Abbildungen Weltgeschichte

Abbildungen Sternenkriegsalbum

Mit vollem Recht hat man die Portugiesen als die Väter aller modernen Kolonialpolitik bezeichnet, denn sie zuerst haben das Geheimnis, welches Jahrtausende lang über fast ganz Afrika und Asien, Amerika und Australien lagerte, enthüllt und den Seemächten Europas den Weg zu neuer politischer, kommerzieller und kultureller Tätigkeit gezeigt, sie nahmen die längstvergessene Erbschaft der Phönizier wieder auf.

Seit den Tagen der Karthager und Tyrier hatte man keine Vorstellung mehr von dem atlantischen Gestade Nordwestafrikas, selbst zu den westeuropäischen Häfen wagten sich die Mittelmeerfahrer lange Zeit hindurch nicht durch die Säulen des Herkules. Erst Genuesen des 14. Jahrhunderts erwiesen die ungeheuerlichen Vorstellungen, welche die europäischen Seefahrer beherrschten, als Ausgeburten der Phantasie. Sie entdeckten die „glücklichen Inseln“, die Kanarengruppe. Bald folgten Portugiesen und Spanier den Genuesen. Die Azoren und Madeira, kaum entdeckt, wurden bald zum Gegenstand von Besitzstreitigkeiten. Anfangs des 15. Jahrhunderts versuchte der Normanne Bethencourt die Kolonisation dieser Insel, welche zwar scheiterte, aber die Ansiedler erhielten dort zum ersten Male Nachrichten von dem Goldlande Senegambien, der Guineaküste und Timbuktu. Sie waren auch die Träger verworrener Gerüchte von der Existenz eines mächtigen afrikanischen Reiches unter dem fabelhaften „Erzpriester Johannes“. Der Glaube an dieses Priesterreich ist nicht die letzte Ursache der späteren Entdeckungsreisen gewesen, deren geistiger Urheber Dom Henrique von Portugal, der 1394 geborene Prinz Heinrich „der Seefahrer“ war. Er gründete eine Marineschule am Strande von Sagres, widmete sich auf seiner Burg am Kap S. Vicente ernsten mathematischen und geographischen Studien, die er in regem Umgänge mit Seefahrern und Männern der Wissenschaft noch vertiefte, wo‘ er konnte, und setzte sein Ansehen als Prinz von Geblüt und als Großmeister des Christusordens, der im Kampfe gegen die Mauren sich mit Ruhm bedeckt hatte, für die Erforschung der westafrikanischen Küste und die Entdeckung des Seeweges nach Indien ein. Noch fehlten Portugal die geeigneten Seeleute, daher berief er Italiener und Deutsche als Lehrmeister. 1419 trugen die Bemühungen Dom Henriques die erste Frucht: Porto Santo in der Madeiragruppe wurde von den Portugiesen besetzt. Baitolomeu Perestrelo, der nachmalige Schwiegervater des Kolumbus, wurde zum Gouverneur der Insel ernannt, und Kolumbus selbst wohnte eine Zeit lang hier. Von Porto Santo aus wurde Madeira besetzt.

Diese Erstlingserfolge trugen dem Infanten indes durchaus keine Anerkennung in der Heimat ein. Weder Kaufleute noch Reeder wollten von den Erwerbungen etwas wissen. Doch der Prinz ließ sich durch solche ablehnende Urteile nicht beirren. 1434 umsegelte endlich einer seiner Kapitäne das gefürchtete Kap Bojador; 1441 wurde die Flagge Portugals schon südlich von der Mündung des Rio do Ouro gezeigt. Mit dem Eintreffen der ersten afrikanischen Ladung schlug natürlich auch die Stimmung der Handelsherren und Seeleute am Tejo zu Gunsten Heinrichs und seiner Pläne um. Bereits 1444 finden wir eine portugiesische Kompanie in Lagos, welche das ihr vom Infanten verliehene Handelsmonopol zur Sklavenausfuhr nach Portugal benutzte.

Selbst der 1400 eintretende Tod des Prinzen Heinrich unterbrach die Reihe der portugiesischen Fahrten und Entdeckungen nicht mehr. Man hatte den Wert derselben erkannt und setzte die Arbeit des Verewigten fort. Fernäo Gomez verpflichtete sich 1469 unter Dom Affonso V. als Pächter des westafrikanischen Handels, jährlich 300 Meilen der Küste südlich von Sierra Leone zu erkunden. Er entdeckte die Goldküste, Ilha do Principe und Säo Thome. Auf der Karte des Fra Murano (ca. 1470) ist auf Grund dieser Forschungen und arabischer Nachrichten schon das Südkap Afrikas, Sofala und Sansibar angegeben.

Unter Dom Joao II. tauchte wieder die Mär von dem Reiche des Erzpriesters Johannes auf, jedenfalls ein übertriebener Bericht von der christlichen Enklave im Hochlande Habesch, und veranlaßte die Entsendung des Bartholomeu Diaz 1486. Dieser fuhr als erster um die Südspitze Afrikas, das Cabo das Tormentas, von Dom Jofio II. aber Cabo da Boa Esperan^a getauft, nachdem schon 1484 die Kongomündung durch Diogo Caos und Martin Behaim entdeckt worden war.

Dom Joao II. suchte durch eine päpstliche Bulle den Besitz aller neuen Entdeckungen für die Krone Portugal zu sichern, geriet aber dabei in ernstliche Differenzen mit Spanien.

Nachdem Papst Alexander VI. durch eine Bulle vom 3. Mai 1493 dem Könige Ferdinand von Spanien den Besitz der von Christobal Kolumbus entdeckten und noch zu entdeckenden transatlantischen Gebiete bestätigt hatte, bestimmte eine zweite Bulle vom 4. Mai 1493 …. de Apostolicae potestatis plenitu-dine omnes insulas et terras firmas inventas et inveniendas, detectas et detegendas versus occidentem et meridiem fabricando et construendo unam lineam a Polo Arctico seil, septentrione ad Polum Antarcticum seil, meridiem, quae linea distet a qua-libet insularum quae vulgariter nuncupantur de los Azores y Cabo Verde centum leucis versus occidentem et meridiem: ita quod omnes insulae et terrae firmae repertae et reperiendae, de-tectac et detegendae a praefata linea versus occidentem et meridiem per alium regem aut principcm Christianum non fuerint actualiter possessae, vobis coneedimus, assignamus, vosque et haeredes ac successores illarum Dominos facimus, constituimus et deputamus. Daß nach dieser päpstlichen Entscheidung Spanien alle Länder westlich einer Linie zufallen sollten, die 100 Leguas von den azorischen und kapverdischen Inseln durch das Weltmeer lief, erregte in Lissabon ungeheure Aufregung, denn Kolumbus hatte nach allgemeiner Meinung Indien entdeckt, welches somit an Spanien fallen sollte. Nun hatte aber bereits.

Papst Martin V. das zu entdeckende Indien der Krone Portugal zugesprochen, die Bulle Alexanders VL stand also anscheinend im schreiendem Widerspruch zu der Entscheidung seines Vorgängers auf dem Stuhle Petri. Schon rüsteten beide Könige zum Kriege, als glücklicherweise der 7. Juni 1494 das Abkommen von Tordesillas brachte, welches die fragliche Grenzlinie aut eine Entfernung von 370 Leguas westlich von den Azoren und Kapverden festsetzte.

Schon 1498, am 20. Mai, unter Dom Manoel II. ankerte das Geschwader Vascos da Gama vor Calicut. Das langersehnte Indien war gefunden und der Krone Portugal gesichert, der Traum Heinrichs des Seefahrers war in Eifüllung gegangen.

Dieser ersten glücklichen Expedition unter Vasco schlossen sich natürlich neue in gedrängter Folge an. Der „Herr der Eroberung, Schiffahrt und des Handels von Äthiopien, Persien und China, wie sich Manoel II. nun stolz nannte, sandte schon am 9. März 1500 ein Geschwader von 13 Schiffen unter Pedro Alvares Cabral aus, um neue Verbindungen mit den westafrikanischen Häuptlingen anzuknüpfen, Faktoreien an der Küste als Stützpunkte der Indienfahrten anzulegen und in Calicut selbst ein freundliches Verhältnis mit dem Zamorin einzugehen. Dort standen den Portugiesen besonders die arabischen Händler, welche die Schiffahrt zwischen Indien, den Küsten des Persischen und Roten Meeres seit langer Zeit betrieben, im Wege. Eine Hauptaufgabe Cabrals war cs, den Zamorin zur Vertreibung der Araber zu bewegen. Die blutigen Verwicklungen, die sich aus dem Vorgehen Cabrals zwischen Portugal und dem von den Arabern aufgestachelten Zamorin von Calicut entspannen, fallen nicht in den Rahmen unserer Betrachtung.

Am Bord eines der Schiffe Cabrals befand sich auch der berühmte Bartholomeu Diaz. Vor Kap Verde verlor ein Schiff den Kurs und kehrte nach Lissabon zurück. Die übrigen steuerten gemäß den Ratschlägen Vascos und der königlichen Instruktion möglichst weit nach Osten, gerieten so in den ihnen unbekannten Brasilstrom und in östliche Winde, sodaß sie am Osterdienstag, 15. April 1500, ein unbekanntes Gestade sichteten. Damit war Brasilien von Cabral entdeckt. Am 2. Mai setzte Cabral seine Indienfahrt fort, nachdem er zwei zu lebenslänglicher Haft verurteilte Verbrecher am Strande unter den Eingeborenen zurückgelassen hatte. Der Zufall hat uns den Namen des einen, Affonso Ribeiro, erhalten. Die Portugiesen hatten diese Zwangsansiedlung von Verbrechern eingeführt in der Absicht, in diesen ausgesetzten Schelmen Dolmetscher bei späteren Landungen zu finden.

Cabral ergriff zwar in feierlicher Form zuerst Besitz von Vera Cruz, später Terra de Santa Cruz, bald allgemein Brasil aus bekanntem Grunde genannt, doch war er nicht der erste Europäer, der den brasilianischen Strand betrat. Schon Ende Juni 1409 erschien Alonso da Hojeda mit Amerigo Vcspucci und Joiio de la Cosa an der Mündung des Rio das Piranhas oder des Apody. Am 25. Januar 1500 entdeckte Vicente Yaney Pinzon das Cabo de Santa Maria de la Consolacion, nach allgemeiner Annahme das Kap S. Apostinho an der Nordostküste Brasiliens, und gelangte bis zur Mündung des Amazonas.

Endlich lief Diogo de Lepc mit zwei Schiffen im Dezember 1499 von Palos aus, kam einen Monat später als Prinzon an die Küste Brasiliens und hatte mit den Eingeborenen des später Maranhfio genannten Landes Kämpfe zu bestehen.

Alle drei Spanier verfolgten ihre Entdeckung nicht weiter, sodaß Portugal keinem Widerspruch bei seiner Besitzet klärung begegnete.

Cabral hatte, ehe er von Porto Seguro nach Indien weitersegelte, auf welcher Fahrt übrigens Bartholomeu Diaz den Tod in den Wellen fand, Caspar de Lemos nach Lissabon zurückgesandt, um Dom Manoel 11. die Kunde von der unet warteten Entdeckung zu bringen.

1501 gingen die ersten portugiesischen Schiffe nach der „Insel Vera Cruz“ ab, wie man anfangs das neue Land be-zeichnete. 1503 folgte ein zweites Geschwader. Die Entdeckungen des Kap S. Agostinho, S. Roque, S. Thome, des Rio de Janeiro, von Angra dos Reis, S. Sebastiäo und S. Vicente ließen indes keinen Zweifel mehr bestehen, daß man es nicht mit einer Insel, sondern mit einem gewaltigen Festlande zu tun hatte.

Affonso de Aibuquerque, Francisco de Almeida, Tristäo da Cunha und andere Indienfahrer liefen in den nächstfolgenden Jahren das neuentdeckte Land entweder in Porto Seguro (Bahia) oder der von Amerigo Vespucci angelegten Station Cruz an. Sonst legte Portugal seinem neuen Besitze wenig Wert bei. Das Handelsmonopol wurde zwar an den Reeder Fernando Noronha, nach welchem die kleine Insel im Südatlantic benannt ist, verpachtet, doch konnte der brasilianische Handel den Vergleich mit den reichen Erzeugnissen Indiens nicht aushalten. Von Ansiedlungsversuchen im 16. Jahrhundert verlautet wenig. Diogo Alvarez, der nach einem Schiffbruche sich 1510 im heutigen Bahia niedergelassen hatte, suchte vergeblich in späteren Jahren Auswanderer von Portugal nach Brasilien zu ziehen. Nur einige Juden folgten ihm, um der Inquisition zu entgehen.

Der Hof zu Lissabon wurde aber durch unangenehme Vorkommnisse aus seiner Gleichgültigkeit aufgcrüttelt. Kauffahrer und Sklavenjäger fremder Flagge suchten bald die Küste Brasiliens auf, besonders französische Schifte. Diplomatische Schritte Portugals in Paris hatten keinen Erfolg, sodaß Dom Joäo III. endlich Schritte zum Schutze Brasiliens tun mußte. 1526 erschien Christoväo Jaquez mit einem Geschwader, legte in Pernambuco ein Fort an, nahm drei französische Segler in Bahia weg, wurde aber bald wieder abberufen. Das Fort wurde von Franzosen zerstört, die Küste gebrandschatzt.

Erst die Nachricht, daß die Spanier am La Plata reiche Minen entdeckt hätten, brachte Leben in die portugiesischen Regicrungskreise. Martim Affonso de Souza wurde 1530 mit einem Geschwader entsandt, um eine Verwaltung in Brasilien zu errichten, Ländereien an Ansiedler zu vergeben und die Gebiete am La Plata womöglich für Portugal zu sichern. Er legte nach Verjagung der Franzosen aus Pernambuco eine Station in der Bucht Rio de Janeiro an, lief S. Paulo an, wo bereits portugiesische Siedler saßen, mußte aber nach einem vergeblichen Versuche, in den La Plata einzudringen, den Stürmen am Kap Maldonado weichen, kehrte um und legte an der Bai S. Vicente (S. Paulo) zwei Kolonieen an, Piratininga auf dem Festlande, S. Vicente auf der Insel, auf welcher heute Santos liegt.

Während dieser Zeit kreuzte Pero Lopez an der nord-brasilianischen Küste und vertrieb die Franzosen, welche wieder in Pernambuco Fuß gefaßt hatten. Nach der Rückkehr Souzas und Lopez’ entschloß sich die Regierung in Lissabon, einem schon von Jaquez gemachten Vorschläge ernstlich näher zu treten, um die Kolonisation Brasiliens in geordnete Bahnen zu leiten. Wie einst Madeira und die Azoren an Unternehmer (donatarios) als erbliche Lehen verliehen wurden, welche von hren Herren auf deren Kosten besiedelt werden mußten, so teilte man nun auch Brasilien in Capitanias, fünfzehn parallel zu einander verlaufende Gebiete, ein. Die zwei südlichsten Lehen hießen S. Amaro, die beiden folgenden S. Vicente, die nächsten S. Thome, Espirito Santo, Porto Seguro, Dos Ilheos, Bahia, Pernambuco, Itamaracä. Daran schlossen sich noch vier Capitanias im Norden, welche keinen besonderen Namen erhielten.

In diesen Lehen behielt sich die Krone das Bestätigungsrecht bei etwaigem Besitzwechsel, die Zölle, das Monopol auf die wichtigsten Kolonialprodukte, ein Fünftel von allen Edelmetallen und -steinen, sowie den Zehnten von allen Erzeugnissen vor. Der Donatario, „Kapitän und Gouverneur“, durfte sein Land frei vererben, bekam den Zehnten vom Kronanteil an Metallen und Edelsteinen, ein Zwanzigstel vom Fischfang und Brasilholz und hatte das Monopol auf Salzwerke, Wassermühlen und Fähren. Die Indianer, falls sie nicht zum Christentum bekehrt waren, durfte er zu Sklaven machen und gebührenfrei in Portugal verkaufen, Landbesitz verteilen, Städte gründen und die Verwaltungsbeamten und Richter ernennen. Martini Affonso de Souza, obwohl nach Indien abberufen, tat am meisten für seine Capitanie. Er sandte Kolonisten, die mit Hilfe westafrikanischer Sklaven Mais, Mandioca, Tabak, Baumwolle und besonders Zuckerrohr pflanzten. An blutigen Zusammenstößen mit Indianern fehlte es nicht. Anderseits lebten die portugiesischen Siedler sehr früh mit den eingeborenen Weibern im Konkubinat, ebenso mit den Negerinnen, sodaß sich schon sehr bald Mischlinge aller drei Rassen im Lande verbreiteten. Ein Beispiel ähnlicher Natur bietet die Geschichte der portugiesischen Siedlung in Ost- und Westafrika. In Espirito Santo entstanden 1535 die Städte Espirito Santo und Viktoria. Hier wurden zum Nachteil der Kolonie besonders viele Verbrecher angesiedelt. Nach Porto Seguro kamen viele spanische Kolonisten. Die Capt. dos Ilheos fing Zuckerrohrbau im großen an. In Pernambuco entstand neben Recife 1535 die Stadt Olinda. Hier blühte bald Zuckerrohr- und Baumwollenkultur. Große Erfolge erzielte indes die Regierung mit dieser Einteilung in 15 Capitanias nicht. Nur drei derselben zeigten einigen Fortschritt. Zudem betrieben nach wie vor die Franzosen ihr Unwesen an der Küste. 1549 wurde daher in Thome de Souza der erste Generalgouverneur des Landes ernannt, der von Bahia, dem neuen Sitz der Zentralregierung aus die Oberaufsicht über die gesamten Capitanias führen sollte. Thome de Souza fand besondere Unterstützung durch eine Anzahl Jesuitenpatres, welche ihn nach Brasilien begleitet hatten; unter ihnen that sich besonders P. Manoel de Nobrega hervor. Ihre Tätigkeit richtete sich besonders auf die Zähmung der Indianer. Sie erlernten schnell die Indianersprachen, gewannen durch Unterricht besonders die junge Generation und bewogen manche Stämme, sich vereint anzusiedeln und Ackerbau zu treiben. Die erste dieser Jesuitenmissionen wurde bei Salvador in S. Paulo angelegt. Mit demselben Eifer gingen die Jesuiten gegen die Zuchtlosigkeit der Weißen vor. Sie duldeten nur rite geschlossene Ehen und veranlaßten Sendungen portugiesischer Mädchen, um dem Konkubinat mit Farbigen zu steuern.

Die Regierung in Lissabon unterstützte den Generalgouverneur nicht, als er in der Bai von Rio de Janeiro, in der noch immer französische Schifte verkehrten, eine befestigte größere Niederlassung gründen wollte. Diese Lässigkeit sollte sich bald rächen. Der Maltcserritter de Villcgaignon gewann im Hinblick auf die vorzügliche Lage der Bai von Rio den Admiral Coligny für den Plan, die Bai zu besetzen und hier in erster Linie für die Hugenotten eine Freistätte in Brasilien zu gründen. Coligny erwirkte vom Könige von Frankreich drei Schifte für Villcgaignon, und die geplante Niederlassung entstand 1555. Leider schlichen sich konfessionelle Zwistigkeiten unter die französischen Siedler ein, sodaß Coligny bald seine Hand zurückzog. Infolgedessen faßten die Portugiesen Mut, und der dritte Generalgouverneur Mein de Sä zerstörte das französische Fort in der Riobai nach blutigem Kampfe, ohne die eigentliche Niederlassung der Franzosen einnehmen zu können, da die kriegerischen Indianerstämme jener Gegend auf seiten der Franzosen standen. Erst 1566, nachdem der Neffe des Generalgouverneurs, Estacio de Sä, in heftigen Kämpfen, bei welchen er selbst fiel, die Eroberung vorbereitet hatte, vermochte Mem de Sä die französische Niederlassung endgültig zu vernichten. An ihrer Stelle gründete er S. Sebastiäo do Rio de Janeiro. Spätere Versuche Frankreichs, in Pernambuco und noch einmal (1568) in Rio de Janeiro sich fcstzusetzen, schlugen fehl. Damit waren die Franzosen definitiv von der Kolonisation des östlichen Südamerika ausgeschlossen. Die blutigen Kämpfe an der Bai von Rio aber hatten bewiesen, daß die portugiesische Regierung der Indianerfrage bedeutend mehr als bisher ihre Aufmerksamkeit widmen müsse, wenn sie in Brasilien dauernd herrschen wollte. In dieser Frage stand die Auffassung der Kolonisten, welche alle Indianer als geborene Sklaven betrachteten, derjenigen der Jesuiten schroff gegenüber, welche die Indianer in geordneten Gemeinden sammeln wollten und dort seßhaft zu machen suchten. Sie erhoben daher gegen die Grausamkeit der Kolonisten Protest und wirkten am Hofe zu Lissabon für ein Verbot der Indianersklaverei, das sie wirklich wiederholt erlangten. Natürlich wuchs dadurch die Erbitterung der Kolonisten, welche nicht das Geld besaßen, um Neger zu kaufen, gegen die Jesuiten, von denen sie behaupteten, daß sie die Indianer in ihren Reduktionen auch nur zur Sklavenarbeit benutzten und so durch die Ordensplantagen den Kolonisten eine heftige Konkurrenz schüfen. Der König, an den sich beide Parteien beschwerdeführend wandten, überwies die Sache der Mesa da Consciencia. Diese suchte sich mit dem sehr dehnbaren Gesetz aus der Verlegenheit zu ziehen, daß nur solche Indianer, welche in einem „gerechten“ Kriege gefangen, von ihren Eltern verkauft würden oder sich selbst verkauft hätten, von den Kolonisten als Sklaven gehalten werden durften. Damit konnte jeder Mißbrauch gerechtfertigt werden, wie die Jesuiten sofort erkannten Nach jahrelangen Arbeiten gegen dieses Gesetz erlangten sie 1570 das Dekret, daß „alle zur Knechtung von Indianern üblichen und erlaubten Mittel und Wege“ verboten sein sollten. Dadurch verloren die Kolonisten ihre indianischen Sklaven, während die Jesuitenredüktionen bedeutend verstärkt wurden. Sklavenregister sorgten zudem dafür, daß die Kolonisten keine heimlichen Sklavenkäufe machen durften. In diese Zeit fällt der Wechsel der Dynastie auf dem Throne Portugals. Der vierzehnjährige Dom Sebastian gelangte 1569 zur Regierung, stürzte sich in ein abenteuerliches Unternehmen gegen die Mauren Nordafrikas und fiel 1578 mit der Blüte des portugiesischen Adels bei Alcacerquivir. Wieweit die Agenten Philipps II. von Spanien bei dem Entschluß des jungen Königs tätig gewesen sind, kann nicht mehr entschieden werden. Jedenfalls zog nach der kurzen Regierung des alten und kränklichen Kardinals Dom Henrique (1578—1580) Herzog Alba mit 25000 Spaniern in das Land ein und schlug die Anhänger der Duqueza da Braganya und des Dom Antonio, Priors vor Crato, zweier Kronprätendenten, nieder. Damit war Philipp If. Herr in Portugal. Auch Brasilien huldigte ihm feierlich im Jahre 1582. Damit trat Brasilien aber auch in die Welthandel Spaniens ein, doch nur, um von den Feinden Spaniens, das sich lediglich um Peru und Mexiko kümmerte, gebrandschatzt zu werden.

Nachdem 1582 zwei englische Kauffahrer von drei spanischen Kriegsschiften vergeblich angegriffen worden waren, übten die Engländer Rache. 1586 verwüstete ein englisches Geschwader Bahia; Thomas Cavendish plünderte 1591 Santos und verbrannte Säo Vincente. 1595 statteten englische Korsaren dem reichen Pernambuco Besuche ab und nahmen die reichen Vorräte der Stadt Recife weg. Wie groß diese Beute war, zeigt der Umstand, daß die Engländer noch drei holländische und fünf fran-züsiche Schiffe chartern mußten, um den Raub zu bergen. Erst der Friede Spaniens mit England 1604 verschaffte Brasiliens Küste Ruhe.

Dafür aber richtete ein neuer Gegner Spaniens seine Blicke auf Brasilien: die Holländer. Nach einem Kaperkriege gegen spanische Brasilfahrer, der in gelegentlichen Aktionen von 1604 bis 1620 währte, eröffnete die 1621 gegründete, von den Generalstaaten genehmigte Niederländisch-westindische Kompanie einen planmäßigen Feldzug gegen die spanische Kolonie Brasilien. Trotz der Erfahrungen im Kaperkriege hatte die spanische Regierung nichts Nennenswertes zum Schutze der wertvollen Kolonie getan, sondern die Weisheit des Hofes in Madrid erging sich in der Ausweisung aller Fremden aus Brasilien und der beliebten Hetze gegen getaufte Juden und Mauren. Diese strälliche Sorglosigkeit ebnete einem holländischen Geschwader den Weg, welches 1624 mit 23 Segeln, 500 Kanonen und 1700 Mann, ohne die 1600 Mann starke Besatzung zu rechnen, unter dem Admiral Jakob Willekens erschien und Bahia de Todos os Santos fast ohne Schwertstreich nahm (10. Mai 1624). Die Holländer vermochten sich allerdings nicht dauernd zu halten, da der Nachschub an Schiffen und Truppen zu spät eintraf, um die spanische Flotte von 67 Segeln und 12000 Mann an der Wiedereinnahme von Bahia zu hindern. Auch spätere Versuche Hollands, in Brasilien dauernd Fuß zu fassen, scheiterten, bis 1628 der Admiral Pieter Heyn die spanische Silberllotte wegnahm. Damit rüsteten die Holländer eine starke Flotte aus, welche 1630 vor Olinda, der Nachbarstadt Pernambucos (Recifes), erschien.

Vergebens suchten Spanier und Portugiesen in Landguerilla und Seeschlachten die Holländer aufzureiben. Eine Zeitlang schienen die Holländer, welche Olinda aufgaben und niederbrannten, dafür aber sich tapfer in Recife hielten, durch Hunger gezwungen, kapitulieren zu müssen, da die berüchtigten Com-panhias de emboscada, darunter die des Indianers Poty, alle Zufuhr vom flachen Lande abschnitten. Aber aus dieser Notlage wurden sie von einem verräterischen portugiesichen Mulatten, Domingos Fernandes Calabar, befreit.

Jedes Weges im Lande kundig, führte Calabar holländische Streifkorps, welche die eingeschlossene Garnison mit Lebensmitteln versorgten und vereinzelte feindliche Abteilungen vernichteten. So eroberten die Holländer 1634 Rio Grande do Norte und Parahyba, nachdem fast ganz Pernambuco in ihren Händen war. Aus diesen Kapitanien und Itamaracä bildeten sie 1635 die Kolonie Neu-Holland.

Die Holländer richteten ihr Augenmerk vor allen Dingen darauf, die Portugiesen in Brasilien mit dem neugeschaffenen Zustande der Dinge zu versöhnen, die Regierung verbürgte daher sofort allen Kolonisten Freiheit der Person, des Eigentums und der Religionsübung. Leider wurde dieses verständige Vorgehen der Behörden durch die Willkür der Ortsbeamten und Soldaten sehr oft gestört, auch konfessionelle Streitigkeiten ließen keinen rechten Frieden aufkommen. Dabei waren sich die Generalstaaten völlig bevvußt, daß Spanien das wertvolle Land, das in holländischem Besitz war, nicht ohne ernste Kämpfe aufgeben würde, und ihre nächste Sorge betraf die Verstärkung der militärischen Position Neu-Hollands. An die Spitze der Militärverwaltung wurde 1636 der Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen berufen und traf im Januar 1637 in Recife ein.

Ungesäumt ging er zum Angriffe gegen die spanisch-portugiesischen Streitkräfte vor, vertrieb sic aus Alagöas und drang auch nach Norden bis zum Cearäflusse vor. Zugleich nahm er portugiesische Stationen in Westafrika weg, so S. Paulo de Loanda, S. Jorge de Mina und S. Thome, und führte von dort die von den Kolonisten sehnlichst gewünschten Neger als Arbeitskräfte ein, was bis dahin nicht möglich gewesen war. Holland besaß vorher keine Länder und Faktoreien in Afrika, und der Mangel an Zufuhr von Negern nach Brasilien unter holländischem Regiment war einer der Gründe zur Mißstimmung der Pflanzer gegen die Generalstaaten gewesen.

Ein Vorstoß nach Süden, um Bahia zu nehmen, scheiterte indes trotz der Tapferkeit Nassaus an der Wachsamkeit des Kommandanten von Bahia, Grafen Bagnuolo, und dem Ausbruch von Seuchen im holländischen Lager. Die Generalstaaten waren töricht genug, trotz aller Reklamationen Nassaus nicht rechtzeitig und in genügendem Maße für Ersatz verlorener Streitkräfte zu sorgen. Höchstwahrscheinlich lag diesem Verfahren der Generalstaaten ein geheimes Mißtrauen gegen etwaige Autonomiegelüste des Grafen Moritz zu gründe. Doch vermochte Nassau wiederholte Angriffe portugiesischer Geschwader aut Neu-Holland abzuweisen. Müde der ewigen Guerilla, welche jahrelang die Grenzländer der Gegner in Brasilien verwüstete, kamen der 1640 eingesetzte Vizekönig Jorge Mascarenhas und Moritz von Nassau dahin überein, einen vorläufigen Waffenstillstand zu schließen.

Die Sachlage veränderte sich aber mit einem Schlage, als sich 1640 Portugal von Spanien losriß und unter Joao IV. von Braganca im Haag ein Schutz- und Trutzbündnis gegen den gemeinsamen Feind Spanien anbot. Dabei verlangten die Portugiesen allerdings die Rückgabe aller während der spanisch-portugiesischen Ära von den Holländern genommenen Kolonieen, was Holland natürlich verweigerte. Die Generalstaaten schlossen zwar Frieden und Bündnis mit Joao IV., wiesen aber Nassau an, möglichst große portugiesische Kolonialländereien vor Regelung der Frage der Rückgabe der Kolonieen zu nehmen. Graf Moritz nahm daher ganz Sergipe, S. Luiz de Maranhäo und selbst Angola, das allein an Sklavenhandel den Portugiesen einen jährlichen Reingewinn brachte, der sich nach heutigem Gelde auf wenigstens 4 Millionen Mark belief.

Bei der Ratifikation des Vertrags im Haag, am 12. Juni 1641, setzte es Holland tatsächlich durch, daß es im Besitze seiner Eroberungen blieb, und sich nur zur Stellung eines Hilfsgeschwaders gegen Spanien verpflichtete.

Mit diesem strategischen und diplomatischen Erfolge hielt aber die innere Entwickelung des holländischen Brasilien durchaus nicht gleichen Schritt. Graf Moritz hatte zwar den redlichen Willen, den durch die langen Kriegsjahre, Arbeitermangel, eine Krankheit des Zuckerrohrs und Pocken arg geschädigten Betrieb der pernambucanischen Zuckerpflanzungen wieder zu heben, aber die Eifersucht der Generalstaaten, das Mißtrauen der westindischen Kompanie, konfessionelle Fehlgriffe hemmten und lähmten die Tatkraft Nassaus. Vergebens sandte er seinen Sekretär nach dem Haag, um die Generalstaaten auf die furchtbare Gefahr aufmerksam zu machen, welche in der wachsenden Unzufriedenheit der portugiesischen Kolonisten lag. Wie richtig der Graf Moritz die Lage der Dinge beurteilte, zeigte schon das Jahr 1642, wo das eben erwähnte Maranhäo nebst Cearä von den Holländern vor den aufständischen Portugiesen und Indianern geräumt werden mußte und auch S. Thome revoltierte. Trotzdem setzte die westindische Kompanie die Abberufung Nassaus durch, und damit war das Schicksal seiner Eroberungen besiegelt.

Die engherzige und schwächliche Regierung des Geheimen Rates, eines Ausschusses der westindischen Kompanie, vermochte die Erregung der portugiesischen Ansiedler nicht zu dämpfen, die Hand Nassaus fehlte, als der Aufstand unter Joäo Fernandes Vieira ausbrauch. Schon 1615 hatten die Holländer eine ernstliche Niederlage zu verzeichnen. Die Soldner Hollands, denen die Kompanie den Lohn schuldig geblieben war, traten ohne weiteres in portugiesische Dienste, von Bahia nahte Sukkurs, Olinda fiel, nur in Recife hielten sich die Holländer mit Hilfe ihres Geschwaders. Parahyba fiel zu Portugal ab. Endlich, im April 1646, nahte unter Walter von Schoonenborgh Hilfe für die hartbedrängten Holländer in Recife, vermochte aber nicht die Belagerung aufzuheben, sondern die Neuangekommenen verstärkten nur die Besatzung und führten Streifzüge aus.

Das Sonderbarste in dieser Zeit war das offizielle Verhalten der Regierungen in Lissabon und dem Haag.

Die Unabhängigkeit Portugals war nämlich noch nicht von Spanien anerkannt, und man hatte in Lissabon sehr mit dem guten Willen der Holländer und der Franzosen zu rechnen. Um Holland nicht zu verstimmen, leugnete Portugal jeden Zusammenhang mit den Aufrührern, sandte diesen aber insgeheim Hilfe, nahm es aber auch ruhig hin, als der Holländer van Schkoppe 1647 Bahia plünderte. Die Belagerung Recifes nahm dabei ihren Fortgang. Zwei Schlachten wurden zu gunsten der Aufständischen entschiedan. In dieser Zeit ging den Holländern Loanda und S. Thome verloren, da eine Flotte, von Rio de Janeiro aus ausgerüstet, diese Striche für Portugal wieder erwarb. Offiziell wußte man natürlich in Lissabon nichts davon.

Um diesem unerträglichen Zustande ein Ende zu machen, bot Dom Joäo IV. der westindischen Kompanie den Kauf ihrer Besitzungen in Brasilien und Westafrika an. Im Vertrauen auf die Hilfe der Generalstaaten schlug die Gesellschaft aber dieses Anerbieten des Königs von Portugal aus. Da aber brach der Krieg zwischen England und Holland aus (1652), sodaß Holland nichts mehr zum Schutze seiner Kolonie in Brasilien tun konnte. Zwar auch Portugal tat nichts Sonderliches dort, nur die Gründung der portugiesisch-brasilianischen Kompanie, welche die Kauffahrer nach Bahia von Kriegsschiffen begleiten ließ und den holländischen Kapern das Handwerk legte, wurde von der Regierung unterstützt (Companhia geral de commercio do Brasil. Durch ein Geschwader dieser Kompanie wurde 1653 Recife auch von der Seeseite eingeschlossen, und Ende Januar 1654 kapitulierten die Holländer gegen freien Abzug. Damit war die Kolonie Brasilien der Krone Portugal wiedergewonnen, ln diesen Kämpfen zeichnete sich durch Tapferkeit und Treue gegen Portugal ein Neger Henrique Dias aus, der zum Chef eines Negerregimentes in Bahia ernannt wurde; Auch andere Negerregimenter nannten sich nach diesem dunkeln Helden, dessen Name noch heute in Brasilien populär ist. Der tapfere Indianer Poty war schon 1648 einem Fieber erlegen, nachdem er als Dom Antonio Philippe Camaräo vom Könige Philipp IV. geadelt, mit dem Christusorden dekoriert und zum Großkapitän der Indianer ernannt worden war. Überhaupt war die Stellung der Portugiesen zu den Eingeborenen Brasiliens weit freundlicher geworden als ehedem. Schon 1650, also noch während des Krieges mit Holland, waren alle Indianer für frei erklärt worden. Die Durchführung dieses Ediktes stieß aber besonders im Norden auf Widerstand, und trotz der Fürsprache der Jesuitenmission unter dem berühmten P. Antonio Vieira lür die Indianer zog die Regierung, eingeschüchtert durch die drohende Haltung der Pflanzer in Maran-häo und Para, ihren Erlaß zurück. Nur soviel erreichte Vieira, daß die Aufsicht über die Staatssklaven den weltlichen Behörden entzogen und der Jesuitenmission übertragen wurde. Einem obersten Gerichtshof wurde die Entscheidung des Loses gefangener und losgekaufter Indianer übertragen. Die Pflanzer, fast immer von den Richterkollegien unterstützt, arbeiteten den Jesuiten entgegen, und nach dem Tode Dom Joäos IV. und anderer Gönner der Jesuiten brach die Unzufriedenheit in helle Wut gegen die Väter vom Orden Jesu aus, welche in S. Luiz de Maranhao nach Erstürmung des Kollegs aus dem Lande gewiesen wurden. Auch Vieira wurde nach Portugal gebracht. Nur im Staate Gurupa behaupteten sich die Jesuiten am Amazonas.

Die Regierung in Lissabon entschied aber nach verschiedenen Schwankungen zu gunsten der Jesuiten, 1680 wurde die Sklaverei der Indianer aufs neue für aufgehoben erklärt, und die Oberaufsicht und die Seelsorge der Eingeborenen den Jesuiten wieder anvertraut, zugleich eine Kompanie in Lissabon errichtet, welcher das Handelsmonopol für Maranhäo verliehen wurde. Diese sollte allerdings jährlich 500 Neger zum Einzelpreise von 100 Milreis zum Ersatz für die ausfallende Indianerarbeit einführen.

Die Folge dieser Maßregel war eine Verschwörung gegen die Regierung unter Manoel Beckmann in S. Luiz. Die Verschworenen nahmen die Stadt und verhafteten die Beamten (1682). Aus Furcht davor, daß sich die Empörer mit den Franzosen in Cayenne in Verbindung setzen möchten, raffte sich die Lissa-boner Regierung wider ihre sonstige Praxis zu einem energischen Einschreiten auf, der Aufruhr wurde gedämpft, Beckmann hingerichtet. Das Handelsmonopol wurde aufgehoben, die Indianergesetzgebung aber aufrecht erhalten. Die Willkür und Grausamkeit der Pflanzer hatte im Inneren weiten Spielraum, offiziell hatte sich der Norden allerdings den Forderungen der Humanität gefügt.

Weit schwieriger gestaltete sich die Lösung der Indianerfrage im Süden. Die Emanzipation der Eingeborenen erregte hier schon 1650 einen solchen Zorn, daß die Provinzen Rio de Janeiro, S. Paulo und Espirito Santo gegen den Generalgouverneur Salvador Correa de Sä aufstanden und eine eigene Regierung einsetzten. Nur dadurch vermochte Salvador Correa die Empörung zu beschwichtigen, daß er sich nicht in die Indianerfrage mischte, die Menschenjagden der Kolonisten duldete, den Jesuiten keinerlei Wirksamkeit gestattete und sie nur in wenigen Dörfern arbeiten ließ. Viele Hunderttausende von Indianern sind durch die Menschenjäger, unter denen besonders die Paulistas berüchtigt geworden sind, umgekommen, und die feindselige Haltung vieler Stämme, welche sie noch heute gegen die Weißen einnehmen, hat sicherlich nicht nur ihre Wurzel in dem ursprünglichen Charakter der Indianer, sondern auch in diesen Unmenschlichkeiten der Europäer.

In Mittelbrasilien spielte die Indianerfrage keine sonderliche Rolle, da die Pflanzer dort mit Negermaterial arbeiteten. Diese schwarze Bevölkerung erregte nur einmal Besorgnis, als der Negerstaat Palmares ca. 1650 aus einer Anzahl Afrikaner entstand, welche, von gekaperten Schiffen befreit, sich westlich von Porto Calvo niederließen und hier durch den Zulauf von Sklaven zu einem gefährlichen Element wurden, das sich durch Mord und Raub übel auszeichnete. Ende des 17. Jahrhunderts rottete aber Mello de Castro diesen Spartacusstaat aus.

Auch im 18. Jahrhundert hat im Norden die Indianerfrage noch eine Rolle gespielt, bis sich auch dort die Kolonisten daran gewöhnten, Neger zu kaufen und mit diesen zu wirtschaften. Daher konnte die Jesuitenmission ungestörter wirken, auch die Kapuziner und andere Orden traten in dieses Arbeitsfeld ein.

Auf diesen brasilianischen Missionen war die Freiheit der Indianer ziemlich groß. Die Leitung der Ansiedlung teilten die Missionare mit den Häuptlingen, jede Familie bekam jährlich ein bestimmtes Stück Land angewiesen und durfte ihre Produkte verkaufen. Ein Kommunismus wie in Paraguay bestand hier also nicht. Kein Weißer durfte in Indianerdörfern wohnen, damit die Unsittlichkeit nicht um sich griffe. Der Portugiese huldigt in dieser Beziehung sehr laxen Begriffen. Doch duldeten die Missionare Niederlassungen Weißer in der Nähe von Indianerdörfern. Trotzdem war die Tätigkeit der Mission den Kolonisten noch ein Dorn im Auge. Ihren geheimen Wünschen und offenen Anklagen entsprach endlich der Minister Marquez de Pombal, der nach verschiedenen Anläufen endlich 1759 die Jesuiten rücksichtslos auch aus Brasilien verbannte, 3. September 1759. Die Sklaverei der Eingeborenen wurde von ihm zwar nominell aufgehoben, aber die Bestimmungen des bez. Gesetzes waren derartige, daß zum Wohle der Indianer nichts Ernstliches geschah. Nur Neger und Mischlinge derselben sollten als Sklaven gehalten werden, dabei sollten aber alle Indianer vom 13. bis 60. Jahre sechs Monate im Jahre den Kolonisten dienen! Ein weißer Direktor, den die Indianer mit einem Sechstel aller Produkte über den eigenen Bedarf hinaus besolden mußten, stand an der Spitze jedes Dorfes. Willkür und Habgier traten nunmehr an die Stelle einer verständigen Anleitung zur Arbeit, wie sie die Jesuiten wirklich geübt hatten. Die blühenden Missionsdörfer verfielen bald, die Indianer lebten in Elend und Schmutz, die Europäer setzten ihre grausamen Jagden fort oder lebten in unwürdigsten fleischlichen Beziehungen mit ihnen, kurz, das Ministerium Pombal ist für Brasilien von keinem Segen gewesen. Im Jahre 1799 wurde zwar wieder die Zwangspflicht zur Arbeit für Indianer aufgehoben, aber heimlich bestanden die alten Zustände weiter, und noch heute krankt das Land an den Folgen dieser grausamen und törichten Eingeborenenpolitik.

Mit der Ära Pombal begann auch die Umgestaltung der Verwaltungsbezirke Brasiliens. Schon Ende des 17. Jahrhunderts trennte sich Para als selbständige Provinz von Maranhäo, im 18. Jahrhundert wurden Piauhy und Ceard selbständig. Verhältnismäßig lange blieb die Capitanie Pernambuco ungeteilt, erst ausgangs des 18. Jahrhunderts wurde Parahyba, anfangs des 19. Jahrhunderts Alagöas und Rio Grande do Norte abgezweigt. Bahia verlor sehr an Bedeutung, als 1658 der gesamte Süden für eine Generalkapitanie mit dem Sitz in Rio de Janeiro erklärt wurde. Der Generalkapitän von Bahia behiel zwar einige Ehrenvorrechte und nahm den Titel Vizekönig an, doch entwickelte sich Rio de Janeiro derartig günstig, daß es schon 1760 zum Sitz des Vizekönigreiches bestimmt wurde. Von der Generalkapitanie wurde 1709 S. Paulo und Minas Geraes abgezweigt, dafür aber Santa Catharina und Riot Grande do Sul Rio de Janeiro zugeteilt. Der rege Handel dieser beiden Südprovinzen mit den La Plata-Ländern wurde 1693 durch Spanien lahmgelegt, sehr zum Schaden von Rio de Janeiro, das allerdings bald durch die Erschließung von Minas Geraes, Goyaz und Mato Grosso Ersatz bekam.

Um den brasilianischen Süden wäre aber Portugal beinahe durch einen alten Feind gekommen, die Franzosen. Portugal stand im spanischen Erbfolgekriege auf seiten der Gegner Frankreichs. Dafür erschienen 1710 französische Kaper vor Rio, vermochten aber nichts auszurichten. Aber am 11. September 1711 erschien der Kapitän du Gay Trouin, besetzte ohne Schwertstreich Rio, und die kopflosen Behörden erkauften die Räumung der Stadt von den Franzosen für 600000 Cruzados. Die Franzosen, welche zu schwach waren, sich dauernd im Lande zu behaupten, zogen mit ungeheurer Beute ab.

Die zur Generalkapitanie Rio de Janeiro gehörigen Südprovinzen Santa Catharina und Rio Grande do Sul fielen nach dem Vertrag von Tordesillas mit Ausnahme eines schmalen Küstenstreifens in Santa Catharina und den Inseln Spanien zu. Doch wurde der in dem erwähnten Vertrage festgesetzte Meridian niemals genau bestimmt, und Spanien legte diesen Provinzen wenig Wert bei. 1726 entstand die Stadt Desterro, welche besonders durch den Walfischfang im Südatlantic schnell aufblühte. 1777 überfiel ein spanisches Geschwader unter dem Vizekönige von Buenos Ayres die Stadt Desterro; der Kommandant wollte die Südprovinzen annektieren, fand aber für seinen Vorschlag in Madrid kein Gehör. Die Provinz Rio Grande do Sul wurde erst sehr spät von den Portugiesen aufgesucht, dagegen finden wir schon früh zwischen Jjuhy und Piratiny die aus den La Plataländem vorgedrungenen Jesuiten in gutgeleiteten Reduktionen, dem Gebiet der Missionen, das Portugal 1750 von Spanien erhielt, aber erst seit 1801 dauernd besaß, 1737 wurde die Hafenstadt Rio Grande gegründet, 1743 Porto dos Casaes, das später den Namen Porto Alegre annahm und Regierungssitz wurde.

Die Provinz Rio Grande do Sul hat besonders unter den Streitigkeiten Portugals mit Spanien zu leiden gehabt.

Eine besondere Bedeutung gewann die Provinz S. Paulo, zu der auch das heutige Parana gehörte, durch Gold- und Edelsteinfunde. Der Prospektor Fernando Diaz Paes Lerne drang tief in Minas Geraes und S. Paulo ein, harrte dort trotz aller Mühe und Entbehrungen aus, und als er selbst starb, veranlaßte seine Zähigkeit doch seinen Schwiegersohn Manoel Borba Gato weiterzuschürfen; so wurden die Goldminen am Rio das Velhas und Rio Doce gefunden. Die habgierige Regierung erhob nicht weniger als ein Fünftel der Ausbeute als Steuer. Die Lisbo-nenser Regierung ging in ihrer Habsucht so weit, daß 1720 in Ouro Preto, der Hauptstadt von Minas, eine Empörung ausbrach, welche aber unterdrückt wurde, Die Minen wurden nun durch Tausende von Negersklaven ausgebeutet, und die Regierung erhob eine Kopfsteuer von den Minensklaven statt des bisherigen. Fünften. Dagegen protestierten die Goldsucher, da die erfolglosen Arbeiten damit geradeso wie die glücklichen getroffen werden würden. 1734 erklärte sich die Regierung mit einer Goldabfindung von 100 Arrobas Gold jährlich zufrieden, doch schon 1735 führte sie die Bestimmung über die Kopfsteuer auf Sklaven wieder ein und erhielt sie bis 1751 aufrecht.

Durch die Goldausbeute, bei der 80000 Menschen beschäftigt waren, stieg der Wohlstand der Provinz ganz bedeutend. Doch hielt dieser reiche Eitrag der Minen nicht dauernd an, die königlichen Schmelzhäuser verödeten, die Steuer sank von 100 Arrobas auf 30 (1808), ja 7 (1819), 1820 stand der Minenbetrieb still. Portugal hat von 1700 bis 1820 aus Brasilien 10531 Arro bas 35 Mark Gold als Steuer bezogen. Setzt man diesen Betrag als den fünften Teil der offiziell verrechneten Produktion an, und rechnet einen entsprechenden Teil, der heimlich ausgeführt wurde, hinzu, so dürfte die Kalkulation richtig sein, welche die gesamte Goldproduktion Brasiliens bis 1820 auf 1950 Millionen Mark nach heutigem Gelde bewertet. Die Einnahmen aus den gleichzeitig bearbeiteten Diamantenminen werden bis 1822 auf 30 Millionen Mark angegeben für den Teil, den die Krone beanspruchte, der Gesamtertrag der Diamantfelder von 1740 bis 1822 wird offiziell auf etwa 120 Millionen Mark berechnet, doch dürfte trotz aller Absperrungsmaßregcln der Regierung derselbe Betrag heimlich über die Grenzen Brasiliens gebracht sein.

Die Signatur der gesamten Minenpolitik Portugals ist als Kurzsichtigkeit und Habsucht zu bezeichnen, die Ausbeute der Mineraischätze fiel ausschließlich Portugiesen anheim, da der Landhandel nach Paraguay verboten, die fremde Schiffahrt gehindert und Fremde mit wenigen Ausnahmen von den Minen ferngehalten wurden.

Nicht anders war die kommerzielle Taktik Portugals auf anderen Gebieten. Auf dem Wege der Monopolwirtschaft wurde der gesamte Aus- und Einfuhrhandel den Portugiesen gesichert, die fremde Einfuhr durch hohe Zollsätze lahmgelegt. Das Salz-und Fischereimonopol, das Verbot des Öl- und Seidenbaues lastete schwer auf dem Lande. Doch wurde eine ungeahnte Höhe der Produktion durch die Einführung des Kaffeebaues erreicht. 1770 führte der Vizekönig Marquez de Lavradio die ersten Kaffeebäume ein, doch kam die Kaffeekultur erst nach dem Sturz der portugiesischen Herrschaft zu voller Blüte.

Dem Bevormundungssystem im Handel entsprach die geistige Höhe der Kolonie. Das Beamtentum war durchweg ungebildet, roh, habgierig, die Richter bestechlich, die Bevölkerung fanatisch, dazu verleugnete sie nicht die Beimischung von Verbrecher-und Deportiertenblut. Außer den Priesterseminarien gab es keine Schulen im Lande, drei Jahrhunderte lang (1500—1800) war der Buchdruck in Brasilien verboten! Nur die größten Städte hatten ganz einfache Schulen, nur wenige Kinder reicher Eltern konnten lesen und schreiben. Die Kirche, an deren Spitze der Erzbischof von Bahia stand, tat nichts zur Hebung des Volkes, der Klerus selbst war unwissend und arm.

Der Fanatismus, welcher besonders unter spanischer Herrschaft zum Ausbruch kam, traf durch Inquisition in erster Linie die getauften Juden, natürlich aus elender Habsucht. Erst Pombal gebot 1768 diesem Treiben Halt.

In ein völlig neues Verhältnis zum Mutterlande trat die Kolonie Brasilien durch die Flucht Dom Joao VI., der sich vor Napoleon und Junot nach Brasilien rettete. Am 7. März 1808 landete er in Rio de Janeiro und erklärte Brasilien für ein selbständiges Reich, das nur durch Personalunion mit Portugal verbunden war. Johann VI. mit seinem gierigen, prassenden Hofstaat, der elendesten Vettern- und Nepotenwirtschaft, saugte Brasilien noch intensiver aus, als es vordem geschehen war. Der Haß der ansässigen Bevölkerung gegen die fremden, obwohl blutsverwandten Schmarotzer wuchs trotz einiger Aufhebungen von drückenden Monopolbestimmungen von Tag zu Tag, und nur so ist die Begeisterung zu erklären, mit welcher das brasilische Volk dem nach Abreise seines Vaters als Statthalter zurückgebliebenen Prinzen Dom Pedro zustimmte, als er am 7. September 1822 am Bache Ypiranga die Unabhängigkeit Brasiliens erklärte und als Kaiser Dom Pedro I. den Thron bestieg. 1825 mußte Portugal diese Tatsache anerkennen, die es seiner reichsten Kolonie beraubte. Mit der Regierung Dom Pedros 1. beginnt die planmäßige Besiedlung größerer Landstriche durch Nichtportugiesen, mit der wir uns eingehend zu beschäftigen haben werden. Vorher werden wir aber einen Blick auf die spanische Kolonisation werfen müssen, soweit sie für uns in Betracht kommt.

Text aus dem Buch: Die Besiedlung des östlichen Südamerika, mit besonderer Berücksichtigung des Deutschtums (1903), Author: Funke, Alfred.

Die einzelnen Buchkapitel:
Die Besiedlung des östlichen Südamerika, mit besonderer Berücksichtigung des Deutschtums – Vorwort
Die Besiedlung des östlichen Südamerika, mit besonderer Berücksichtigung des Deutschtums – I. Portugal
Die Besiedlung des östlichen Südamerika, mit besonderer Berücksichtigung des Deutschtums – II. Spanien
Die Besiedlung des östlichen Südamerika, mit besonderer Berücksichtigung des Deutschtums – III. Das Deutschtum Brasiliens
Die Zukunft der deutschen Beziehungen zu Brasilien

Die Besiedlung des östlichen Südamerika mit besonderer Berücksichtigung des Deutschtums