Schlagwort: Nordvölker


Friedrich der Große stand allein gegen eine Welt. Er hatte zu gleicher Zeit gegen Österreicher, Franzosen, Russen und Schweden, sowie die Reichsarmee und das ferne Spanien zu fechten. Er hat mit unerhörter Zähigkeit und mit nie verzagendem Mute das ungeheure Wagnis durchgeführt. Es handelte sich um den Besitz Schlesiens. Nur die zwei ersten Jahre, da er die Siege von Lobositz, Prag, Roßbach und Leuthen gewann, gingen für den König gut aus. Von 1758 bis 1762 mußte er sich auf die Verteidigung beschränken. Sein Unglück wurde durch die Niederlage bei Hochkirch eingeleitet, an der allerdings Friedrich in seiner Tollkühnheit nicht ganz unschuldig war, und durch Kunersdorf, das dem Könige 25000 Mann kostete, verschärft. Dagegen blieb Friedrich in der Schlacht bei Liegnitz überlegen, ebenso Ziethen bei Torgau. Trotzdem zog sich der Ring der Feinde immer enger und enger, sodaß der König schon bei den Tataren in der Krim und bei der Hohen Pforte Hilfe suchte: da kam die Rettung durch Rußland, das aus einem Feinde zum Freunde wurde.

Im übrigen ging es den Österreichern wenigstens finanziell noch schlechter als den Preußen, die durch straffe Ordnung und Sparsamkeit die finanzielle Rüstung bis zu Ende auf der Höhe hielten.

Wenn man die Sache genau betrachtet, so muß man trotz aller Bewunderung Friedrichs doch sagen, daß seine Taten wohl die höchste moralische und kriegstechnische, hingegen im Grunde keine weltpolitische Bedeutung hatten. Die deutsche Frage blieb ungelöst, und das Verhältnis zwischen Österreich und Preußen blieb bis zum Jahre 1866 in der Schwebe. Auch ist unmittelbar nach den Erfolgen des Siebenjährigen Krieges, ist schon zu Lebzeiten Friedrichs das preußische Heer, und ist nach seinem Tode das Ansehen des Staates zurückgegangen. Immerhin war die Angliederung Schlesiens ein dauernder Gewinn. Durch dieses Land, das keilförmig in die Slawenwelt hineinragt, kann Preußen am leichtesten Einfluß auf Südosteuropa gewinnen.

Friedrich war nicht nur als Feldherr und Staatsmann groß, sondern auch als Verwalter, und weiters als Förderer der Kultur. Er schrieb Verse, die freilich nicht sehr hervorragend waren, er war Geschichtschreiber von hohem Wurf, wenn es ihm auch mehr auf die Zusammenhänge, und gelegentlich (genau wie dem Julius Cäsar) mehr auf die Beschönigung seiner Schritte, als auf die Genauigkeit ankam; er war endlich ein Philosoph und liebte Kunst und Wissenschaft. Wie das ganze Zeitalter war auch er für „Aufklärung“, und er stellte als obersten Grundsatz auf, daß jeder nach seiner Fasson selig werde. Freidenker und Jesuiten waren ihm gleich willkommen, wenn sie nur dazu beitrugen, nützliche Kenntnisse zu verbreiten. In einem entfernte ersieh stark von dem volkstümlichen Empfinden: er bevorzugte französische Gelehrte, und schrieb sogar seine eigenen Werke ausnahmslos auf Französisch.

Eigentlich war die Aufklärung, der Friedrich und mit ihm ganz Berlin (Nikolai) und Leipzig (Gottsched) huldigte, ein Überbleibsel einer schon entschwindenden Zeit. Siegreich hatten Dichter und Männer der Wissenschaft den Kampf gegen sie aufgenommen. Die Aufklärung begann um 1700 in England, und wurde dann von den Enzyklopädisten in Frankreich weiter ausgebildet. Sie war der Rückschlag gegen die strenge Orthodoxie, aber sie entartete zuletzt selber und verfiel in Plattheit und Nüchternheit. Das rief dann seinerzeit einen Rückschlag hervor. Man suchte das Leben wieder farbig zu gestalten, suchte den Glauben und die Begeisterung wieder zu beleben. Auf religiösem Gebiete bemühten sich darum die Pietisten und Herrenhuter seit 1715, auf literarischem tat dies eine Bewegung, die um 1770 begann, seit 1773 (Götz von Berlichingen) anschwoll und die nach einem Schauspiel des Frankfurters Klinger „Sturm und Drang“ genannt wird. Vorkämpfer der Bewegung waren Goethe und Schiller, Herder und Kleist. Die Geisteswissenschaften beleben sich wieder.

Die deutsche Philosophie, die schon durch Leibnitz (um 1710) eine hohe Stufe erreicht hatte, erringt durch Kant, Fichte, Schel-ling und Hegel den ersten Rang in der Welt. Die Geschichtschreibung erlebt in Göttingen einen glänzenden Aufschwung und erweitert sich, durch die Auffassung Voltaires vorbereitet, zu weltumspannender Forschung. Neue Fächerentstehen: Anthropologie und vergleichende Naturkunde. Von großem Einfluß auf die Gemüter war die Entstehung der Kunstgeschichte, zu deren Bau Winckelmann (um 1760) die ersten Steine zusammentrug. Erfindungen der Technik kamen hinzu.

In diesem Zeitalter geistiger Rührigkeit erstarkte der Hang zur Freiheit und Unabhängigkeit. Die Vereinigten Staaten rissen sich von England los, und die französische Revolution verkündete die Menschenrechte.

Die Polen dagegen verloren ihre Freiheit, weil sie keinen guten Gebrauch davon zu machen wußten. Schon Voltaire sagte in einem Briefe an den Marquis d’Argenson:

J’ai toujours regarde la Pologne comme un beau sujet de harangue et comme un gouvernement miserable; car, avec tous ses beaux Privileges, qu’est ce qu’un pays oú les nobles sont sans discipline, le roi un zero, le peuple abruti par l’esclavage, et oü Ton n’a d’argent que celui qu’on gagne á vendre sa voix?

Polen wurde 1773 zwischen Rußland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Weitere Teilungen folgten 1793 und 1795.

Im Jahre 1774 hob der Papst Innocenz XIV. Ganganelli den Jesuitenorden auf. Die Jesuiten hatten überall den bedeutendsten Einfluß erlangt und wurden der Kurie selbst unbequem. Sie hatten sich in vielen Ländern verhaßt gemacht. In Frankreich hatten sich ihrer Einführung mehr als drei gewichtige Faktoren widersetzt: die Sorbonne, das Parlament und der Erzbischof von Paris. Aus katholischen Ländern wurden die Jesuiten im ganzen siebenundzwanzig Mal vertrieben. Zuerst geschah dies in Graubünden im Jahre 1561. England folgte bald nach, weil die Jesuiten Mordversuche gegen die Königin Elisabeth gemacht oder unterstützt hatten. Eine ganze Reihe von Ländern, darunter Frankreich, die Niederlande, Venedig, und selbst so streng katholische Länder wie Polen, das Königreich beider Sizilien und Spanien schlossen sich an. Der Papst tat mit seiner Aufhebung nur, was die ganze Welt von ihm zu fordern schien. Kurz darauf starb Ganganelli — wie es heißt, vergiftet.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
Hellenismus
Wuti und Cäsar
Römischer Imperialismus
Germanen
Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
Die Condottieri
Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation
Entdeckungen und Erfindungen : Europäer in Afrika, Asien und Amerika
Entdeckungen und Erfindungen : Südeuropa gegen Nordeuropa
Aufstieg der Nordvölker : Holländer und Engländer
Aufstieg der Nordvölker : Kämpfe in Ostasien
Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens
Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große
Aufstieg der Nordvölker : Das Wachstum Preußens
Aufstieg der Nordvölker : England und Frankreich werden Weltmächte

Männer; Völker und Zeiten

Den aufstrebenden Großstaaten des festländischen Europas stand England gegenüber. Seit 1688, seitdem Wilhelm III. aus dem nassauischen Hause auf den Thron gekommen, ist England mit einem Schlage eine Großmacht geworden. Es gründete diese Macht auf die Blüte seiner Banken und seiner Industrie, auf eine ganz überwiegend kapitalistische Grundlage. Selbst von dem englischen Hochadel gehen so manche Sippen auf reiche Geldmänner zurück. Er ist viel weniger ein Geburtsadel, als die Standesgenossen im kontinentalen Europa. Für die Blüte Englands waren aber die überseeischen Besitzungen von ausschlaggebender Bedeutung. Seitdem das Geschäft mit der Kaperei spanischer Silbergailionen abflaute, lieferte Indien, das von einer Privatgesellschaft, der Ostindischen Compagnie, ausgebeutet wurde, jährlich viele Millionen Silbers. Als ihren Hauptgegner hatten die Engländer Frankreich zu bekämpfen, das ebenfalls zur Weltmacht emporstieg.

Nachdem durch Richelieu die Einheit Frankreichs wiederhergestellt war, nachdem sein Nachfolger, der Kardinal Mazarin, die Ausläufer der Fronde — einer aristokratischen Gruppe, die Sonderzwecke verfolgte — beseitigt hatte, konnte Ludwig XIV., „der Sonnenkönig“, die geeinten Kräfte des Landes zu militärischem, industriellem und kolonialem Aufschwünge zusammenfassen. Ludwigs Hof wurde der glänzendste Europas und das Muster für die verschwenderischen Hofhaltungen des ausgehenden Barocks (von 1600/1630 bis 1715) und der Rokokozeit (bis 1790). Ludwig war die Vollendung, die Spitze und der beginnende Verfall des französischen Königtums. Er machte es der Kirche weit überlegen. Sein Fehler auf dem Gebiete des Geschmacks war der, daß er Prunk für Schöpferkraft hielt. Daher zog er Corneille undRacine dem ungleich bedeuten deren Moliere vor. Sein Fehler auf politischem Gebiete bestand darin, daß er gegen England, Holland und Mitteleuropa zugleich, ja auch noch gegen Spanien und Italien ankämpfen wollte — ein Fehler freilich, den er mit Napoleon teilte. Bei dem Kampfe ging er mit kalter Rücksichtslosigkeit zu Werke. Er befahl 1681 die Verwüstung der Pfalz. Sie ist noch heute nicht vergessen. Bei aller Feinheit und Anmut hat der Franzose doch etwas Brutales. Bei der Revolution und bei der Kommune sollte diese Brutalität im eigenen Fleische wüten.

Nachdem Westfälischen Frieden konnte der rechtmäßige Fürst der Pfalz, Karl Ludwig, der Sohn des „Winterkönigs“ in sein Land zurückkehren. Ihm fiel die schwere, aber segensreiche Aufgabe zu, wieder zu kräftigen, was zerrüttet worden war, aufzubauen, was darniederlag. Durch die Dächer des Heidelberger Schlosses schaute der Himmel, die Wände seiner Prachtbauten waren geborsten, der Hortus Palatinus war von Unkraut überwuchert. Seine lange Regierungszeit war damit ausgefüllt, alle Wunden zu heilen. Unter ihm wurde auch anstatt des großen Fasses, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, ein neues erbaut. Er war darum besorgt, seinem Land einen politischen Rückhalt zu geben, und brachte einer engeren Verbindung mit Frankreich seine eigene Tochter Elisabeth Charlotte zum Opfer. Man weiß, daß sich Liselotte an der Seite ihres Herrn Gemahls, des Philipp von Orleans, und inmitten der französischen Hofgesellschaft höchst unglücklich gefühlt hat. Und dabei sollte dieser so klug ausgedachte Plan zum Unglück des Landes ausschlagen. Als mit dem Sohn Karl Ludwigs, mit dem dekadenten Karl, das Fürstengeschlecht in der männlichen Linie ausgestorben war, gab gerade diese Ehe dem „Sonnenkönig“ den Votwand zu seinem Raubkrieg gegen die Pfalz. Als Philipp Wilhelm von der katholischen Nebenlinie Pfalz-Neuburg die Regierung antrat, gab Ludwig XIV. seinen Mordbrennerbefehl: „Brülez le Palatinat!“ Und sein Befehl wurde von Melac, dem Blutmenschen, pünktlich ausgeführt. Obzwar ihm die Stadt Heidelberg mit einem Vertrag übergeben worden und kein Schwertstreich gefallen war, begannen die Franzosen bald, die Einwohner zu drangsalieren und wurden von Tag zu Tag gewalttätiger, und als sie sich vor dem heranrückenden kaiserlichen Heere zurückziehen mußten, ließ Melac Stadt und Schloß zerstören. Am 2. März 1689 gaben um 6 Uhr morgens drei Kanonenschüsse das Signal zur Mordbrennerarbeit. Von allen Seiten wurden Pechkränze in das Schloß geschleudert. Die Flammen brachen aus den Fenstern und den Dächern, die Minen, die von den Pionieren unter die Türme gelegt worden waren, sprangen und die dicken Mauern wurden auseinandergerissen. Eines der schönsten Schlösser Deutschlands war eine wüste Ruine. Aber noch schienen die Franzosen nicht zufrieden zu sein. Denn drei Jahre später, als Heidelberg durch Verrat in ihre Hände gefallen war, erneuerten sie ihre Bemühungen. Wieder wurde Feuer angelegt, wieder sprangen die Minen unter den Resten der alten Türme…

Schon unter Ludwig war beständiger Streit zwischen Kriegs-minister und Finanzminister, Krieg und Festungsbauten verschlangen furchtbare Summen. Im Jahre 1678 hatte Ludwig 280000 Mann unter den Waffen, darunter 20000 Schweizer und 2000 andere Fremde. In Frankreich lernte damals jedermann Kriegskunst. Während dort nun durch Colbert die Finanzen auf einen hohen Stand gebracht waren, litten die Gegner Ludwigs, namentlich der Kaiser, an beständiger Geldnot. Die Einnahmen Kaiser Leopolds werden auf 20 Millionen geschätzt, die Ludwigs auf 140—180 Millionen Lire. So kam es, daß im Anfang des 18. Jahrhunderts Österreich nur 70000 Mann zu Fuß und 19000 Mann zu Pferde besaß. Erstaunlich ist, daß die französischen Werften damals den englischen weitaus überlegen waren. Frankreich hatte denn auch hundert Linienschiffe und England nur sechzig. Die französische Marine beherrschte das Mittelmeer vollständig. Was aber der Flotte Frankreichs und auch seinem Landheer stets empfindlich schadete, das war die Scheu vor entscheidenden Schlägen. So gewann England zuletzt doch die Überhand. Es wurde von nun an die maßgebende Macht.

Wie England hatte auch Frankreich das Auge auf Indien und nicht minder auf Nordamerika geworfen. Von der Schlacht an der Boyne an, durch die sich Wilhelm III. die Anerkennung errang, bis auf Waterloo sind fast hundertdreißig Jahre vergangen; siebzig Jahre dieses Zeitraumes wurden durch wilde Kriege ausgefüllt, meist gegen Frankreich. Aus ihnen ist England siegreich zu Lande und zu Wasser hervorgegangen, im Besitze unermeßlicher Reichtümer und als industrieller und finanzieller Mittelpunkt der Erde, ln Indien setzte der Kampf mit Frankreich 1745 ein, als der Admiral Labourdonnais vor Madras erschien. In Madras war damals der junge Clive, der mit seinen Kaufmannsgenossen zuerst aus der Stadt entwich, aber nachher Madras wieder besetzte, und dazu das reiche Bengal eroberte, und so endgültig Indien für die Briten gewann. Der Kampf der beiden Westmächte hat insofern den Staaten Mitteleuropas, mithin auch Preußen genutzt, als dadurch die Übermacht Frankreichs, die sich zweimal, unter Ludwig dem Vierzehnten und unter Napoleon geltend machte, gebrochen worden ist. Umgekehrt ist jedoch auch der Sieg der Engländer am Ganges und Ohio durch festländische Kriege, namentlich den Siebenjährigen, erleichtert worden. Die Taten Friedrichs des Großen haben mittelbar den Engländern Canada verschafft, wo der englische General Wolfe 1761 die Stadt Quebek erstürmte.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
Hellenismus
Wuti und Cäsar
Römischer Imperialismus
Germanen
Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
Die Condottieri
Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation
Entdeckungen und Erfindungen : Europäer in Afrika, Asien und Amerika
Entdeckungen und Erfindungen : Südeuropa gegen Nordeuropa
Aufstieg der Nordvölker : Holländer und Engländer
Aufstieg der Nordvölker : Kämpfe in Ostasien
Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens
Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große
Aufstieg der Nordvölker : Das Wachstum Preußens

Männer; Völker und Zeiten

Es waren keineswegs besondere Zustände und Vorbedingungen am Werke, daß auch Preußen — seit rund 1650 — in die Höhe kam. Es war vielmehr ein elementares Gesetz, das hier tätig war. Das Schwergewicht Deutschlands und Rußlands wandelte nach Nordosten, nach dem Kolonialgebiete, und von da aus wurde der Rest des Reiches bezwungen, ebenso wie Schweden von Dalekarlien aus durch Gustav Wasa gewonnen wurde, und auch Italien, auch das Griechenland des Demosthenes, auch das Indien des Panini und Kalidasa von Norden her erobert wurde. Welche Schlußfolgerungen sind hieraus zu ziehen?

Wenn man genauer zusieht, so wird man finden, daß überall in den genannten Ländern der Süden die alte Kultur darstellt, während der Norden halb barbarisches Kolonialland war. Die Leute des Nordens warfen sich mit ihrer frischen Kraft auf die alten Kulturländerund zwangen sie unter ihr Joch, übernahmen aber von den Besiegten die Kultur. Vielfach freilich erhoben sie das Vorgefundene auf einehöhere Stufe. So ging vom Norden die Bauernbefreiung aus. Das erste Beispiel dazu gab Friedrich Wilhelm I. Auch leuchtete sein Staat durch Ordnung, seine Beamten durch Zuverlässigkeit voran.

Die Emanzipation der unteren Stände griff hiernach auch in den anderen Staaten Platz. Überhaupt wurden die schroffen Klüfte der Gesellschaft allmählich ausgefüllt, und die Sitten wurden milder. Die Unduldsamkeit nahm ab; die Hexenprozesse, die wesentlich im 17. Jahrhundert gewütet hatten, hörten auf. Gleichermaßen wurden die Kriege menschlicher. Bisher war ja in der ganzen Weltgeschichte Plündern und Frauenschändung bei Kriegen gang und gäbe gewesen; das Schänden kommt seit rund 1650 ab, außer bei Russen und Orientalen, das erlaubte Plündern etwa seit 1730. Auch hier wirkte das Beispiel Preußens erheblich ein.

Die Eroberung Chinas durch die Mandschu erforderte nicht weniger als siebzig Jahre. Sie dauerte von 1616 bis 1683. Amtlich wird die Thronbesteigung der Mandschu in das Jahr 1644 verlegt, in das Jahr, da sie von Peking Besitz ergriffen. Der Aufstieg Rußlands zur Weltmacht, der schon durch Iwan den Schrecklichen vorbereitet war, wurde durch Peter den Großen vollendet. Als Epochenjahr wird man 1703 annehmen dürfen, da Petersburg gegründet wurde. In manchen Strichen gingen die Pläne Peters sogar über das hinaus, was jetzt erst, zwei Jahrhunderte später, seine Nachfahren erreicht haben. Peter träumte von einerBesetzungHawais und der Kolonisation Madagaskars. DerAufschwung Preußens wurdedurch Erwerbungen des Großen Kurfürsten (1640—1686) und durch die soldatisch straffe und sparsame Verwaltung Friedrich Wilhelms I. (1716—1740) auf einer festen Grundlage, dem „rocher de bronce“ stabiliert, wie der König selbst seine Souveränität umschrieb, und von Friedrich dem Großen weiter gefördert. Die jetzige Machtstellung Österreichs beruht auf den Siegen Prinz Eugens und der Ausbreitung an der adriatischen Küste.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

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Der alte Orient und Griechenland
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Assyrer und Perser
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Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens
Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große

Männer; Völker und Zeiten

Noch einmal warfen sich die Germanen mit aller Macht auf Osteuropa. In Österreichs Diensten entriß Prinz Eugen Serbien der Türkei. Der schwedische Karl XII. brauste wie ein Wirbelsturm bis hinunter nach der Ukraine durch die Grenzländer des Zarenreichs, und August der Starke ward König von Polen. Am Njemen und an der Weichsel wurde Preußen immer mächtiger. Da erstand den Ostslawen ein Genie in Peter dem Großen. Er dämmte die Germanen zurück und gab den Slawen ihre unabhängige Stellung. Hatte Rurik den russischen Staat geschaffen, Iwan III. Wassiljewitsch ihn neu begründet, Iwan der Schreckliche die Grundlagen der russischen Großmacht gegeben — Peter der Große führte den Plan dieses Weltgebäudes aus. Er verband sich, da zu Anfang sein Reich noch schwach war, mit Sachsen, Polen und Dänemark gegen Karl XII. und warf die Schweden zum Lande hinaus. Karl XII. brachte jedoch nach seiner Niederlage von Poltawa die Osmanen auf die Beine. Peter mußte 1711 gegen sie zu Felde ziehen, und geriet am Pruth in die mißlichste Lage, aus der nur Geld ihn befreite. Von jetzt an aber ist der Stern Rußlands im Aufsteigen. Das Reich gewann die Ostseeprovinzen und in Petersburg seine neue Hauptstadt. Derbent, Baku, Astrabad und die südkaspischen Länder Gilan und Mazenderan wurden 1723 an Rußland von Persien abgetreten, das durch Bürgerkriege zerrüttet war.

Sehr gegen den Willen seiner Untertanen versuchte Peter eine Verwestlichung des heiligen Rußlands. Er berief Holländer, Deutsche und Schweden als Handwerker und Lehrmeister. Er gilt daher noch heute den Altrussen nicht als ein richtiger Vertreter seiner Nation. Der Zar, der lange Zeit als junger Mann in Holland das Schiffsbau werk gelernt hatte, behielt zeitlebens eine große Vorliebe für das Meer, für Flotten und überseeische Unternehmungen. Das Meer, an dem er ja auch seine Hauptstadt erbaute, sollte gewissermaßen das Fenster sein, durch das vom übrigen Europa her Licht nach dem Moskowiterreich einstrahlte.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

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Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
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