium der verschiedenen Bauglieder und des Mauerwerkes, desgleichen mit Hilfe des Sandtnerschen Stadtmodells vom Jahre 1572 in Zusammenhang und Einklang gebracht werden, um ein richtiges Bild von der Entstehung der hochinteressanten, für die Kunstgeschichte wertvollen Kirche zu bekommen.

Aus der ganzen Anlage der Rundbogenpfeiler im Inneren der Kirche, die nach dem jeweiligen Zeitgeschmacke umgewandelt wurde und sich uns seil dem 18. Jahrhundert in einem barocken Gewände zeigt, geht hervor, dass das Gotteshaus einst bis zu seiner jetzigen Hälfte eine spätromanische Basilikenkirche war, deren Grundmauern mit den Türmen die alten sind. Ziehen wir noch die Mitteilung in Betracht, dass Anfang der sechziger Jahre, gelegentlich der Neulegung eines Fussbodens, die Fundamente der alten Apsiden zutage traten, so erhalten wir den genauen Umfang und die Grösse der ursprünglichen alten Peterskirche, deren Ausdehnung bis zum jetzigen fünften Hofe reichte. Nach Osten schlossen sich drei Apsiden an und nach Westen zwei Türme, die jetzt schräg abgedeckt sind. Die Kirche war also eine vollkommene dreischiffige Basilika. Lange Zeit scheint jedoch diese erste Anlage nicht bestanden zu haben, denn schon Ende des 13. Jahrhunderts tauchen Mitteilungen über einen „Neubau“ auf, wobei jedoch nur von einer Erweiterung und Veränderung der Türme die Rede sein kann, deren alte Höhe, wie ich aus dem Mauerwerke anlässlich der Blosslegung vor 18 Jahren ersah, beibehalten blieb.

Deutsch-Amerikaner