Schlagwort: Tycho Brahe

Abbildungen Astronomiae Instauratae Mechanica

Im Herbst des Unglücksjahres 1618 erschienen drei Kometen, von denen besonders der im Bild des Skorpions leuchtende die Aufmerksamkeit der Astronomen, Furcht und Schrecken im Volke erregten. Galilei war infolge langwährender schwerer Krankheit nicht imstande, genauere Beobachtungen anzustellen. Er hat aber seine Meinung über die Natur der Kometen verschiedenen Personen mitgeteilt; der berühmte Mathematiker war der Ansicht, daß es sich um Erddünste handle, die hoch über die Erde emporgestiegen seien und deren Licht im übrigen keine reelle Erscheinung, sondern eine bei bestimmter Beleuchtung hervorgerufene Täuschung sei. Ähnlich war übrigens die Meinung Keplers, der die Schweifsterne erstens als irdische Dünste und zweitens als göttliche Mahnzeichen hinstellte. Indessen bestand zwischen den beiden Anschauungen doch ein großer Unterschied, denn Kepler wußte, daß die Kometen wirkliche Weltkörper seien, die weiter als der Mond von uns entfernt sind, während Galilei sie mit „Nebensonnen und Nordlichtern“ gleichsetzte und also der Meinung war, daß sie für verschiedene Beobachter, sofern sie überhaupt sichtbar sind, ganz gleichartig erscheinen, also keine Parallaxe haben, wie der Fachmann sagt. Abgesehen davon, daß die Nordlichter wirkliche Lichterscheinungen sind und eine meßbare Parallaxe haben, hat sich Galilei in seiner Anschauung über alles das hinweggesetzt, was zu seiner Zeit in bezug auf die Körperlichkeit der Kometen bereits bekannt war. Wir bemerken noch, daß er auch den neuen Stern von 1604 als durch Ausdünstung der Erde entstandene Lichtreflexe aufgefaßt wissen wollte. Nun schrieb 1619 der Pater Grassi im Kollegium Romanum eine Abhandlung über jene drei Kometen, worin er mit guten Gründen die Meinung bewies, daß diese Phänomene keine Täuschung, sondern wirkliche Himmelskörper seien. Galileis Anhänger drangen in diesen, daß er seine Anschauung gegenüber der des Grassi durch eine Schrift zur Darstellung bringe. Galilei hat nun wohl mit Rücksicht auf die ihm von den Theologen entgegengebrachte unfreundliche Gesinnung darauf verzichtet, selbst eine Schrift gegen Grassi zu verfassen, aber er bewog seinen Freund Mario Guiducci, den Konsul der Florentiner Akademie, eine solche Abhandlung zu schreiben. Darin werden dem Grassi allerlei Irrtümer vorgeworfen, und es wird der galileische Standpunkt als der richtige erklärt. Auch wird in ziemlich scharfer Weise die Frage aufgeworfen, warum denn Grassi „die neuesten astronomischen Entdeckungen Galileis“ mit völligem Stillschweigen übergangen habe? —

Galileo Galilei

Die beiden berühmtesten Zeitgenossen Galileis waren der Deutsche Kepler und der Engländer Gilbert.

Johannes Kepler (1571—1630) hat ein merkwürdiges Lebensschicksal. Er fühlte sich für die Theologie bestimmt, als er den Auftrag erhielt, nach Graz zu gehen, um dort Mathematik und Moral an einer Mittelschule zu lehren. Mathematik hieß damals nebst Rechnen vor allem Astronomie und Astrologie. Da Kepler bei Mästlin in Tübingen mit großem Interesse und vielem Erfolg astronomische Vorlesungen gehört hatte, so war es ihm nicht schwer, von der Theologie zur Astronomie umzusatteln. In jener Zeit war fast ganz Österreich protestantisch, und nur in den abgelegensten ländlichen Gebieten waren die Bauern katholisch geblieben. So durfte Kepler annehmen, daß er in eine beinah ganz evangelische Stadt ziehen würde. Im Jahre 1594, während Galilei schon zwei Jahre in Padua wirkte, zog er voll froher Hoffnungen nach Graz, aber schon 1599 vertrieb ihn die Gegenreformation, die damals in den österreichischen Alpenländern Steiermark und Kärnten einsetzte. Von Graz ging Kepler nach Prag, wo er zunächst Assistent und nach 1601 Nachfolger Tycho Brahes ward. Von 1601—1612 ist er kaiserlicher Mathematiker. In Graz entstand sein erstes Werk: „Prodomus“ (die „Schöpfungsgeheimnisse“ enthaltend). Er versuchte eine Frage zu lösen, die ihn zeit seines Lebens immer wieder beschäftigte und der er im Grunde alle seine Werke gewidmet hat: Welches Gesetz beherrscht die Anordnung der Planeten um die Sonne? — Die erste Lösung, die Kepler fand, wurde von Galilei, nicht aber von anderen Zeitgenossen abgelehnt. Kepler dachte sich die verschiedenen regulären (platonischen) Körper rings um die Sonne ln folgender Welse angeordnet: Legen wir uns um die Bahn des Saturns eine Sphäre und in diese hinein den eingeschriebenen Würfel. In diesen Würfel schreiben wir eine neue Späre ein, die den 12jährigen Umlauf des Jupiter in sich enthält. Hier hinein setzen wir ein Tetraeder, dem wir neuerdings eine Kugel elnschreiben. Auf dieser Kugel liegt dann, wie Kepler meint, die Bahn des Mars. In diese Kugel hinein legt Kepler das reguläre Pentagon-Dodekaeder, in welches wieder eine Sphäre eingebaut wird, die die Erdbahn in sich enthält. Weiter folgt dann das Ikosaeder und schließlich das Oktaeder.

Obgleich wir auch heute nicht in der Lage sind, die Frage, warum die Planeten gerade in den uns bekannten Entfernungen um die Sonne laufen, zu beantworten, so pflegt man doch gleichwohl die hier von Kepler angegebene Lösung als „mystische Verirrung“ anzusehen, nicht viel anders als dies Galilei vor 300 Jahren tat. Mir scheint aber, daß in dieser Frage das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Da wir die vermutlich doch vorhandenen zwingenden Ursachen, die den Bau des Planetensystems reguliert haben, gar nicht kennen, so können wir auch keineswegs die Behauptung aufstellen, daß bei diesem Bau die Gesetze der platonischen Körper nichts zu sagen hätten. Aber immerhin, auch wenn sich die völlige Beziehungslosigkeit heraussteilen sollte, so war die Aufstellung und konsequente Verfolgung der Frage bei Kepler vom Anfang seiner Laufbahn an schon ein durchaus moderner Zug. Als es ihm dann 1609 gelang, seine beiden ersten berühmt gewordenen Gesetze zu finden, traf er einen wohlvorbereiteten und günstigen Boden für die Aufnahme seiner Forschungsergebnisse. Daß die Bahnen der Planeten nicht Kreise sondern Ellipsen seien und daß die Geschwindigkeit der Planeten im verkehrten Verhältnis zur jeweiligen Entfernung zur Sonne steht, die im übrigen „die Quelle der Bewegung“ ist, das war ein für jene Zeit außerordentlich wichtiges Resultat vieljähriger Rechnungen. Kepler selbst hat zwar nicht viel beobachtet, er war kurzsichtig. Er konnte aber nach dem Tode Tycho Brahes dessen auf viele Jahre zurückgehenden genauen Beobachtungen benützen, namentlich die des Mars.

Galileo Galilei

Galilei und der schiefe Turm zu Pisa.

Vincenzo Galilei, der Vater des berühmten Physikers, war ein florentinischer Patrizier mit einer ungewöhnlich guten wissenschaftlichen Bildung. Es scheint, daß er zumindest zeitweise das Gewerbe eines Tuchhändlers sowie den Beruf eines Musiklehrers ausgeübt hat. Daneben sind von ihm literarische Arbeiten erhalten, die als bedeutsam für die Musikgeschichte bezeichnet werden. Jedenfalls war Vincenzo Galilei keineswegs mit Glücksgütern gesegnet. Sein ältester Sohn Galileo wurde am 18. 2.1564 geboren. Ihm folgte später ein Bruder Michelangelo und drei Schwestern Virginia, Helena und Livia. Die beiden Brüder waren hervorragend musikalisch begabt und Michelangelo wirkte von 1607—31 als Hofmusiker im Dienste des Kurfürsten Maximilian I. zu München. Michelangelos Sohn Vincenzo Alberto war noch 1662 dort als Lautenspieler tätig.

Galileo Galilei hat eine sorgfältige Erziehung genossen, obgleich sich die Armut der Vaters wiederholt störend bemerklich machte. Es war ein Glück, daß Galileo im Kloster Vallombrosa nahe bei Florenz Aufnahme und Unterricht fand. Er lernte dort Dichtkunst und Musik, Zeichnen und praktische Mechanik. Es wird berichtet, daß sich der junge Galilei im Kloster so sehr wohl fühlte, daß er gerne dort geblieben wäre. Der Vater aber wünschte, daß sich sein Sohn dem Studium der Medizin widme. So kam Galileo im 18. Lebensjahr nach Pisa, zum großen Mißvergnügen der Mönche zu. Vallombrosa, die ihren begabten Zögling sehr ungern scheiden sahen.

Galileo Galilei