Nächst dem Aufkeimen des Glaubens an übermenschliche Wesen überhaupt ist die Wendung eines Volkes vom niederen Seelen– und Geisterglauben zum höheren Götterglauben das denkwürdigste Ereignis seiner Mythengeschichte. Durch hundert Fasern hängt dieser neue Glaube mit dem alten zusammen; am tiefsten wurzelt er im Naturgeisterreich.

Denn die auf einzelne Menschen angewiesenen Seelen und Maren fügten sich ihrer ganzen Art nach schwer zu einer höheren geschlossenen Körperschaft zusammen. Ungezählt und zerstreut lebten sie weiter und gestatteten nur eine schwache Idealisierung über ihr Dämonentum hinaus. Das Reich der Naturgeister aber, unter denen schon Könige erstanden und aus denen schon, gleichsam als Versuche der Vergöttlichung, die meisten höheren Dämonen hervorgegangen waren, wurde bei der wachsenden Naturerkerintnis, beim Bestreben, die zersplitterten Naturkräfte einheitlicher zu fassen und das Naturleben gleich dem Menschenleben besser zu ordnen, und bei dem mit der Kultur steigenden Bewußtsein von dem Dasein auch sittlicher Mächte, äußerlich und innerlich umgeschaffen. Man schritt von Einzelvorstellungen zu höheren und umfassenderen Begriffen fort, und der Name einer bedeutenderen Naturgeistergruppe z. B. der Holden und Berchten wurde zum Eigennamen einer einzelnen Göttin, zu Holda oder Berchta, oder es wurde ein neuer Name dem neuen Vertreter einer hervorragenden Naturgewalt z. B. Donar beigelegt. So finden wir denn all die alten dämonisierten Naturgewalten, außer dem Donner auch den Wind und die Wolke, das Himmelslicht und die sprossende Erde, in den neuen Göttergestalten wieder. Aber alle Eigenschaften, Kräfte und Ehren der Vielen, die bisher Herren dieser oder jener Naturkräfte waren, wurden nun einem Donnergott, einem Windgott u. s. w. zugeschrieben, der wie ein unumschränkter König in seiner Machtsphäre herrschte. Höchstens wurde dieser von den älteren Naturgeistem als Dienerschaft und Troß umgeben oder auch mit Kindern und anderer Verwandtschaft ausgestattet. Während jene älteren Naturgeister nicht nur die Luft, sondern auch die Erde bewohnten, wurden die Götter, abgesehen von der Mutter Erde, als durchweg vornehme Himmelsbewohner gedacht, die nur ausnahmsweise die Erde mit ihrem Besuch beehrten.

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Mythologie der Germanen

„Ach Mutter, höre doch auf; ich kann in meinem Sarge nicht einschlafen, mein Hemdchen ist noch immer naß von deinen Tränen!“

Mythologie ist uralte religiöse Naturpoesie, die die Menschheit mit einer zaubervollen Märchenwelt umgab. Die Mythen wurden nicht wie unsre Kinder- und Hausmärchen nur von den Kindern geglaubt oder daheim zur Unterhaltung erzählt, sondern vom ganzen Volke wie etwas Wirkliches geschaut und empfunden und in Furcht und Hoffnung heilig gehalten.

Denn sie waren aus seinem innersten Eigen geboren, geistige Spiegelbilder gewisser Naturvorgänge, sei es des engeren Menschenlebens, sei es der weiten Welt ringsum, in denen ein geheimnisvolles übermenschliches Wesen zu leben und zu weben schien. So verflochten sich bereits mit diesen ältesten traumhaften Vorstellungen jene ältesten religiösen Gefühle der Furcht und der Hoffnung und somit der Abhängigkeit von etwas Übermenschlichem. Sie trieben den Menschen dazu, diesen Phantasiegebilden Ehren zu erweisen, ihnen zu opfern, auch ihr Tun und Treiben im Kultus dramatisch darzustellen. Die daraus entsprungenen Riten wurden dann zum Teil wieder in die Erzählung des Mythus aufgenommen und gestalteten sie oft eigenartig um. Doch finden wir im germanischen Mythus kaum sichere Spuren davon. Dagegen mit der Hebung der Kultur, dem wachsenden Schwung der Phantasie, der Verfeinerung des Gemütes und der Schärfung des Verstandes flössen reichere, freiere, sinnvollere Mythen zu, welche Kulturzustände oder geistige Tätigkeiten personifizierten und eine Erklärung der mancherlei Rätsel des Lebens und der Welt zu geben suchten. Diese schwollen, mit den alten vereint, je nach Schicksal, Begabung und Richtung der Völker zu mehr oder minder breiten, trüberen oder helleren Strömen, zu ganzen Mythologieen an, bis sie teilweise in das umfassendere Gedankenmeer einer monotheistischen Religion mündeten.

Die menschliche Einbildungskraft, die Haupttriebfeder der Mythologie, vermag zwar auch das toteste, unpersönlichste Ding bis zu einem gewissen Grade vorübergehend zu beleben und zu beseelen. Aber nur eine Auslese von Dingen und Erscheinungen war imstande, sie zu eigentlich lebensfähiger, personifizierender, eindrucksvoller und allgemein anerkannter Mythenbildung aufzuregen, nämlich solche, in denen drei Eigenschaften vereinigt waren: ein geheimnisvolles, rätselhaftes und darum staunenerweckendes Äussere, ein sinnenfälliger, den Schein persönlichen Lebens tragender Formen- oder Kraftwechsel und ein starker Einfluß auf das Wohl und Wehe des Menschen. Nur diesen erkannte man die Bedeutung und Lebenskraft eines übermenschlichen Wesens zu. Solche Erscheinungen sind im Menschendasein vor allem der Tod, dann der Traum und im weiteren Welträume die Luft- und Himmelserscheinungen: das Gewitter, der Wind, der Wolkenzug, das Himmelslicht, die Tageshelle und die großen Gestirne, endlich auch die sprossende Erde.

Wer mag bestimmen, welche von den erwähnten Erscheinungen zuerst die Phantasie wie mit einer Zauberrute aus ihrem Schlummer weckte? Sie mögen in unvordenklicher Zeit gleichzeitig gewirkt haben. Aber so viel ist gewiß, daß der Anblick des Sterbens, das dem Naturmenschen ebenso unverständlich war wie das Leben selbstverständlich, und die Folgen, die der Tod für die Angehörigen der Verstorbenen hatte, gerade in der unsrer Kunde erreichbaren ältesten Zeit einen besonders wichtigen und umfangreichen Mythenkreis veranlaßt haben. Dessen hohes Alter wird auch durch den Einklang der Vorstellung nicht nur der germanischen und indogermanischen, sondern auch der niedrigsten Völker der Erde bezeugt, der auf keinem mythologischen Gebiete so überraschend genau ist wie auf diesem. Noch ein anderes auffälligeres Zeugnis für diesen alten Bestand darf man anführen, das nämlich, daß der aus diesem Gebiete entsprungende rohe und ärmliche Geister- und Gespensterglaube üppiger als irgend welcher andre Heidenglaube noch heute fortwuchert.

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Mythologie der Germanen

Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen gewesen zu sein, Los und Weissagung stand jedem freien Manne zu; nur bei Angelegenheiten, die den Staat betrafen, lagen sie in der Hand des Priesters. Im häuslichen wie im öffentlichen Leben aber waren sie mit Gebet und Opfer verbunden. Los (ahd. kluz, got. hlauts) ist das, mit dessen Hilfe geweissagt wird, -das Opferblut; Losen (ahd. hliozan) bedeutet aus Zeichen oder durch Werfen bezeichneter Gegenstände und deren Fallen weissagen oder bestimmen, und dann überhaupt das Schicksal befragen.

Tacitus beschreibt das Verfahren beim Losen folgendermaßen (Germ. 10): „ Man zerlegt die Zweige eines -fruchttragenden Baumes (Erle und Buche mit ihren Eckern, Hasel, Hollunder und Wachholder) in kleine Stäbchen, die durch getvisse Zeichen unterschieden sind und streut sie aufs Geratewohl und wie es der Zufall fügt, über ein weißes Laken. Alsdann nimmt, wenn in öffentlicher Angelegenheit das Los beß’agt wei’dcn soll, der Ewart der Gemeinde, wenn in häuslicher, bloß das Haupt der Familie nach einem Gebet an die Götter*, den Blick gegen Himmel gelichtet, dreimal je ein Stäbchen auf und deutet aus den vorher eingeschnittenen Zeichen nach den Hegeln der Weissagekunst und infolge übernatürlicher Eingebung den durch die Lose ausgespi’ochenen göttlichen Willen. Wenn die Zeichen dawider sind, so findet über dieselbe Sache ßir denselben Tag keine Befragung mehr statt: gestatten sie es aber, so ist noch die Bestätigung durch Götterzeichen erforderlich“.

Obwohl Tacitus dies Verfahren leicht nennt und sich redlich Mühe gibt, es in leichtem Ton auseinander zu setzen, bleiben doch zwei Punkte unklar: 1. lautete die Antwort Ja und Nein, oder gab sie einen förmlichen Orakelspruch? 2. wie waren die eingeritzten Zeichen beschaffen?

Die Antwort der germanischen Frauen im Heere des Ariovist, daß ein Sieg vor Neumond wider den Willen der Götter sei (Cäs. 150), setzt unbedingt einen eigentlichen Spruch voraus. Nach einem ags. Gedichte sendet der Herzog Ascanius nach denen über Land, die sich auf das Teufelswesen verstehen, um zu erfahren, ob das zu erwartende Kind ein Knabe oder Mädchen sei. Sie werfen ihre Lose und finden an der Kraft des unheilvollen Liedes, daß ein Knabe zur Welt kommen werde (Layamons Brut). Hier kann an ein einfaches Ja oder Nein gedacht werden. Bei Cäsar wie bei Tacitus kehrt die Dreizahl wieder: dreimal wird über den ProciJlus das Los geworfen, ob er sogleich verbrannt werden oder einstweilen am Leben bleiben sollte: hier wurde nur Ja oder Nein erwartet (Cäsar, b. g. 158), und je dreimal wirft König Radbod über den gefangenen Willibrord und seine Genossen an drei Tagen hintereinander das Los: es ward für jeden einzelnen dreimal täglich die Frage auf Ja oder Nein gestellt, und nur einmal entschied das Los ungünstig (V. Willibr. 12; S. 366). An dieses dreifache Verfahren ist aber bei Tacitus nicht zu denken; er sagt nicht, daß aus der hingeworfenen Menge der Stäbchen nur einige aufgegriffen und ausgelegt wurden., sondern soviele Stäbchen wurden bei der Losung gebraucht, wie Zeichen vorhanden waren, und jedes Zeichen hatte eine bestimmte Form und Gestalt. Unvollkommen sind die Orakel, bei denen es nur auf ein Ja oder Nein hinausläuft, reichen Aufschluß aber boten die drei gezogenen Stäbe. Jedem Stabe wurden zwei oder drei Worte mit dem Anlaute des Stabes gesucht, dessen Zeichen er enthielt; auf alle Worte mit gleichem Anlaute konnte das Zeichen gedeutet werden. Der Orakelspruch war somit ein alliterierender Vers, zu dem die Stabreime durch das Los gesucht wurden. Die Zusammenstellung, die sich durch den Zufall ergab, und ihre Ausdeutung wurde als Erklärung des göttlichen Willens angesehen. Denn der alten Zeit galt, was Schiller seinem Wallenstein in den Mund legt:

Es gibt keinen Zufall,

Und was uns blindes Ungefähr nur dünkt.

Gerade das steigt aus den tiefsten Quellen.

Der stehende Ausdruck für die Befragung der Götter durch das Los war rünö (gr. eqe^o), an. reyna prüfen, erforschen, raun Versuch). Dann verstand man unter Runen die geheimnisvollen, der Deutung bedürftigen Zeichen (notae, Tacitus), durch die die göttliche Antwort erfolgte. Die Rune bezeiclmet das „Geheimnis des Dinges“, das eigentliche Wesen, nach einem feinsinnigen Worte das etwa, was Kant „das Ding an sich“ nennt. Jegliches Ding und jeglicher Mensch hat seine Rune; wer sich ihrer bemächtigt, hat das Ding selbst in Besitz, den Menschen selbst in der Hand. Da endlich das Orakel in Versen abgefaßt war, heißt rüna auch Zauberlied, und aus der Bedeutung „Geheimnis“ (ahd. rünen = raunen, heimlich flüstern) ergibt sich, daß das Zauberlied geflüstert wurde. Das Stäbchen, worauf die Zeichen standen, hieß got. tains, an. teinn, afries. t§n, ags. tan, ahd. mhd. zein, mittelniederl. teen.

Neben dieser eigentlich divinatorischen Losung, deren Zweck eine Entscheidung durch Ja oder Nein, oder durch einen ganzen Orakelspruch war, gab es noch eine andere, die Tacitus nicht erwähnt. Die Losung vermittels des Stäbchens (zein) dient auch zur Feststellung einer oder mehrerer Personen aus einer größeren Menge, z. B. zur Entdeckung eines Verbrechers, Bestimmung eines Opfers. Das Los entschied über Schuld und Unschuld eines Angeklagten, wie über Mein und Dein. Auch hierbei gab es zwei verschiedene Arten der Auslosung. Entweder zeichne e jeder seinen Losstab mit einem Zeichen, nach Art der Hausmarken, deren sich der norddeutsche und nordische Landmann zur Bezeichnung seines Eigentums an Tieren und Geräten noch heute bedient, und mit denen die Merkzeichen der Steinmetzen, Künstler und Kaufleute Zusammenhängen; dann entschied das zuerst gezogene oder zuletzt übrig bleibende Los. Oder die Zahl der Stäbe entsprach der Menge der Personen, aus denen einer oder mehrere herausgelesen werden sollten, und ein Stab darunter oder mehrere waren mit einem entscheidenden Zeichen versehen. Den ersten Fall erläutert folgendes Beispiel:

In dem friesischen Rechtsbuche, das unter Pippin verfaßt wurde, ist ein durchaus heidnisches Verfahren aufgezeichnet, das ganz äußerlich auf christliche Verhältnisse übertragen ist. War bei einem Auflauf ein Mensch getötet und der Täter nicht zu ermitteln, so sollten durch den Kläger sieben der Mordes angeklagt werden, und jeder von den sieben konnte sich mit zwölf Eideshelfern freischwören. Darauf wurden sie in die Kirche geführt, zwei Stäbchen geschnitten, von denen das eine mit dem Zeichen des Kreuzes versehen, das andere unbezeichnet war, und diese, mit weißer Wolle umwickelt, auf den Altar oder die Reliquien gelegt. Der Priester, und, war dieser nicht zugegen, ein unschuldiger Knabe, hob nach einem Gebete oins von den Losen auf: das mit dem Kreuz bezeichnete sprach den Angeklagten frei; kam aber das andere heraus, so wurden sieben neue Lose geschnitten, und jeder Beschuldigte ritzte in ein solches seine Marke, so daß er und die Umstehenden erkennen konnten, daß es sein Stäbchen war. Die sieben Stäbchen wurden nach demselben Brauch umwickelt, vom Knaben sechs Lose nacheinander anfgehoben und jedem das zugestellt, das er als das seine erkannte: das zuletzt übrig gebliebene bezeichnete den Schuldigen und verurteilte ihn zur Zahlung des Wergeides.

Das andere Verfahren müssen die Sachsen beobachtet haben.

Wenn sie nach einem Raubzuge in Gallien beutebeladen und mit ihren Gefangenen wieder zu Schiffe gingen, brachten sie zuvor aus diesen jeden zehnten den Göttern zum Opfer dar und ließen dabei das Los entscheiden. Sie versahen unter einer der Menge der Gefangenen entsprechenden Anzahl von Losen je das zehnte mit dem Todeszeichen und ließen dann alle nacheinander, so wie die Gefangenen einzeln vorgeführt wurden, unter Anrufung und Beschwörung der Götter und anderen Weihegebräuchen durch einen Priester aufnehmen (S. 222). Auf dieselbe Weise wurden auch die friesischen Knaben zum Opfer ausgelost, die der heilige Wulfram errettete (S. 367).

Im altonglischen Andreas heißt es (V. 1097 ff.):

„Da war alles bei einander, hei der Thingstätte, das Volk versammelt; sie ließen da unter ihnen einen Zweig anzeigen, den, welcher von ihnen zuerst dem andern sollte als Speisung mit dem Leben entgelten; sie losten mit den Kräften der Hölle, unter heidnischem Gottesdienste zählten sie (nämlich die Losstäbchen). Da wandte sich der Zweig gerade auf einen Altgefährten.“

Es findet zwar nicht das bei Tacitus geschilderte Verfahren statt, aber es handelt sich ebenfalls um ein Losorakel; vermutlich zieht sich jeder sein Stäbchen selbst, und wer das mit der Todesrune bezeichnete zieht, muß sterben.

„Der Zein ging über ihn“, war gewiß die alte Formel, die von dem durch das Los gewiesenen Opfer galt. Die Rune, die das bestimmte Todeszeichen gab, war vermutlich das Zeichen des Kriegs- mid Todesgottes Tius:  das einen Speer oder Pfeil vorstellt.

In dem friesischen und altgermanischen Gebrauche kehrt wie bei Tacitus das Gebet an die Götter wieder; die Erzählung vom Herzog Askanius aber bezeugt ausdrücklich die Anwendung von Zauberliedern bei der Losung (S. 388). Weissagung und Zauber stehen mit dem Opferwesen im nächsten Zusammenhänge. Die Opferschau setzt regelmäßig die Losung voraus. Aus dem im Opferbecken aufgefangenen Blute weissagten die greisen Frauen der Kimbern. Die Alemannen legten 354 die bereits gegen Konstantin erhobenen Waffen nieder, sei es, daß ihre Wahrsager nicht einig waren oder daß sonst die Autorität ihrer Opfer sie daran hinderte, sich auf eine Schlacht eiuzulasseu (Ammian. Marc. 14,0,9). Obwohl die Franken 539 bereits Christen waren, behielten sie doch viele ihrer heidnischen Gebräuche bei, wie Menschenopfer und andere abscheuliche Opfer, die sie zwecks ihrer Orakel anstellten (Konzil von Orleans 511; Procop. b. g. 2„). „Hast du, sagt Abt Regino, Schwarzkünstler oder Zeichendeuter oder Zauberer oder Loser um Rat gefragt, so sollst du drei Jahre Buße tun“. Als Bonifatius 722 zu den Hessen kam, opferten diese heimlich Bäumen und Quellen, andere taten es ganz offen; einige wiederum betrieben teils offen teils im Geheimen Seherei und Losungen, Wunder und Zauberformeln; andere dagegen beobachteten Zeichen und Vogelflug und pflegten die verschiedensten Opfergebräuche (Wiiibaldi V. Bonif. 6). Diese Aufzählung läßt die ursprüngliche Vereinigung aller dieser Geschäfte beim heidnischen Opfer erkennen. Auch die Alemannen, die Gallus bekehrte, verehrten die Götzenbilder mit Opfern, beobachteten Zeichen und Losungen und befolgten viele abergläubische Gebräuche (V. Galli). Nr. 14 des Indiculus handelt von der Weissagung im allgemeinen und von deren vorzüglichsten Art, dem Loswerfen (de divinis et sortilegis).

Die Losung war demnach noch später die gewöhnlichste Art der Weissagung, wie schon zur Zeit Cäsars und Tacitus. Wie aber waren die Kennzeichen beschaffen, die nach Tacitus auf die Buchenstäbe geritzt wrnrden und zur Weissagung dienten? wraren sie Buchstaben? kannten die Germanen schon eine Schrift? Die Worte des Tacitus (Germ. 19) „geheime Liebesbriefe sind Männern wde Frauen gleich unbekannt“, können sich nur auf den Abgang heimlichen Briefwechsels

unter den beiden Geschlechtern beziehen; über die Frage, ob die Deutschen die Buchstabenschrift gekannt haben, ergibt sich nichts daraus. Ebensowenig ergibt sich aus der Nachricht, daß Marbod einen Brief an Tiberius, und der Chattenfürst Adgandester an den röm. Senat einen solchen geschrieben habe (Ann. 2es, 88); denn sie werden lateinisch geschrieben haben. Aber der Name der einen weisen Frau, den Tacitus überliefert hat, Albrüna, „die den Elfenzauber Kennende“ ist ein entscheidendes Zeugnis für das Alter der Runen. Seit alter Zeit ferner wird runa in Namen von Frauen angewendet, die dadurch als im Besitze höherer Weisheit befindlich gekennzeichnet werden sollen. Wenn mithin Cäsar und Tacitus als das gewöhnlichste Mittel, den Willen der Götter zu erfragen, die Losung kennen, müssen seit ältester Zeit dabei Runen gebraucht sein.

Zur Beantwortung der Frage, ob Buchstaben oder nur geheime mystische Zeichen in Anwendung kamen, ist es nötig, sich die vermutliche Entstehung der ursprünglichsten und einfachsten Losrunen klar zu machen. Nicht der Mensch schaffte sie sich in der Urzeit, sondern der Gott bot sie ihm als Frucht des Baumes. Zweiglein von bestimmter Form sind die ältesten Runen. Späterhin wurden sie nachgeahmt, indem der Priester eine Rute in mehrere Zeine zerlegte; ursprünglich aber mußte man sie finden. Bei der Weissagung für das Volk können sie dann unverändert geschüttelt und gedeutet werden; bei zauberischer Anwendung auf bestimmte Personen mußte der Hauptstab mit persönlichen, bestimmten Kennzeichen belebt werden. Zu dieser Auffassung paßt das Zeugnis der runischen Technik: ein Grundstrich oder ein oder zwei Schrägstriche von halber Länge machen die Runen aus; ein Winkel aus zwei Halbstrichen ersetzt den Bogen. Eben diese einfachen Figuren entstehen, wenn die Reiser auf den Boden fallen oder auf dem Tuche geschüttelt werden (Germ. 10): Stäbchen und Winkel.

Am Ende des 2. oder Anfang des 3. Jhds., vielleicht auch noch früher, ist über das Gesamtgebiet der Germanen ein runische8 Alphabet verbreitet, das aus 24 Teilen besteht,

und das man nach den ersten sechs Buchstaben als Fupark bezeichnet. Dieses germanische, historische Alphabet sah folgendermaßen aus:

Daß das lat. Alphabet die Quelle dieses Runenalphabets ist, zeigen Gleichungen wie = lat. F; ^=lat. R; = lat C; = lat. H; = lat. S. Die Anordnung ist aber offenbar ohne Kenntnis des lat. und griech. Alphabetes zustande gekommen. Die Runen, die aus lat. Buchstaben nicht abgeleitet werden können, müssen auf eine ältere Runenschrift zurückgeführt werden; zu ihr gehören etwa die Zeichen für p, n, w, p, ng, o und die dreizehnte Rune. Da sich die Rune O) Ing auf den Stammvater der Ingwäonen bezieht, wird ihr Name bei den ingv. Stämmen an der Ostseeküste aufgekommen und dieses urgermanische Ruuen-alphabet im deutschen Flachlande in der Nähe des Meeres erfunden sein. Die germ. Runen des 2. und 3. Jlids. sind also z. T. nur die Fortsetzung der urgerra. Runen, aber vermehrt durch Nachbildungen von römischen Schriftzeichen. Alte, noch lebensfähige Glieder des früheren Systems wurden in das neue anfgenommen, und diese Erfindung eroberte danu in raschem Siegeszuge das gesamte vielgeteilte Volk der Germanen. Dürfen wir also mit größter Wahrscheinlichkeit für die Zeit des Tacitus die Kenntnis der Runen voraussetzen, dann ist auch der Gedanke nicht völlig abzuweisen, daß die vermeintlich griechischen Buchstaben auf den Grabdenkmälern Vorrunen gewesen seien (Germ. 3). Indes müssen wir mit dem kritischen Römer wiederholen: „nach seiner Neigung mag ein jeder deu Glauben verweigern oder gewähren“.

Runen wurden ursprünglich nicht „gemalt“ (malen setzt schon Tinte und Pergament voraus) oder „geschrieben“ (lat. scribere), sondern „eingeritzt“. Das lehrt der altgermanische Ausdruck für „Schreiben“, dessen erste Anwendung die auf die Runenschrift ist, as. ags. writan, engl, to write, ahd. rizzan, got. vreitan. an. rita, ritzen, reißen (Reißbrett, Reißzeug, Riß, Grundriß, Abriß eines Baues). Auch der Ursprung des Wortes „Buchstabe“ geht in die älteste Zeit zurück: ahd. buohstab, ags. b» ktäf, an. bökstafr. Buchstabe gehört zu Buche, und wenn Tacitus (Germ. 10) von einem fruchttragenden Baume überhaupt spricht, so mag aus irgend einem Grunde die Buche den Vorzug gehabt haben. Auch sie trägt ja Früchte, die Bucheckern waren in alter Zeit sehr geschätzt. Vom Brauch der Losrunen gehen auch die drei germanischen Bezeichnungen für „Lesen“ aus: ahd. as. afries. lesan, an. lesa; ags. nedan, engl, to read; got. siggvan. Die deutsch-nordische Bezeichnung hält sich an das Auslesen und Aufnehmen der Runenstäbe, die englische an das Raten und Deuten; die gotische (siggvan) meint den feierlichen Vortrag des Orakelspruches, des Liedes, das den Runenzauber umschreibt. Erst durch den Spruch, der über sie gesprochen, empfingen die Zauberinnen ihre Kraft. Bei der Losung sollte der Zufall die Stäbe geben eines von den Göttern im Gebet oder „an der Kraft eines unheilvollen Liedes“ (S. 389) erflehten Ausspruches. Jedem Stabe wurden zwei oder drei Worte gesucht mit dem Anlaute, dessen Zeichen er enthielt. Diese Worte bildeten die Säulen, über denen das Versgebäude sich erhob. Runen und Vers hängen so eng zusammen, daß der Kundige aus den Runen den Vers selbst bilden konnte. Der Runenstab ward gesprochen oder gesungen zum Versstab. Poetische Begabung und Tätigkeit war also bei der Auslegung erforderlich. Das Gebet und die Deutuug dessen, der die Lose wTarf, fand in gestabten Worten statt, und die Ratschläge und Antworten der Veleda können gar nicht anders wie gestabt gedacht werden. Sie wurden mit pathetischer Stimme in halbsingendem Tone langsam und feierlich gesprochen, und die Stimme wurde dem Geheimnisvollen und Wunderbaren der Situation entsprechend gedämpft.

Über die andere Art und Weise, die Zukunft zu erforschen, über die Götterzeichen und Prophezeiungen sind wir besser unterrichtet als Tacitus. Er fährt fort (Germ. 10): „Der Vögel Stimmen und Flug zu befragen ist auch den Deutschen bekannt; aber eigentümlich ist es ihnen, auch der Bosse ahnendes Wiehern und Mahnungen auszuforschen. Sie werden von der Gemeinde in Waldtriflen und Hainen gehalten, ganz weiß und von keiner irdischen Dienstleistung entweiht. Sie werden an den heiligen Wagen gespannt; und der Priester und der König oder der angesehenste Mann des Stammes begleitet sie und beobachtet ihr Wiehern, Schnauben und Stampfen. Und keinem Vorzeichen wird größerer Glauben beigemessen, nicht nur beim Volke, sondern auch bei den Vornehmen; denn die Priester halten sie nur für Diener (Werkzeuge) der Götter, die nicht eingeweiht sind in deren geheimnisvollen Willen, die heiligen Pferde aber für Vertraute.u Die dritte Art der Götterzeichen, die sich auf die Erforschung des Kriegsglückes beschränkt (Germ. 10 a. E.), ist bereits besprochen (S. 371).

Tacitus spricht nur von den Vorzeichen, die in Verbindung mit den Kultgebräuchen von solchen Leuten beobachtet und erbeten werden, die sich berufsmäßig damit beschäftigen. Aber diese Götterzeichen greifen im Unterschiede zum Losen, das Sache des Priesters oder Hausvaters ist, in alle Verhältnisse des Lebens ein, und ihr Befragen war jedermann möglich. Durch die zauberhaften symbolischen Handlungen, die auf dem Boden des Seelenglaubens erwachsen sind, suchte der Mensch von den Geistern gleichfalls eineu Einblick in die Zukunft zu erlangen, aber es war ein Zwang, den man auf sie ausübte, so daß sie das Geschick offenbaren mußten. Bei den Vorzeichen im Götterdienst aber zog die Gottheit freiwillig für einen Augenblick den Schleier vor dem Unbekannten fort und deutete das bevorstehende Verhängnis an, abwehrend oder anspomend. Man muß zwischen gesuchten, von der Gottheit erflehten Vorzeichen unterscheiden, und zwischen solchen, auf die der Mensch zufällig und wider Erwarten stößt; die ersteren werden mehr größere Verbände, die letzteren mehr den einzelnen beschäftigt haben.

Der Indiculns verbietet das abergläubische Beobachten von Vorzeichen, die am Herde oder bei Beginn eines Unternehmens angestellt werden (Nr. 17 de observatione pagana in foco vel in inchoatione rei alicuius). Der Flamme und dem Rauch auf dem Herde schrieb man heilende, schützende Kraft zu, aus der Farbe und Richtung des Notfeuers und der anderen Opferfeuer zog man Schlüsse für Witterung, Fruchtbarkeit und Gedeihen von Mensch und Vieh (S. 195, 358, 361). Frauen stiegen aufs Dach und weissagten daselbst aus einem brennenden Holzscheite (Pirmin, Burchard). Jede Begegnung, nicht bloß von Vögeln und Tieren, wurde für bedeutungsvoll angesehen, unwillkürliche Handlungen, wie Straucheln und Niesen (Indic. Nr. 13), Tages- und Mondzeiten, einzelne Wochen-, Monats- und Jahrestage wurden beobachtet. Träume zu bestimmter Zeit galten als Boten der Götter, deren Willen man zu befolgen hatte. Wolf und Bär hatten guten Angang, d. h. ihre Begegnung war von glücklicher Vorbedeutung, Hasen und Elstern hatten üblen Angang. Allgemein gelten Kometen als Vorboten von Landesunglück, Krieg, Pest und Teuerung. Noch heute achtet man auf die verschiedensten Wahrzeichen aus der Himmelswelt, von Tieren und Pflanzen, Menschen und dem Hause, dem Familien- und Geschäftsleben. Alle diese Zeichen finden sich auch bei den entlegensten Völkerstämmen und beruhen auf uralter Überlieferung. In die ferne Vorzeit, weit über Tacitus hinaus, reichen die Augurien und Losungen, die sich an die Quellen und die Gewässer überhaupt knüpften (S. 142). Die Quellen Weissagungen waren mannigfacher Art. Die Bewegungen der Wellen, die Töne, die man zu hören glaubte, der hohe oder niedere Wasserstand, das Aussetzen des Zuflusses der Quellen auf kürzere oder längere Zeit in den zahlreichen sogenannten Hungerquellen (D. S. Nr. 102, 103, 104), dann die eigentliche Losung durch Pflanzen, Kränze, Stäbe, Steine und andere Dinge boten viele Mittel, um den Ausgang wichtiger Sachen, Lebensdauer, Zeit der Verheiratung oder sonstiger Ereignisse zu erkunden (D. S. Nr. 104, 111). Uralt sind auch die Weissagungen aus dem Speer- und Hammerwurf, aus dem Opfer dem Opferfeuer, der Witterung beim Opfer, mit Hilfe von Opferresten (die zauberkrätftige Rindshaut; S. 362).

Es mag genügen, auf einige Belege des 8. Jhds. hinzuweisen. Es wird als heidnisch verboten, der Begegnung eines Mönches oder dem Aufbruche vor Hahnenschrei Unheil zuzuschreiben; die Tagwählerei und Beobachtung der Mondphasen für verschiedene Unternehmungen, wie bei Antritt einer Reise, bei der Bestellung des Ackers, besonders am Neujahrstage ist heidnischer Aberglaube (Homilia de sacrilegiis § 11—13, Burch. v. Worms. 1992. 137).

Die Weissagung aus der Stimme oder aus dem Fluge der Vögel, dem Schnauben und Wiehern der Rosse, die Tacitus erwähnt, verbietet der Indiculus (Nr. 13: de auguriis vel avium vel equorum vel bovtitn stercora [Rinderkot] vel sternutationes [Niesen]). Weniger aus der Richtung des Vogel-fluges als aus dem Vogelgeschrei, ja wohl aus dem Schall und den Tönen überhaupt, die der an einsamem Orte Beobachtende wahrnahm, entnahm man das Orakel. Das Befragen des Fluges der Vögel bei Tacitus ist mehr von dem Erscheinen gewisser Vögel zu verstehen, das wie der Angang der Tiere überhaupt, Heil oder Unheil verkündete. Ahd. fogilrartöd = Vogelrede, Vogelstimme (got. razda Stimme) steht für augurium und auspicium.

Eine wenig bekannte Erzählung bietet Josephus (Jüdische Altertümer 18fl—7): Agrippa, ein jüdischer Prinz aus dem Fürstenhause de9 Herodes, war wegen einer unvorsichtigen Äußerung in einer Villa bei Tusculum in Ketten gelegt. Als er, mitten unter vielen Gefesselten, in tiefer Niedergeschlagenheit sich an einen Baum vor dem Palaste lehnte, setzte sich ein^ Uhu darauf, und ein Germane, der dies bemerkte, fragte, wer der jm Purpurkleide wäre, trat dann dicht vor Agrippa hin und sagte: ,Bei den Göttern meiner Heimat beschwöre ich dich, glaube meinen Worten. Ich halte es lür recht und billig dir, auch mit eigener Gefahr, zu enthüllen, welche Zukunft dir die Götter offenbaren. In kurzem wirst du aus diesen Ketten befreit weiden und zu der höchsten Höhe der Ehre und Macht einpoi steigen. Wenn du aber diesen Vogel wieder erblickst, wird binnen fünf Tagen dein Ende kommen. So wird es geschehen, denn so verkündet es die Gottheit, die dir diesen Vogel gesandt hat.“ Durch diese Prophezeiung erschien der Germane dem Agrippa damals so lächerlich, wie er sich in dem späteren Verlaufe bewunderungswürdig erwies. Denn Caligula befreite ihn bei seinem Regierungsantritt und erhob ihn zur Königswürde. — Hermigisel, König der Warner, erblickte über Feld reitend einen Vogel (einen Raben oder eine Krähe) auf einem Baume und hörte sein Krähen. Auf Vogelsang sich verstehend, sagte der König zu seinem Gefolge, es werde ihm sein Tod nach 40 Tagen geweissagt (Procop. b. g. 4J0; vgl. Jord. 42 = D. S. Nr. 381), „Wer Sperlinge und gewisse Vögel oder das Gebell von Hunden beachtet, ist kein Christ, sondern ein Heide* (Homilia de sacrilegiis § 9). Auf unheilkündenden Angang der Krähe zu achten, verbietet im 11» Jhd. Burchard von Worms.

Das zweite Vorzeichen, das der Indieul us gleichfalls hat, ist nach Tacitus das wichstigste unserer Vorfahren und wird noch im 9. Jhd. erwähnt (Rud. y. Fulda, Translatio S. Alexandri). Kriegern galt das Wiehern als ein Vorzeichen des Sieges, und wenn sich die Rosse ihrer freudigen, mutweckenden Stimme enthielten, der Niederlage. Da man die Entscheidung der Gottheit selbst überließ, welches Stück sie sich aus der Herde aussuchen wollte, liegt die Annahme nahe, daß man auch die Rosse gehen ließ, wohin sie wollten. Die Beobachtung der von ihnen einschlagenen Richtung war für die Weissagung nhtbestimmend, darum gingen Priester und Fürst nur nebenher, ohne den Wagen zu lenken, und darum heißen die heiligen Pferde Mitwisser der Götter (Germ. 10). Vielleicht ist ein gleiches Verfahren auch für die Kühe zu vermuten, die den heiligen Wagen der Nerthus zogen, und auch hier heißt es vom Priester nur, daß er die Göttin begleitet (Germ, 40).

Der dritte Punkt des Indiculus (Nr. 13: bovum stercora) ist unklar. Wir wissen zwar, daß die Rinder Verehrung genossen, daß Kühe vor den Nerthuswagen geschirrt wurden, und daß die Kimbern über einem ehernen Stiere schwureu, aber Kot der Rinder dient im späteren Aberglauben mehr zur Abwehr von Zauber als zum Entnehmen von Vorzeichen.

Aus dem Gehirne von Tieren zu weissagen, verbietet endlich No. 16 des Indiculus (de cerebro animalium). Die greisen Frauen der Kimbern weissagteu aus dem Blute der geschlachteten Kriegsgefangenen. Gregor I. verbietet den Franken, Götzenopfer, in Tierköpfen bestehend, den Göttern darzubringen (Ep. 9n, 75). Wie die Köpfe von Tieren und Menschen, so spielt auch das Gehirn bei Opfer und Weissagung eine große Bolle. Im Gehirne, wie im Blute sah das Altertum den Sitz des Lebens.

„Es gibt nur eine Art der Weissagung“, sagt Anzengruber (Der Schandfleck, Ges. Werke II, 103), »und diese erfüllt die Menschen mit Scheu vor den Sehern und mit Vorliebe für die Gaukler; denn es ist nicht die Kunst, aus dem Fluge der Vögel, den Eingeweiden der Opfertiere, den Kartenblättern oder dem Kaffeesatz — es ist die Kunst, aus den eigenen und fremden Sünden das Kommende vorherzusagen, welche sich bis zum heutigen Tag an Staaten, Völkern und Fürsten erprobt, und deren furchtbare Folgerichtigkeit in Stunden stiller Einkehr bei sich selbst auch den einzelnen Menschen durchschauert.“

Text aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (1906), Author: Paul Herrmann.

Siehe auch:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
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