Schlagwort: Rathaus Leipzig

Abbildungen Stadtansichten

Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien

Wittenberg.
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1523-40.

Material: Backstein verputzt. Sandsteingliederungen.

Man placierte den rechteckigen Block auf dem Markt so, daß zwei Seiten ungefähr in Straßenbreite von den Häusern entfernt sind, dagegen vor der Langfront und einer Schmalseite ein freier geräumiger Platz bleibt. Der dreistöckige Bau hat ein steiles Satteldach mit dreistöckigen Giebeln über den Schmalseiten. Die Langseiten werden bekrönt von je vier großen regelmäßig aufgereihten Dacherkern. Im Gegensatz zu dem ungegliederten Unterbau, an dem nur das Erdgeschoß der Marktfront mit einem Gesims schließt, sind Giebel und Erker durch Gurte in Stockwerkhöhe und unterhalb der Fenster horizontal, durch flache Lisenen in der Mittelachse und an den Rändern
vertikal gegliedert. Über den Fenstergeschossen folgt noch ein rechteckiges Feld mit einem Rundloch. Ein Dreieck mit einem kleinen Pfosten auf dem Scheitel bildet den Schluß. Einfach schwingende Voluten rahmen die einzelnen Stockwerke. Auch die Durchlochung von Giebeln und Erkern ist eine reguläre gegenüber der Fassade, die außerdem nicht rechteckige, sondern spätgotische Vorhangfenster aufweist.

Aus den Schmalseiten treten, kaum gegliedert und unauffällig, rechteckige dreigeschossige Erker, die an der Giebelbasis mit niedrigem Aufsatz schließen. Der Eingangstür der Marktfront wurde 1573 eine zweistöckige quadratische Halle vorgelegt. Auf einem vierstufigen Unterbau tragen vorn zwei Säulen, neben dem Portal zwei Pilaster das Gebälk, auf dem ein überdachter Altan ruht. Ein schlankes Pfostengeländer verbindet die dem unteren Geschoß analogen Säulen und Pilaster. Über kräftigem Gebälk krönt den Vorbau auf jeder Seite ein Dreieck, deren Schenkel und Scheitel mit Figuren besetzt sind.

Sömmerda.
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1529-39.

Das rechteckige Haus liegt frei, mit der Breitseite gegen den Platz. Über den drei Geschossen ein steiles Satteldach mit zwei symmetrisch sitzenden Dachreitern. Am Nordende der Front ein viereckiger Vorbau, der mit dem Fassadengesims abschneidet. Sein Satteldach trifft rechtwinklig auf das Hauptdach. Die Mauer ist ungegliedert. Die wenigen Fenster ohne Ordnung. Auch der Vorbau ist nicht stärker durchlocht. Die Tür zum Erdgeschoß und die kleinere, über eine schmale Freitreppe zugängliche Tür schlicht, rechteckig. Dagegen zeigt die Tür am Vorbau, zum Ratskeller führend, reiche Bogenumrahmung mit Sitznischen und plastischem Schmuck.

Saalfeld.
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1526-37.

Material: Backstein verputzt. Die Flächen ursprünglich bemalt.

Ein zweiflügeliges Eckhaus am nördlichen Ende der Breitseite des geräumigen Marktplatzes, dem sich die Hauptfront zuwendet. Der nördliche Flügel liegt an schmaler Straße.

In der Mitte der dreistöckigen Fassade tritt ein polygoner Treppenturm vor, der mit einem Geschoß den Rand des steilen Satteldaches überschneidet und einen spitzen, von kleinen Giebeldächern umgebenen Helm trägt. Zu beiden Seiten des Turmes schieben sich zweistöckige Erker von schlanken Proportionen mit niedrigen Giebelabschlüssen aus dem Dach vor. Zu diesen symmetrischen Hauptakzenten gesellen sich an der Fassade zwei ungleiche Gegenstücke, ein runder, kaum vorgekragter Erker an der Straßenecke und ein rechteckiger, ebenfalls zweistöckiger Erker unterhalb des rechten Dachausbaues. Auch im Detail verschieden zeigt der eine Maßwerkfüllungen, der andere ausgesprochene Renaissanceglieder, Pilaster und Kandelabersäulchen.

An der schlichten Straßenfront tritt aus dem Satteldach des rückwärtigen Flügels ein Erker, einfacher gebildet als an der Fassade. Gleicher Art sind der hintere Dachgiebel und der vordere gegen die Straße; leicht geschwungene Bänder und Kugeln an den Gesimsenden als Kontur; schlanke Pilaster und dünne Gurte als Rahmung der ungleichen Geschosse. Nur der über die Nachbarhäuser fortsehende Südgiebel zeichnet sich durch eine gleichmäßige Felderteilung aus. Die Fenster sitzen gekuppelt, ziemlich gleichmäßig in der ungegliederten Wand; am Treppenturm sind sie rautenförmig eingeschnitten.Das Erdgeschoß enthält neben einer Diele die Trinkstube des Ratskellers und einige Vorratsräume. Im Seitenflügel eine Durchfahrt. Über die Wendeltreppe kommt man im ersten Geschoß links zum Ratssaal, rechts liegen Schreibstuben, die sich im zweiten Stock wiederholen. Hier befand sich außerdem ehemals die „Tuchhalle“: zwei rechtwinklig aneinander stoßende, durch einen weiten Mauerbogen gegeneinander geöffnete Säle.

Plauen.

Das rechteckige zweistöckige Gebäude, von hohem Satteldach bedeckt, kehrt eine Giebelseite dem Marktplatz zu. Der Giebel, in der Mitte des 16. Jahrhunderts aufgesetzt, wird im Gegensatz zu dem gotischen ungegliederten Unterbau mit seinen regellos eingeschnittenen großen und kleinen Vorhangfenstern durch Pilaster und Gesimse in regelmäßige Felder geteilt. Die Öffnungen, Rechtecke und Rundlöcher, gruppieren sich symmetrisch zu der zentral sitzenden, durch figürliche Rahmung akzentuierten Uhr. Wenig geschwungene schmale Bänder bilden die Randlinien. Hinter dem schlichten Abschluß erhebt sich aus dem Dachfirst ein polygones Glockentürmchen, schieferverschalt.

Dem Erdgeschoß ist eine (heut verstümmelte) doppelte Freitreppe vorgelegt. Über dem kleinen Altan, der auf einer leichten offenen Bogenhalle ruht, erhob sich ein Erker mit vierteiligem Vorhangfenster ins obere Geschoß hinauf1).

Von dem Altan kommt man auf einen Flur, der das Gebäude seiner ganzen Länge nach in zwei ungleiche Hälften teilt; beiderseits eine Reihe von Amtszimmern, von denen links an der Marktfront das Kämmereigemach noch seine alte reiche Ausstattung bewahrt hat. Im Obergeschoß, dem der Flur fehlt, ein großer Saal; nach dem Markt zu ein kleinerer Saal und das Bürgermeisterzimmer, zwischen diesen beiden ein schmaler gewölbter Archivraum.

Staßfurth.
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1554.

Ein dreistöckiges eingebautes Haus an einem Platz. Vor dem hohen Dach drei gleichartige, zweistöckige Erker, im unteren Geschoß dreiachsig, im oberen einachsig, durch Pilaster und Gesimse gegliedert. Von regelmäßiger Form und regelmäßiger Anordnung stehen die Erker im Gegensatz zu der ungeteilten unregelmäßig durchlochten Fassaden wand. Die Fenster zum Teil rechteckig, gekuppelt, zum Teil rundbogig, isoliert. Im zweiten Stock springt aus der linken Fronthälfte ein Erker rechteckig vor. Im Erdgeschoß ist die Tür nach der rechten Ecke geschoben.

Buttstädt.

Bau- und Kunstdenkm. Thür. Sachs.-Weim.-Eisenach II, 416. M. ein. Abb. der Nordfront. — Aus verschiedenen Zeiten. 1501 der Ostflügel. Zwischen 1550 u. 65 der Süd- u. Nordflügel. Ein Umbau fand 1604 statt. Schließlich mehrfach modernisiert und restauriert im 19. Jahrh.

Dreiflügelig, nach drei Seiten frei. Der zweistöckige östliche Hauptflügel am Markt mit hohen Giebeln über den Schmalseiten. Der zweistöckige Südflügel der Kirche gegenüber, der dreistöckige Nordflügel an einer Nebenstraße zum Markt. — An der Nordfront, dessen Stockwerke von ungleicher Höhe sind, sitzen die rechteckigen Fenster auf durchgezogenen Gesimsen. Im Obergeschoß kragt sich — oberhalb der von Pilastern flankierten Bogentür — ein rechteckiger Erker vor.

Leipzig.
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1556—67.

Der Baumeister und zugleich damaliger Bürgermeister der Stadt war Hieron. Lotter (1497—1580). Er benutzte die Fundamente des älteren Rathauses. In dem Schriftchen „Der Leipziger Ratskeller‘ 1904, das eine Geschichte des „alten Rathauses“ enthält, finden sich zwei vom heutigen Zustand abweichende Ansichten der Fassade von 1595 und 1712. Die erstere zeigt das Gebäude mit einer viel höheren Fassade. Das erklärt sich daraus, daß man bei einer umfassenden Restaurierung 1672 den ursprünglich zum Rathaus sich senkenden Marktplatz eingeebnet hat, wodurch „das Haus ein Stück in die Erde versank“. Man legte den (heute verschwundenen) hölzernen Laubengang so viel höher, daß seine Verdachung die Erdgeschoßfenster überschnitt. Die bei Wustmann S. 31 wiedergegebene, dort als „ursprüngliche Gestalt“ bezeichnete Ansicht entspricht der von 1712. .Unsere Abb. 33 sucht eine Rekonstruktion zu geben, wie sie nach neuerer Ansicht dem ursprünglichen Plan Lotters am nächsten kommt. — 1672 wurde vor allem der südliche Teil an der Grimmaischen Straße abgetragen und neu aufgeführt. 1744 wurde der Turm erhöht. — Neuerdings außer Dienst.

Material: Verputzter Backstein, Schindeldach.

Der Bau nimmt etwa vier Fünftel der einen Langseite des Marktplatzes ein, dessen Abmessungen seinem Grundriß, einem langgestreckten Rechteck, entsprechen. Die Schmalseiten liegen an Straßen, die Rück^ Seite an einem kleineren Platz, dem Naschmarkt. Über zwei Stockwerken erhebt sich ein hohes Satteldach. An den Langseiten sind Dacherker angeordnet, zwischen denen Gruppen von Mansardenfenster herausgebaut sind. An der Marktfront wird diese regelmäßige Reihe — regelmäßig jedenfalls in der ’Gesamtwirkung — unterbrochen durch den hochaufwachsenden Turm. Er sitzt nicht der Mittelachse, vier von den Erkern liegen südlich, zwei nördlich; doch nimmt er ungefähr die Mitte der Langseite des Marktes ein.

Die viergeschossigen Giebel über den Schmalseiten werden durch Gesimse gegliedert, auf Gesimsen ruhen die Fenster. Flache Stäbe, die in kleinen mit Pinienzapfen besetzten Postamenten endigen, grenzen die Stockwerke seitlich ab. Auf den breiten, zum Teil nicht ausgemauerten Stufen lagern Voluten.

Die zweistöckigen Markterker zeigen gleiche Gliederung. Der obere Abschluß jedoch (ein Dreieck über einem Gebälk, das durch einfach geschwungene Bänder mit den höher hinaufgezogenen Stäben verbunden wird) dürfte der Erneuerung von 1672 angehören.

Der Turm tritt um die Tiefe der Lauben (an deren Stelle später Verkaufsläden traten) rechteckig aus der Fassade vor. Das große Bogentor, das im Turmsockel den das Rathaus durchschneidenden Durchgang einleitet, ist der Treppe wegen seitlich orientiert. Gekuppelte jonische Säulen auf fazettierten Sockeln und ein mit einem Mäander verziertes Gebälk bilden den Rahmen; in den Zwickeln zwei vorspringende Köpfe. — Unmittelbar oberhalb des Portalrahmens zieht sich eine leichte, gedeckte Holzgalerie um den Turm herum. Dünne toskanische Säulen tragen das gerade Gebälk, von dem sich ein geschweiftes Dach zum Turm hinbiegt. Nach Durchbrechung des großen Daches erscheint der Turm als ein Achteck, von unregelmäßiger Form, indem die Stirn nach dem Markt und die entsprechende Rückseite breiter sind. Schlichte Bänder rahmen die hohen, kaum durchlochten Felder. Gegen den Markt sitzt unter der Uhr ein kleiner Balkon für die Stadtpfeifer (1599). Über einem Gesims folgt ein niedriges Geschoß, gleichsam ein Sockel für den achtseitigen Helm, der in einer Laterne und einer geschweiften Haube schlank ausläuft. Die Fassadenfenster sind, mit einer Ausnahme, paarweis aneinandergerückt. Sie werden von in der Mauer liegenden Rundstäben gerahmt und durch Steinkreuze geteilt. Jetzt sind sie sämtlich vergittert. An den Schmalseiten sind im obern Geschoß einfache rechteckige Erker auf Konsolen vorgekragt. Im Innern führt die gradläufige Treppe unter Kreuzgewölben in den großen, die Mitte des oberen Stockes einnehmenden Saal. Südlich erreicht man durch ein kleines Zimmer die in der Südwestecke liegende quadratische Ratsstube, die eine Kassettendecke trägt.

Pegau.
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1559.

Nach den Plänen Lotters ausgeführt von dem Leipziger Steinmetzen Paul Wiedemann. 1670 z. T. durch Brand zerstört.

Material: Rochlitzer Stein. Sandsteingliederungen.

Ein langgestreckter rechteckiger Bau, zweistöckig mit einem Satteldach. Ungefähr aus der Mitte der langen Marktfront springt der hochaufsteigende Turm vor. Bis zum Dachansatz ist er von viereckiger Grundform, geht dann in ein Oktogon über, das in seinem obersten Teil für eine Galerie einrückt, und endigt in einer schlanken Laternenkuppel.

Die Fenster, größtenteils gekuppelt, ohne bestimmte Distanz, sitzen im oberen Stockwerk auf einem durchgeführten Gesims auf, dem einzigen, das die Wand teilt. Das Konsolengesims unterm Dach, das sich auch um den Turm herumzieht, ist von kräftigerer Bildung als am Leipziger Rathaus. Die Fenster für die Treppe im Turm laufen schräg. — Der achteckige Stamm, durch Gurte in drei nach oben zu niedriger werdende Stockwerke geteilt, zeigt geringe rechteckige Durchlochung. An den Ecken gehen Lisenen hinauf. Ebensolche halbieren auch die Felder des mittleren Stockwerkes.

Das Prunkstück der Fassade sind die zwei am Fuß des Turmes nebeneinander sitzenden Portale. Die reich gegliederten Archivolten ruhen auf Kämpfergesimsen. Die Vorgesetzten drei kannelierten, auf hohen Sockeln stehenden Pfeiler tragen stark ausladendes Gebälk mit Triglyphenfries, welches beide Portale zusammenfaßt. Darüber erhebt sich eine rechtwinklig umrahmte, mit einem Giebel schließende Wappentafel. Die linke breitere Tür, mit «Sitztellern“ am Gewände, geht zur Treppe. Die rechte, der der mittlere Pilaster vom Bogen und Zwickel ein Stück abschneidet, führt zum Keller. Eine ähnlich umrahmte Tür sitzt in der Mitte der linken Fronthälfte. Der große Saal nimmt den ganzen rechten Teil des oberen Stockes ein.

Altenburg.
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1562-64.

Eine sehr ausführliche Beschreibung bei Lehfeld, Bau- u. Kunst-denkm. Thüring. Jena 1895. II. S. 43—59. Abb. b. Fritsch. «Das Hauptwerk des Weimarischen Hofbaumeisters Nikolaus Grosmann.“

Material: Putzbau, Sandsteingliederungen.

Das dreistöckige, ein Zeltdach tragende Rathaus liegt auf einem Eckgrundstück. Die nicht sehr breite Nordfront mit dem hohen Turm sieht gegen den Marktplatz. Die westliche Seite an einer nicht ganz rechtwinklig einmündenden Straße krönt ein Dacherker. Ebenso die durch einen Hof vom Nachbarhaus getrennte Ostseite. Auch die im unteren Teil eingebaute Rückseite sieht mit einem Giebel zum nahen Kornmarkt hinüber. Diese drei Erkergiebel und der Turm liegen «in richtiger Achsenkreuzung“ (Lehfeld). Außerdem schiebt sich aus der nördlichen Hälfte der Ostseite ein kurzer, ebenfalls einen Giebel tragender Arm vor. Eine Tormauer, die durch Säulen gegliedert wird und mit einer Attika schließt, grenzt den Hofraum gegen den Markt ab und verbindet die Rathausfassade mit dem Nachbarhaus.

Die Ecke von Markt und Straße rundet sich in den zwei oberen Stockwerken zu einem Erker aus, dem östlich vom Turm, ziemlich im gleichen Abstand von zwei Fenstern, ein zweiter Erker entspricht. Doch bildet dieser nicht die Ecke, sondern ist dicht daneben aus der Fassade vorgeschoben, nur wenig, als sei er in der Wand stecken geblieben. Der Treppenturm tritt ungefähr aus der Mitte der Front als ein mit fazettierten Quadern bekleidetes Rechteck vor, verjüngt sich im zweiten Geschoß über der abschließenden Balustrade, die von Konsolen, an den Ecken von je zwei überschlanken Säulen gestützt wird, zu drei Seiten eines Achtecks, das nach Durchbrechung des Daches sich frei nach allen Seiten entwickelt. An den Kanten des Turmes führen runde Stäbe hinauf, über die sich — zur hori-zontalen Teilung der hohen Felder—Gesimsbänder hinziehen. Unter der der Turmbildung analogen schlanken Laternenkuppel liegt ein niedriges, von einem Gitter umzogenes Geschoß für den Türmer. Die Öffnungen der unteren Turmgeschosse bis zum Dachgesims sind rautenförmig, die der vier oberen rechtwinklig in unregelmäßiger Anordnung.

Die rechteckigen Fassadenfenster liegen zwischen durchlaufenden, dünnen Horizontalgesimsen, so, daß sich die Wand aus ungleich hohen Streifen aufbaut. Gegen das Dach schließt ein kräftiges Konsolengesims. Im Gegensatz zu den glatten Putzflächen sind die beiden Erker von unten bis oben

h Der Turm des Rathauses von Gera (1573 bis 76) kann geradezu als eine Kopie des Altenburger Turmes bezeichnet werden. Aus der Mitte der Marktfront vortretend, steigt er hoch hinauf, zeigt die gleiche Qua-derung am rechteckigen Erdgeschoß, die gleiche Gliederung der fünf ungleich hohen Achteckgeschosse und das einge-zogene Türmergeschoß unter dem durchbrochenen Helm. — Das Rathaus brannte 1780 vollständig aus, bekam dann das jetzige Mansardendach und verlor viel von seiner ursprünglichen Erscheinung, die möglicherweise auch außer dem Turm dem Altenburger Bau nahe stand.

Die Dacherker, jedesmal ein rechteckiges Geschoß mit einem zweistöckigen Giebel, werden durch glatte viereckige Stäbe und dünne Gesimse in ungleiche Felder geteilt. Die Stäbe flankieren die Stockwerke und sitzen in der Mittelachse. Die Gesimse grenzen niedrige Sockelstreifen ab. Die Voluten am Giebelrand sind zum Teil als Flügelpferde gebildet. In einer Kriegerfigur auf einem Dreieck klingt der Giebel aus. Das Zeltdach ist mit zahlreichen Gaupen besetzt, die mit dazu beitragen, die Lebhaftigkeit des Gebäudes nach oben hin zu steigern.

Ein zum Erdgeschoß führendes Portal unter dem östlichen Fassadenerker ist rundbogig, von Pilastern flankiert, mit einer niedrigen Volutenkrönung über dem Gebälk. Türlaibung, Zwickel und Pilaster sind reich gegliedert. Eine einfache rechtwinklige Tür an der Straßenfront bildete ehemals den Zugang zum Ratskeller. Der Zugang zu den beiden oberen Stockwerken geht über die Wendeltreppe im Turm. Das Rundbogenportal wird — in Übereinstimmung mit den Ecksäulen des Turmsockels — von kannelierten jonischen Säulen eingefaßt, darüber ein kräftiges Gebälk, eine Dreiecksverdachung und zwei wappenhaltende Tiere.

Die Treppe führt im Obergeschoß auf einen Vorsaal von unregelmäßigem Grundriß, der die ganze Tiefe des Gebäudes einnimmt und von drei Seiten Licht bekommt2). Seine flache Balkendecke wird von drei Holzsäulen gestützt. Rechts von der Treppe schließen sich an: Das Kommissionszimmer (an der Ecke von Markt und Straße) und die ehemalige Stadtschreiberei und Kassenverwaltung, die heute ins Bürgermeister- und Polizeizimmer geteilt ist. Links von der Treppe im Ostflügel mit dem Markterker das Kämmereistübchen, das Kopisten- und Steuereinnehmerzimmer. Auch in diesen Räumen laufen die Wände nicht rechtwinklig aufeinander. Das oberste Stockwerk besaß früher einen jetzt verbauten Vorsaal von gleichem Format, mit beiderseitigen kleineren Räumen.

Torgau.
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1567.

Das Rathaus wurde in neuerer Zeit so umgebaut, daß fast alle architektonischen Reste der alten Anlage beseitigt sind.

Von der ehemaligen Fassade, die die eine Marktseite einnimmt, scheinen die drei vor dem Satteldach sitzenden Giebel herzustammen, die, wie aus einer alten für die Zeichnung bei Ortwein verwendeten Photographie hervorgeht, über das Dachgesims ansetzende Erker bekrönten. Diese sind später durch die vorm Unterbau auf-steigenden Kolossalordnungen verdrängt worden. Erhalten ist allein der runde dreistöckige Erker an der Südwestseite der langen Front. Seine Fenster, deren Höhe entsprechend den ungleichen Geschossen nach oben zu abnimmt, sind zu je zwei Paaren zusammen genommen. Pilaster auf Sockeln bilden die Stützen. Diese sowie die Brüstungen und die Bänder über den Öffnungen tragen figürlichen und ornamentalen Schmuck, womit sich der Erker — wie beim Altenburger Rathaus — abgehoben haben wird von den geputzten Flächen der durch dünne Gurte gegliederten Fassade. Den Erker schließt ein Zwiebelhelm.

Hildburghausen.
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1572.

Im Kern mittelalterlich. 1572 mehrfach verändert und restauriert. Auf einem Eckgrundstück gelegen, steigt das Rathaus dreistöckig in die Höhe. Das steile Satteldach wendet sich mit einem dreigeschossigen Giebel nach dem Markt. An der Westseite tritt ein runder Treppenturm vor; er überschneidet mit einem Geschoß das Dachgesims und trägt einen hohen Zwiebelhelm. Die Fassade wird gleich dem Giebel in verschiedene hohe Streifen geteilt. Die Fenster sind rechteckig.

Arnstadt.
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1583—85.

Der Saal am Anfang des 19. Jahrh. umgebaut. Ein dreistöckiger Putzbau aus zwei rechtwinklig aneinander stoßenden Flügeln, die ihre Außenseiten gegen den Markt und eine einmündende Straße wenden. Über der Stirnseite des Saalflügels ein zweistöckiger Giebel, dem ein ebensolcher am andern Ende der Marktfront entspricht. Beide durch breite Bänder, die sich von den Randvoluten her über die Fläche ziehen und die ovalen und rundbogigen Öffnungen umrahmen, gleichmäßig gegliedert. Hinter ihren Spitzen steigen Glockentürmchen auf. An der Straßenseite schieben sich drei Erker aus dem Satteldach vor.

Der Saal geht durch zwei Stockwerke und öffnet sich nach dem Markt in drei hohe breite, im Korbbogen schließende Fenster. (Sie werden gleich den Fenstern an der Straße aus dem vorigen Jahrhundert stammen, Ebenso hat der Balkon an der Fassade den Charakter dieser Zeit.) Die übrigen Fenster sind dagegen klein, rechteckig, gekuppelt; dicht gereiht, ohne durch Gesimse zusammengehalten zu werden. Unter dem linken Frontgiebel das von Säulen flankierte mit einer Wappenbekrönung ins obere Geschoß reichende Portal. Ursprünglich wurden von den Zimmern dieses Flügels nur die der zwei unteren Stockwerke zu Amtszwecken benutzt. „Das dritte diente nur dem großartigen Eindruck des Hauses“.

Nordhausen.

Ältestes Datum 1350. Ein wesentlicher Umbau 1608—10.

Nach drei Seiten frei, von oblongem Grundriß, dreistöckig, mit niedrigem Walmdach. An der Breitseite, nicht in der Mittelachse, tritt ein polygoner Treppenturm aus der Front vor, erhebt sich um ein Stockwerk über das Dachgesims und endigt in einem schlanken, zweimal durchbrochenen Helm. Das Erdgeschoß, durch hohe Kellerräume hinaufgerückt, besteht zur Hälfte aus einer Halle, die sich in breiten, zweiteiligen Bogenfenstern öffnet. Außer dem Turmportal gibt es an der einen Schmalseite über einer Freitreppe einen Zugang. Die Fenster der Obergeschosse rechteckig, gekuppelt, ruhen auf durchlaufenden, auch um den Turm herumführenden Gesimsen. Vor dem Dach sitzen rechts und links vom Turm, sowie an den Schmalseiten Giebelerker in Fachwerk.

Niemeck.
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1570.

Ein zweistöckiger Putzbau mit hohem Dach. Die breite Hauptfront von zwei gleichartigen Dacherkern bekrönt. Die Giebel über den Schmalseiten durch Gesimse und Pilaster geteilt, von Voluten gefaßt. Die Fenster rechteckig. Das Portal rundbogig.
Sommerfeld.

Der Baumeister war ein Italiener, Alberto Antonio. Material: Ziegel verputzt. Von rechteckiger Grundform. Zweistöckig mit hohem Satteldach. Uber der dem Markt zugewendeten Breitseite ein Dacherker mit steilem mehrfach horizontal geteiltem, von Voluten eingefaßtem Giebel. Ebenso nachdrücklich durch wagerechte Gesimse geteilt ohne jede vertikale Gliederung die Giebel über den Schmalseiten. Die Eingangstür unter dem Dacherker zentral an der Marktfront.

Münsterberg.
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1561.

Ein Putzbau. Über der Marktfront zwei Giebel als Abschluß der beiden parallelen Satteldächer. Die abgestuften Giebelränder tragen halb- und viertelkreisförmige Scheiben, die Spitze ein stumpfes Dreieck. — An der einen Seite des Hauses steigt ein unten quadratischer, oben achtseitiger Turm von schlanken Verhältnissen in die Höhe, mit einer durchbrochenen, kupfergedeckten Haube.

Brieg.
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1570—76.

Entwurf von Jacob Baar aus Mailand, unter Mitwirkung seines Schwiegersohnes Bernh. Niuron aus Lugano. — Die geputzten Flächen trugen wahrscheinlich (wie fast alle Renaissancebauten Schlesiens) Sgraffitoschmuck, das Dach war vielleicht mit farbigen glasierten Ziegeln gedeckt. Das Dach der Fronthalle neuerdings erhöht.

Vier zweistöckige Flügel mit steilen Satteldächern umschließen einen schmalen Hof. An der westlichen Hauptfront treten zwei Türme vor, bis zum Hauptgesims von quadratischem Grundriß, dann in niedrige Achtecke umsetzend, von laternenförmig durchbrochenen, bewegt silhouettierten Helmen gekrönt. Zwischen die Türme ist eine zweigeschossige Halle geschoben, die sich im Erdgeschoß in fünf Säulenarkaden, darüber als Loggia mit Holzpfeilern unter geradem Gebälk öffnet. Über der Halle wachsen drei gleichgebildete Erker aus dem Dach heraus, einstöckig mit schlanken, vielfach horizontal geteilten Giebeln, einfach im Umriß.

Von gleicher Art sind die Giebel, die das große Dach seitlich begrenzen. Die rechtwinkligen Fenster sind schlicht eingeschnitten, die kräftigen Profile der wagerechten Gesimse begegnen sich mit flachen Pilastern an den Ecken der vier Geschosse. Der Kontur läuft wieder in sacht rollenden Bändern. Asymmetrisch placiert ist der hohe schlanke Turm am östlichen Ende des Nordflügels. Gegen die Straßenfront etwas eingerückt, steigt er über quadratischem Unterbau als achteckiger Stamm aufwärts und schließt über einer Balustrade mit einem zweimal durchbrochenen Helm in derselben Lebhaftigkeit wie die Fronttürme. Im linken Frontturm führt die Haupttreppe rechtwinklig mit vier Rasten um den quadratischen Mauerkern; im rechten Turm liegt eine zweite hölzerne Treppe.

Aus dem Buch: Das deutsche Rathaus der Renaissance (1907), Author Grisebach, August.

Siehe auch:
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Vorwort
Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil I
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil II
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Niedersachsen und die Ostseeländer
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Fachwerkrathäuser
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Die Fassade
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Grundriß und Aufriß
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Die lokalen Sondercharaktere

Das Deutsche Rathaus der Renaissance