Schlagwort: Schlusswort

Ich habe die Indianer, die ich im Chaco kennen gelernt habe, hier zu schildern gesucht. Wir sind zum Schluß bis an die Grenze des Unbekannten gekommen, dessen Geheimnisse noch niemand erforscht hat. Ein großes Gebiet im Chaco ist den Weißen vollständig unbekannt, ein noch größeres ist noch niemals von einem Forscher besucht worden.

Es ist ein gefährliches Gebiet, nicht so sehr der feindlichen Indianer wegen, die man dort wahrscheinlich antrifft, sondern infolge des Wassermangels. Mit Hilfe der Indianer könnte man dort vorwärts kommen, ohne sie kann man die Wasserstellen nicht finden. Im vorhergehenden habe ich gesagt, daß man im Chaco Reste sehr primitiver Stämme finden muß, denn es ist der natürliche Zufluchtsort für diejenigen, die in den Kämpfen um die Flüsse und um die Gegemden, wo die Forderungen des Magens leicht zu befriedigen sind, besiegt worden sind. Die hier geschilderten Stämme hätte ich gern viel besser kennen gelernt. Über die religiösen Vorstellungen der Chorotis und Ashluslays wissen wir beinahe nichts. Nur einige der hier mitgeteilten Sagen habe ich in der Originalsprache auf-gezeichnet. Auch die Individualpsychologie lockt mich. Es dürfte dem Leser deshalb nicht wunderbar erscheinen, wenn ich noch einmal am Indianerleben am Rio Pilcomayo teilnehmen möchte, wenn ich noch einmal die alten Sagen am Lagerfeuer möchte erzählen hören, wenn ich in die unbekannten Gegenden des nördlichen Chaco eindringen möchte.

Bevor dies geschehen kann, muß ich jedoch die Ergebnisse meiner letzten Fahrt, die einen viel größeren Teil von Bolivia als den Chaco berührt hat, vollständig veröffentlichen. Nicht zum mindesten wichtig ist, daß meine Funde bei meinen archäologischen Ausgrabungen beschrieben werden. Vielleicht wären auch meine Urwald Wanderungen und Flußfahrten im nordöstlichen Bolivia weit bis zu der Grenze Brasiliens es wert, einem größeren Publikum als dem, das ethnographische Fachzeitschriften liest, geschildert zu werden.

Im Dezember 1909 verließ ich, von meinem schon beschriebenen zweiten Besuch bei den Chorotis und Ashluslays kommend, Yacuiba.

Nach Hause ging die Fahrt!

Ende Januar 1910 war ich wieder in Schweden. Meine beiden Reisebegleiter waren in Südamerika geblieben. Sie sind jung und wollen versuchen, sich in dem neuen Lande durchzuschlagen. Ich hoffe, es wird ihnen gelingen. Gefällt es Moberg bei den Weißen nicht, so läßt er sich wohl bei den Indianern und Indianerinnen nieder, wo er sich so wohl gefühlt hat.

Als ich von Batirayu Abschied nahm, sagte er:

,,Es isttraurig, zu scheiden und sich niemals wieder zu treffen, wenn man so befreundet geworden ist.“

Wer weiß, vielleicht treffen wir uns noch einmal. Möge Yamandutunpa dich beschützen. Batirayu. Möge es lange dauern, bis du nach Aguararenta wanderst, um Maisbier bei deinen Vorvätern zu trinken.

,,Hayma opama!“ (Und mehr war es nicht.)

Text aus dem Buch: Indianerleben (1912), Author: Nordenskiöld, Erland.

Siehe auch:
Indianerleben – Einleitung
Indianerleben – Reise nach dem Arbeitsfeld
Indianerleben – Der Calilegua
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung)
Indianerleben – Das Indianerhaus
Indianerleben – Der Kampf ums Dasein
Indianerleben – Indianerkinder
Indianerleben – Männer und Frauen
Indianerleben – Trinkgelage
Indianerleben – Das Tabakrauchen
Indianerleben – Medizinmänner, religiöse Vorstellungen
Indianerleben – Vom Matacoindianer Na-yás erzählte Sagen
Indianerleben – Kunst und Industrie
Indianerleben – Krieg und Frieden
Indianerleben – Handel
Indianerleben – Besuch in fremden Dörfern
Indianerleben – Das Verhältnis zu den Weißen
Indianerleben – Das Land der Chané- und Chiriguanoindianer
Indianerleben – Vom Lande der Chané- und Chiriguanoindianer
Indianerleben – Der Indianer als Historiker
Indianerleben – Alltagsleben in den Chané- und Chiriguanohütten
Indianerleben – Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern
Indianerleben – Nahrungszweige
Indianerleben – Zubereitung der Speisen
Indianerleben – Spiele
Indianerleben – Das Leben der Indianerkinder
Indianerleben – Alltagskleidung
Indianerleben – Reinlichkeit
Indianerleben – Vom Mutterleib bis zum Grabe
Indianerleben – Häßliche Worte, Homosexualität, Selbstmord, Schamgefühl u. a.
Indianerleben – Häuptlinge und Gesetze
Indianerleben – Trinkgelage bei den Chanés und Chiriguanos
Indianerleben – Kunst und Industrie
Indianerleben – Sage und Religion
Sage und Religion – 1. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers
Sage und Religion – 2. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers
Sage und Religion – Geister- und Tiersagen
Indianerleben – Die katholischen Missionen unter den Chiriguanos
Indianerleben – Die Furcht vor den Gummigegenden.
Indianerleben – Frondienste für die Weißen
Indianerleben – Die Tapieteindianer
Indianerleben – Kultur und Sprache der Tapieteindianer
Indianerleben – Tapietesagen
Indianerleben – Die Tsirakuaindianer

Indianerleben

Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert

Wir haben einen Gang durch aie deutsche Kunst des vergangenen Jahr hunderts gemacht, haben betrachtet; was wir an unserem Wege fanden. Kerne vollständige Durchkreuzung des Gebiets, vieles blieb beiseite liegen; ganze Künstlergruppen fehlen, die ihrer Zeit die größte Beachtung fanden ; bei den Bildhauern eine große Pause zwischen Schadow und Gaul. Unsere Sammlung ist an manchen Stellen unvergleichlich reich, an anderen setzt sie aus, und natürlich war die Auswahl der Blätter zunächst einmal durch den Bestand bedingt.

Was die Galerie an Zeichnungen lebender Künstler enthält, ist fast ganz erst in neuester Zeit erworben worden; von den jüngeren Meistern, mit Slevogt und Corinth beginnend, bis zu den jüngsten, die wir zuletzt besprachen, war noch 1917 überhaupt nichts vorhanden.

Wenn unser Weg auch nicht ganz planmäßig sein konnte, so führte er uns doch zu einem großen Reichtum an Köstlichkeiten. Jedes dieser Blätter will eingehend betrachtet und erlebt sein, so gründlich wie es seinem eigenen Wert und der Liebe des Beschauers zur Kunst entspricht.

Die Ausstellung der hier besprochenen Zeichnungen — das, wiederholen wir noch einmal aus dem Vorwort — ist als Anregung und Vorbereitung zum Studium der Schausammlung gedacht; und so sollen auch die Darlegungen dieses Buches dazu helfen, den künstlerischen Sinn in den verschiedenerlei Gruppen unserer Sammlung möglichst lebendig zu erfassen. Sie sind nur Hinweise auf den Reichtum dieses kostbaren Schatzes.

Gewiß vermittelt eine solche Auswahl von Zeichnungen nicht die Kenntnis der Hauptarbeiten und des Umfangs der einzelnen Künstlerwerke, wohl aber des Eigenen der Persönlichkeiten in ungetrübter Klarheit.

Das gilt auch für den sonst schon erfahrenen Kunstfreund. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, wie wesentlich das Sehen und das Erleben der Zeichnungen ist, wenn man die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts wirklich verstehen will. Wer alle Galerien aufmerksam durchwandert hat, kennt doch die deutsche Malerei, besonders der älteren Jahrzehnte, so wenig, wie etwa ein eifriger Theaterbesucher die deutsche Dichtung oder gar die deutsche Musik kennt.

Und das ist nicht so gemeint, als ob nun die Zeichnungen immer nur Hinweise wären auf etwas, das gar nicht oder nicht rein ans Licht kam, als ob nur das Ölgemälde das Ziel aller Malerei wäre. Die Galerien und Ausstellungen haben diesen Irrtum gefördert, früher dachte man nicht so, und ganz früher gab es überhaupt keine Ölbilder, sondern Fresken, Mosaiken, Miniaturen. Die Zeichnung ist vielmehr ein Kunstwerk für sich und will als solches genossen sein.

Wie die Zeichnungen nicht nur Ersatz für Ölgemälde sind, so nehmen wir sie auch nicht bloß als Beispiele der Entwicklung. Wenn wir den Entwurf eines Nazareners sehen, so ist es erstens nicht entscheidend, ivie er bei der Ausführung in Öl geraten iväre, und zweitens nicht, was im Lauf der Geschichte aus dieser Art des Kunstwollens geworden oder durch sie beeinträchtigt sein mag. Betrachten wir eine Blume oder ein Tier, so können wir erforschen, wie sich die Art in den auf steigenden Stammbaum der organischen Welt einordnet, das ist Wissenschaft; es gibt aber auch eine Freude an Form und Farbe und Leben, die nur meint was sie vor sich hat. Solche Einstellung ist gegenüber Kunstwerken die f nichtbarste. Nicht auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Entwicklungslinie und die Stellung darin kommt es an, sondern auf die Kraft und Feinheit künstlerischen Lebens, und die Fähigkeit es zu formen; die Art der Form ist durch die Eigenheit dieses Lebens wesentlich bestimmt. Und es kommt andererseits darauf an, ob der Betrachter sich nur auf eine bestimmte Weise zu sehen, Welt und Leben zu erfassen, einstellen kann, oder ob er innerlich reich genug ist, verschiedene Ausformungen des menschlichen Geistes, oder hier ivenigstens des deutschen Geistes, verstehen zu können und erleben zu wollen.

Das Gelände, durch das unser Gang führte, ist reich bewegt und sehr verschiedenartig bewachsen. Die französische Kunst könnte man eher mit einem wohl ausgerichteten Park vergleichen, wo alles einzelne Leben sich einer einheitlichen Anlage einordnet. Das hat verschiedene Gründe: die Zusammenfassung des geistigen Lebens in Paris, die Einstellung des Empfindens in klares Denken, und das Festhalten am Bewährten. Die deutsche Kunst blüht auf vielerlei Boden unter überall verschiedenen Bedingungen, der Künstlertrieb ist nicht immer durch klare Bewußtheit gelenkt und durch kritische Reibung geschliffen, und neues Wollen wirft oft alles glücklich Erreichte beiseite. Es ist nicht richtig, eine Betrachtungsweise, die in Paris angemessen sein mag, auf Deutschland zu übertragen; man bekommt wohl eine Vorstellung wenigstens von der Hauptwirkungen des Parks, wenn man durch die Mittelallee geht; in dem vielachsigen, unübersichtlichen Gelände der deutschen Kunst muß man schon umherwandern. Es ist eine Selbstberaubung an lebendigem Erbe, wenn man irgendeine dünne Entwicklungslinie fleht, und alles andere beiseite läßt, bedauernd oder gar grollend, daß es nicht zu dieser Linie gehört.

Wir haben allerdings auch auf den Weg der Entwicklung hingewiesen: aber nicht um über sie zu richten,oder gar um den Leser zur Parteinahmefür bestimmte Formabsichten zu überreden, sondern nur um den Standpunkt anzdeuten, von dem aus jedes Werk am besten zu erleben ist. Auf das Erleben kommt es an, nicht auf selbstgefälliges Aburteilen. Welche Werke, welche Arten von Kunst das Erlebnis auslösen, und in welcher Stärke, das ist durch die persönliche Anlage des Betrachters bedingt. Überredung kann nur bei oberflächlichen und unselbständigen Lesern anschlagen, und bei solchen die ihre Kunstmeinungen aus Büchern oder Gesprächen gewinnen; derart nachgebetete Ansichten sind für den Einzelnen ivertlos und im Gesamtleben der Kunst schädlich. Wir denken dagegen an Leser, die wohl geführt, aber nicht bevormundet werden mögen.

Bei der Kunst entscheidet nicht die Richtung, sondern der Wert der einzelnen Leistung. Ein gutes impressionistisches Werk ist besser als das schlechte eines Deutsch-Römers, und umgekehrt. Unsere Bewertung liegt hier in der Auswahl der Blätter: aus den verschiedenartigen Richtungen sind die Beispiele, soweit es anging, so ausgesucht, daß sie die jeweilige Einstellung des Kunstwillens und die Gabe zur Gestaltung möglichst bezeichnend und möglichst vollkommen veranschaulichen. Und der Sinn unserer Ausführungen war es nicht, mit Worten zu umschreiben, was auf den Blättern zu sehen ist, oder gar vorzuschr eiben, was eigentlich zu sehen sein sollte: der Betrachter muß selber schauen! Wir wollten, so genau es im gedruckten Worte möglich war, innerhalb der Mannigfaltigkeit dieser hundert Meisterzeichnungen auf die so verschiedenen Werte hindeuten, die erlebt werden sollen, zum Er leb tiv erden geschaffen sind. Wer solcher Hinweise nicht bedarf, mag dies Buch getrost beiseite legen.

Text aus dem Buch: Deutsche Zeichenkunst im neunzehnten Jahrhundert; ein Führer zur Sammlung der Handzeichnungen in der Nationalgalerie (1920), uthor: National-Galerie (Germany).

Siehe auch:
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – Einleitung
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – ALLGEMEINE VORAUSSETZUNGEN
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – AUSKLANG DER ALTEN KUNST
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – DIE KLASSIZISTEN
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – DIE KLASSISCHE LANDSCHAFT
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – DIE NAZARENER
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – ROMANTIK
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – BIEDERMEIER-KUNST Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – Adolph Menzel
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – DIE DEUTSCH-RÖMER
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – NEUERE MALEREI
Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert – FORMABSICHTEN DER GEGENWART

Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert