Schlagwort: Touristen


Wie ein ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht, wenigstens für Bayern und für die zahlreichen Touristen, denen die neugebackene Vornehmheit noch nicht so sehr in die Glieder fuhr, dass ihnen der schöne deutsche Süden nicht mehr gut genug ist und die daher in die Modebäder des Auslandes rennen müssen, wird demnächst in der Woche vor und in der Woche nach dem ersten Sonntag im Oktober auf der Theresienwiese zu München abermals das Oktoberfest gefeiert werden.

Wieder wird das am Rand der Wiese auf einer Anhöhe stehende Standbild der Bavaria, ein handfestes Frauenzimmer, dem man es gern glauben möchte, dass es bei Schwarzbrot und Kas, Radi und dunklem Starkbier gross geworden ist, und das das ganze Jahr hindurch in geruhiger Einsamkeit sich langweilen muss, zwei Wochen lang auf ein recht buntes Leben und Treiben herabblicken.

Deutsch-Amerikaner

Beobachtungen von George Kammerer-New York.

Der Amerikaner, der Amerika verlässt, um Deutschland aufzusuchen, weiss, dass er eine „neue“ Welt verlässt, um die „alte“ Welt anzutreffen. In dem Moment, da er die alte Welt betritt, wird er empfinden, dass der Kontrast ein viel geringerer ist, als er erwartete. Nationale und soziale Unterschiede wird er auf jedem Schritt wahrnehmen, doch wird er immer wieder auf Traditionen stossen, die ihm recht bald eine andere Ansicht aufdrängen. Ueberall, wohin er geht, bemerkt er einen neuen, modernen Zug und bekommt schnell das Verlangen, mit der „alten“ Welt vertraut zu werden.

Es wäre falsch, zu sagen, dass Deutschlands Einwohner eine neue Zivilisation bedeuten. Es ist wahr, dass Deutschland als das Herz Europas immer noch Deutschland ist, d. h. Deutschland hat immer noch sein eigenes Fahrwasser. Und wer immer mit der deutschen Sprache vertraut ist, und vom Meeresstrande bis zu den Weingärten im Süden reist, findet, dass Deutschland noch heute das Land der Ordnung ist. Wenn er die Bahnhöfe betritt, findet er fast überall die Verordnungen in drei Sprachen. Auch der internationale Verkehr der deutschen Hotels hat um ein Bedeutendes zugenommen, und wird der Reisende immer — wohin er auch kommt — ein komfortables Zimmer und erstklassige Bedienung vorfinden. Deutschland war stets das Land der verschiedensten Charaktere; stets findet der Reisende andere Leute, andere Sitten, und doch immer. … einen guten Speisezettel.

Die deutschen Geschäftsleute bemühen sich, solide zu sein, trotz der Unsicherheit der momentanen Lage. Man staunt, wenn man die reiche, elegante Ausstellung der grossen Geschäftshäuser sieht. Englisch oder französisch wird mehr oder weniger in fast allen grossen Geschäften gesprochen. Vor allen Dingen aber in der Gegend des Rheines, wohin sich der grösste Touristenverkehr ergiesst. Es ist gleich, ob per Eisenbahn oder per Flussdampfer, immer prägen sich einem wunderschöne Landschaftsbilder ein.

Deutsch-Amerikaner