Schlagwort: Negerstämme


Vor einigen Jahren kamen durch die Reiseberichte des deutschen Arztes Dr. Richard Kandt geradezu erschreckende Nachrichten nach Europa über die Verheerungen, die durch die Gifte der Medizinmänner und Zauberer bei den innerafrikanischen Negerstämmen angerichtet wurden. Namentlich im Gebiet der grossen Seen sollten ganze Dörfer durch Gift entvölkert worden sein. Es ist naturgemäss sowohl vom rein ärztlichen, wie vom forensischen Standpunkt wichtig, die Art dieser Gifte genau zu kennen, um einerseits Hilfe bringen zu können und andererseits dem Treiben der Zauberer ein energisches Paroli zu bieten.

Endlich ist damit zu rechnen, dass das Mord-Arsenal der Afrikaner ein oder das andere Mittel enthalten kann, das bei geeigneter Anwendung zu einer Bereicherung unseres europäischen Arzneischatzes werden könnte. Aus diesen Erwägungen beschlossen Geheimrat Brieger und Dr. M. Krause in Berlin, von der Deutschen Kolonial-Verwaltung Material zu näherer Untersuchung zu erbitten. Infolge ihres Ansuchens wurde ihnen der Giftkasten eines „Zauberers“, der in Tabora vor Gericht gestellt worden war, übersandt.

Der aus Palmenbast geflochtene Kasten, etwa in der Grösse einer Damenhutschachtel, enthielt etwa 20 Flaschenkürbisse, Papiertüten und Beutel, die mit allerlei merkwürdigen Pulvern und Substanzen angefüllt waren. Auch Ziegen- und Antilopenhörner dienten als Behälter. Beim Transport war leider der Inhalt der einzelnen Gefässe, die nicht verkorkt waren, arg durcheinander geraten, so dass die Bestimmung der einzelnen Gifte erschwert wurde. Am leichtesten gelang die Erkennung der vorhandenen unzerkleinerten Pflanzenteile. Nachgewiesen wurden: Blätter von Acocanthera, die zwei eigentümliche Giftstoffe „Acocantherin“ und „Abyssinin“ aus der Gruppe der Glykoside enthalten, sowie mehr oder minder zertrümmerte Früchte, deren Samen die gleichen Giftarten einschliessen. Ferner fanden sich in zwei Ziegenhörnern mit Pfeifenschmirgel zu einem Gemisch verarbeitet. Stacheln von Euphorbia venenata, die das Wolfsmilchgift, das Euphorbin, enthalten. Neben einer Reihe anderer Bestandteile von Giftpflanzen, die zum Teil noch nicht bestimmt werden konnten, fanden sich auch nichtgiftige Pflanzenteile, sowie Farbstoffe und ein vorzügliches, nach Ambra duftendes Räuchermittel.

An tierischen Bestandteilen ergab die Untersuchung des Kasteninhaltes Knochenreste, Schädel von Vögeln und ähnliches, sowie Teile eingetrokneter Eidechsen. Letztere beanspruchen ein besonderes Interesse, da die Hereros die sogenannte Springeidechse als Schutzmiitel gegen Schlangenbiss verwenden, indem sie die Eidechsen trocknen, pulvern und dann in die aufgeritzte Rückenhaut einreiben. Möglicherweise können die vorliegenden Eidechsen wertvolle Aufschlüsse über solche Schutzwirkungen geben.

(Windhuker Nachrichten.)

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Kolonie und Heimat

Unser Bild führt uns in das Innere von Togo und zwar in die westlichen-Grenzgebiete von Mittel-Togo in die Gebend zwischen dem Volta- und Otifluss. Bimbila liegt zwar an der Verkehrsstrasse von der Küste nach dem äussersten Norden der Kolonie, ist aber noch wenig erschlossen, wir finden dort die Eingeborenen in ihrer unverfälschten Eigenart, die seit alters her stark von der islamitischen Kultur der Haussareiche im Westsudan beeinflusst ist. Südwestlich von Bimbila, jenseits des Volta, liegt Salaga, ein Mittelpunkt des Haussahandels, und gewaltige Handelskarawanen durchquerten ehedem von dort aus unsere Kolonie, so dass das islamitische Gepräge des Lebens bei den Negerstämmen von Nord- und Mittel-Togo verständlich isL

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

Kolonie und Heimat

Mit Bildern nach Zeichnunsen von F. Nansen.


Togo ist diejenige unsrer Kolonien, die am dichtesten bevölkert ist. Auf einem Geviertkilometer kommen 11 Menschen, und das ist für afrikanische Begriffe recht viel. In Togo fällt dies noch besonders ins Gewicht, weil grosse Teile des Landes unfruchtbar sind, wenigstens für Negerbegriffe. Wir werden jedoch manches Stück Land in der Steppe, das jetzt unbewohnt ist, später noch nutzbar macher können. Jedenfalls drängt sich die Bevölkerung, die im ganzen auf nicht ganz 1 Million Köpfe geschätzt wird, in verschiedenen Teilen des Landes stark zusammen, so dass des Lebens Not sie zwingt, ihren Grund und Boden besser auszunutzen und sorgfältiger zu bearbeiten, als dies in vielen anderen Gebieten Afrikas nötig ist und geschieht. Besonders dicht bevölkert ist die Küstenregion; so wohnen in den Bezirken Lome und Anecho allein rund 140000 Menschen.

Kolonie und Heimat


Man soll nicht glauben, dass die Naturvölker keinen Wert auf die Pflege und Ausschmückung ihres äusseren Menschen legen, sie verwenden im Gegenteil in der Regel viel mehr Zeit darauf als bei uns der Durchschnittsmensch. Freilich ist ihr Streben dabei in der Regel nicht so sehr auf Reinlichkeit gerichtet — darauf legen sie meist gar keinen Wert —, als auf einen möglichst abenteuerlichen Aufputz. Und zwar tut sich nicht nur das schwache Geschlecht in dieser Hinsicht hervor, sondern vielfach im Gegenteil der Mann. Dies gilt namentlich auch für die Haartrachten. Freilich tragen viele Negerstämme lediglich ihren natürlichen wollhaarigen Krauskopf zur Schau und verzichten auf jede weitere Frisur, es gibt aber anderseits ebensoviele Stämme, denen der Aufputz ihres Kopfes sehr wichtig ist.

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