Schlagwort: Ruanda

Abbildungen Kolonie und Heimat

Ruanda wird sicher einmal für die Kolonie Deutsch-Ostafrika von grosser Bedeutung werden, eignet es sich doch wegen seiner Höhenlage von durchschnittlich 1800 Metern wie kein anderes Gebiet zur Niederlassung von Europäern, und man muss es bei seiner Fruchtbarkeit, seinen dauernden Niederschlägen als die Perle des so wertvollen Zwischenseengebietes und der Kolonie überhaupt bezeichnen. Vorläufig läuft ihm ja das Land Bukoba, wegen seiner günstigeren Verbindungsverhältnisse, noch den Rang ab. aber wenn erst einmal eine Bahnverbindung nach Ruanda i’om Victoria aus entsteht — käme sie doch recht baldl — so dürfte sich ein Strom von Einwanderern ins Land ergiessen.

Gewährt es doch bei seinen Bergen, den klaren Gebirgsbächen, die alle den beiden grossen Strömen, dem Nyavarongo und dem Akanyaro und damit dem Kagera und weiter dem Nil Zuströmen, die denkbar günstigsten Bedingungen zu einer Niederlassung, und bei der Dichtigkeit der Bevölkerung ist ein Mangel an Arbeitskräften auch nicht zu befürchten.

Kolonie und Heimat

Die kaum erst wieder aufgenommenen Verhandlungen zwischen Deutschland und Belgien über die Grenzfestsetzung am Kiwusee sind abgebrochen worden, weil Belgien sich hartnäckig weigert, den jetzigen Besitzstand anzuerkennen und die Grenze am Kiwusee verlaufen zu lassen. Das Bestreben Belgiens geht dahin, das gesamte Gebiet um den Kiwusee dem Kongostaat einzuverleiben. Deutschland steht diesen Wünschen ablehnend gegenüber und beharrt nach wie vor auf dem Standpunkte, dass das gesamte Ruandagebiet zu Deutsch-Ostafrika gehöre und die Grenze unbedingt mitten durch den Kiwusee zu gehen habe. Einige Inseln dieses Sees sollen an den Kongostaat fallen. Ob es in nächster Zeit zu einer Einigung kommen wird, lässt sich nicht absehen.

So liegen augenblicklich die Verhältnisse, und es lässt sich daraus ermessen, wie gross auf Seiten Belgiens der vor einiger Zeit von vielen Seiten betonte gute Wille ist, die Sünden des verflossenen Kongostaates wieder gut zu machen. Wir haben mit unsrer in mehreren Artikeln (Nr. 6 bis 8) vertretenen sehr skeptischen Anschauung nur zu recht gehabt, dass es Belgien mit seinen schönen Reformplänen zunächst nur darum zu tun sei, Zeit zu gewinnen und die Aufmerksamkeit von dem Punkt abzulenken, der für uns die Hauptsache ist: die von Belgien solange verschleppte Grenzregulierung endlich zu Ende zu führen. Von belgisch offiziöser Seite wurde in letzter Zeit immer so getan, als ob die Politik des ehemaligen Kongostaats und diejenige Belgiens auseinandergehalten werden müsste. Wir haben schon einmal dargetan, dass das — mit Respekt zu sagen — fauler Zauber ist. Die massgebenden Persönlichkeiten in Belgien und am Kongo sind in der Hauptsache nach wie vor dieselben. Es wird sich also empfehlen, dass auf unserer Seite die Angelegenheit in diesem Sinne mit der nötigen Rücksichtslosigkeit angefasst wird.

Wir wollen nicht noch einmal auf die Spiegelfechtereien eingehen, die auf belgischer Seite mit unbewusst oder bewusst falschen Ortsbestimmungen in den früheren Verträgen versucht werden. Uns genügt die Tatsache, dass der Kiwusee und die zwischen ihm und dem Eduardsee sich nordwärts ausdehnenden Kirungavulkanc die natürliche wirtschaftliche und politische Grenze bilden. Die belgischen Ansprüche bedeuten für uns nicht mehr und nicht weniger als das Verlangen der Preisgabe eines der schönsten Gebiete unsrer Kolonie. Und da die von Belgien erstrebte Grenze ein verhältnismässig wohlgeordnetes Eingeborenenreich, Ruanda, durchschneidet, so hätten wir überdies endlose politische Wirren zu erwarten. Schon allein aus letzterem Grunde kann es für uns in dieser Frage keinen Kompromiss geben und das kleine Belgien, das nicht zum wenigsten uns die schöne Kolonie verdankt, täte gut daran, seine unerfüllbaren Forderungen aufzugeben, sonst müssten wir erst recht bedauern, dass wir Jahrzehnte lang zu der skandalösen Nichtbeachtung der internationalen Kongoakte seitens der Belgier beide Augen zugedrückt haben. Man kann annehmen, dass unsre Regierung auf dem einzig richtigen Standpunkt beharrt: Oestlich vom Kiwusee haben die Belgier nichts zu suchen. Punktum!

Kolonie und Heimat


Es ist noch nicht lange her, als Dr. Kandt mit dem Resultat seiner Nilforschung vor die Oeffentlichkeit trat und der Welt den Ursprung des „Vater Nil“ verkündete. Heute ist sein Oberlauf klar bekannt und jeder könnte selbst ohne Gefahr alles in Augenschein nehmen, was seit Jahrtausenden in Dunkel gehüllt war, obschon die Darstellungen der römischen Schriftsteller, wie sich hcraussielite, einen Keim von Wahrheit enthielten. Der Nyavarongo und der Akanyaro, die Verbindung beider Ströme, der Kagera, das grosse Sammelbecken, der Victoria-Nyanza, liegen in deutschem Gebiete, während der Abschluss aus dem See bei Sinja mit den berühmten Riponfällen bereits englisches Gebiet sind. Nyavarongo und Akanyaro fliessen in ziemlich schmalem Bette, von Bergen rings umsäumt, und sind bis weit in Ruanda hinein schiffbar. Sie sind sicher noch einmal bestimmt, zur Erschliessung Ruandas auf Schifffahrtswegen beizutragen. Leider hat der Kagera einige Tage von dem Victoria entfernt Fälle und Steingeröll in seinem Bette und hindert so eine direkte Verbindung mit dem See, aber oberhalb dieser Fälle wälzt er in weitem Tale seine schmutzigen,grau-gelben Wasser zum Victoria. Allerdings ist in diesem breiten Tale nur ein kleiner, verhältnismässig schmaler Wasserstreifen sichtbar und dem Wanderer, der von der Landschaft Karagwe her sich diesem Grenzflüsse nach Ruanda hin nähert, scheint der Strom wie ein helles Band, das an einzelnen Stellen vollständig unterbrochen ist in dem mehrere Kilometer breiten Papyrussumpfe. Dieser Sumpf macht denn auch den Strom zu einem unbedingten Hindernis für jeden, der nach Ruanda will, und es bedarf nur einer Sperrung der wenigen Uebergangsstellen, um jeden Verkehr vom Lande Bukoba her zu unterbinden. Die beiden Fähren, die nach Ruanda und nach Usumbura führen, sind  denn auch stark in Anspruch genommen und es herrscht dort täglich ein reges, geschäftiges Treiben von Karawanen, die nach Ruanda mit Stoffen gehen, oder von dort mit Häuten, Fellen und Vieh nach Bukoba ziehen. Die weniger bedeutende, südlich gelegene Migera-Fähre tritt immer mehr in den Hintergrund, einmal weil dort der Uebcrgang mit den kleinen Einbooten langsamer geht und auch, weil an beiden Ufern sich keine Ansiedlungen befinden, Verpflegung für eine Safari also nicht zu bekommen ist.

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