Die protestantischen Fürsten waren auf ihren Vorteil bedacht und in ihrem Bunde, der „Union“ (Vereinigung), untereinander uneinig und unzuverlässig. Auch in den lutherischen Gebieten wütete der Hexenwahn und lohten die Scheiterhaufen. Die Nachfolger Luthers, die Prediger, verloren sich in unfruchtbarem Glaubensstreit, Kampf gegen den Bruder auf der Nachbarkanzel, Lutherische gegen Lutherische, Reformierte gegen Reformierte, Lutherische gegen Reformierte und umgekehrt. Kampf aller gegen alle! So sah die Kirche Luthers aus, gegen die die gewaltige, geschlossene Macht der Gegenreformation angetreten war.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.
Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde.

Deutsche Geschichte

Staat und Kirche verfallen.
Das Reich verfällt.
Die kaiserlose Zeit.

1254. Als die Hohenstaufer dahingesunken waren, begann für Deutschland eine schreckliche Zeit. Niemand drängte sich, deutscher Kaiser zu werden. Fürsten und Ritter waren die Herren im Lande. Unter den letzten Staufern waren sie unabhängig geworden und hatten sich an ein eigensüchtiges Leben gewöhnt.

„Kleider aus und Kleider an,
Essen, Trinken, Schlafen gähn,
ist die Arbeit, so die Herren han!“

spottete der Volksmund. Ständig lagen sie miteinander in Fehde und brandschatzten dabei gegenseitig ihre Bauern. Besonders lockte sie der Reichtum der Städte. Sie wurden Wegelagerer, Raubritter. „Reiten und Rauben ist keine Schand“, das tun die Besten im Land!“ war ihre Entschuldigung, Die Fürsten gingen ähnlich vor, indem sie an den unzähligen Landesgrenzen hohe Zölle erpreßten. „Wann wird der Retter kommen diesem Lande!“ klagten Bürger und Bauern.

Rudolf I. begründet die Macht der Habsburger.

Wer sollte helfen ? Vielleicht Ottokar, der mächtige Herzog von Böhmen? Viel deutsches Blut war in seinen Adern, und die Deutschen Böhmens besaßen in ihm einen starken Freund. Auch die Lande der Babenberger waren in seine Hand gekommen. Aber Ottokar war dem Papst und den deutschen Fürsten zu mächtig. Darum wählten sie den kleinen, unbedeutenden Schweizer Grafen Rudolf von Habsburg und hofften, daß er sie wenig in ihrem Treiben stören würde. Doch sie hatten sich getäuscht. Mit großer Tatkraft ging Rudolf zuerst dem Raubritterunwesen zu Leibe. Er brach die Raubnester und hängte viele der „edlen Herren“ in Schwaben und Thüringen an Bäumen auf. So kehrten Ruhe und Ordnung allmählich wieder.

Ottokar jedoch hatte Rudolf nicht anerkannt. Er wurde geächtet und auf 1278 dem Marchfelde geschlagen. Im Kampfe verlor er sein Leben. Ottokars Sohn behielt nur Böhmen und Mähren; Österreich. Steiermark, Kärnten und Krain nahm Rudolf für sein Haus in Besitz. Damit legte er den Grund zu der habsburgischen Hausmacht, aus der später die Großmacht Österreich hervorging.

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Deutsche Geschichte


Während meines fast sechsjährigen Aufenthaltes auf der Südsee-Insel Neu-Guinea und dem zugehörigen Bismarck-Archipel habe ich wiederholt Gelegenheit gehabt, teils aus eigner Anschauung, teils aus Schilderungen meines schwarzen Hauspersonals, die verschiedenen Bestattungsgebräuche der einzelnen Stämme kennen zu lernen.

Es würde an dieser Stelle für den beschränkten Raum zu weit führen, auf die sämtlichen, gänzlich von einander abweichenden, oft unglaublich komplizierten Zeremonien auch nur in kurzen Umrissen einzugehen; in alle aber lässt sich auch ohne den grossen Apparat der ethnologischen Analyse ein symbolischer Sinn hineinlegen, der bei den Gebräuchen einzelner Stämme unverkennbar in die Erscheinung tritt. Ich will mich darauf beschränken, eine Totenfeier der Salomons-Insulaner ausführlich zu schildern, die ohne Zweifel erkennen lässt, dass zwischen den Gebräuchen dieser Wilden und denen der Kulturvölker eine gewisse Aehnlichkeit besteht.

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Kolonie und Heimat

Obgleich uns kaum ein anderer Satz so vernünftig und einleuchtend erscheint wie die Behauptung, daß alles was geschieht seine wohlbegründete Ursache habe, so fällt es doch in jedem einzelnen Falle außerordentlich schwer, Ursache und Wirkung voneinander zu scheiden. Das gilt für das ganze Gebiet der menschlichen Forschung, und es gilt ganz besonders für die Fragen geschichtlicher Art. Sollen wir die tiefe Religiosität des mittelalterlichen Menschen als eine Folge seiner gesamten naiven Welteinstellung ansehen, oder sollen wir umgekehrt seine begrenzte und kindliche Auffassung von den Dingen des Diesseits und des Jenseits als eine Folge seiner Religiosität betrachten? Man sieht, Ursache und Wirkung gehen ineinander verschwommen über, ja erscheinen geradezu als ein einziger Komplex.

Die abendländische Menschheit hatte vor dem Ausbruch der Reformation einen eigenartigen Zustand der Sättigung mit Religiosität erreicht, der notwendig zu einer innern Abkehr führen mußte. Am stärksten trat diese Erscheinung in Italien hervor. Dieses Land war zwar gleich den deutschen Ländern jenseits der Alpen in zahllose kleine Staaten zerfallen, aber es befand sich in einem ungleich höheren kulturellen Zustand. Mit Recht nannte Luther das päpstliche Rom ein Sündenbabel. Es mochte richtig sein, was zeitgenössische Schriftsteller melden: je näher man nach Rom kam, um so weniger fromm wurden die Leute! Italien hatte den Höhepunkt jenes großartigen und merkwürdigen Aufschwungs, der als Renaissance bezeichnet wird, um 1500 bereits hinter sich. Die Stimmung der höheren und mittleren Stände — vom Bauern wissen wir freilich nichts — gegenüber der christlichen Kirche bestand, wenn wir Jacob Burckhardt Glauben schenken dürfen, „aus einem tiefen Unwillen, gemischt mit Verachtung und einer gewissen äußern Anpassung an die Kirche“, da diese auf so vielerlei Weise mit dem äußern Leben verflochten war. Man hielt sich an Taufe und Beichte, an den sonntäglichen Gottesdienst und an die kirchliche Trauung, Aber man nahm diese Dinge nicht sehr ernst. Bekannt ist auch das oft schauerlich verbrecherische Leben der fürstlichen Stände Sn den vielen kleinen und kleinsten Residenzen des unglücklichen Landes, und man weiß, wie gänzlich ohne jeden Einfluß im Sinne einer Milderung der Sitten oder Verringerung der politischen Gegensätze in dieser ganzen Epoche die Kirche blieb. Das ist um so weniger verwunderlich, als ja viele Päpste selbst ein ausschweifendes und verbrecherisches Leben führten und die allerwenigsten von ihnen den Anspruch auf wirkliche Frömmigkeit erheben konnten.

Read More Das erwachende Europa in der Zeit vor Galilei.

Galileo Galilei