Schlagwort: Triptychon

(1399—1464)
Hollz 138×135 cm

Das vorliegende Bild ist das Mittelstück eines Triptychon, dessen Flügel die Verkündigung und die Darbringung im Tempel darstellen. Bei dem verhältnismäßig unbewegten Inhalt der drei Gemälde kann ja der Hauptgegensatz (wischen der vlämischen Schule und der brabantiscben. nämlich die zustandliche Auffassung der van Eyck der dramatischen des Rogier gegenüber nicht so äugenfällig werden, um so mehr aber der einer mehr tomgen Gesamthaltung jener und der kalten Tonlosigkeit Rogiers, bei welchem sich Figuren, Interieurs und Landschaft in bunter und mittäglich schattenloser Klarheit in tausend Einzelheiten zersplittern. Im übrigen sind Jan van Eyck und Rogier gleich in ihrer hingehenden Treue an das Modell bis zu den kleinsten Nebensachen, in der scharfsichtigen miniaturartigen Durchbildung und in der Gleichwcrtung von allem, was ihr Auge trifft und ihr spitzer Pinsel darstellt. Entzückt schon an den Flügeln die saubere Sorgfalt insbesondere an den Interieurs, welche im Verkündigungsbild die trauliche Stube der brabantiscben Haustochter mit Holzdecke, Himmelbett und geschnitztem Betschemel, am Flügel mit der Darbringung im Tempel das Innere einer Kuppelkirche der Art von S. Gereon in Köln in bewundernswerter Sicherheit darstellcn. so gestaltet sich unaer Mittelbild noch reicher durch die Zahl der Figuren, durch die pittoreske Stallruine und durch den Ausblick auf Bethlehem, welcher freilich bei nächtlichem Himmel taghell sich uusbreitet, zum Teil höchst reuvoll wie in dem vorstadtischen Ausschnitt Uber den beiden Tieren, überall über menschliches Sehvermögen hinaus detailliert und ohne Ton wie Luftperspektive. Die Figurengruppe ist in ihrer Anordnung traditionell, aber im einzelnen mit Ausnahme der stilisierten Gewänder nicht typisch, sondern individuell, ln dem Bilde des greisen Königs, der dem Kinde den Fuß küßt, hat man Philipp den Guten, in dem rechts stehenden Maurenfürsten das Bildnis Karls des Kühnen vermutet, das Christkind ist entschieden nach der Natur und zwar nach einem etwas dürftigen Modell gezeichnet. Dasselbe ist der Fall bei dem Donator, der links hinter dem hl. Joseph kniet, sicher, leider aber ist dessen Person unbekannt Das Werk, aus S. Columba in Köln stammend, gehört zu der umfänglichen Sammlung von niederrheinischen und niederländischen Werken des 15. und 16. Jahrhunderts, deren Erwerbung aus dem Besitz der Gebrüder Boisserée zu den glücklichsten Sammelerfolgen des Königs Ludwig I. zählt, und wurde von diesem unter Eigentumsvorbehalt der Königlichen Pinakothek einverleibt.

Text und Bild aus: Album der Alten Pinakothek zu München, fünfzig Farbendrucke, mit begleitenden Texten und einer historischen Einleitung. Author,Alte Pinakothek (Munich, Germany); Reber, Franz von.

Album der Alten Pinakothek zu München Roger van der Weyden 1399/1400-1464

Deutsche Mystik und deutsche Kunst

3. Die Kunstpflege in den mystischen Klöstern.

(Die Totentänze.)

Nachdem wir die Beeinflussung der Kunst durch die Visionen und die beiderseitige Verwandtschaft betrachtet haben, wird es uns interessieren, zu untersuchen, in welchem Verhältnis die Visionäre selbst zur Kunst standen, ob die Kunst auch einen praktischen Nutzen von ihnen hatte.

Kurz gesagt, wir wollen uns der Frage zuwenden: wie stand es mit der Kunstpflege in jenen mystischen Frauenklöstern, in welchen, wie wir schon sahen, das ekstatische Visio-nentum durch Generationen hindurch eine eifrige, allgemeine und traditionelle Pflege fand? Nur bei diesen ist eine solche Untersuchung möglich, da wir bei den vielen einzeln lebenden Visionären und Visionärinnen natürlich zu wenig Anhalt haben. Wir wollen gleich vorausschicken, dass wir in der That eine hervorragende Kunstpflege in allen jenen für die deutsche Mystik so wichtigen Klöstern bezeugen können, so dass es sich schon lohnt, allen dies beweisenden Spuren einmal sorgfältig nachzugehen. Leider ist uns das Meiste von den Kunstschätzen jener Klöster durch verschiedenes Missgeschick verloren gegangen und vernichtet worden, doch ist es uns gelungen manches noch aufzufinden; bei anderem können wir auf wichtige Berichte hinweisen. Wenn wir unter den zu erwähnenden Werken einige bringen werden, die erst im 15. Jahrhundert entstanden sind, zu einer Zeit, wo das Visionentum nicht mehr in dem Masse blühte wie früher, ja wo in einigen dieser Klöster eine gewisse Verwilderung eingerissen war, so glauben wir hierzu doch berechtigt zu sein, da wir das Andauern mystischer Traditionen und mystischer Denkungsart auch in jenen Zeiten wohl annehmen dürfen, eine Vermutung, die durch die Thatsache erhärtet werden dürfte, dass mehrere solcher Konvente sich nach dem Auftreten Luther’s mit voller Ueberzeugung und heiligem Eifer der Reformation zugewandt haben; denn wir betonten es schon, die Mystik ist in mancher Hinsicht durchaus als eine Vorläuferin der Reformation anzusehen.

Die schriftlichen Aufzeichnungen, welche wir über und aus jenen Klöstern besitzen, die von Nonnen verfassten Berichte über das Leben und die Visionen der Schwestern und manche Briefe, die dem Verkehr einiger Klosterfrauen mit verschiedenen der bedeutendsten mystischen Predigern und Theoretikern ihre Entstehung verdankten, beweisen, dass in allen diesen Klöstern eine hohe Bildung zu Hause war. Die meisten Nonnen verstanden Latein und konnten lesen und schreiben. Das Schreiben und Abschreiben für sich und andere war eine Hauptthätigkeit innerhalb jener Klostermauern, womit manches Geld verdient wurde, das dann oft, so wird berichtet, zum Ankauf von Gemälden und anderem Schmuck der Kirchen Verwendung fand.

Verschiedene der hier zu nennenden Schwesterkonvente haben sich ihre Klosterräume mit umfangreichen Wandgemälden schmücken lassen, die z. T. von hoher kunstgeschichtlicher Bedeutung sind, wie wir sehen werden. Es geschah dies in einer Zeit, wo die Herrschaft des gothischen Styls die Freskomalerei in Deutschland sonst sehr zurückgedrängt hatte. Diese Klöster also scheinen, trotz der Ungunst der damaligen Kunstrichtung, auf eine solche ins Grosse gehende Kunstbethätigung nicht haben verzichten wollen; vielleicht waren sie auch von Italiens Beispiel angeregt worden, mit dem sie durch ihre Beziehungen zu dortigen Dominikanerklöstern in Verbindung standen und von dessen grosser monumentaler Kunst sie manche Kunde vernommen haben mögen.

Doch wenden wir uns jetzt verschiedenen einzelnen Klöstern im Besonderen zu. Gehen wir zunächst nach Colmar zum dortigen Nonnensitze Unterlinden, dessen umfangreiche Gebäude heute noch stehen, jedem kunstliebenden Besucher der Stadt wohl bekannt und vertraut, da in seinen Räumen, in seinem Kreuzgang und seiner Kirche jetzt wertvolle Kunstsammlungen und die Bibliothek untergebracht sind. Im Chor der dortigen Kirche wurden vor einigen Jahrzehnten Reste von Wandgemälden aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Schnaase berichtet kurz von ihnen; heute ist leider nichts mehr zu sehen, so dass wir keine weitere Auskunft geben können. Die französische Rcvulution war es, welche die übrigen Unterlindener Kunstschätze dem Untergang preisgegeben hat, wie überhaupt so manches im Eisass, namentlich aus dem Besitze der dortigen Klöster. Schnaase weiss nach glaubwürdiger Quelle zu erzählen, dass im Jahre 1796 auf dem Marktplatze zu Colmar in frevelhafter Weise eine grosse Anzahl alter Kirchenbilder zusammengeschleppt und einfach verbrannt wurden. Nur ein bemaltes Blatt aus einem Miniaturenkodex des Unterlindener Klosters aus dem 15. Jahrhundert können wir erwähnen, das sich jetzt eingerahmt im ehemaligen, zum Museum umgewandelten Kirchenraum befindet; es zeigt bezeichnender Weise die Darstellung der Stigmatisation der Katharina von Siena. Uebrigens bezeugen einige ebendort auf bewahrte Geisselwerkzeuge die Fortsetzung eines strengen asketischen Lebens noch nach Jahrhunderten.

Ausserdem fanden wir ein kleines Büchlein im Duodezformat in der dortigen Bibliothek, das uns manches Interessante erzählte. Es gehörte den Klosterfrauen und ist in Unterlinden entstanden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In rotes Leder ist es gebunden; auf die Innenseiten des Einbandes sind zwei Holzschnitte eingeklebt. In lateinischem und deutschem Text, von verschiedenen Händen geschrieben, und in Bildern, schlichten kolorierten Federzeichnungen, behandelt das Bändchen die Geschichte eines wunderthätigen Altarbildes, welches im Jahre 1348 in die Kirche von Unterlinden gestiftet wurde. Es führt den Titel «Liber miraculorum» (Mss. Nr. 495).

Die erste Zeichnung stellt den heiligen Lucas dar, wie er vor seinem Malertisch sitzt, auf dem seine Farbentöpfe stehen; neben ihm befindet sich sein Stier. Er hält die Pinsel in der Hand und ist eben damit beschäftigt, an einem Altarwerk zu malen, einem Tryptichon auf dessen Mittelbild er die Madonna und auf dessen Flügeln er je einen Heiligen anbringt. Das zweite Bildchen führt uns einen zeitgenössischen Maler in grünem Wams vor, welcher es sich angelegen sein lässt, jenes alte vom heiligen Lucas gemalte Bild der Maria zu kopieren. Auch er steht vor einem Malertisch, auf dem das Original und seine Kopie nebeneinander aufgestellt sind. Hinter ihm befindet sich der Besteller der Kopie, ein Mönch. Auf der nächsten Zeichnung sieht man, wie jener Mönch die fertige Kopie zu den Nonnen von Unterlinden bringt, welche aus ihrem Kloster heraustreten und das Kunstwerk in feierlichem Aufzug, eine Fahne tragend, und mit Gesängen einholen.

Das vierte Bild zeigt uns das Werk an seinem Bestimmungsort und die Aebtissin im Gebete davor knieen. In den siebzehn übrigen Bildchen und dem Texte wird dann geschildert, welche Wundererscheinungen das Kunstwerk bei den Insassen des Klosters gewirkt hat. Wir sehen die Nonnen — einmal sind es auch Bauern — vor dem Altarbild in Andacht versunken und in visionäre Verzückungen geraten, bei welchen ihnen Offenbarungen zuteil werden und ihnen Christus oder Maria oder Engel erscheinen. — Die Zeichnungen selbst sind künstlerisch ziemlich wertlos, wohl von einer Dilettantin im Kloster selbst angefertigt; der Inhalt der Darstellungen aber ist merkwürdig genug, um hier beschrieben worden zu sein. Welcher Art das wunderwirkende und Visionen veranlassende Werk war, ob es in der That eine Kopie nach einem der Bilder war, welche die Legende dem heiligen Lucas zuschreibt, muss natürlich dahingestellt bleiben.

Ein wenig mehr Ueberreste sind aus dem als nächstes zu nennenden Kloster Adelhausen zu Freiburg im Breisgau auf uns gekommen, obwohl auch hier ein böses Schicksal gewaltet hat, indem das Kloster und sein ihm verbundenes und nur wenige Schritte entfernt liegendes Schwesterkloster St. Katharinen 1677 von den Franzosen zerstört und niedergebrannt wurde, nach welchem Ereignis die Nonnen beider sich vereinigten, um sich innerhalb der Stadt ein neues Heim zu errichten, in das sie alles übertrugen, was aus den früheren Räumen noch zu retten gewesen war. Aus diesem neueren Kloster, dessen barocke Kirche heute noch steht, sind dann einige alte Stücke in die öffentlichen Sammlungen zu Freiburg gelangt. So fallen in der städtischen Altertümersammlung besonders einige illustrierte Prachtkodices, die aus dem Besitze der Nonnen stammen, auf. Der älteste ist ein ausserordentlich schönes, grosses Missale, vom Jahre 1350 datiert. Dieses enthält wunderbar fein und zierlich ausgeführte Initialen, von reizenden gothischen Rankenornamenten übersponnen und eine Reihe sehr gut ausgeführter Miniaturen mit Darstellungen aus der Geschichte Christi und ein die Krönung der Maria zeigendes Bild in merkwürdiger mystischer Auffassung, von der im nächsten Kapitel noch die Rede sein wird.

Die übrigen Bücher sind aus dem 15. Jahrhundert: ein grosses, reich mit Initialen, Ornamenten und Bildern geschmücktes Pracht-Chorale, ein zweites grosses Missale, ebenfalls schön und vielfach verziert, sodann drei kleinere mit hübschen Initialen versehene Gebetbücher, welche vielleicht auch dem 14. Jahrhundert entstammen können, und die bei schöner Ausführung, sorgfältiger Schrift und in gefälligen rotledernen Einbänden mit gothischer Ornamentpressung einen sehr vornehmen Eindruck machen. In eines derselben ist auf die Innenseite des vorderen Deckels ein Blatt Papier mit einer sehr feinen gleichzeitigen Federzeichnung, welche die heilige Elisabeth von Thüringen mit Brot und Weinkanne in den Händen darstellt. — In derselben Sammlung befinden sich weiterhin zwei grössere Altarwerke aus Adelhausen. Das eine, ein breites Triptychon, ist ein recht gutes Werk der schwäbischen Schule, etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts angehörend. Die Haupttafel ist dreigeteilt: in der Mitte ist Christus am Kreuz mit Maria und Johannes dargestellt, links sieht man die Geburt des Herrn, rechts seine Auferstehung. Von den Flügeln sind nicht alle Teile erhalten ; die einzelnen Abteilungen sind mit verschiedenen Bildern versehen. Die eine zeigt die Gestalten des Täufers Johannes und des Paulus, eine andere die Scene der Verkündigung, die dritte die Himmelfahrt und auf der vierten findet sich folgende merkwürdige, uns auch im nächsten Kapitel noch beschäftigende Komposition: vor einem goldenen Brokatvorhang, den Engel halten, knieen einige heilige Dominikanermönche und heben mit hoch emporgereckten Armen die Gestalt des Christus als Schmerzensmann in die Höhe. — Das andere Werk ist ebenfalls ein Triptychon, doch eine nur mässig gute Arbeit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Mittelbild enthält eine Darstellung der Krönung der Maria; die Flügel zeigen Gestalten von Engel und Heiligen. — Zu diesen beiden grossen Werken gesellt sich noch ein kleines, etwa einen Viertelmeter hohes Tragaltärchen, das im Anfang des 15. Jahrhunderts entstanden sein wird.

Es hat auch die Form eines gothischen Triptychon mit holzgeschnitzter Verzierung ; das Innenbild stellt den Tod Mariens vor, auf den Flügeln sieht man eine Dominikanernonne und einen vornehmen Geistlichen, beide betend neben ihren Schutzheiligen. Die recht gut gemalten Darstellungen sind mit bunten Temperafarben auf blauen Grund aufgetragen und scheinen die Hand eines Künstlers, oder vielleicht einer begabten Nonne aus Adelhausen selbst zu verraten, die sonst gewohnt ist, Miniaturen zu verfertigen. —

Sodann mag noch eine ebendort befindliche kleine sehr hübsche Holzkasette erwähnt werden, die mit feinen geschnitzten gothischen Ornamenten geschmückt und zierlich mit Eisen beschlagen ist. Sie soll alter Ueberlieferung zufolge der Schwester Rudolfs von Habsburg angehört haben, welche als Nonne ins Kloster Adelhausen, das überhaupt mit Vorliebe von Damen des höheren Adels aufgesucht wurde, eingetreten war. Wenn auch diese Zuschreibung etwas kühn erscheint — die kleine Truhe dürfte überhaupt aus einer etwas späteren Zeit stammen —, so ist sie doch immerhin als kleiner Beweis für den Kunstsinn der Nonnen, aus deren Besitz sie sicher stammt, hier anzuführen. — Ein weiteres sehr gutes Bild aus Adelhausen besitzt die städtische Gemäldesammlung; es gehört etwa der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an und stellt die Halbfigur eines segnenden Christus mit schönem ernstem Gesicht dar vor einem Brokatteppich als Hintergrund. Es ist möglich, dass auch noch einige andere Stücke dieser kleinen Sammlung aus Adelhausen stammen. Ueber die Provenienz der meisten übrigen Bilder ist nichts bekannt, doch weiss man, dass manche aus naheliegenden Klöstern herkommen und erst neuerdings aus privatem in städtischen Besitz gelangt sind.

Von Freiburg aus wollen wir uns mit unseren Nachforschungen zur Schweiz begeben, wo verschiedene der wichtigsten Klöster dieser Art bestanden haben.

Wir wenden uns zuerst zum Kloster Töss, in der Nähe von Winterthur gelegen. Auch hier hat es umfangreiche und wichtige Wandmalereien gegeben, die aber auch für uns leider nicht mehr sichtbar sind. Schnaase erwähnt auch diese kurz und sagt, dass sie sich in dem «neuerlich» abgebrochenen Kreuzgange befunden hätten. Durch eine verdienstvolle Lokalforschung sind wir jedoch in der Lage, einige Auskunft über diese Werke zu bringen. Im «Neujahrs-Blatt von der Stadtbibliothek in Winterthur auf das Jahr 1879» hat nämlich Dr. A. Hafner eine kunsthistorische Studie veröffentlicht, in der er genauen Bericht erstattet über das, was er selbst noch in Töss gesehen hat. Auch sind uns ein grosser Teil der Bilder und einige architektonische Ansichten und Aufnahmen des Klosters und des Kreuzgangs vor dem Abbruch in Kopieen und Zeichnungen von der Hand Schweizer Maler erhalten; die betreffenden Blätter befinden sich jetzt im Besitze des historisch-antiquarischen Vereins zu Winterthur Nach Hafner war unter den sehr ausgedehnten stattlichen Baulichkeiten des Klosters besonders der Kreuzgang höchst beachtenswert ; derselbe war zweistöckig, prächtig angelegt und mit einer Fülle von Spitzbogenfenstern versehen, die zum Teil sehr reich mit anmutigem gothischen Masswerk verziert waren. Eine Inschrift nennt das Jahr 1465, doch scheint das meiste, nach der Beschreibung Hafner’s zu urteilen, aus weit früherer Zeit gewesen zu sein. Die Innenräume dieses prächtigen grossen Kreuzganges waren nun mit Wandmalereien belebt und zwar wiesen sie im Ganzen nicht weniger wie 80 grosse Freskenbilder auf, von denen 36 Szenen aus dem alten Testament, 42 solche aus dem neuen Wiedergaben und 2 legendarische Darstellungen enthielten. Eine stattliche künstlerische Anlage! Die meisten der Bilder sollen in Styl und Ausführung sehr gut gewesen sein, doch waren mehrere Hände beteiligt und zwar solche von verschiedener Begabung und von mehr und minder grossem Können; einer der Meister soll entschieden Beeinflussung von Seiten Italiens her verraten haben. Hafner giebt eine genaue Beschreibung der einzelnen Kompositionen, die teilweise von origineller und interessanter Erfindung gewesen zu sein scheinen. Die Zeit ihrer Entstehung setzt er nach dem durch jene Inschrift für die ßaugeschichte als wichtig bezeichneten Jahre 1465 an; einen Teil verlegt er sogar in den Anfang des folgenden Jahrhunderts. Verschiedene der Bilder jedoch sollen ihrem Styl nach einer früheren Zeit angehören, einer Zeit, die er aber nicht näher bestimmt. Wahrscheinlich sind diese aus dem 14. Jahrhundert, — ein einziges will er sogar ins 13. Jahrhundert verlegen, in die Zeit der ersten baulichen Anlagen, — und gehören sie vielleicht zu ursprünglichen, früheren Freskenreihen; eine Annahme, mit welcher Schnaase Recht behalten würde, der seinerseits nur von einem Cyklus aus dem 14. Jahrhundert spricht. — Auch von anderen Kunstwerken hat sich aus dem ehemals reich ausgestatteten Kloster ausser einem gothischen Sarkophag-Deckel mit den Darstellungen der Evangelistensymbole, mit Rankenornamenten und den Wappenschildern von Oesterreich und dem Kloster nichts erhalten. Verschiedene widrige Schicksale haben auch hier verwüstend und aufräumend gewirkt. — Dagegen fanden wir auf der Stadtbibliothek zu Nürnberg eine illustrierte Handschrift, die zum Kloster Töss in Reziehung steht (Cent. V 10). Es ist ein gemischter Pergament- und Papier-Codex, welcher die Lebensbeschreibungen der visionären Schwestern zu Töss enthält, so wie sie im Jahre 1454 nach älteren Aufzeichnungen von dem Dominikaner Johann Meyer von Zürich verfasst worden sind, einem für die Kenntnis des mystischen Lebens in deutschen Klöstern Predigerordens sehr wichtigen Schriftsteller. Das Buch gehörte dem Katharinenkloster zu Nürnberg, wohin es vom Verfasser, dessen eifriges Streben nach einer Reform des damals schon sehr von seiner sittlichen Höhe heruntergekommenen Predigerordens im mystischen Sinne auf deutschem Gebiet ging, selbst gestiftet worden sein mag. Es enthält eine Menge sehr hübscher Initialen, in welche die Darstellungen der verschiedenen Nonnen, deren Leben beschrieben wird, eingemalt sind, jede derselben in einer charakteristischen Situation zeigend: betend, sich mit anderen unterredend, sich kasteiend und vor allem in ekstatischer Verzückung Visionen empfangend. —

Neben den Nonnen von Töss sind auch einige aus den beiden verwandten Klöstern Oetenbach bei Zürich und Katharinenthal bei Diessenhoven oberhalb SchafThausen am Rhein behandelt worden. — Nicht so gross und bedeutend wie Töss spielen die beiden letztgenannten Konvente doch eine ähnliche Rolle in der Geschichte der deutschen Mystik; von Katharinenthal ist es uns gelungen einen Beweis für seine Kunstpflege und einen Ueberrest seiner Kunstschätze zu finden in sehr schönem holzgeschnitztem Ghorgestühl, das wir in der «Thurgauer historischen Sammlung» zu Frauenfeld, der Schweizer Kantonshauptstadt, sahen. Es mag um 1500 entstanden sein und zeichnet sich besonders durch sehr gute Halbfiguren von Propheteh, Heiligen, Gott Vater und Christus, die an den Seitenwänden angebracht sind, aus. —

Vom Kloster Oetenbach können wir die Nachricht bringen, dass dort in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Wittwe des schwäbischen Ritters von Hohenfels in den Orden trat und nicht nur ihren* ganzen reichen Besitz mitbrachte, sondern auch drei Jungfrauen, welche alle drei künstlerisch begabt waren und hinfort ihre Kunst zu Gunsten des Klosters übten, die eine als Schreiberin und Illuminiererin, die zweite als Malerin und die dritte als kunstvolle Wirkerin.

Das für die Kunstgeschichte wichtigste Kloster dieser Gattung ist ohne Zweifel Klingenthal zu Basel, auf der rechten Seite des Rheins gelegen ; seine frühgothische Kirche mit den höhen schlanken Spitzbogenfenstern ist heute noch sichtbar. Ist es doch die erste uns in Deutschland bekannte Heimstätte des für die deutsche Kunst so bedeutungsvollen und charakteristischen Motivs der Totentänze! Es ist oft darauf hingewiesen worden, dass die Entstehung dieses Motivs wahrscheinlich mit mächtigen schicksalsschweren Zeitereignissen zusammenhing, welche die Geister des mittleren Europa’s, ja ganz besonders des südwestlichen Deutschlands in die höchste Erregung gebracht hatten. Wohl durchaus mit Recht. Entstand doch diese Komposition in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in jener Periode, in der politische und kirchliche Wirren mit den entsetzlichsten Verheerungen durch Erdbeben, Hungersnot und vor allem durch die Pest zusammenwirkten, um sie zu einer der schaurigsten der Weltgeschichte zu machen. Der Gedanke an das Sterben war ein alltäglicher; und die schlimme Macht des Todes, der keinen Stand schont, und der an jedes Leben, auch an das blühendste und reichste zu jeder Stunde als grausiger hohnlächelnder Geselle treten kann, wie es ihm beliebt, war damals fühlbarer denn je. — Nun kann überdies kein Zweifel sein, dass eben jene Zeitstimmung der Mystik und ihrer Verbreitung im höchsten Grade förderlich war. Bei der Kirche war bekanntlich damals nicht viel Trost zu holen. Was lag für die, durch so schwere Schicksale geängstigten und gequälten Deutschen näher, als dass sie Tröstung suchten und . fanden bei einer Philosophie, die ihrem angeborenen Denken so viel verständlicher und so viel zusagender war, wie alles jenes Fremde, was man ihnen als kirchliche Dogmatik und Scholastik so lange dargeboten hatte? Wir werden später noch zu betonen haben, wie sehr damals die Mystik Eingang fand in den weitesten Kreisen Deutschlands; kein Wunder, da sie doch recht eigentlich dem deutschen Fühlen und Denken überhaupt nur ihr Dasein verdankte. Die ganze mystische Litteratur beweist, mit welch heiligem Ernst die Vertreter dieser Philosophie, namentlich ihre Prediger und Volksredner sich der ihnen so ganz von Natur zufallenden Aufgabe bewusst waren, hier als Tröster zu wirken, als Tröster — und aber auch als ernste Mahner. Das allgemeine Elend und «das grosse Sterben» ist ihnen ein natürlich gegebenes Thema, dessen Bedeutung sie in Beziehung auf die mystische Weltauffassung oft behandeln. Was aber kann der Tod einem, von mystischer Denkungsart erfüllten Geist denn eigentlich bedeuten? Doch wahrlich nicht mehr als ein tanzender grinsender Gesell, der eines Tages in jedes Menschen Leben eintreten wird, um ihn aufzufordern zum letzten Reigen.

Noch ein Tanz, noch ein wüstes Spiel, ein widriges Springen, — und dann ist es vorbei mit diesem äusseren irdischen Leben, jenem Leben, das dem mystisch fühlenden Geist, das der ruhig sinnenden, «ewig minnenden» Seele doch nie für mehr gegolten hatte als für einen aufgeregten und das körperliche Sein langsam aufreibenden Tanz! Von ähnlicher Auffassung, von solcher Geringschätzung ja Nichtachtung des Todes giebt es in der mystischen Litteratur mannigfache Beispiele ; hierin am weitgehendsten aber auch am charakteristischsten ist wohl folgende bewundernswerte Bemerkung, die ein Mitglied der mystischen Sekte der Amalrikaner auf dem Wege zum Scheiterhaufen seinen, zwar wohl solcher Auffassung gegenüber recht blöden Richtern mit erhabener Ruhe gesagt haben soll, nämlich die, dass man ihn, ihn selbst gar nicht verbrennen könne. Die Materie war ihm das «Nichtseiende», das «Unwesentliche» .

Auf eine solche Höhe des Denkens war munr aber natürlich die breite Masse des Volkes nicht zu heben; ihr musste man schon mit einfacheren Ideen kommen, oder, besser noch, mit eindringlichen bildlichen Anschauungen. Eine solche ist aber der Totentanz!

Dass die Erfindung desselben nicht aus den Kreisen und der Gedankenwelt des römisch gesinnten Klerus herrührt, liegt wohl auf der Hand. Schon einzig und allein der Umstand, dass ein sehr grosser Teil der bei diesen grausigen Reigen Dargestellten geistlichen Standes — vom Papste bis zum Mönche — ist, «und zwar oft in recht bedenklichen Situationen und Charakteristiken, dürfte dies beweisen. (Eine Thatsache, die ja übrigens auch für manche andere Kompositionen, so namentlich die des jüngsten Gerichtes so oft zutrifft.) Nach allem Gesagten kann es nun kaum zu bezweifeln sein, dass auch hier die Welt der Mystiker das anregende und beeinflussende Element war; vielleicht in Verbindung mit uralten Volksvorstellungen und sicher mit gewissen litterarischen Erscheinungen, die schon in früherer Zeit in Frankreich und Deutschland erkennbar sind, wie es Wackernagel in einer Abhandlung über den Totentanz nachweist. (In dem Sammelband: «Basel im 14. Jahrhundert. Geschichtliche Darstellungen zur 5. Säkularfeier des Erdbebens am S. Lucas-tage 1356. Herausg. von der Basler historischen Gesellschaft. Basel 1856».)

Als wichtiger äusserer Beweis tritt der Umstand hinzu, dass es eben gerade eines jener mystischen Klöster ist, wo uns der Totentanz zuerst in Deutschland erscheint, nachdem er allerdings in Frankreich schon verwendet worden war, und wo er als solch’ grössere künstlerische Komposition wohl zum ersten Male entworfen worden ist. Dazu kommt dann als ebenso beweiskräftig die weitere Geschichte der Totentänze: Die Stätten, von denen wir wissen, dass an ihnen in den folgenden Zeiten die Komposition in monumentalen Wandmalereien wiederholt wurde, sind fast ausschliesslich Klöster des Predigerordens, also des Ordens, der in Deutschland als der wichtigste Pfleger der Mystik angesehen werden muss. Unter ihnen sind die Dominikanerklöster zu Basel und zu Strassburg, jene Klöster, in welchen die meisten Hauptvertreter der mystischen Philosophie kürzere oder längere Zeit gelebt, in denen ein Meister Eckhart, ein Tauler und ein Suso ihre Stimmen als Lehrer und Prediger erhoben haben.

Wie bekannt sind uns von diesen Werken keine erhalten, ebensowenig wie von dem übrigen Schmuck an Skulpturen, Fresken und Gemälden, an welchen Klingenthal ausserordentlich reich gewesen ist, und wovon uns durch die Berichte und Kopien eines Basler Bürgers, Emanuel Büchel, die derselbe in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts nach dem damals noch Vorhandenen anfertigte, wenigstens einige Kunde überliefert worden ist. Nach diesen enthielt der Kreuzgang ausser dem Totentanz noch verschiedene andere Fresken; ebenso waren die äusseren Kirchenmauern reich mit solchen versehen, und zwar anscheinend legendarischen Inhalts. Beim Totentanz selbst, der von erklärenden Inschriften begleitet war, will Büchel die Datierung 1312 gelesen haben.

Wir beendigen hiermit den kleinen Exkurs zu den mystischen Frauenklöstern, um uns im Folgenden zunächst den Vertretern der spekulativen Mystik zuzuwenden. Kurz erwähnen wollen wir indessen noch, ehe wir weitergehen, zwei kleine Bildchen, die im Kirchenraum des Germanischen Museums in Nürnberg hängen und die etwa um 1500 entstanden sind. Das eine zeigt uns eine Nonne in ihrer Zelle auf dem Bette schlafen liegend; eine Inschrift nennt sie «Schläferin»; das andere aber führt uns in die Zelle einer «Betrachterin», die auf einem Stuhle sitzt und eifrig in einem grossen Buche liest. Ihrer Ordenstracht nach sind es Clarissinnen, und es ist wohl kein Zweifel, dass mit der Letzteren das Beispiel einer Nonne gezeigt werden sollte, die sich einem beschaulichen Leben im mystischen Sinne hingibt, während die erste dasjenige einer solchen, welche die Ruhe des Klosterlebens zu müs-sigem Nichtsthun missbraucht. Die mystische Litteratur, namentlich die der Klosterpredigten, wie sie besonders von Tauler vielfach gehalten wurden, kommt oft auf solche Vergleiche zu sprechen.

Text aus dem Buch: Deutsche Mystik und deutsche Kunst (1899), Author: Alfred Peltzer.

Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Einleitendes und Litterarisches
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Historisches.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Die Kunst der Visionen.

Deutsche Mystik und deutsche Kunst

Schule Meister Wilhelms

Madonna mit der Bohnen- (oder richtiger Erbsen-) Blüte. Maria in grünem Kleide und rotviolettem Mantel mit blauem Futter hält das Christkind auf dem rechten Arm und in der Linken eine Erbsenblüte. Das Kind greift mit der Rechten an ihr Kinn und hält in der Linken eine Schnur von Goldperlen, die ein goldgesticktes Täschchen trägt und vor der Brust der Jungfrau an einem perlenbesetzten Goldmedaillon mit der Inschrift i h s befestigt ist. Goldgrund.

R. Flügel. S. Katharina in Krone, weissem Brokatkleid und rotem Mantel mit dunkelgrünem Futter, steht auf blumigem Wiesengrund, mit der Linken das Schwert aufstützend, daneben das Rad. Goldgrund.

L. Flügel. S. Barbara in Diadem, feuerrotem Brokatkleid und dunkelgrünem Mantel mit rotem Futter, steht auf blumigem Wiesengrund, auf der Rechten den Turm, in der Linken die Palme. Goldgrund.

Aussenseite der Flügel: Verspottung. Christus sitzt auf hohem Stuhl in braunem Kleid und rotem Mantel, die Hände auf den Knieen, umgeben von acht pöbelhaften Gesellen in kurzen Röcken, hohen Hüten, Stiefeln und nackten Beinen. Die sechs Vorderen verspotten den Heiland, die andern Beiden drücken mit Stäben die Dornenkrone fest. Braun-weisser Fliesenboden.

Nussbaumholz. H. 0,585 m, B. 0,395 m u. 0,2 m.

Stephan Lochner,

geboren zu Mersburg bei Konstanz, etwa seit 1430 in Köln, erwirbt 1442 mit seiner Frau Lysbeth das Haus Roggendorp an der Stessen, in der jetzigen grossen Budengasse, und 1444 die Häuser zum Carbunckel und zum alden Gryne an der Ecke von S. Alban und Höhle, wurde 1447 und 1450 zum Ratsherrn gewählt, gestorben 1451.

Weltgericht. Christus thront im Strahlenschein auf zwei Regenbogen, mit der Rechten segnet er die Seligen, denen er den gnadenvollen Blick zuwendet, mit der Linken wehrt er die Verdammten ab. Sein Mantel, welcher über der Brust von einem prächtigen Monile gehalten wird, lässt den Oberkörper mit der Seitenwunde frei. Weiter unten knieen die heilige Jungfrau und Johannes der Täufer auf den Erdhügeln, zwischen denen die Schar der Verdammten von Teufeln an einer Kette herbeigezogen wird. Sie sind durch Hüte und Turbane zumeist als Juden und Heiden gekennzeichnet, ganz vorne stemmt sich ein dicker Alter mit gefalteten Händen weinend gegen den Vormarsch, neben ihm fleht ein würdiger Greis in orientalischer Mitra, Andere ringen die Hände, die meisten schreien in Verzweiflung; ganz hinten hebt ein Kahlkopf mit festen klugen Zügen den Arm wie beschwörend zum Weltrichter empor Über der Schar blasen zwei kleine Engel unter leichten Wölkchen Posaunen. Ein grosser Mann mit Judenhut wird von einem grinsenden Teufel an den Beinen der Schar vorausgeschleppt. Unter den Auferstandenen wird in der Mitte des Vordergrundes ein feister Alter auf dem Rücken liegend geschleift. Mit der Linken hält er den Geldsack fest, doch dessen Boden ist gerissen und die Goldgulden rollen über die Erde. Der haarige Teufel, der ihn hohnlachend abschleppt, trägt auf der linken Schulter einen hageren Alten mit harten Zügen, der die Hände ringt. Weiter r. trägt ein Anderer einen Trinker und einen Spieler; der eine fasst mit der Linken das Geweih des Teufels, mit der Rechten hält er den Becher, der Andere lässt drei Würfel auf die Erde fallen. Auf der anderen Seite kommen vier Tote aus den Gräbern hervor, eine hübsche jugendliche Frau, deren Schoss das Leichentuch bedeckt, wird von einem scheuss-lichen Teufel an den langen blonden Haaren aus der Erde gezogen. Behaglich grinsend packt dieser mit der anderen Hand das schwarze Haar eines kräftigen mit Lendentuch bekleideten Mannes, als wenn das Paar zusammengehörte. Weiter links strecken zwei Männer, die sich mit halbem Leibe aus dem Rasen erheben, die Arme zum Himmel empor. Ganz . im Vordergründe hat ein junger Mann das eine Knie schon auf die Erde gestemmt, er wendet sich mit ängstlich erhobenem Arm nach einem Scheusal mit fünf Gesichtern um, das die Krallen nach ihm ausstreckt, und greift krampfhaft in das Gewand des Schutzengels, der ihm unter die Achsel, greift und mit der Linken den Teufel zurückscheucht. Über ihnen wird ein bärenartiges Ungetüm durch einen Engel mit zierlichem Schild und Speer von dem Zuge der Seligen abgewehrt. Vor der Himmelsburg empfängt S. Petrus am Tor die Seligen mit einem Engelchor. Auch auf der Galerie des Daches stehen die himmlischen Musikanten. Andere blicken in dem Ecktürmchen aus den Fenstern. Die Seligen steigen mit andächtig geeinten Händen in gedrängtem Zuge die Treppe zum Himmelstor hinan, ganz vorn eine junge Frau von einem Engel umfangen, der ihr zärtlich in die Augen blickt. Daneben wandelt ein jugendliches Ehepaar in entzückter Erwartung. Ganz 1. führt ein freundlicher Engel einen Seligen an der Hand und lehrt ihn mit erhobenem Zeigefinger ; darüber gibt es eine Umarmung. In der Mitte sieht man nur die langen Haare und Zöpfe der zahlreichen Frauen, die Locken der Männer und die kahlen Mönchsschädel, weiterhin durch die Tür neben einer Kaiserkrone kahle Schädel, Papst-, Kardinal- und Bischofsmützen. Die Tür krönt ein Relief: Gott Vater in stilisiertem, von Engeln gehaltenem Wolkenrahmen. R. ist die Hölle, ein Feuerschlund, auf dessen Grund der alte gefesselte Teufel sitzt. Er sperrt den Rachen gegen die Verdammten auf, die ihm von wilden Dämonen mit glühenden Eisen entgegengetrieben werden, ganz vorne steht ein dicker Mönch und neben ihm eine vornehme Dame mit goldgewirkter Haube, dann Papst, König, Kardinal und Bischof. Von oben her wird noch eine Frau in den Haufen geworfen. Auf der ebenen Höhe über dem Abgrund erhebt sich das brennende Höllenhaus. Vor der Mauer liegt ein Mensch von drei Teufeln gehalten, ein Habgieriger, dem ein schwarzes Ungetüm glühendes Gold in den Mund schüttet; dazu spielen zwei Teufel auf der Mauer Pauken und Trompeten. Ein Teufel mit grossen Fledermausflügeln schleppt einen Verdammten herbei. Um einen anderen kämpfen in der Luft zwei Engel mit einem grossen Teufel, dem ein Genosse von der Zinne aus mit einer Forke zu helfen sucht. Ganz oben jagen zwei kleine Engel einen Teufel in den flammenden Turm. Den Himmel füllen sechszehn Engel mit den Passionswerkzeugen, links in der Mitte vor den Andern drei mit dem Kreuz. In den Ecken Wappen. Goldgrund.

Eichenholz. H. 1,22 m, B. 1,71 m. Ehemals in der Kirche des h. Laurentius über dem Eingang.
Die Innenseiten der Flügelbilder in der Gemälde-Galerie des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt a. M. Nr. 62 u. 63, die Aussenseiten in der Pinakothek, zu München Nr. 3 u. 4.

Madonna in der Rosenlaube

Madonna in der Rosenlaube. Die heilige Jungfrau im Himmelsgarten sitzt mit untergeschlagenen Beinen auf einem Kissen vor einer Rasenbank, hinter ihr eine zierliche Laube mit roten und weissen Rosen. Sie trägt eine hohe Krone. Die Agraffe ihres Mantels zeigt das Einhorn im Schosse der Jungfrau. Sie fasst mit beiden Händen das nackte Christkind, das auf ihrem Schosse sitzt und einen Apfel in der Linken hält. Vor ihr auf dem Rasen sitzen zu jeder Seite zwei Engel mit Orgel, Laute, Harfe und Mandoline, hinter der Bank blicken je zwei anbetend auf die Jungfrau, ein dritter 1. pflückt Rosen, ein anderer rechts bietet Äpfel aus einem Körbchen dar. Hinter ihnen spriessen Lilien. In der Höhe erscheint Gott Vater mit der Taube in goldenem stilisiertem Wolkenkranz, von Engelsköpfchen umgeben, in den Ecken ziehen zwei Engel den Vorhang vor der himmlischen Erscheinung weg. Goldgrund.

Eichenholz. H. 0,46 m, B. 0,36 m. Geschenk des Herrn F. J. von Herwegh 1848.

Triptychon – Kreuzabnahme

Triptychon. Mittelstück: Kreuzabnahme. In der Mitte des Bildes sitzt die heilige Jungfrau am Fuss des Kreuzes. Sie wird von Johannes gehalten und hebt die gefalteten Hände vor die Brust. Vor ihr tragen Nikodemus und Joseph von Arimathia den Leichnam des Herrn. Dessen herabfallenden rechts Arm ergreift zur Linken der Stifter Professor Gerhard Tersteegen (de Monte). Er wird vom h. Andreas empfohlen, gegenüber steht der h. Thomas mit Lanze. Hintergrund bergige Landschaft mit grosser Stadt auf Goldgrund.

Auf dem Rahmen unten: Anno domini Mcccc octuagesimo nona die mensis nouembris venerabilis dominus magister gerardus de monte artium magister ac «acrae theologiae eximius professor (animam suam) creatori reddidit. Ipse annis quadraginta duobus rexit in facultate theologica insignis universitatis coloniensis Sit anima eius eommendata piis transeuntium orationibus. amen.

Flügelbilder: S. Andreas und S. Thomas empfehlen die Neffen Gerhards, Lambertus und Johannes de Monte. (Arbeiten der Werkstatt.)

Anno domini M cccc XCIX XVII die mensis aprilis obiit honestus dominus magister lambertus de monte artium magister ac sacrae theologiae professor canonicus huius ecclesiae cuius anima requiescat in pace et sit commendata devotis orationibus transeuntium.

Auf dem linken Flügel:

Anno domini 1508 die 25 mensis marti obiit venerandus magister Joh an n e s de Monte huius ecclesiae canonicus hic ad latus sui charissimi fratris magistri Lamberti de Monte theologi dignissimi uersus aquilonem sub eadem petra tumbatus, cuius animae propitietur misericors deus. amen.

Eichenholz. H. 1,44 m, B. 0,99 m und 0,44 m.

Triptychon – Christus erscheint dem heiligen Thomas

Triptychon. Mittelstück: Christus erscheint dem heiligen Thomas. Der Heilige kniet vor dem Auferstandenen, der ihm die Hand führt, wie er zwei Finger in die Seiten wunde legt. Christus steht mit der Kreuzesfahne auf einem Marmorsockel, der mit Frühlingsblumen bestreut ist. Auf dem Rasen davor knieen zwei musizierende Engel. Auf leichten Wolken knieen und sitzen seitwärts von der Mittelgruppe S. Helena mit Kreuz, S. Hieronymus als Kardinal mit Büchern, Löwen und Kreuzesstab, S. Ambrosius als Erzbischof mit Stab und Geissei, S. Magdalena mit Salbenbüchse. Ganz oben erscheint Gott Vater segnend, vor seiner Brust die Taube, unter ihm drei kleine Engel aus einem Buche singend, zu beiden Seiten Cherubim mit Rauchfässern und Kerzen. Seitlich braungoldene Bogen, auf denen ein graubrauner Rahmen und graues Rankenwerk mit Perlen und Edelsteinen liegt. Am Sockel die von dem Adler, dem Wappentier des Stifters, des Juristen Peter Rinck (f 1501), an einem Ring getragene Hausmarke der Familie.

L. Flügel: S. Hippolytus als Ritter mit der Keule in der Linken und S. A f r a, die ihn schwärmerisch anblickt. Auf der Erde liegen vor dem Ritter die Marterwerkzeuge, Hacke und Schlinge, vor der Heiligen brennende Scheite. Ober dem Brokatteppich im Hintergründe S. Ägidius mit seinem Reh, vom Pfeil getroffen im Waldgebirge. Von der Höhe 1. blickt eine Klosterkirche über die Wipfel, r. im Grunde geht ein Mühlrad.

R. Flügel: Die h. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Arm und der Evangelist Johannes mit dem Schlangenkelch. Über dem Brokatteppich im Hintergrund S. Maria Egyptiaca mit ihren drei Broten nackt an der Felsenküste.

Aussenseite: Als graue Statuen in Nischen stehen rechts. S. Symphorosa mit ihren Söhnen Crescens, Julianus, Nemesius, Primitivus, Justinus, Stacteus, Eugenius, links S. Felicitas mit Januarius, Felix, Philippus, Silvanus, Alexander, Vitalis, Martialis.

Eichenholz.‘ H. 1,44 m und 1,45 m, B. 1,06 und 0,47 m. Vom Thomasaltar des Karthä“serklosters. Vermächtnis des Hern Carl Stein (gestorben 1868).

Arnold von Brauweiler

Arnold von Brauweiler, Bürgermeister von Köln, in schwarzroter Amtstracht und schwarzem Barett, den weissen Amtsstab in der mit einem Türkis gezierten Rechten, in der Linken ein Papier, am Zeigefinger einen Siegelring mit Initialen und Wappen, Brustbild hinter einer grauen Brüstung vor dem Fenster, durch welches man in eine grüne Landschaft sieht. Auf dem Rahmen unten: Her Arnolt von Browiller, Burgemeister zo Coellen aetatis 62. Ao. 1535.

Alter Rahmen oben abgerundet. Eichenholz. H. 0,57 m, B. 0,38 m.

Pfeifer und Trommler

Pfeifer und Trommler von einer Darstellung des leidenden Hiob, den seine Frau mit Wasser begiesst. L. unten sieht man den Zipfel ihres roten Kleides. Sie stehen auf braunem Erdboden, der Pfeifer ist unbärtig und trägt gelblichen Hut, blaues geschlitztes Wams mit lila Bändern, grüne Jacke mit lila Litzen; gelbbraune Hosen und schwarze Schuhe. Der Trommler mit langen blonden Locken und Vollbart hat die Züge des jugendlichen Dürer; er pausiert, indem er aufhorchend nach dem Pfeifer blickt und trägt roten Mantel mit Goldborten, schwarze Hosen und Schuhe. Im Hintergründe Wald und Berge, davor im Thal auf der HeerstrasseJwerden Hiobs Kamele von Räubern überfallen.

Aussenseite vom Flügel eines Altarbildes in der Hauskapelle rder_Familie Jabach.

Eichenholz H. 0,93 m, B. 0,51 m.

Die Aussenseite des anderen Flügels mit Hiob und seiner Frau ist im Städelschen Institut zu Frankfurt (Nr. 83), die Innenseiten der Flügel mit den hh. Simeon, Lazarus, Joachim und Joseph sind mit der Sammlung Boisseree in die Münchener Pinakothek aufgenommen. Das Mittelbild ist verschollen.

Meister des Todes Mariä
wahrscheinlich Joos van Cleef
geb. zu Antwerpen, 1511 in die Malerzunft aufgenommen,
gest. 1540.

Tod Mariä. Maria in blauem, pelzgefüttertem Kleide und weissem Kopftuch liegt sterbend auf einem prächtigen Himmelbett. S. Johannes hält das Licht in ihrer Linken. Am Küssende des Bettes reden drei Apostel mit einander über eine Stelle des Buches, das auf der Decke liegt, ein Anderer kommt mit dem Kessel und Wedel für Weihwasser herbeigelaufen. S. Petrus im Bischofsornat liest vor dem Bette die Sterbegebete. L. hält Einer das Weihrauchfass, in das ein Anderer auf dem Boden knieend hineinbläst. In der offenen Thür 1. reden Zwei miteinander, ganz r. tritt der Zwölfte als Pilger ins Zimmer ein. Der ganze Raum ist reich ausgestattet, die Thüre von einem Marmorrahmen in Renaissanceformen umgeben. Daneben ist die Nische für Wasserkessel und Becken. Am Handtuchhalter das Antwerpener Malerwappen: 3 weisse Schilder auf blauem Grunde. Auf einem Schemel vor dem Bette steht ein Weihrauchschiffchen neben einem Rosenkranz. Über der Thüre 1. ein Wandleuchter vor einem Messingbecken. An der Wand in der Mitte hangt ein Gemälde, dessen Mittelbild die Erschaffung Evas, die Flügel Moses und Aron zeigen. Im Fenster ein gemaltes gelbes Wappen mit einem Namenszug.

R. Flügel: S. Nicasius mit Hirnschale und Bischofsmütze in der Linken und S. Georg mit Kreuzesfahne und Drachen empfehlen die Stifter Nicasius Hackeney (Rechenmeister Kaiser Maximilians und Hofmeister Philipp des Schönen, f 1518) und Georg Hackeney; vor ihnen die Wappen.

R. Flügel: S. Christina mit Mühlrad und S. Gudula mit Laterne empfehlen die Gattinnen der Stifter, Christina, geh. Hardenrath, Witwe des Bürgermeisters Johann von Merle und ihre Tochter aus erster Ehe Sibylla. Den Hintergrund bildet auf beiden Flügeln eine reiche Landschaft über einem Flusse.

Aussenseiten der Flügel: Steinfarben, S. Maria und Christophorus, S. Sebastian und S. Rochus. Auf dem neuen Rahmen, auf den ein Stück des Teppichs von jedem Flügel hinübergemalt ist, ist die Zahl 1515 eingeschnitten.

Eichenholz. H. 0,63 m, B. 1,23 m und 0,57 m.


Bathseba im Bade

Bathseba im Bade. In einer von Palästen in phantastischer Architektur eingefassten Strasse vorn 1.

an einem Brunnen die entkleidete Bathseba neben einem Citronenbusch. Eine Dienerin in blauem Gewände mit hellrotem Überwurf kniet vor ihr und wäscht den Fuss in einem flachen Becken, rechts eine zweite Dienerin, die mit erhobenem Arm aus einer Kanne Wasser über die Schulter der Bathseba giesst. R. an einem Fenster im ersten Stockwerk eines Palastes schaut König David der Scene zu, in der Ferne sprengt der Reiter mit dem Uriasbrief davon. Im Hintergrund hügelige Landschaft. Bez.: O. Paridis Bordone.

Leinwand. H. 2,31 m, B. 2,14 m. 1869 erworben. Ehemals in der Galerie des Kardinals Fesch in Rom.

Bartolommeo Suardi, gen. Bramantino

Tätig in Rom, Mailand und Locarno.

geboren zwischen 1529 und 1536.

Philemon und Baucis (frei nach Ovid). Inder Mitte an einem unter einem Baum stehenden Tisch Jupiter und Merkur, dahinter das strohgedeckte Haus. Auf dem Tisch steht eine grosse goldene Schale, hinter dem Tisch ein Mann und eine Frau mit anbetender Gebärde, seitlich knieen Philemon und Baucis. Rechts wird eine Kuh gemolken; weiterhin ist die Ankunft der beiden Götter dargestellt, links treiben die beiden Alten ihre Gans dem Götterpaar entgegen.

Leinwand. H. 0,58 m, B. 0,78 m.

Bartolome Esteban Murillo

Geb. zu Sevilla 1618. Schüler des Juan de Castillo.

Thätig in Sevilla, geboren daselbst den 3. April 1682.

577. S. Franciscus in der Portiuncula. Der Heilige in graubrauner Kutte kniet mit ausgebreiteten Armen vor dem Altar der Portiuncula-Kapelle, neben dem eine Statue des h. Paulus steht. (Er hatte der h. Jungfrau einen Rosen-zvveig geweiht und um Ablass für die Gläubigen gebeten, die zu seiner Kapelle wallfahrten.) Auf den Wolken erscheint der Heiland, sitzend mit segnender Gebärde, das Kreuz mit der Linken haltend. Ein roter Mantel liegt auf seinen Knieen und flattert hinter dem braungelockten Haupt empor. Zu seiner Rechten kniet in den Wolken etwas tiefer die h. Jungfrau und blickt mit über der Brust gekreuzten Armen bittend zu ihm empor. Ein dunkelblauer Mantel fällt ihr über den Rücken und den 1. Arm; ein opalgelber Schleier umfliesst den Kopf, der vor dem goldnen Himmelsglanze steht. Eine Schar von grösseren und kleineren Engeln umschliesst die himmlische Erscheinung. Sie flattern von oben herbei, sitzen auf den Wolkenkissen und schauen herab auf den Heiligen oder tummeln sich am Fusse des Kreuzes, während die untere Kette in lebhafter Bewegung den Heiligen mit Rosen überschüttet.

Leinwand. H. 4,27 m, B. 2,91 m. Mittel- und Hauptgemälde des Hochaltars der Kapuzinerkirche in Sevilla. Die ebenfalls von Murillo ausgeführten Gemälde auf den Seiten- und Nebenaltüren jetzt zuin grössten Teil im Museum in Sevilla. Dies Gemälde wurde als Bezahlung für die Restauration der Kirche und der Gemälde dem Maler Bejavano überlassen. Von ihm gelangte es an Jose Madrazo, Direktor des Pradomuseums, und darauf, im Anfang des XIX Jahrhunderts, in die Galerie des Infanten Don Sebastian. Von dessen Sohn dem Prinzen Alfonso de Borbon erwarb es 1898 der Kunsthändler Herr N. Steinmeyer und in demselben Jahr wurde es an das Museum geschenkt von J. N. Heidemann, Arth. Camphausen, Frau F. C. Guilleaume, Max Guilleaume, Freiherr Albert von Oppenheim, Fug. Rautenstrauch, Jul. van der Zypen, Otto Andreae, Frau Emil Oelbermann, Otto Deichmann, Louis Hagen, Gust. Mallinckrodt, Gust. Michels, Freiherr Ed. von Oppenheim, Val. Pfeifer, Emil vom Rath, Ed. Schnitzler, Heinr. Stein, C. Burgeois, Rhein. Brauereigesellschaft, F. Clouth, Rob. Esser, Frau Emma Farina geb. von Clucsack, Arn. Guilleaume, Theod. Guilleaume, Alb. Heimann, Flau Aug. Joest, Ernst Leyendecker, Dr. von Mevissen, Ernst Michels, Alfred Neven-DuMont, Dr. Jos. Neven-DuMont, Wilh. Peill, Eug. Pfeifer, Arth, vom Rath, Theod. Schaurte, Heinr. Schröder, Mor. Seligmann, Raoul Stein, P. J. Stollwerck, Fritz Vorster, Eug. van der Zypen, Jean Balthazar, Max Charlier, Frl. Hedwig Endemann, Frau Marie Herbertz, Ernst Königs, Frau Eug. Langen, Gottl. Langen, Franz Leiden, Hans Leiden, O. de la Parra, Eug. Ritter, Dr. Rieh. Schnitzler, Carl Wahlen, Dr. Jul. Weiler.

Heilige Familie

Heilige Familie. Der nackte Jesusknabe.sitzt auf dem Schoss der in ein blaues Kleid mit rotem Ubergewand gekleideten Maria und greift nach einer Schnur, die der vor ihm stehende kleine Johannes hält und an der ein Stieglitz befestigt ist. Hinter Johannes Elisabeth in grauem Gewand mit schwarzem Mantel mit den Fingerspitzen der Rechten die Hüfte des kleinen Johannes berührend. Den Abschluss der Gruppe bildet der nach vorn sich überbeugende und mit der Linken auf einen Baumstamm sich stützende Joseph. ImHintergrund einGartentor.

Leinwand. H. 1,18 m, B. 0,93 m. Aus dem Besitz des Bürgermeisters von Antwerpen de Groot. 1862 aus der J. P. Weyer’schen Sammlung erworben. Stich von Boiswert bei Rooses, Rubens PI. 76.

Jan Steen
Geb. zu Leiden um 1626. Schüler des Nicolaes Knüpfer zu Utrecht und des Jan van Goyen im Haag, beeinflusst von Adriaen van Ostade. Thätig zu Leiden, im Haag (ca. 1649—1654) und in Haarlem 1661—1669. Begr. in Leiden 3. Febr. 1679.

Simson in den Händen der Philister. In einer hochgewölbten Säulenhalle, welche oben von einem roten Vorhang abgeschlossen ist, kniet der geschorene

und gefesselte Held auf dem Boden. Die Zähne fletschend, mit weit aufgerissenen Augen hört er, wie hinter ihm der Henkersknecht zwei würdigen Philistern mitteilt, dass er dem Gefangenen die Augen ausstechen will. Sie hören mit behaglichem Schmunzeln zu. Weiter r. wendet sich Delila, die das versprochene Geld entgegennimmt, in plötzlicher Wendung der Mittelgruppe zu, ebenso ein älterer Mann mit den Zügen des Malers, der sich auf den Rücken des mit persischem Teppich geschmückten Divans lehnt und seine Hand auf die nackte Schulter des Weibes legt (das Kleid ist hier bis unter die rechte Brust erneuert). Sie hat die Linke noch auf den Silbergulden hegen, die ihrer Vertrauten von einem Geldmann zugezählt werden. Kriegsknechte höien der Verhandlung zu, ein Junge stösst in die Trompete. Ganz r. steht ein Wachthabender mit Hellebarde und hohem Hut und blickt mit stolzem Selbstbewusstsein in die Luft, während ein Junge vor ihm die Hand nach den Geldsäcken ausstreckt. Im Vordergründe bellt Delilas Hund den Helden an, auf der Erde hegen die Locken Simsons und die Geräte des Bartscherers, zu Füssen Delilas die Schere. Hinter dem Gefesselten kniet ein junger Mann, der den Strick hält und seine Mienen beobachtet. L. ziehen drei Knaben an der Kette, die um seinen Hals gelegt ist. Ein vornehmer Herr im Turban preist die göttliche Fügung; er ist umgeben von einer Kriegergruppe, darunter ein älterer Mann laut schreiend, weiterhin ein Mohr und r. Einer, der mit dem Rücken des Säbels auf den Helden schlägt. Über diesem steht der Fahnenträger in ruhiger Teilnahme. Andere Zuschauer erscheinen im Hintergründe auf der Treppe, die nach r. emporführt; ein halbwüchsiger Junge stösst ein Jubelgeschrei aus, ein hagerer Bewaffneter droht von oben ängstlich mit dem Säbel. Durch die Bogen der Halle sieht man in eine Morgenlandschaft mit Wald und Burgund fernen Bergen.

Leinwand. H. 1,33 m, B. 1,98 m. Geschenkt von Kölner Kunstfreunden 1894.

Eduard Bendemann
Geb. den 3. Dez. 1811 zu Berlin, studierte hier und unter Schadow in Düsseldorf. War 1830 in Rom, seit 1831 wieder in Düsseldorf, wurde 1838 Professor an der Akademie in Diesden, 1859—1867 Direktor der Akademie in Düsseldorf, f daselbst den 27. Dez. 1889.

Die trauernden Juden im Exil. Um eine Weide sitzen am Flussufer in symmetrischer Anordnung: in der Mitte ein gefesselter Greis mit der Harfe, die Enkelin zu seinen Füssen, nach r. ein Mädchen mit der Harfe, nach 1. eine Mutter mit dem Säugling auf dem Schosse. Im Hintergründe am jenseitigen Ufer Babylon. In den Zwickeln auf dem Rahmen: „An den Wassern zu Babylon sassen wir und weineten, wenn wir an Zion gedachten“.—

Leinwand. H. 1,79 m, B. 2,74 m. Gemalt um 1831. F.rworben mit Hilfe des Kunstvereins für Rheinland und Westfalen 1832.

Benjamin Vautier
Geb. den 29. April 1829 zu Morges am Genfer See, in Genf vorgebildet, dann noch eine Zeit lang als Zeichner für Emails und als Miniaturmaler thätig; studierte seit 1850 in Düsseldorf, zuerst an der Akademie, dann unter Jordan und wurde daselbst ansässig, gestorben den 25. April 1898.

Der Leichenschmaus. Die Witwe des eben Bestatteten sitzt weinend neben dem Bette im Hintergrund 1., bei ihr einige Frauen, von denen eine sie tröstend bei der Hand fasst. Im Vordergrund r. sitzen die Frauen am Tisch zum Schmaus versammelt; bei ihnen, die Gäste bedienend, das Töchterchen der Witwe, an welches sich verweinten Auges das Brüderchen anklammert; die eine der Frauen reicht ihm tröstend die Hand; r. Durchblick in einen anderen Raum, in welchem sich die Männer versammelt haben. Kostüm des Berner Oberlandes.

Bez. B. Vautier Dlf 66.

Leinwand. H. 0,85 m, B. 1,30 m. Erworben aus dem Richartz-Fonds 1866.

Friedrich August von Kaulbach
Geb. den 2. Juni 1850 zu Hannover als Sohn des Porträtmalers Friedr. Kaulbach, Grossneffe Wilh. Kaulbachs, anfangs Schüler seines Vaters, dann von E. Raupp an der Nürnberger Kunstschule, später der Münchener Akademie; lebte längere Zeit in Italien und Paris, war 1886—1891 Direktor der Akademie in München; ansässig daselbst.

Bildnis Wilhelms II. Der Kaiser in ganzer Figur, in der Uniform eines Admirals, steht auf einer Terrasse von dunklem Marmor am Meeresstrand, den Blick nach r., die Rechte auf den Eckpfeiler einer Balustrade gestützt, auf welcher der Admiralshut liegt, die Linke am

Degen. Hintergrund Meer mit Kriegsflotte vor Anker unter dunkelbewölktem Himmel.

Bez. F. A. v. Kaulbach.

Leinwand. H. 3,01 m, B. 2,00 m. Geschenk von Herrn und Frau Kommerzienrat Eugen Rautenstrauch 1900.

Text und Bild aus dem Buch: Verzeichnis der Gemälde des Städtischen Museums Wallraf-Richartz zu Cöln (1903).

Siehe auch:
Galleria degli Uffizi
Kasseler Galerie
Dresdner Galerie
Münchener Kunst
Blumenkunst
Deutschlandbilder
Wallraf-Richartz Museum
Statens Museum for Kunst Kopenhagen
National Gallery of Britisch Art – The Tate Gallery

Kunstdrucke Wallraf-Richartz Museum