Schlagwort: Segelflieger

Wonach die Menschen seit Jahrtausend streben,
Sich wie ein Vogel in der Luft erheben
Und frei bewegen sich im Weltenraum—
Das Rätsel ist gelöst—man glaubt es kaum!

Seit Stunden zieht der Flieger seine Kreise,
Wir aber unten stehn und beten leise:
Trotz aller Not, o Volk, verzage nicht,
So ringt auch Deutschland sich empor zum Licht!

Flieger des ersten Weltkrieges

Ernst von Hoeppner, Hermann Thomsen, Karl Allmenroeder, Oliver Freiherr von Beaulieu-Marconnay, Paul Bäumer, Otto Bernet, Hans Berr, Rudolf Berthold, Walter Blume, Erwin Böhme, Oskar Freiherr von Boenigk, Carl Bolle.

„England beherrscht das Meer, Deutschland die Luft — wohin sollen wir uns flüchten?“

fragt jammernd der französische Journalist Maurice de Walesse in der Pariser Zeitung „Midi“ angesichts der deutschen Erfolge im Segelflug.

Am 18. August verkündete die französische Presse jubelnd, dass der französische Flieger Douthy bei der Konkurrenz in Clemont – Ferrand den deutschen Rekord für motorlose Flugzeuge übertroffen habe, indem er 9 Minuten 2 Sekunden sich in der Luft gehalten habe. Während die Franzosen über Ihren Sieg jubelten, stellte am selben Tag der Student Martens beim Wettbewerb im Rhöngebirge einen neuen Rekord auf:

1 Stunde 6 Minuten. Am folgenden Tag flog sein Kollege Hentzen 2 Stunden 10 Sekunden und am 24. August verbesserte Hentzen seinen eigenen Rekord mit einem Flug von 3 Stunden 10 Minuten Dauer.

Damit steht der diesjährige Rhön-Segelflug Wettbewerb, der am 9. bis 24. August währte, als Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung eingezeichnet in der Geschichte der Menschheit. Im Kampfe um die Eroberung des Luftmeeres haben zwei deutsche Flieger in überlegener Weise Siege errungen, die — trotz Versailler Vertrag — den Deutschen die Meisterschaft in der Luft sichern.

Der Rhön-Segelflug kam in diesem Jahr zum dritten Mal zur Veranstaltung. Er verdankt seine Entstehung der tatkräftigen Werbearbeit des Frankfurter Ingenieurs Ursinus und dem Verband deutscher Modell- und Segelflugvereine. Schon in den Vorjahren wurden Leitungen erzielt, die für die Zukunft alles eirwarten liessen, die diesjährigen Erfolge kamen daher für die Eingeweihten nicht überraschend; sie stellten Allerdings alles bisher Erreichte weit in den Schatten.

Bei der Ausschreibung des diesjährigen Wettbewerbs hat man die teilnehmenden Flugzeuge in Hauptgruppen geschieden, nämlich in eine solche für „Segelflugzeuge“, für die der „Grosse Rhön-Segelpreis“ in Höhe von 50,000 Mk. ausgesetzt wurde, und in solche für „Gleitflugzeuge“, die entweder durch Ruderlegen oder durch Verlegen des Körpergewichtes gesteuert werden. Man hat somit zum erstenmal eine Unterscheidung versucht, ohne allerdings die Begriffe technisch festzulegen.

Den höchsten Preis des Jahres, der jedoch weder zeitlich noch räumlich an die Rhönveranstaltungen gebunden ist, sondern bis zum 31. Oktober ds. Jh. in Deutschland ausgeflogen werden kann, hat der Verband Deutscher Luftfahrzeug Industrieller in Höhe von 100,000 Mark gestiftet. Als Mindestleistung verlangte der Stifter; Nach dem Verlassen des Bodens muss der Apparat nach einem ununterbrochenen Fluge von mindestens 40 Minuten die Abflugstelle gegen den Wind zwischen zwei Marken, die 100 Meter voneinander entfernt sind, überfliegen und ohne Zwischenlandung anschliessend einen Flug von mindestens noch 5 Kilometer Luftlinie ausführen. Unter mehreren erfolgreichen Bewerbern erhält derjenige den Preis, dessen Flug insgesamt am längsten dauerte.

Martens hat für seinen Rekordflug aus noch vorhandenen Mitteln der Nationalflugspende eine Prämie von 50,000 Mark erhalten und Hentzens Leistung wurde von gleicher Seite durch eine Zuwendung von 75,000 anerkannt. Fokker, der aus Holland eingetroffen war, kündigte die Stiftung eines Preises von 250,000 Mark für einen Wettbewerb an, der die Förderung des reinen Segelfluges frei vom Hangwindeinfluss zum Zwecke hat.

Es handelt sich beim Segelflug bekanntlich um Flugapparate ohne Motor. Mit einem aus Holz und Leinewand geschaffenen Gebilde, nur durch Verstand und Erfahrungen getrieben, weiss der Mensch, ohne sich des Beistandes künstlicher Kraftmittel zu bedienen, sich in die Luft zu schwingen, darin Höhen zu gewinnen und solange zu schweben, als der Wind es ihm gestattet.

Deutsch-Amerikaner

Ein Meilenstein in der Entwicklung der deutschen Segelfliegerei

Wo die deutsche Luftwaffe ihre Schwingen entfaltet, da marschiert der deutsche Sieg. Eine solche Luftwaffe kann nicht das bloße Werk der Bohrmaschinen, der Niethämmer und der Riesenpressen sein, sondern sie ist ein Geschöpf des Geistes, der in ihr lebt. Es war schwer, den Fliegergeist im deutschen Volke wachzuhaiten, denn lange Jahre hindurch hatte Deutschland keine Luftwaffe. Und es war nur eine Handvoll Männer, die diese Aufgabe lösen mußten. Sie schufen dem deutschen Volke in der Segelfliegerei einen Hort des fliegerischen Geistes, der später zur eigentlichen Wiege der deutschen Luftmacht wurde. Der Segelflug hätte aber seinen gewaltigen Aufschwung niemals ohne eine andere bahnbrechende Erfindung nehmen können — den Schleppflug. Erst der Schleppflug löste das Segelflugzeug vom Berghang, an den es alle natürlichen Voraussetzungen zu fesseln schienen, und erschloß ihm mit der Möglichkeit zum Fliegen in aufsteigenden Warmluftströmen alle deutschen Gaue von den Küsten der Nordmeere bis an den Rand der Alpen. Damit aber wird die Einführung des Schleppflugs zu einer jener Leistungen, die Meilensteine am Wege einer der schicksalsvollsten technischen Entwicklungen sind.

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Zwei Jahrzehnte — wie gering erscheint uns diese Zeitspanne, und doch umfaßt sie die Entwicklung des Deutschen Segelflugs von den kleinsten Anfängen bis zu weltbedeutenden Leistungen, vor denen selbst die Spötter und Besserwisser verstummen, die dem motorlosen Flug ein baldiges Ende vorausgesagt haben. Aus den „Rhönindianern“ ist die geschlossene und disziplinierte Front der deutschen Segelflieger geworden.

Mit diesem primitiven Gleitflugzeug wurde in den Jahren 1921 und 1922 auf der Wasserkuppe geschult. Inzwischen ist man im Segelflugzeugbau längst vom Doppeldecker-System abgekommen und ist zum Eindecker mit der weitausladenden Schwingenform übergegangen, wie wir sie an der modernen Maschine auf dem gegenüberliegenden Bild sehen.

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Startbereit steht das Hochleistungsflugzeug auf der durch eine Holzrinne gebildeten Startbahn. Sekunden später schwebt es bereits über den Wolken, die den Gipfel des Berges verhüllen.

Isama Oda stellte mit einer Leistung von 72 km in 58 Minuten 20 Sekunden eine neue japanische Höchstleistung auf.

Wenn man der Überlieferung glauben darf, hat es in Japan bereits vor 350 Jahren eine Segelfliegerschule gegeben. Ein Handwerksmeister, seines Zeichens Papiertürenmacher, dessen Erzeugnisse einmal von einem Sturmwind in elegantem Gleitflug entführt wurden, kam auf den Gedanken, seine Papiertüren als Tragflügel auszugestalten.

Der Versuch glückte, und der japanische Handwerksmeister wurde so, wie die Sage erzählt, zum ersten Segelflieger. — Nahezu dreieinhalb Jahrhunderte mußten verstreichen, bis im Jahre 1930 zum zweitenmal ein Japaner, es war Oberleutnant Isobe, Versuche mit einem selbst gebauten Segelflugzeug machte. Damit begann die Entwicklung des Segelflugsports in Japan, den später die Kaiserliche Luftschiffahrtgesellschaft nach deutschem Vorbild organisierte. Eine wesentliche Belebung des jungen Sportes brachten die Lehrgänge mit sich, die deutsche Segelflieger unter Führung von Wolf Hirth auf Einladung der Regierung im Herbst 1935 in Japan abhielten. Die Regierung, die im Segelflug ein geeignetes Mittel zur fliegerischen Ertüchtigung erkannte, tut alles zu seiner Förderung. Heute bestehen in Japan weit über 100 Segelfliegervereinigungen, und Wettbewerbe spornen überall zu höheren Leistungen an. Auf Anregung des Generalstabs wurde das Segelfliegen auf allen mittleren und höheren Schulen als Schulfach eingeführt. So ist der Segelflug in Japan auf dem besten Wege, Volkssport zu werden.

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