Schlagwort: Rathäuser

Verzeichnis der 136 Abbildungen unten.








































































































































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Verzeichnis der Abbildungen.

Albrechtsburg zu Meißen
altes Rathaus Straßburg
Amalienburg im Nymphenburger Park
Belvedere Schloßgarten Prag
Brückenturm Prag
Chorbauten in der Mark
Cisterzienserkirche Grüssau
Communs Palais Potsdam
Dom Braunschweig inneres
Dom Freiburg
Dom Halberstadt
Dom Limburg Inneres
Dom Limburg
Dom Regensburg
Dom Salzburg
Dom zu Köln
Dom zu Magdeburg
Dom zu Ratzeburg
Dom zu Trier Ostchor
Dom zu Worms
ehemaliges Lufthaus Stuttgart
Eingangstor zum Kloster Lorsch
Fassade des Domes zu Soest
Frauenkirche Dresden
Frauenkirche Nürnberg
Fugger Palast Augsburg
Grabmal Theodorich zu Rabenna
Grottenhof München
Haus Braunschweig
Haus Danzig
Haus zum Falken Würzburg
Hecklingen
Heiligenkreuz
Heisterbach
Hochmeisterwohnung Marienburg
Hofburg Wien
Hofkirche Dresden
Hohes Tor Danzig
Holstentor Lübeck
Japanisches Palais Dresden
Kapitalsaal in Bebenhausen
Karlskirche Wien
Kathedrale Metz
Kirche Brenz
Kirche Büdeburg
Kirche Wienhausen Inneres
Kirche zu Andernach
Kirche zu Einzig
Kirche zu Haina Inneres
Klosterkirche Hecklingen
Klosterkirche Mittelzell
Königliches Schloß Berlin
Königliches Schloß in Dresden
Kramer Amtshaus zu Bremen
Kreuzgang Cisterzienserkirche Heiligenkreuz
Kreuzgang im Kloster Maulbronn
Laufertorturm Nürnberg
Lehnin Kirche
Leodegar Kirche Gebweiler
Liebfrauenkirche Halberstadt
Lufthaus Stuttgart
Marienkirche Heinhausen
Marienkirche Neubrandenburg Giebel
Marienkirche Wismar
Marienkirche Wolfenbüttel
Marienkirche Zwickau
Marktbrunnen Mainz
Mathiaskapelle zu Kobern
Modell Kirche Schöne Maria Regensburg
Münster Strassburg Vorbau
Münster Strassburg
Münster zu Aachen
Münster zu Basel
Murbach
Opernsaal Bayereuth
Pellerhaus Nürnberg
Peter und Paulskirche zu Wimpfen
Petersenhaus in Nürnberg
Piastenschloss in Brieg Fassade
Rathaus Braunschweig
Rathaus Bremen
Rathaus Görlitz
Rathaus Köln
Rathaus Königsberg
Rathaus Münster
Rathaus Nürnberg
Rathaus Posen
Rathaus Tangermünde
Rattenfängerhaus Hameln
Residenz Bamberg
Residenz in Landshut
Residenz Würzburg
Ruinen des Langhauses von Paulinzelle
Ruinen von Bürgelin
Salvatorkirche Prag
Schloß Brühl Treppenhaus
Schloß Hartenfeld in Torgau
Schloß Heidelberg
Schloß Horst bei Alten Essen
Schloß Sanssouci Potsdam
Schloß Stuttgart Hof
Schloßhof Heidelberg
Schloßkapelle Dresden
Schloßkirche Chemnitz Portal
Schwarzeheindorf
St. Aurelius
St. Bitus in Ellwangen
St. Blasien
St. Elisabeth Marburg Chor
St. Gerreon zu Köln
St. Katharina in Brandenburg
St. Marien Soest
St. Martin zu Münstermaifeld
St. Michael in Hildesheim
St. Michael zu Fulda
St. Nikolaus Prag
St. Peter Paul in Wimpfen
St. Schald in Nürnberg
St. Stephan Wien
St. Ursula zu Köln
St. Walderichskapelle in Murrhardt
Stargarder Tor Neubrandenburg
Stiftskirche Stuttgart Südportal
System des Langhauses zu Gernrode
Tangermünder Tor
Teynkirche Prag
Tübinger Schloß Portal
Uenglinger Tor
Universität Helmstädt
Universität Wien
Universitätskirche Würzburg
Vorhalle Klosterkirche Maulbronn
Westlicher Teil des Langhauses
Zeughaus Danzig
Zeughaus Nürnberg
Zwinger Dresden

Abbildungen aus dem Buch: Geschichte der deutschen Baukunst (1886), Author: Dohme, Robert.

Abbildungen Geschichte der deutschen Baukunst Stadtansichten

Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien

Wittenberg.
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1523-40.

Material: Backstein verputzt. Sandsteingliederungen.

Man placierte den rechteckigen Block auf dem Markt so, daß zwei Seiten ungefähr in Straßenbreite von den Häusern entfernt sind, dagegen vor der Langfront und einer Schmalseite ein freier geräumiger Platz bleibt. Der dreistöckige Bau hat ein steiles Satteldach mit dreistöckigen Giebeln über den Schmalseiten. Die Langseiten werden bekrönt von je vier großen regelmäßig aufgereihten Dacherkern. Im Gegensatz zu dem ungegliederten Unterbau, an dem nur das Erdgeschoß der Marktfront mit einem Gesims schließt, sind Giebel und Erker durch Gurte in Stockwerkhöhe und unterhalb der Fenster horizontal, durch flache Lisenen in der Mittelachse und an den Rändern
vertikal gegliedert. Über den Fenstergeschossen folgt noch ein rechteckiges Feld mit einem Rundloch. Ein Dreieck mit einem kleinen Pfosten auf dem Scheitel bildet den Schluß. Einfach schwingende Voluten rahmen die einzelnen Stockwerke. Auch die Durchlochung von Giebeln und Erkern ist eine reguläre gegenüber der Fassade, die außerdem nicht rechteckige, sondern spätgotische Vorhangfenster aufweist.

Aus den Schmalseiten treten, kaum gegliedert und unauffällig, rechteckige dreigeschossige Erker, die an der Giebelbasis mit niedrigem Aufsatz schließen. Der Eingangstür der Marktfront wurde 1573 eine zweistöckige quadratische Halle vorgelegt. Auf einem vierstufigen Unterbau tragen vorn zwei Säulen, neben dem Portal zwei Pilaster das Gebälk, auf dem ein überdachter Altan ruht. Ein schlankes Pfostengeländer verbindet die dem unteren Geschoß analogen Säulen und Pilaster. Über kräftigem Gebälk krönt den Vorbau auf jeder Seite ein Dreieck, deren Schenkel und Scheitel mit Figuren besetzt sind.

Sömmerda.
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1529-39.

Das rechteckige Haus liegt frei, mit der Breitseite gegen den Platz. Über den drei Geschossen ein steiles Satteldach mit zwei symmetrisch sitzenden Dachreitern. Am Nordende der Front ein viereckiger Vorbau, der mit dem Fassadengesims abschneidet. Sein Satteldach trifft rechtwinklig auf das Hauptdach. Die Mauer ist ungegliedert. Die wenigen Fenster ohne Ordnung. Auch der Vorbau ist nicht stärker durchlocht. Die Tür zum Erdgeschoß und die kleinere, über eine schmale Freitreppe zugängliche Tür schlicht, rechteckig. Dagegen zeigt die Tür am Vorbau, zum Ratskeller führend, reiche Bogenumrahmung mit Sitznischen und plastischem Schmuck.

Saalfeld.
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1526-37.

Material: Backstein verputzt. Die Flächen ursprünglich bemalt.

Ein zweiflügeliges Eckhaus am nördlichen Ende der Breitseite des geräumigen Marktplatzes, dem sich die Hauptfront zuwendet. Der nördliche Flügel liegt an schmaler Straße.

In der Mitte der dreistöckigen Fassade tritt ein polygoner Treppenturm vor, der mit einem Geschoß den Rand des steilen Satteldaches überschneidet und einen spitzen, von kleinen Giebeldächern umgebenen Helm trägt. Zu beiden Seiten des Turmes schieben sich zweistöckige Erker von schlanken Proportionen mit niedrigen Giebelabschlüssen aus dem Dach vor. Zu diesen symmetrischen Hauptakzenten gesellen sich an der Fassade zwei ungleiche Gegenstücke, ein runder, kaum vorgekragter Erker an der Straßenecke und ein rechteckiger, ebenfalls zweistöckiger Erker unterhalb des rechten Dachausbaues. Auch im Detail verschieden zeigt der eine Maßwerkfüllungen, der andere ausgesprochene Renaissanceglieder, Pilaster und Kandelabersäulchen.

An der schlichten Straßenfront tritt aus dem Satteldach des rückwärtigen Flügels ein Erker, einfacher gebildet als an der Fassade. Gleicher Art sind der hintere Dachgiebel und der vordere gegen die Straße; leicht geschwungene Bänder und Kugeln an den Gesimsenden als Kontur; schlanke Pilaster und dünne Gurte als Rahmung der ungleichen Geschosse. Nur der über die Nachbarhäuser fortsehende Südgiebel zeichnet sich durch eine gleichmäßige Felderteilung aus. Die Fenster sitzen gekuppelt, ziemlich gleichmäßig in der ungegliederten Wand; am Treppenturm sind sie rautenförmig eingeschnitten.Das Erdgeschoß enthält neben einer Diele die Trinkstube des Ratskellers und einige Vorratsräume. Im Seitenflügel eine Durchfahrt. Über die Wendeltreppe kommt man im ersten Geschoß links zum Ratssaal, rechts liegen Schreibstuben, die sich im zweiten Stock wiederholen. Hier befand sich außerdem ehemals die „Tuchhalle“: zwei rechtwinklig aneinander stoßende, durch einen weiten Mauerbogen gegeneinander geöffnete Säle.

Plauen.

Das rechteckige zweistöckige Gebäude, von hohem Satteldach bedeckt, kehrt eine Giebelseite dem Marktplatz zu. Der Giebel, in der Mitte des 16. Jahrhunderts aufgesetzt, wird im Gegensatz zu dem gotischen ungegliederten Unterbau mit seinen regellos eingeschnittenen großen und kleinen Vorhangfenstern durch Pilaster und Gesimse in regelmäßige Felder geteilt. Die Öffnungen, Rechtecke und Rundlöcher, gruppieren sich symmetrisch zu der zentral sitzenden, durch figürliche Rahmung akzentuierten Uhr. Wenig geschwungene schmale Bänder bilden die Randlinien. Hinter dem schlichten Abschluß erhebt sich aus dem Dachfirst ein polygones Glockentürmchen, schieferverschalt.

Dem Erdgeschoß ist eine (heut verstümmelte) doppelte Freitreppe vorgelegt. Über dem kleinen Altan, der auf einer leichten offenen Bogenhalle ruht, erhob sich ein Erker mit vierteiligem Vorhangfenster ins obere Geschoß hinauf1).

Von dem Altan kommt man auf einen Flur, der das Gebäude seiner ganzen Länge nach in zwei ungleiche Hälften teilt; beiderseits eine Reihe von Amtszimmern, von denen links an der Marktfront das Kämmereigemach noch seine alte reiche Ausstattung bewahrt hat. Im Obergeschoß, dem der Flur fehlt, ein großer Saal; nach dem Markt zu ein kleinerer Saal und das Bürgermeisterzimmer, zwischen diesen beiden ein schmaler gewölbter Archivraum.

Staßfurth.
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1554.

Ein dreistöckiges eingebautes Haus an einem Platz. Vor dem hohen Dach drei gleichartige, zweistöckige Erker, im unteren Geschoß dreiachsig, im oberen einachsig, durch Pilaster und Gesimse gegliedert. Von regelmäßiger Form und regelmäßiger Anordnung stehen die Erker im Gegensatz zu der ungeteilten unregelmäßig durchlochten Fassaden wand. Die Fenster zum Teil rechteckig, gekuppelt, zum Teil rundbogig, isoliert. Im zweiten Stock springt aus der linken Fronthälfte ein Erker rechteckig vor. Im Erdgeschoß ist die Tür nach der rechten Ecke geschoben.

Buttstädt.

Bau- und Kunstdenkm. Thür. Sachs.-Weim.-Eisenach II, 416. M. ein. Abb. der Nordfront. — Aus verschiedenen Zeiten. 1501 der Ostflügel. Zwischen 1550 u. 65 der Süd- u. Nordflügel. Ein Umbau fand 1604 statt. Schließlich mehrfach modernisiert und restauriert im 19. Jahrh.

Dreiflügelig, nach drei Seiten frei. Der zweistöckige östliche Hauptflügel am Markt mit hohen Giebeln über den Schmalseiten. Der zweistöckige Südflügel der Kirche gegenüber, der dreistöckige Nordflügel an einer Nebenstraße zum Markt. — An der Nordfront, dessen Stockwerke von ungleicher Höhe sind, sitzen die rechteckigen Fenster auf durchgezogenen Gesimsen. Im Obergeschoß kragt sich — oberhalb der von Pilastern flankierten Bogentür — ein rechteckiger Erker vor.

Leipzig.
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1556—67.

Der Baumeister und zugleich damaliger Bürgermeister der Stadt war Hieron. Lotter (1497—1580). Er benutzte die Fundamente des älteren Rathauses. In dem Schriftchen „Der Leipziger Ratskeller‘ 1904, das eine Geschichte des „alten Rathauses“ enthält, finden sich zwei vom heutigen Zustand abweichende Ansichten der Fassade von 1595 und 1712. Die erstere zeigt das Gebäude mit einer viel höheren Fassade. Das erklärt sich daraus, daß man bei einer umfassenden Restaurierung 1672 den ursprünglich zum Rathaus sich senkenden Marktplatz eingeebnet hat, wodurch „das Haus ein Stück in die Erde versank“. Man legte den (heute verschwundenen) hölzernen Laubengang so viel höher, daß seine Verdachung die Erdgeschoßfenster überschnitt. Die bei Wustmann S. 31 wiedergegebene, dort als „ursprüngliche Gestalt“ bezeichnete Ansicht entspricht der von 1712. .Unsere Abb. 33 sucht eine Rekonstruktion zu geben, wie sie nach neuerer Ansicht dem ursprünglichen Plan Lotters am nächsten kommt. — 1672 wurde vor allem der südliche Teil an der Grimmaischen Straße abgetragen und neu aufgeführt. 1744 wurde der Turm erhöht. — Neuerdings außer Dienst.

Material: Verputzter Backstein, Schindeldach.

Der Bau nimmt etwa vier Fünftel der einen Langseite des Marktplatzes ein, dessen Abmessungen seinem Grundriß, einem langgestreckten Rechteck, entsprechen. Die Schmalseiten liegen an Straßen, die Rück^ Seite an einem kleineren Platz, dem Naschmarkt. Über zwei Stockwerken erhebt sich ein hohes Satteldach. An den Langseiten sind Dacherker angeordnet, zwischen denen Gruppen von Mansardenfenster herausgebaut sind. An der Marktfront wird diese regelmäßige Reihe — regelmäßig jedenfalls in der ’Gesamtwirkung — unterbrochen durch den hochaufwachsenden Turm. Er sitzt nicht der Mittelachse, vier von den Erkern liegen südlich, zwei nördlich; doch nimmt er ungefähr die Mitte der Langseite des Marktes ein.

Die viergeschossigen Giebel über den Schmalseiten werden durch Gesimse gegliedert, auf Gesimsen ruhen die Fenster. Flache Stäbe, die in kleinen mit Pinienzapfen besetzten Postamenten endigen, grenzen die Stockwerke seitlich ab. Auf den breiten, zum Teil nicht ausgemauerten Stufen lagern Voluten.

Die zweistöckigen Markterker zeigen gleiche Gliederung. Der obere Abschluß jedoch (ein Dreieck über einem Gebälk, das durch einfach geschwungene Bänder mit den höher hinaufgezogenen Stäben verbunden wird) dürfte der Erneuerung von 1672 angehören.

Der Turm tritt um die Tiefe der Lauben (an deren Stelle später Verkaufsläden traten) rechteckig aus der Fassade vor. Das große Bogentor, das im Turmsockel den das Rathaus durchschneidenden Durchgang einleitet, ist der Treppe wegen seitlich orientiert. Gekuppelte jonische Säulen auf fazettierten Sockeln und ein mit einem Mäander verziertes Gebälk bilden den Rahmen; in den Zwickeln zwei vorspringende Köpfe. — Unmittelbar oberhalb des Portalrahmens zieht sich eine leichte, gedeckte Holzgalerie um den Turm herum. Dünne toskanische Säulen tragen das gerade Gebälk, von dem sich ein geschweiftes Dach zum Turm hinbiegt. Nach Durchbrechung des großen Daches erscheint der Turm als ein Achteck, von unregelmäßiger Form, indem die Stirn nach dem Markt und die entsprechende Rückseite breiter sind. Schlichte Bänder rahmen die hohen, kaum durchlochten Felder. Gegen den Markt sitzt unter der Uhr ein kleiner Balkon für die Stadtpfeifer (1599). Über einem Gesims folgt ein niedriges Geschoß, gleichsam ein Sockel für den achtseitigen Helm, der in einer Laterne und einer geschweiften Haube schlank ausläuft. Die Fassadenfenster sind, mit einer Ausnahme, paarweis aneinandergerückt. Sie werden von in der Mauer liegenden Rundstäben gerahmt und durch Steinkreuze geteilt. Jetzt sind sie sämtlich vergittert. An den Schmalseiten sind im obern Geschoß einfache rechteckige Erker auf Konsolen vorgekragt. Im Innern führt die gradläufige Treppe unter Kreuzgewölben in den großen, die Mitte des oberen Stockes einnehmenden Saal. Südlich erreicht man durch ein kleines Zimmer die in der Südwestecke liegende quadratische Ratsstube, die eine Kassettendecke trägt.

Pegau.
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1559.

Nach den Plänen Lotters ausgeführt von dem Leipziger Steinmetzen Paul Wiedemann. 1670 z. T. durch Brand zerstört.

Material: Rochlitzer Stein. Sandsteingliederungen.

Ein langgestreckter rechteckiger Bau, zweistöckig mit einem Satteldach. Ungefähr aus der Mitte der langen Marktfront springt der hochaufsteigende Turm vor. Bis zum Dachansatz ist er von viereckiger Grundform, geht dann in ein Oktogon über, das in seinem obersten Teil für eine Galerie einrückt, und endigt in einer schlanken Laternenkuppel.

Die Fenster, größtenteils gekuppelt, ohne bestimmte Distanz, sitzen im oberen Stockwerk auf einem durchgeführten Gesims auf, dem einzigen, das die Wand teilt. Das Konsolengesims unterm Dach, das sich auch um den Turm herumzieht, ist von kräftigerer Bildung als am Leipziger Rathaus. Die Fenster für die Treppe im Turm laufen schräg. — Der achteckige Stamm, durch Gurte in drei nach oben zu niedriger werdende Stockwerke geteilt, zeigt geringe rechteckige Durchlochung. An den Ecken gehen Lisenen hinauf. Ebensolche halbieren auch die Felder des mittleren Stockwerkes.

Das Prunkstück der Fassade sind die zwei am Fuß des Turmes nebeneinander sitzenden Portale. Die reich gegliederten Archivolten ruhen auf Kämpfergesimsen. Die Vorgesetzten drei kannelierten, auf hohen Sockeln stehenden Pfeiler tragen stark ausladendes Gebälk mit Triglyphenfries, welches beide Portale zusammenfaßt. Darüber erhebt sich eine rechtwinklig umrahmte, mit einem Giebel schließende Wappentafel. Die linke breitere Tür, mit «Sitztellern“ am Gewände, geht zur Treppe. Die rechte, der der mittlere Pilaster vom Bogen und Zwickel ein Stück abschneidet, führt zum Keller. Eine ähnlich umrahmte Tür sitzt in der Mitte der linken Fronthälfte. Der große Saal nimmt den ganzen rechten Teil des oberen Stockes ein.

Altenburg.
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1562-64.

Eine sehr ausführliche Beschreibung bei Lehfeld, Bau- u. Kunst-denkm. Thüring. Jena 1895. II. S. 43—59. Abb. b. Fritsch. «Das Hauptwerk des Weimarischen Hofbaumeisters Nikolaus Grosmann.“

Material: Putzbau, Sandsteingliederungen.

Das dreistöckige, ein Zeltdach tragende Rathaus liegt auf einem Eckgrundstück. Die nicht sehr breite Nordfront mit dem hohen Turm sieht gegen den Marktplatz. Die westliche Seite an einer nicht ganz rechtwinklig einmündenden Straße krönt ein Dacherker. Ebenso die durch einen Hof vom Nachbarhaus getrennte Ostseite. Auch die im unteren Teil eingebaute Rückseite sieht mit einem Giebel zum nahen Kornmarkt hinüber. Diese drei Erkergiebel und der Turm liegen «in richtiger Achsenkreuzung“ (Lehfeld). Außerdem schiebt sich aus der nördlichen Hälfte der Ostseite ein kurzer, ebenfalls einen Giebel tragender Arm vor. Eine Tormauer, die durch Säulen gegliedert wird und mit einer Attika schließt, grenzt den Hofraum gegen den Markt ab und verbindet die Rathausfassade mit dem Nachbarhaus.

Die Ecke von Markt und Straße rundet sich in den zwei oberen Stockwerken zu einem Erker aus, dem östlich vom Turm, ziemlich im gleichen Abstand von zwei Fenstern, ein zweiter Erker entspricht. Doch bildet dieser nicht die Ecke, sondern ist dicht daneben aus der Fassade vorgeschoben, nur wenig, als sei er in der Wand stecken geblieben. Der Treppenturm tritt ungefähr aus der Mitte der Front als ein mit fazettierten Quadern bekleidetes Rechteck vor, verjüngt sich im zweiten Geschoß über der abschließenden Balustrade, die von Konsolen, an den Ecken von je zwei überschlanken Säulen gestützt wird, zu drei Seiten eines Achtecks, das nach Durchbrechung des Daches sich frei nach allen Seiten entwickelt. An den Kanten des Turmes führen runde Stäbe hinauf, über die sich — zur hori-zontalen Teilung der hohen Felder—Gesimsbänder hinziehen. Unter der der Turmbildung analogen schlanken Laternenkuppel liegt ein niedriges, von einem Gitter umzogenes Geschoß für den Türmer. Die Öffnungen der unteren Turmgeschosse bis zum Dachgesims sind rautenförmig, die der vier oberen rechtwinklig in unregelmäßiger Anordnung.

Die rechteckigen Fassadenfenster liegen zwischen durchlaufenden, dünnen Horizontalgesimsen, so, daß sich die Wand aus ungleich hohen Streifen aufbaut. Gegen das Dach schließt ein kräftiges Konsolengesims. Im Gegensatz zu den glatten Putzflächen sind die beiden Erker von unten bis oben

h Der Turm des Rathauses von Gera (1573 bis 76) kann geradezu als eine Kopie des Altenburger Turmes bezeichnet werden. Aus der Mitte der Marktfront vortretend, steigt er hoch hinauf, zeigt die gleiche Qua-derung am rechteckigen Erdgeschoß, die gleiche Gliederung der fünf ungleich hohen Achteckgeschosse und das einge-zogene Türmergeschoß unter dem durchbrochenen Helm. — Das Rathaus brannte 1780 vollständig aus, bekam dann das jetzige Mansardendach und verlor viel von seiner ursprünglichen Erscheinung, die möglicherweise auch außer dem Turm dem Altenburger Bau nahe stand.

Die Dacherker, jedesmal ein rechteckiges Geschoß mit einem zweistöckigen Giebel, werden durch glatte viereckige Stäbe und dünne Gesimse in ungleiche Felder geteilt. Die Stäbe flankieren die Stockwerke und sitzen in der Mittelachse. Die Gesimse grenzen niedrige Sockelstreifen ab. Die Voluten am Giebelrand sind zum Teil als Flügelpferde gebildet. In einer Kriegerfigur auf einem Dreieck klingt der Giebel aus. Das Zeltdach ist mit zahlreichen Gaupen besetzt, die mit dazu beitragen, die Lebhaftigkeit des Gebäudes nach oben hin zu steigern.

Ein zum Erdgeschoß führendes Portal unter dem östlichen Fassadenerker ist rundbogig, von Pilastern flankiert, mit einer niedrigen Volutenkrönung über dem Gebälk. Türlaibung, Zwickel und Pilaster sind reich gegliedert. Eine einfache rechtwinklige Tür an der Straßenfront bildete ehemals den Zugang zum Ratskeller. Der Zugang zu den beiden oberen Stockwerken geht über die Wendeltreppe im Turm. Das Rundbogenportal wird — in Übereinstimmung mit den Ecksäulen des Turmsockels — von kannelierten jonischen Säulen eingefaßt, darüber ein kräftiges Gebälk, eine Dreiecksverdachung und zwei wappenhaltende Tiere.

Die Treppe führt im Obergeschoß auf einen Vorsaal von unregelmäßigem Grundriß, der die ganze Tiefe des Gebäudes einnimmt und von drei Seiten Licht bekommt2). Seine flache Balkendecke wird von drei Holzsäulen gestützt. Rechts von der Treppe schließen sich an: Das Kommissionszimmer (an der Ecke von Markt und Straße) und die ehemalige Stadtschreiberei und Kassenverwaltung, die heute ins Bürgermeister- und Polizeizimmer geteilt ist. Links von der Treppe im Ostflügel mit dem Markterker das Kämmereistübchen, das Kopisten- und Steuereinnehmerzimmer. Auch in diesen Räumen laufen die Wände nicht rechtwinklig aufeinander. Das oberste Stockwerk besaß früher einen jetzt verbauten Vorsaal von gleichem Format, mit beiderseitigen kleineren Räumen.

Torgau.
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1567.

Das Rathaus wurde in neuerer Zeit so umgebaut, daß fast alle architektonischen Reste der alten Anlage beseitigt sind.

Von der ehemaligen Fassade, die die eine Marktseite einnimmt, scheinen die drei vor dem Satteldach sitzenden Giebel herzustammen, die, wie aus einer alten für die Zeichnung bei Ortwein verwendeten Photographie hervorgeht, über das Dachgesims ansetzende Erker bekrönten. Diese sind später durch die vorm Unterbau auf-steigenden Kolossalordnungen verdrängt worden. Erhalten ist allein der runde dreistöckige Erker an der Südwestseite der langen Front. Seine Fenster, deren Höhe entsprechend den ungleichen Geschossen nach oben zu abnimmt, sind zu je zwei Paaren zusammen genommen. Pilaster auf Sockeln bilden die Stützen. Diese sowie die Brüstungen und die Bänder über den Öffnungen tragen figürlichen und ornamentalen Schmuck, womit sich der Erker — wie beim Altenburger Rathaus — abgehoben haben wird von den geputzten Flächen der durch dünne Gurte gegliederten Fassade. Den Erker schließt ein Zwiebelhelm.

Hildburghausen.
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1572.

Im Kern mittelalterlich. 1572 mehrfach verändert und restauriert. Auf einem Eckgrundstück gelegen, steigt das Rathaus dreistöckig in die Höhe. Das steile Satteldach wendet sich mit einem dreigeschossigen Giebel nach dem Markt. An der Westseite tritt ein runder Treppenturm vor; er überschneidet mit einem Geschoß das Dachgesims und trägt einen hohen Zwiebelhelm. Die Fassade wird gleich dem Giebel in verschiedene hohe Streifen geteilt. Die Fenster sind rechteckig.

Arnstadt.
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1583—85.

Der Saal am Anfang des 19. Jahrh. umgebaut. Ein dreistöckiger Putzbau aus zwei rechtwinklig aneinander stoßenden Flügeln, die ihre Außenseiten gegen den Markt und eine einmündende Straße wenden. Über der Stirnseite des Saalflügels ein zweistöckiger Giebel, dem ein ebensolcher am andern Ende der Marktfront entspricht. Beide durch breite Bänder, die sich von den Randvoluten her über die Fläche ziehen und die ovalen und rundbogigen Öffnungen umrahmen, gleichmäßig gegliedert. Hinter ihren Spitzen steigen Glockentürmchen auf. An der Straßenseite schieben sich drei Erker aus dem Satteldach vor.

Der Saal geht durch zwei Stockwerke und öffnet sich nach dem Markt in drei hohe breite, im Korbbogen schließende Fenster. (Sie werden gleich den Fenstern an der Straße aus dem vorigen Jahrhundert stammen, Ebenso hat der Balkon an der Fassade den Charakter dieser Zeit.) Die übrigen Fenster sind dagegen klein, rechteckig, gekuppelt; dicht gereiht, ohne durch Gesimse zusammengehalten zu werden. Unter dem linken Frontgiebel das von Säulen flankierte mit einer Wappenbekrönung ins obere Geschoß reichende Portal. Ursprünglich wurden von den Zimmern dieses Flügels nur die der zwei unteren Stockwerke zu Amtszwecken benutzt. „Das dritte diente nur dem großartigen Eindruck des Hauses“.

Nordhausen.

Ältestes Datum 1350. Ein wesentlicher Umbau 1608—10.

Nach drei Seiten frei, von oblongem Grundriß, dreistöckig, mit niedrigem Walmdach. An der Breitseite, nicht in der Mittelachse, tritt ein polygoner Treppenturm aus der Front vor, erhebt sich um ein Stockwerk über das Dachgesims und endigt in einem schlanken, zweimal durchbrochenen Helm. Das Erdgeschoß, durch hohe Kellerräume hinaufgerückt, besteht zur Hälfte aus einer Halle, die sich in breiten, zweiteiligen Bogenfenstern öffnet. Außer dem Turmportal gibt es an der einen Schmalseite über einer Freitreppe einen Zugang. Die Fenster der Obergeschosse rechteckig, gekuppelt, ruhen auf durchlaufenden, auch um den Turm herumführenden Gesimsen. Vor dem Dach sitzen rechts und links vom Turm, sowie an den Schmalseiten Giebelerker in Fachwerk.

Niemeck.
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1570.

Ein zweistöckiger Putzbau mit hohem Dach. Die breite Hauptfront von zwei gleichartigen Dacherkern bekrönt. Die Giebel über den Schmalseiten durch Gesimse und Pilaster geteilt, von Voluten gefaßt. Die Fenster rechteckig. Das Portal rundbogig.
Sommerfeld.

Der Baumeister war ein Italiener, Alberto Antonio. Material: Ziegel verputzt. Von rechteckiger Grundform. Zweistöckig mit hohem Satteldach. Uber der dem Markt zugewendeten Breitseite ein Dacherker mit steilem mehrfach horizontal geteiltem, von Voluten eingefaßtem Giebel. Ebenso nachdrücklich durch wagerechte Gesimse geteilt ohne jede vertikale Gliederung die Giebel über den Schmalseiten. Die Eingangstür unter dem Dacherker zentral an der Marktfront.

Münsterberg.
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1561.

Ein Putzbau. Über der Marktfront zwei Giebel als Abschluß der beiden parallelen Satteldächer. Die abgestuften Giebelränder tragen halb- und viertelkreisförmige Scheiben, die Spitze ein stumpfes Dreieck. — An der einen Seite des Hauses steigt ein unten quadratischer, oben achtseitiger Turm von schlanken Verhältnissen in die Höhe, mit einer durchbrochenen, kupfergedeckten Haube.

Brieg.
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1570—76.

Entwurf von Jacob Baar aus Mailand, unter Mitwirkung seines Schwiegersohnes Bernh. Niuron aus Lugano. — Die geputzten Flächen trugen wahrscheinlich (wie fast alle Renaissancebauten Schlesiens) Sgraffitoschmuck, das Dach war vielleicht mit farbigen glasierten Ziegeln gedeckt. Das Dach der Fronthalle neuerdings erhöht.

Vier zweistöckige Flügel mit steilen Satteldächern umschließen einen schmalen Hof. An der westlichen Hauptfront treten zwei Türme vor, bis zum Hauptgesims von quadratischem Grundriß, dann in niedrige Achtecke umsetzend, von laternenförmig durchbrochenen, bewegt silhouettierten Helmen gekrönt. Zwischen die Türme ist eine zweigeschossige Halle geschoben, die sich im Erdgeschoß in fünf Säulenarkaden, darüber als Loggia mit Holzpfeilern unter geradem Gebälk öffnet. Über der Halle wachsen drei gleichgebildete Erker aus dem Dach heraus, einstöckig mit schlanken, vielfach horizontal geteilten Giebeln, einfach im Umriß.

Von gleicher Art sind die Giebel, die das große Dach seitlich begrenzen. Die rechtwinkligen Fenster sind schlicht eingeschnitten, die kräftigen Profile der wagerechten Gesimse begegnen sich mit flachen Pilastern an den Ecken der vier Geschosse. Der Kontur läuft wieder in sacht rollenden Bändern. Asymmetrisch placiert ist der hohe schlanke Turm am östlichen Ende des Nordflügels. Gegen die Straßenfront etwas eingerückt, steigt er über quadratischem Unterbau als achteckiger Stamm aufwärts und schließt über einer Balustrade mit einem zweimal durchbrochenen Helm in derselben Lebhaftigkeit wie die Fronttürme. Im linken Frontturm führt die Haupttreppe rechtwinklig mit vier Rasten um den quadratischen Mauerkern; im rechten Turm liegt eine zweite hölzerne Treppe.

Aus dem Buch: Das deutsche Rathaus der Renaissance (1907), Author Grisebach, August.

Siehe auch:
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Vorwort
Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil I
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil II
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Niedersachsen und die Ostseeländer
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Fachwerkrathäuser
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Die Fassade
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Grundriß und Aufriß
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Die lokalen Sondercharaktere

Das Deutsche Rathaus der Renaissance

Niedersachsen und die Ostseeländer

Celle.

Die Daten nach Pauli: Der nördliche Teil um 1530 beg. (vgl. Pauli, Anm. 10). Um 1545 der mittlere Dacherker an der Ostfront. Um 1565 rechter Erker und Dachausbau. 1579 (datiert) der linke Dacherker, Auslage i. Erd-gesch. links, Giebel der nördl. Schmalseite. 1581 der südl. Teil. Renov. 1893.

Material: Ziegel, verputzt und Sandstein.

Das oblonge, zweistöckige, mit einem hohen Schindeldach schließende Gebäude liegt mit seiner östlichen Breitseite an der Straße „am Markt“. Das eigentliche Rathaus beschränkt sich auf die nördliche Hälfte, in deren Mitte das Erdgeschoß drei auf starken gedrungenen Säulen ruhende Arkaden zeigt; die mittlere Öffnung — wohl in neuerer Zeit durch eine Brüstung teilweise geschlossen, die seitlichen zu Portalen und zur Ratskellertreppe führend.

Aus dem Satteldach schieben sich — nicht streng symmetrisch zu den Arkaden — drei Erker vor, die ihrer verschiedenen Entstehungszeit zufolge in der Gliederung und im Giebelabschluß differieren. Der mittlere, durch flache Lisenen geteilt, schließt mit kugelbesetzten Halbkreisscheiben (um 1530); der südlichste (späteste, 1579) hat kannelierte Pilaster und einen aus Rollwerk und Obelisken gebildeten Kontur. Der nördliche (1565) springt weiter vor und setzt sich nach unten als Erker am oberen Fassadengeschoß fort. Hier stützt er sich auf drei kräftige Konsolen; die Fenster trennen schlanke jonische Säulen, an der Brüstung zwei Köpfe in Medaillons. Dachgeschoß und Giebelaufsatz gliedern Pilaster, Voluten bezeichnen den Umriß, zu oberst steht ein Obelisk von Löwentatzen gefaßt.

Südlich von den Arkaden hat man dem Erdgeschoß eine Auslucht vorgelegt — als Gegengewicht gegen den nördlichen Erker. Die Fenster trennen schlanke kannelierte Säulen, auf dem Gebälk liegt eine niedrige Bekrönung aus derbem Rollwerk (1579). Der hohe Giebel der nördlichen Schmalseite wird durch kannelierte Pilaster, breite Gesimse und ein glattes Streifenornament reich gegliedert. Über den drei Fenstergeschossen streckt sich noch ein Wappenfeld in die Höhe. An den Rändern zieht sich mannigfach geschweiftes, ornamentiertes Bandwerk hin, aus dem Obelisken aufwachsen.

Die schlicht profilierten Fassadenfenster sitzen unregelmäßig, die des Obergeschosses ruhen auf einem durchlaufenden dünnen Gesimse. Im Erdgeschoß ist links von den Arkaden ein Paar gekuppelt mit einer Säule als Pfosten. —

In dem zum Teil umgebauten Innern führt eine geradläufige Treppe auf einen bescheidenen Vorplatz von unregelmäßigem Grundriß. An ihn schließt u. a. in der Nordostecke der Sitzungssaal mit niedriger Balkendecke, ebenfalls von irregulärem Grundriß; zu ihm gehört der nördliche Erker der Ostfront.Die südliche Hälfte des Gebäudes, ursprünglich als Stadtwage angebaut (1581), hat an der Ostfront über der einfachen Fassade ein großes Giebeldreieck zwischen zwei Dacherkern aus Fachwerk. Der Giebel der südlichen Schmalseite ist ebenfalls ohne besondere Bedeutung.

Alfeld.
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1585 — 86.

Material: Bruchstein, stellenweise Backstein, verputzt. Gliederungen aus rotem Sandstein.

Das rechteckige Gebäude liegt frei, die breite Front gegen den Marktplatz, die schlichte Rückseite der Stadtkirche gegenüber; an den Schmalseiten laufen Straßen. Über den drei Geschossen erhebt sich ein nicht sehr hohes Satteldach x). Die Front wird halbiert durch einen weit vorspringenden polygonen Treppenturm, der um eine Stockwerkhöhe über die Fassade hinaussteigt und mit einer doppelten Schieferhaube schließt. Da der Marktplatz sich nach Westen senkt, erscheinen rechts vom Turm unter den drei Stockwerken noch die Ratskellerfenster. Somit steigt ein hier aus der Fassade vortretendes Risalit — der Westecke näher als dem Turm — in vier Geschossen bis zum Dach, dessen Ansatz seine Giebelbekrönung überschneidet. Die Geschosse sind nach vorn in drei, nach den Seiten in ein Fenster aufgeteilt, und werden durch toskanische und jonische Pfeiler, durch jonische und korinthische Säulen gegliedert; außerdem differieren sie in der Höhe der Brüstungswände sowie in der Verzierung der Gebälke mit Fazetten und Bändern. Der Giebel zeigt drei Wappenfelder von Voluten und Obelisken eingefaßt.

An der Fassade grenzt sich nur das oberste. Geschoß durch ein Gesims ab. Dieses läuft auch um den Turm, der außerdem noch einen Gurt in Dachhöhe trägt. Die rechteckigen Fenster sind gekuppelt, mit einwärts gerichteten einfachen Profilen. Die Öffnungen für die Treppe haben Rautenform.

Die Giebel über den ungegliederten kaum durchlochten Schmalseiten werden durch Gesimse geteilt, an deren Enden Obelisken stehen; dazwischen sind die glatten Ränder mit Kugeln besetzt. Gegen die Spitze erhebt sich ein reicheres Volutengebilde.

Drei Stufen führen zu dem schmalen Bogenportal im Turm, das von schlanken kannelierten Säulen flankiert wird und über dem eine Wappentafel mit dreieckiger Verdachung sich hoch hinauf reckt. Von der breiten bequemen Wendeltreppe tritt man, im zweiten und dritten Geschoß, auf einen kleinen Vorplatz, um den sich die Verwaltungsräume gruppieren. Im ersten Stock liegt westlich der Sitzungssaal mit dem Erker. Im einzelnen ist das Innere mehrfach modernisiert. Das Erdgeschoß hat besondere Zugänge, u. a. eine Spitzbogentür bei der Ostecke zur ehemaligen Ratswage und eine Rundbogentür westlich vom Turm zum Ratskeller.

Trefurt.
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1609.

Das zweistöckige Haus von oblongem Grundriß liegt auf abschüssigem Gelände, das durch den Sockelbau ausgeglichen wird. Über dem vorgekragten Obergeschoß ein niedriges Walmdach. Aus der breiten Front tritt, nicht in der Mitte, ein starker, viereckiger Turm vor, in fünf Stockwerke geteilt, mit hoher, durchbrochner Schieferhaube. Im Untergeschoß öffnet er sich vor der Eingangstür in eine hölzerne dreibogige Pfeilerhalle, zu der von den Seiten Freitreppen hinaufführen.

Krempe.
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1570.

Ein einfacher Backsteinbau von rechteckiger Grundform, zweistöckig, mit hohem Satteldach. Das obere Geschoß an den Langseiten in Fachwerk. Über der südlichen Giebelseite am Markt erhebt sich ein polygoner Dachreiter, der Raum für ein Zimmerchen bietet. Das Erdgeschoß schließt an der Marktfront mit einem breiten Sandsteinband. Im oberen Stock sitzen vier große mit Stichbögen schließende Fenster für den Saal, der fast das ganze Geschoß einnahm. Der Giebel, glatt umrandet, ist ungegliedert, durch kleine regelmäßig .angeordnete Rundbogenfenster in drei Reihen durchlocht.
Das Erdgeschoß bestand ehemals neben der Ratsstube aus einer großen Halle.

Danzig.
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(Altstädter Rathaus) 1587.

Der Baumeister war Anthony van Abbergen aus Mecheln. Das Gebäude dient heute als Amtsgericht.
Material: Ziegel mit Hausteingliederung.

Zwei Stockwerke unter einem hohen Walmdach, die Breitseite gegen die Straße. In der Frontmitte ein Dacherker, hinter dessen Giebel sich ein schlanker, lebhaft konturierter Dachreiter erhebt. Über dem Hauptgesims läuft eine Balustrade um das Dach herum; an den Fassadenecken steigen schlanke Türmchen auf. — Das Hauptportal in der Mitte der Front zwischen zwei kleineren Türen, auf beiden Seiten je zwei Rundbogenfenster. Das Obergeschoß wird durch fünf große Fenster, die ebenfalls mit Blendbögen schließen, in regulärer Ordnung als Saalbau charakterisiert. Diese Fenster setzen sich auch an den Schmalseiten fort.

Kulm.
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Seit 1567.

1595—96 Arbeiten am Turm. Ein Putzbau von rechteckiger Grundform, liegt frei auf dem geräumigen Marktplatz, „nicht in der Mitte, sondern der Ostseite näher gerückt“ Seine zwei Stockwerke werden durch eine ringsum aufsteigende, die beiden Pultdächer versteckende Mauer um mehr als die Hälfte erhöht1). Im Gegensatz zu der ungegliederten Fassade wird diese Blendmauer durch jonische Säulen, an den Breitseiten in acht, an denSchmal-seiten in vier Felder geteilt. Auf dem Säulengebälk liegt ein Kranz geschweifter Aufsätze, die auf den Schmalseiten und in der Mitte der Längsfronten zu größeren Giebelformen ausgebildet sind und an den Ecken in reich profilierte Pfosten auslaufen. Hinterdie-ser Scheinarchitektur ragt aus der Mitte des Gebäudes ein Turm auf; über dem hohen viereckigen Stamm, der mit einer Galerie schließt, ein schlanker achteckiger, zweimal durchbrochener Helm. An der Breitseite gegen den Platz drei hohe Rundbogenportale mit Ädikula-Umrahmung. Rechts davon eine kleinere Kellertür. Die rechteckigen Fenster des Obergeschosses tragen als Verdachung Kielbögen auf Konsolengesimsen. „Das Innere ist unbedeutend und verbaut.“

Posen.
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Umbau 1550 — 55.

1536 wurde das got. Rath, beim großen Stadtbrand stark beschädigt Die Mauern blieben z. T. erhalten, vor allem der Turmunterbau. Den Umbau leitete Giov. Battista di Quadro aus Lugano, 1550 — 55. Der obere Teil des Turmes stammt von 1783.
Material: Ziegel verputzt, Fensterrahmen aus Sandstein. Die Fassade war ursprünglich bemalt.

Ein rechteckiger Block, der mit der Schmalseite gegen den Markt blickt, mit zwei Seiten nahe an Häuser herangeschoben und an der einen Langseite von einer breiten Straße begrenzt ist. In drei nach oben zu niedriger werdenden Stockwerken geht es in die Höhe. Darüber erhebt sich eine mit einem Palmettenkranz schließende Mauer, hinter der sich — wie beim Kulmer Rathaus — der steile Dachstuhl versteckt. In der Mitte der Straßenfront steigt aus dem Block heraus der Turm. Über quadratischem Unterbau eingerückt zwei achteckige Stockwerke und nochmals verjüngt eine schlanke runde Laterne mit obeliskenförmiger Spitze.

Den wesentlichen Akzent gab Quadro der Marktfassade, der er eine dreigeschossige Halle vorlegte. Die beiden unteren Geschosse öffnen sich in fünf Bogen, das oberste in zehn. Die offenen Hallen werden auf beiden Seiten begrenzt von je einem geschlossenen Bogenfeld, das ein fest rahmendes Außenglied bildet und an den Ecken mit einem Pilaster schließt — im Gegensatz zu den Säulen der Mittelglieder. In ihrer vertikalen Folge leiten sie auf die polygonen Türmchen hin, die an den Ecken der Dachumfriedigung aufwachsen. Ein etwas höher gerecktes Türmchen sitzt in der Mittelachse der Fassade. Die Stockwerke sind nicht nur ungleich hoch, es besteht auch zwischen den drei Loggien eine Differenz in den Brüstungen und der Mauer über den Öffnungen. Gemeinsam ist ihnen, daß die Bögen (nicht volle Halbkreise, sondern Stichbögen) auf Pfeilern ruhen, diesen schlanke toskanische Säulen vorgelegt sind, die gerades Gebälk tragen. Die Zwickel füllt figürliches Relief. Aber während das Erdgeschoß eine hohe Sockelwand hat und das Gebälk das Stockwerk schließt, erscheint in der mittleren Reihe die Fensterbank sehr niedrig und über den Säulen ist ein breiter Mauerstreifen bis zum Gesims eingeschoben. Die oberste, doppelt geteilte Reihe hat wieder eine höhere Brüstung, und das Säulengebälk schließt unmittelbar gegen das Pultdach.

An den Seiten setzen sich die Hauptgesimse der Fassade fort. Die rechteckigen Fenster sitzen einzeln, ohne besondere Ordnung. Ihre profilierten Rahmen liegen vor der Mauer. Im Grundriß fand eine Erweiterung nach Westen statt, wodurch im Erdgeschoß zwei Amtszimmer gewonnen wurden und im oberen Stock die alte Ratsstube sich zu einem Saale vergrößerte. An diesen stößt der hinter der Ostfront liegende Hauptsaal, der die Breite der Marktseite einnimmt. Er wird von Spiegelgewölben gedeckt, deren vertiefte polygone Felder mit Reliefs verziert sind. Zu diesem Saal führen zwei geradläufige Treppen, die korrespondierend in der unteren Loggia angelegt sind, zu Seiten der Erdgeschoßtür, zu der in der Mittelachse der Fassade eine Freitreppe hinaufgeht. Die Treppe zwischen den oberen Stockwerken ist „sehr unbeholfen“ in den Saal hineingebaut.

Aus dem Buch: Das deutsche Rathaus der Renaissance (1907), Author Grisebach, August.

Siehe auch:
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Vorwort
Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil I
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil II
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Niedersachsen und die Ostseeländer
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Fachwerkrathäuser
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Die Fassade
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Grundriß und Aufriß
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Die lokalen Sondercharaktere

Das Deutsche Rathaus der Renaissance

Westfalen und Ostfriesland.
Wiegbold-Schöppingen.

Bau- und Kunstdenkmäler Westfalens, (Kr. Ahaus.), S. 66 m. Abb.

Ein einfacher Steinbau von rechteckiger Grundform mit einem Satteldach. Die zwei Stockwerke trennt ein Gesimse. Ebenso werden die über einem Gesims aufsetzenden Staffelgiebel der Schmalseiten durch einen Gurt horizontal geteilt; sonst sind sie ungegliedert. Der Giebelkontur wird bestimmt durch halbkreisförmige Scheiben. — Das Portal sitzt an der Breitseite.

Stadthagen.
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Vor 1550.

Pauli, Renaissancebauten Bremens u. Nordwestdeutschlands. Die älteren Giebel am Rathaus zeigen die gleichen Formen wie die am Stadthagener Schloß, das nach 1532 begonnen und um 1550 vollendet wurde.

Material: Bruchstein, ursprünglich verputzt, Sandsteingliederungen. Das langgestreckte Gebäude von rechteckiger Grundform liegt mit einer Langseite am Marktplatz, mit einer Schmalseite an einer Straße. Über den zwei Geschossen, die ein dünnes Gesims trennt, erhebt sich ein hohes Satteldach. Die Giebel der Schmalseiten gliedern sich in drei ungleich hohe Staffeln, die halbkreisförmige, von Kugeln umrahmte Scheiben tragen. Über der Marktfront erheben sich zwei breite Dacherker. Ihre rechteckige Wand, durch einen dünnen Gurt geteilt, ist

durch Speichertüren und schmale Fenster bescheiden durchlocht. Eine schmale Staffel, mit einem Halbkreis, von ebensolchen Scheiben flankiert, bildet die niedrige Krönung. Die größtenteils gepaarten Fenster am Unterbau sind rechteckig, ohne besondere Ordnung; sie haben noch gotische Profile gleich den schlichten am Markt liegenden Türen.
Nicht in die Erbauungszeit des Rathauses gehören die Erker am oberen Stockwerk der Langseite und die Auslage nach der Straße.

Die drei Erker sitzen symmetrisch zu den Dacherkern. Im Vergleich zu diesen sind sie reich gegliedert. Sie treten um die Breite eines ganz schmalen Fensters aus der Wand vor und sind nach vorn in vier ebensolche durch sehr dünne kannelierte Säulen getrennte Öffnungen aufgelöst. Die Brüstung und der niedrige Streifen über den Fenstern werden durch flache Pilaster, über denen sich die Gesimse verkröpfen, geteilt. Die frei vor dem Hauptdach aufgerichtete Bekrönung besteht aus durchbrochenem Rollwerk, das den Kopf eines Kriegers umgibt; in der stark bewegten Silhouette erscheinen Tierköpfe, Fruchtschalen, zu oberst ein Obelisk. — Die zweistöckige Auslucht, nicht in der Mittelachse des Giebels, deutet mit ihrer geringen Auskragung, der einheitlichen Durchlochung durch schmale, von dünnen Säulchen begrenzte Fenster, wie durch die Teilung der Sockel und die über dünnen Pfosten verkröpften Gesimse auf die Zeit der Fassadenerker. Die jedenfalls später aufgesetzten beiden Bekrönungen haben als Hauptinhalt eine Inschrift- und eine Wappentafel. Beide werden von kannelierten, gebänderten Pilastern flankiert und von Rollwerk umrahmt, das nach der Spitze zu — wie an den Markterkern — das Motiv des Kriegerkopfes und Obelisken zeigt.

Im Innern scheinen ehemals kaum mehr als zwei große Säle bestanden zu haben.

Rinteln.
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1550. 1583.

Material: Verputzter Bruchstein mit Sandsteingliederungen.

Das Rathaus besteht aus zwei mit den Langseiten aneinander stoßenden Gebäuden, die mit ihren Giebelfronten an einer Ecke des Marktplatzes liegen. Westlich schließen Privathäuser an, während die freie Langseite der Osthälfte an eine zu einem Kirchplatz sich erweiternde Straße grenzt. Beide Teile sind zweigeschossig mit Satteldächern über dem langen Rumpf. Der westliche, wesentlich ältere gehört in die Zeit des Stadthagener Rathauses. Darauf deutet der Giebel mit den drei rechteckigen Staffeln und den halbkreisförmigen mit Kugeln besetzten Scheiben. Eine vertikale Gliederung fehlt. Im Erdgeschoß springen zu beiden Seiten einer kleinen Bogentür zweistöckige, mehrfach horizontal geschichtete Erker vor. Jeder mit einem rundbogigen Tor im Erdgeschoß und breiten Fenstern im oberen Stock. Bekrönt werden die Erker von niedrigen Aufsätzen aus drei mit Palmetten verzierten Halbkreisscheiben, die wie am Giebel mit Kugeln besetzt sind.

Der östliche Bau ist schlanker. Die Stockwerke sind höher, so daß sich auch die zentral sitzende Auslucht mehr in die Höhe reckt. Der Giebel setzt an, wo beim alten Giebel die zweite Staffel beginnt. Die Gurtgesimse laufen erst im oberen Teil zweimal dicht übereinander. Den Kontur bilden kräftig geschwungene Voluten und Obelisken. So steigt er leichter eleganter hinauf als der schlichte schwerfällige ältere Giebel. Die Auslucht löst sich in ihren beiden Geschossen über fazettierten, durch Zwergpilaster gegliederten Sockeln in hohe schmale Fenster auf, die durch dünne Säulchen, in den Ecken durch kannelierte Pfosten getrennt werden. Die giebelförmige Krönung ist mit Bandwerk verziert. — Die rechteckige breite Tür sitzt rechts neben der Auslage. Die zwei- und dreiteiligen, großen rechteckigen Fassadenfenster ruhen auf durchlaufenden Gurten. Auf der Kirchseite öffnen sich im Erdgeschoß links von einer Tür drei, rechts zwei, im oberen Stock sieben Fenster in unregelmäßigen Abständen. Alle tragen sie eine Sandsteinbekrönung, eine Art Rosette zwischen liegenden Voluten. Im Innern, das jetzt als Gasthaus benutzt wird, ist von der Rathauseinrichtung nichts mehr erhalten.

Hersfeld.
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1597.

Der Rückflügel von 1612. Renoviert 1890.
Material: Bruchstein verputzt. Sandsteingliederungen.

Die Front sieht auf einen kleinen Platz, eine Ausbuchtung der Hauptstraße des Ortes, die an der südlichen Schmalseite vorbeiführt. Die der Stadtkirche gegenüberliegende Nordseite wurde durch den Anbau eines Flügels an die nördliche Hälfte der Rückfront ums Doppelte verbreitert.

Der hochaufsteigende dreistöckige Bau erhält eine lebhafte Bekrönung durch einen Kranz von Giebeln: je einer schließt das Satteldach an der Nord- und Südseite, zwei sitzen über der Front und einer auf der Nordseite des angebauten Flügels, seinem älteren Nachbar fast gleich. Das Dach kommt kaum zum Vorschein. Die Frontgiebel haben eine so breite Basis, daß die flankierenden Voluten sich in der Mitte aneinander drängen und an den Frontecken beschnitten sind.

An der Nordseite haben sie etwas mehr Platz und können ungehinderter ausrollen. Derb und üppig wie Format und Ausdehnung der Giebel sind Roll werk und Voluten, sowie die die zwei Fenster -geschosse der Giebel begrenzenden gebänderten Pfosten. Obelisken und Kugeln steigern die Lebendigkeit des Umrisses.

Die Fassade ist ungegliedert und schmucklos. Die schlichten gekuppelten Fenster sind — außer im Erdgeschoß — regelmäßig geordnet; auffallend unsymmetrisch aber in den Giebelfeldern. Das Portal, zu dem sechs Stufen hinaufführen, sitzt nicht in der Mittelachse der Front. Die rundbogige Öffnung wird von Säulen flankiert, über deren Gebälk eine Wappentafel mit einem flachen Giebel ins zweite Geschoß hinaufreicht. Eine bescheidene Tür führt, nahe der Südecke, zu Lagergewölben.

Auf der Hofseite tritt ein polygoner Treppenturm vor, der um ein Stockwerk den Dachaufsatz überschneidet und mit einer wälschen Haube schließt. Das zur Wendeltreppe führende Bogenportal wird von Pilastern und breitem Gebälk mit Giebelverdachung umrahmt. — Dem Rückflügel hat man gegen den Hof ein viertes Geschoß in Fachwerk aufgesetzt.

Im Innern fehlt es an bedeutenden Räumen2). Eine enge Diele, zahlreiche kleine Schreibstuben; auch die Ratsstube im ersten Stock an der Südseite ist ohne besondere Auszeichnung.

Münden.
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1603—19.

Als Steinmetz wird genannt Friedrich Weitmann von Münden, als Meister des Portals, der Giebel und des Erkers Georg Großmann von Lemgo, nach dessen Zeichnung statt der beabsichtigten zwei Frontgiebel drei angeordnet wurden. Die zwei Giebel hätten die Fassade in noch nähere Beziehung zum Hersfelder Rathaus gebracht, welches Lübke und vermutungsweise auch Bluntschli als Vorbild des Mün-dener Rathauses anführen.
Material: Mauerwerk aus Bruchstein, nach Stiehls Meinung ursprünglich verputzt. Gliederungen aus Sandstein.

Das Gebäude liegt frei, die Nordfront dem Markt zugekehrt. Die schmucklose Rückseite der Stadtkirche gegenüber, östlich und westlich laufen Straßen. Es bestand vordem ein oblonger Saalbau, dessen Umfassungswände man für den neuen Mittelbau benutzte. An seine beiden Langseiten gliederte man Verwaltungsräume an, so daß das Rathaus heute einen nahezu quadratischen Grundriß hat. Nur in der Mitte der Westseite ließ man einen quadratischen Raum zwischen dem nördlichen und südlichen Anbau frei, um den Sälen genügend Licht zuführen zu können. Er schließt hofartig mit einer Mauer gegen die Straße.

Die Verdachung des dreistöckigen Gebäudes geschieht in der Weise, daß ein Satteldach in der Breite des nordwestlichen Flügels längs der Marktfront durchgelegt ist; auf dieses trifft das hohe Hauptdach, das durch den breiten Giebel der Rückseite begrenzt wird, und in welches wiederum der Sattel des südlichen Westflügels einschneidet. Das Dach über der Marktfront verbirgt sich zum großen Teil hinter drei bis zur Fassadenflucht vorgeschobenen Erkern. Sie nehmen die ganze Front ein und ihre Giebel überschneiden den Dachfirst. Gegen den Unterbau trennt sie ein durchlaufendes Gesims. Gesimse trennen ihre drei nach oben niedriger werdenden Geschosse. Der schmale Raum zwischen den nah aneinander gerückten untersten Geschossen ist mit durchbrochenem Bandwerk gefüllt. Die Giebelränder bilden Voluten und Beschlagwerk, das sich in den oberen Teilen über die ganze Fläche ausdehnt. Obelisken stehen an den Gesimsenden, Figuren auf den Giebelspitzen. Der Mittelgiebel ist ein wenig breiter und höher als seine Nachbarn, außerdem durch Uhr und Glocke ausgezeichnet. In seiner Achse sitzt das Portal, dem erhöhten Eingangsraum entsprechend, über dem Niveau des Marktplatzes. Indem sich so ein Altanvorbau mit kurzen Freitreppen zu beiden Seiten ergibt, gewinnt das an sich breit und reich gerahmte Portal noch an Stattlichkeit. Fazettierte Quadern fassen die Rundbogentür, die von Säulenpaaren flankiert wird. Über dem Gebälk erhebt sich zwischen Obelisken eine Wappentafel. Die Dreiecksbekrönung mit einer Figur auf der Spitze ragt bis ins oberste Fassadengeschoß hinauf. Der Altan baut sich in der Mitte auf zwei Pfeilern rechteckig vor. Er hat ein durch Pfosten gegliedertes Dockengeländer. Die Treppenwangen sind geschlossen. Unter dem Vorbau sitzt die Kellertür.

Die in den Giebeln, ihrer Durchlochung und der des Mittelbaues ein gehaltene Symmetrie wird aufgehoben durch die Anlage einer Auslucht unter dem westlichen Giebel, der am östlichen Fassadenteil lediglich eine starke Durchlochung der Wand in neun Fensterpaaren entspricht. Die um die Breite eines schmalen Fensters vortretende rechteckige Auslucht steigt über einem hohen Sockel in zwei Geschossen bis zur Dachbasis, die sie mit einem von Bändern gefaßten, mit einer Figur schließenden Giebel überschneidet. Ihre Stockwerke lösen sich nach vorn in vier Fenster auf, die im unteren Geschoß bei niedrigerer Brüstung von gestreckterer Form sind. Als Träger dienen schlanke, mehrfach gegliederte Pilaster, oben Hermen; beidemal dünne Säulchen als Mittelglieder. Die Brüstungen sind mit Bändern und Inschrifttafeln, die Gebälkfriese mit Rosetten verziert.

Die Giebel an den Straßen sind einfacher gefaßt als die der Fassade; ihre glatten Ränder sind mit Kugeln besetzt, deren Folge durch Obelisken an den Gesimsenden der Geschosse unterbrochen wird. Nur an der Spitze sitzt ein Volutengebilde mit einer Kugel endigend.

Das Hauptportal führt auf eine Diele, die etwa ein Drittel der Fassadenbreite und die gesamte Tiefe des Gebäudes einnimmt. (Eine zweite Tür liegt an der Rückseite.) Fünf Holzpfeiler stützen in der Längsachse die Balkendecke. Der verhältnismäßig hohe Raum erhält sein Hauptlicht durch zwei große Fenster an der Westseite nach dem Hof. An die Diele schließen sich im östlichen Teil, dessen Stockwerke niedriger liegen als im Mittelbau, die (ehemaligen) Räume der Ratsapotheke, westlich die Ratsstube mit der Auslucht. Den Saal über der Diele erreicht man über eine im östlichen Teil eingebaute gradläufige Treppe, die in den Fußboden des Saales mündet. Er ist von gleichen Abmessungen, nur niedriger als die Diele und dunkler. Über der Ratsstube residiert der Bürgermeister, der rückwärtige Flügel der Westseite enthält die Wohnung des Ratsdieners.

Meppen.
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Umgebaut 1605.

Das Datum 1605 am Turm.
Material: Ziegel, Hausteingliederung.

Von oblonger Grundform. Ein hochgewachsener, zweistöcki ger Rumpf mit niedri-gern Satteldach. An der Giebelfront öffnet sich das Erdgeschoß in drei auf Säulen ruhenden Arkaden. Dem entsprechen im Hauptgeschoß drei große Fenster. Der zweigeschossige, verhältnismäßig niedrige Giebel wird durch Pilaster und dünne Gesimse gegliedert und von einfachen Bändern gerahmt. An der einen Langseite tritt ein fünfeckiger Treppenturm vor, der in Fassadenhöhe auf niedriger Kappe eine kleine Laterne mit geschweiftem Helm trug.

Paderborn.
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1612—16.

Man benutzte für den Neubau Teile des älteren Rathauses.
Material: Verputzter Bruchstein, Hausteingliederungen. Der Hauptgiebel ganz in Quadersteinen aufgeführt.

Ein rechteckiger zweistöckiger Bau mit steilem Satteldach. Auf die westliche Giebelfassade läuft die Hauptstraße zu, die sich vor dem Rathaus zu einem Platz erweitert. Die drei übrigen Seiten ordnen sich der einen Schauseite unter. Aus der Fassade sind zwei gleichgebildete, zweistöckige Erker symmetrisch vorgezogen, so, daß die Außenränder ihrer Giebel in der Face-Ansicht die Ränder des großen Giebels fortsetzen. Durch die Vorbauten bekommt die Fassade, deren Ausdehnung unerheblich hinter der der Langseiten zurücksteht, eine besonders breite, stattliche Figur. Die Art der Gliederung trägt mit dazu bei: das Erdgeschoß der Vorbauten ist in Arkaden aufgelöst, je zwei nach vorn, je eine nach den Seiten. Die Bogen ruhen auf gedrungenen dorischen Säulen. Kurze flache Pilaster verbinden die Säulen mit dem das Geschoß abschließenden Gesimsband. Die Fenster des oberen Stockes, acht schmale Rechtecke, nur durch Säulen getrennt, mit gemeinsamen Gesimsen, sind zusammengenommen als ein geschlossenes Band zwischen den glatten Streifen der Brüstung und der niedrigen Obermauer. — Das Fassadenstück dazwischen schloß sich im oberen Stock ursprünglich ganz der Gliederung der Vorbauten an, so daß die Folge horizontaler Bänder durchlief. Im unteren Geschoß saß das eine Portal nicht in der Mittelachse, sondern so, daß rechts davon noch Platz für ein dreiteiliges Fenster blieb. Die zweistöckigen Giebel der Vorbauten reichen bis zur halben Höhe des großen Giebels. Ihre Gliederung ist der seinen analog. Sie leben in seiner Sphäre, ja, die ganze Fassade ist seiner beherrschenden Form untertan. Er hat vier Fenstergeschosse und ein die Spitze vorbereitendes fünftes Geschoß. Die — außer den Eckfenstern des untersten Stockes — gekuppelten Fenster sind schachbrettartig geordnet. Ihre Rahmung entspricht der der Erkerfenster. Nur rücken sie hier hinauf bis an die Stockwerkgesimse, die zugleich die obere Einfassung der Fenster bilden und sich über den rahmenden Säulen verkröpfen. Die Brüstungsgesimse sind durch gemusterte Hausteine miteinander verbunden. Besondere Säulen grenzen nach den Rändern zu weitere rechteckige Felder ab. Kurze kräftige Voluten, in jedem Geschoß zwei übereinander, und kleine Obelisken fassen den großen wie die kleinen Giebel ein. In einem schlanken Obelisken klingt die Fassade aus.

An der Nord- und Südseite, an denen das hohe Dach erst zu Wort kommt, sitzen die Fenster, mit gleicher Umrahmung wie an der Fassade, zu Vierer-Gruppen vereint. Ihre abschließenden Gesimse bilden die Fortsetzung der Fassadengesimse. Im oberen Stock springen an dritter Stelle von der Fassade aus rechteckige Erker auf Konsolen mit Volutenkrönung vor. Gegen die Rückseite zu wird die regelmäßige Ordnung durch mehrere Türen und ein größeres Portal an der Südostecke unterbrochen. Die an enger Gasse liegende Ostseite ist ungegliedert, ohne Bedeutung.

Das ursprünglich einzige Frontportal, im Rundbogen schließend, von Säulen und geradem Gebälk eingerahmt, führt in eine Vorhalle, die von dem gegen die Ostseite gelegenen Treppenhaus durch einen auf Säulen ruhenden kurzen Bogengang getrennt ist. Die in der Längsachse des Flures liegende gradläufige Treppe gabelt sich in halber Höhe. Am Rand des Podestes spannen sich drei von reich gegliederten Pfeilern getragene Bogen. Die vordere Hälfte des oberen Geschosses nimmt der flach gedeckte, niedrige Saal ein, der sein Licht durch die Erker der Schmalseiten bekommt. An ihn schließen sich symmetrisch die hellen Sitzungszimmer in den Fronterkern. — Zu den oberen Giebelräumen führt eine Nebentreppe.

Bremen.
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1612-16.

Der Kern des Gebäudes stammt aus gotischer Zeit. Ein rechteckiger Block, zweigeschossig, mit hohem Walmdach. Die südliche Langseite liegt am Marktplatz, die Schmalseiten an angrenzenden kleineren Plätzen. An die Nordseite, an die sich heut das „Stadthaus“ anschließt, schob sich ursprünglich das ehemalige Stadtschloß heran.

Uns geht hier nur die dem Markt zugewendete Südfront an, die durch den Umbau ein ganz neues Gesicht bekam. Vor dem Erdgeschoß zieht sich eine Arkadenreihe entlang, die mit einem Altan schließt. Über den drei mittelsten Bogenöffnungen erhebt sich ein Risalit, hinter dem das obere Stockwerk in zwei gleichen Teilen zurückbleibt. Die vier Fenster jeder Seite entsprechen der Zahl der unteren Bogenöffnungen. Das Risalit krönt ein vor dem Dach steil aufsteigender Giebel, dem zwei kleinere als Trabanten seitlich beigegeben sind. Eine wichtige Neuerung gegenüber der alten Fassade ist ferner das Kranzgesims mit der Balustrade darüber, das sich auch über den sonst nicht veränderten Schmalseiten fortsetzt. Die Arkaden, die in einfacherer Form bereits die ältere Front hat, öffnen sich nach vorn in elf halbkreisförmigen, seitlich in einem gestelzten Bogen, auf toskanischen Säulen. Die Halle hat oblonge Rippengewölbe, die an der Wandseite auf Konsolen fußen. Über den Scheiteln der Bögen läuft ein breites Gebälk. Der Fries wird durch Konsolen, die in der Fortsetzung der Säulen sitzen, und durch Zwergpilaster über den Schlußsteinen der Bögen in längliche Felder geteilt, die von Meergeschöpfen bewohnt werden. Auch in den Zwickeln zwischen den Bögen lagern Figuren. Um die Zone, wo der stattliche Vorbau auf der Halle lastet, durch eine kräftigere Gestaltung herauszuheben, erscheinen hier in den Konsolen kleine Trägerfiguren, und reich gerahmte Wappenschilde vermitteln die Verbindung mit den vier verstärkten Säulen. — Als weiteres horizontales Band folgt die Brüstung des Altans. Füllungen aus durchbrochenem Bandwerk und Kartuschen werden durch Pfosten abgelöst, die, mit Masken verkleidet, über den Konsolen stehen und über ihrem verkröpften Gesims kleine Bekrönungen tragen, letzte schwache Ausstrahlungen der Säulen. Das Risalit tritt an den Rand des Altans vor und durchbricht die Brüstung. Es ist im Gegensatz zu dem einen Obergeschoß des Kernbaus in zwei Geschosse gleichmäßig geteilt. Diese Geschosse lösen sich gegen den Markt in drei breite Fenster auf, ohne Brüstung und nur die notwendigsten Wandpfeiler übrig lassend. Auch auf den Seiten öffnen sich Fenster. Den Frontpfeilern sind auf Sockeln stehende Säulen vorgelegt, deren untere Reihe auf den genannten Trägerkonsolen des Frieses aufruht. Das aus der Fensterfläche kaum heraustretende Gesimsband, das die Stockwerke trennt, kragt sich über den Säulen als Gebälk vor und erscheint das Verbindungsstück zwischen den Säulenordnungen. Den oberen Abschluß bildet ein kräftiges Gebälk, eine Fortführung des die Gesamtfront und die Schmalseiten umziehenden Kranzgesimses. Sein Fries ist mit figürlichen Reliefs besetzt, deren Kompositionen, wie die Friesfüllungen über den Arkaden, die Horizontalerstreckung der Felder betonen. Skulpierte Konsolen tragen die auch vor den Giebeln vorbeilaufende Balustrade. Die schlanken Baluster werden von gedrungenen Pfosten abgelöst. Die runden Ausbuchtungen an den Frontecken . erinnern mit ihren heruntergezogenen Konsolen und den aufrechten Kriegerfiguren an die Ecktürmchen der gotischen Fassade.

Der Mittelgiebel ist dreigeschossig mit doppeltem Aufsatz. Seine Basis ist um ein Drittel schmäler als das Risalit, so daß auf jeder Seite Platz bleibt für einen Gang hinter der Brüstung, zu der sich ein leichter Bogen hinüberspannt. Gleich dem Risalit ist der Giebel stark durchlocht. Die zwei unteren Geschosse sind in vier, das folgende in zwei Fenster aufgeteilt, so, daß in der Mittelachse Stützen zu stehen kommen. Gekuppelte Säulchen sind die Träger. Die zurückliegenden Gesimsbänder, die sich über den Säulen schwach vorkröpfen, sind mit Rollwerk verziert. Der Giebel schließt mit einem Wappen und einer Kartusche in zwei von Säulen begleiteten Steinfeldern übereinander. Die Außenfenster des zweiten Geschosses sind durch eingesetzte Rahmen zu ovalen Löchern verkleinert, so daß ein allmählicherer Übergang vom vier- zum zweifenstrigen Stockwerk stattfindet. Die Silhouette wird bestimmt durch das Beschlagwerk, welches das oberste Fenstergeschoß und das Wappenschild flankiert, dann vor allem durch die Obelisken und Figuren, von den Kriegern auf den Brüstungsecken des Risalits bis hinauf zu dem Fahnenträger auf dem abschließenden Segmentbogen.

Die Achsen der Seitengiebel liegen in der Halbierungslinie zwischen der Mittelachse des großen Giebels und den Ecken der Fassade. Ihre Grundlinie ist gleich der halben Basis des großen Giebels, und die von diesem gebildeten Winkel sind die nämlichen bei den Seitengiebeln. Sie stellen somit ähnliche Dreiecke dar2). Die Giebel rücken im Gegensatz zum Mittelgiebel so dicht an die Balustrade, daß sich deren Gesims vorkröpft. Die Durchlochung dieser zweistöckigen Giebel ist im Vergleich zum Mittelgiebel gering. Es überwiegt die über und über geschmückte Fläche, die nicht das geringste kahle Feld aufweist. In dem einen Fenstergeschosse sitzen die drei rechteckigen Öffnungen unmittelbar über der Brüstung. Hermen mit ornamental verziertem Stamm bilden die Stützen. Den oberen Aufsatz, ein schlankes Wappenfeld, flankieren korinthische Säulen mit skulpierten Gamaschen. Rollwerk, in das figürliche Motive verstrickt sind, füllt die Außenwinkel der Geschosse. Wieder klingt der Reichtum der Dekoration in Obelisken und einer krönenden Figur aufs lebhafteste aus.

Die acht hohen Fenster der Kernmauer gegen den Markt zwischen denen man die gotischen Figuren unter den spitzen Baldachinen hat stehen lassen, werden in ihrem Format nicht verändert sein1). Nur haben sie abwechselnd Kreissegmente und Dreiecke als eine die Aufwärtsbewegung dämpfende Verdachung bekommen. Um weiter den Eindruck des Gestreckten zu schwächen, hat man die horizontalen Arme der Fensterkreuze heruntergerückt. Ähnlich sind einige Fenster der Schmalseiten umgestaltet. —

Zu dem Raum, den das Risalit ergab, hat man ein Stück des alten Saales hinzugenommen, ihn durch einen hölzernen Einbau abgegrenzt. So gewann man zwei stattliche helle Sitzungszimmer. Zu dem oberen führt vom Saal aus eine gewundene, prunkvoll geschnitzte Treppe.

Emden.
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1574-76.

Durch den Baumeister Marten Arends aus Delft errichtet. Man nimmt an, daß der Autor des Entwurfes Cornelis Floris sei, der Erbauer des älteren Antwerpener Rathauses (1560 — 65) Ein Mann diieses Namens lebte 1570 — 71 als Flüchtling in E. Das Rathaus wurde an einem Delft errichtet, quer vor der Brücke, die zwei Straßenzüge des östlichen und westlichen Stadtteils verbindet.

Diese Situation bedingte die Anlage einer Torfahrt, wie sie auch das ältere Rathaus, das gegenüber auf der anderen Seite des Delft stand, besessen hatte.

Es ist ein rechteckiger, freistehender Bau von überraschenden Dimensionen. Der Platz vor der breiten Westfront öffnet sich gegen den Wasserarm und die gegenüberliegende Uferstrasse und schafft einen der Größe des Gebäudes angemessenen Prospekt. An den Schmalseiten führen Gassen entlang, auf die Rückseite mündet die oben genannte Straße in die Durchfahrt.

Die Westfront ist mit stark gedunkeltem Bentheimer Sandstein bekleidet. An den übrigen Seiten durchzieht er bandartig die Backsteinmauer. Vor dem Erdgeschoß führte ursprünglich ein Laubengang entlang, der die untere der beiden jetzt freiliegenden Fensterreihen verdeckte. Die obere Reihe — rechtwinklig und ohne vortretende Rahmung wie sämtliche Fenster des Gebäudes — hat kleine ornamentierte Blendbogen als Verdachung.

Das Erdgeschoß schließt mit einem Konsolengesims gegen das Hauptgeschoß. Dieses, von annähernd gleicher Höhe wie der Unterbau, wird durch eine Reihe hoher, schmaler Fenster gleichmäßig gegliedert, in derselben Achsenteilung wie am Erdgeschoß. Als horizontaler Gegenstoß wirkt die offene Galerie, die um das oberste Jiiedrige Stockwerk herumläuft. Sie baut sich auf Konsolen vor, hat ein leichtes Stein pfostengeiänder und über Pfeilern ein wagerechtes Gebälk als Abschluß gegen das weitvorspringende Walmdach. Die Stützen sind so angeordnet, daß sie als Fortsetzer der unteren Mauerpfeiler erscheinen. Somit ist die im Erdgeschoß angeschlagene vertikale Teilung bis unters Dach durchgeführt: Das hohe schiefergedeckte Dach ist mit Gaupen besetzt.

Das regelmäßige Fassadensystem wird unterbrochen durch den Torweg und den ihn markierenden Giebel und Dachturm. Die Durchfahrt liegt nicht in der Mitte der Front, sie mußte wegen des Straßenzuges mehr nördlich gerückt werden; zehn Fenster sitzen rechts, sieben links, drei über ihr. Das breite Bogentor ist an der Westfront in einem Quaderbau vorgeschoben, der einen Altan trägt. Das obere Stockwerk tritt in der Breite der Durchfahrt ein wenig vor. Stärkere Konsolen unter der Galerie und die feste Brüstung statt des durchbrochenen Geländers bereiten auf den Giebel vor, der auf dem Dachrand aufsitzt. Über drei rechteckigen Wappen-Feldern, die den Öffnungen der Galerie entsprechen, ein einzelnes mit einem kleinen Dreieck und einem Adler als Krönung. Die Felder werden von kannelierten, mit skulpierten Gamaschen verzierten toskanischen Säulen und Triglyphengebälk gerahmt. In den Außenwinkeln sitzen Figuren. Die Säulen gehen in Obelisken aus. Hinter diesem Blendgiebel erhebt sich aus dem Dachstuhle der Turm, aus Holz konstruiert, mit Schiefer und Blei verkleidet. Auf einen breiten viereckigen Unterbau, der mit einer Galerie schließt, folgt ein achteckiger Stamm, ebenfalls mit einer Galerie. Darüber zwei schlanke Laternen.

An der Ostfassade gibt es im Hauptgeschoß statt der einen Fensterreihe zwei. Das entspricht dem an dieser Seite (später) eingebauten Zwischengeschoß. —

Das Innere: Die beiden unteren Geschosse über dem Weinkeller waren zu Wohn- und Wirtshauszwecken vermietet. Der Hauptzugang zu den Ratsräumen im Hauptgeschoß liegt an der Westfront rechts neben der Durchfahrt. Ein von fazettierten Quadern umzogenes Rundbogenportal, über zwei Stufen; gerahmt durch korinthische Säulen mit mit Rollwerk verzierten Gamaschen und einem verkröpften Gebälk. In den Zwickeln Figuren. An der Holztür selbst setzt sich die Gliederung in Fazetten fort; (außerdem gibt ein die Tür halbierender, skulpierter Pfosten eine scheinbare Stütze für den Bogen an, in dessen Schlußstein er seine Bekrönung findet). Eine bequeme leicht gewundene Treppe führt direkt in die große Halle, von der ein Windfang sie „schrankartig“ abschließt. Von der Halle, dem sogen. „Rummel“, der etwa zwei Drittel der Langfront und drei Viertel der Schmalseiten einnimmt, geht es links in die „Rechtkammer“. Gegen die Rückseite bleibt ein schmaler Raum für Sekretkammer, einen Korridor, die Schryfkammer und Dienerkammer. Neben dieser führt eine Wendeltreppe, die unten in der Torfahrt beginnt, zu dem niedrigen obersten Stockwerk hinauf, das von der einstigen Bürgerkammer eingenommen wurde und jetzt, als Rüstkammer bekannt, eine Waffensammlung enthält. — Zu dem erwähnten späteren Zwischengeschoß über der Schryfkammer ist eine gradläufige Holztreppe in den Rummel eingebaut, der außerdem durch ein Vorzimmer zum Ratssaal beschnitten wurde.

Aus dem Buch: Das deutsche Rathaus der Renaissance (1907), Author Grisebach, August.

Siehe auch:
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Vorwort
Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil I
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil II
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Niedersachsen und die Ostseeländer
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Fachwerkrathäuser
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Die Fassade
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Grundriß und Aufriß
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Die lokalen Sondercharaktere

Das Deutsche Rathaus der Renaissance