Schlagwort: Neuvorpommern

Das Wort „Pommern“ entstand einmal aus „po morju“, das bedeutet „am Meere“. Für Hunderttausende deutscher Menschen aus allen Gauen des Reiches, die am goldhellen Sandstrand von Pommern und Rügen selige Sonnenstunden verbrachten und aus den schäumenden Wellen der Ostsee Kraft, Gesundheit und Schönheit für ihren Körper eroberten, ist Pommern das Land am Meer geworden, auch ohne daß sie um die Herkunft seines Namens gewußt hätten. Pommerns Gäste aus dem Binnenland staunten von den in Deutschland einzigen, gewaltigen, weißleuchtenden Kreidefelsen von Stubbenkammer in die unendliche Weite des Meeres hinub, dunkel umrauscht von der Brandung, aber auch von der Wipfelbrandung der herrlichen Buchenwälder der Stubnitz, die im Frühling Milliarden winziger Knospenflämmchen entzünden. Sie wanderten wohl auch in tiefer Einsamkeit an den Steilküsten oder an den weiten Strandbögen von Usedom und Wollin mit ihrem reichen Bäderkranz; sie schlummerten, von Möwen umflogen, zwischen Fischernetzen und Fischerbooten auf den Dünen, und immer war Glanz, Friede und Lieblichkeit um sie. Denn heiter und lachend schön ist die pommersche Sommerlandschaft, am Meere gekennzeichnet von Pommerns strahlenden Wappenfarben, weiß und blau. Weiß die leuchtenden Kreideklippen, weiß die Dünen, tiefblau das Meer und tiefblau der Himmel mit den schwer gelagerten weißen Wolken am Horizont.

Schön ist Pommern auch am fischreichen Haff mit seinem blumenreichen Wiesengelände, schön ist Ostpommern jenseits der gewaltigen Wanderdüne im Gebiet des Baltischen Landrückens. Da wechseln steile, steinreiche Berge mit tiefen Schluchten, grünen Wiesen, dunklen Mooren und den üppigsten Laubwäldern. Überall aber liegen die glasklaren Moränenseen eingebettet, wahre Vogelparadiese für die nordische Vogelwelt von Wildente und Wildschwan bis zu Reiher und Wasserhuhn. Kaisermantel und Distelfaser schweben über Wasserdost und Sumpfdisteln, in den Prachtwäldern ertönt zur Nacht und wohl noch der Geisterruf des großen Uhus, der so selten geworden ist. ln Pommerns Wäldern, in denen in grauer Zeit einmal Bär und Auerochs, Luchs und Wildkatze zu Hause waren, haust heute auf der Halbinsel Darß-Zingst, wieder der Wisent.

Die letzte Eiszeit schuf einmal Pommerns Erdschicksal. Sie war es, die die große baltische Endmoräne, den Baltischen Landrücken, in Ostpommern mit der kuppigen Grundmoräne aufschüttete. Dies Erdschicksal gab Pommern die Großartigkeit und die Lieblichkeit, gab der pommerschen Ebene die große einsame Linie, in der wir heute die Lebenslinie des Grenzvolkes im Grenzland am Meere spüren. Die Vielgestalt des pommerschen Landcs geht immer wieder mit Nachdruck auf die sich ins Unendliche dehnende Ebene zurück. In lichten Eichenmischwäldern hauste einmal das Nordvolk, das den Boden mit der steinernen Hacke und dem Hakenpflug bearbeitete. Aus der jüngeren Steinzeit stammen die gewaltigen Hünengräber, die Grüfte bäuerlicher Sippen. Am Ende der Bronzezeit ist ganz Pommern Germanenland. Auf jeder Feldmark finden wir heute noch Siedlungsreste, aus dieser Zeit stammt der älteste Hakenkreuzfund in Pommern. Aus dem Moor von Sophienhof förderte man die prächtige Bronzedose mit dein Vierwirbel auf flammender Sonnenscheibe. Die Urgeschichte wichtiger Germanenstämme geht auf Pommern zurück. Wenden sickern ein, doch im zwölften Jahrhundert erscheinen deutsche Rückwanderer in Massen, sie bauen das niedersächsische Haus, den Vierkanthof, das märkische Dielenhaus und im Pyritzer Weizacker, einer wahren Goldgrube der Landwirtschaft, das Vorlaubenhaus. In jeder Bauart schaut das alte pommersche Bauernhaus malerisch und traulich aus. Pommern ist Bauernland und als solches eine Kernlandschaft des Reiches. Wie dunkle Meere ruhen seine fruchtbaren Äcker unter dem weiten Himmel, von den Wellenlinien der Ackerfurchen durchzogen. Kein Wunder, wenn sich hier ein nachdenklich einsames, ein stark und zäh schaffendes Geschlecht heranbildete, beharrlich in allem, was es sich vorgenommen hat, wortkarg und verschlossen gegen Fremde.

Stimmt es mit den großen Pommern, von denen man sich im Reich so allerhand erzählt? Etwas Wahres muß schon daran sein, denn schon der mittelalterliche Chronist Thomas Kontzow berichtet von dein Pommernvolk:

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