Schlagwort: Völkerwanderung

Durch die Einbrüche wilder Völker, sowie Verschlechterung der Sitten in Italien trat dort ein tiefer Verfall der Wissenschaft ein, welcher sich über das ganze Abendland verbreitete. Länger hielt sich die geistige Kultur im östlichen römischen Reiche, weil diese Gegenden erst in späteren Jahren durch die Einflüsse der Einbrüche wilder Voksstämme zu leiden hatten. Es dauerte dann auch nicht lange, daß Griechenland von nun an das Land der Wissenschaft in Europa wurde; diese Stellung wurde erst recht gekräftigt, seit Byzanz im Jahre 324 n. Chr. die Residenz des Herrschers wurde. Die byzantinischen Gelehrten standen im besten Einvernehmen mit ihren alexandrinischen Kollegen, mit dieselben werden wohl von Alexandrien die naturwissenschaftlichen Kenntnisse erworben haben. Mit dem bestimmteren Auftreten der Verbreitung von chemischen Ansichten ist die Datierung eines neuen Zeitalters, zu welchem wir nunmehr übergehen werden, erforderlich; es ist dieses das alchemistische Zeitalter oder das der Metallverwandlung.

Textausschnitt aus:
Die Zeitalter der Chemie : Die philosophischen Anschauungen der Griechen und die Frage nach den Elementen (1908)

Siehe auch:
…hätte die Hansa Amerika entdeckt
Das deutsche Genie wird immer siegen

Allgemeine Zitate

Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika.

(1894.)

„Deutsch in Amerika“, das ist der sonderbare Titel eines Buches, das vor nahezu drei Jahren in Chicago erschien und denkende Menschen seitdem zu allerlei wehmütigen Betrachtungen angeregt hat.

Nicht darum allein, weil der Verfasser eine Geschichte der deutschen Dichtung in Amerika geben wollte und ihm eine Art Arche daraus geriet, in der er alle möglichen Geschöpfe der Dichtkunst versammelte:

„von dem reinen Vieh und von dem unreinen, von den Vögeln und von allem Gewürm auf Erden.“

Eine kritischere und geschmackvollere Sichtung und vor allen Dingen eine tiefer dringendere und glänzendere Darstellung wäre gewiß möglich gewesen. Aber daß auch ihm nur eine Chronik und auf keinen Fall eine Geschichte der deutsch-amerikanischen Literatur gelungen wäre, das ist eine der schmerzlichsten Überzeugungen, die das Buch zurückläßt.

Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika

Über dem Beginn der griechischen Geschichte steht wie ein Morgenrot die homerische Poesie.

Hellenische und asiatische Fürsten verlassen ihre schimmernden Stadtpaläste, um zehn Jahre hindurch auf dem Gefilde zwischen dem schiffbedeckten Gestade, Priams hoher Feste und dem waldigen Idagebirge um schöne Weiber, Waffen, Schätze und Ruhm mit einander zu ringen. Dann fahren sie von Trojas rauchenden Trümmern in ihren dunklen Schiffen heim, manche von Insel zu Insel, von einem Abenteuer zum andern verschlagen, bis in die Tiefe des Hades hinab. Über alles ragt der Berg Olympos, auf dessen Gipfel unter Vater Zeus Lenkung die glanzvolle Götterfamilie wohnt, ewig und selig und doch oft von Liebe und Haß unter sich entzweit und in Liebe und Haß dem Treiben der Sterblichen dort unten zugewandt. So schwingen sie sich denn auch hilfreich oder verderblich zu ihnen herab oder empfangen droben den Fettdampf ihrer reichen Schlachtopfer oder die Gebete, die aus einfachen Tempeln zu ihnen aufsteigen. Auf einer nicht weiten und fest umrissenen Bühne, den Wogen und Inseln und Küsten des östlichen Mittelmeers, bewegen sich diese Menschen und diese Götter, nach Alter und Geschlecht, Geburt und Schicksal, Wuchs und Gemüt, Rang und Beruf scharf von einander geschieden. Ihre klare, milde, freie Schönheit, die reife und doch so frische Frucht einer langen Kultur, erquickt uns fremde Ungläubige noch heute, und ihr phantastisches Bild schwebt noch heute uns vor Augen wie eine zwar zerronnene, einst aber lebendig gewesene Wirklichkeit.

Und nach Homer verkündeten den Glauben an diese Wunderwelt und viele andere Götter und Dämonen und ihre mannigfachen Schicksale, Dienste und Feste Hunderte von hochbegabten Dichtem, Geschichtschreibern, Reiseschriftstellern und fast lauter noch zahllose Baumeister, Bildhauer und Vasenmaler durch unvergleichliche Werke, jeder in seiner, jeder aber in echt griechischer Weise. Schier unerschöpflich fließen die reinen Brunnen hellenischer Überlieferung.

Der Urkundenschatz unsrer germanischen Mythologie ist weit ärmer an alten, vollen heimischen und echt heidnischen Zeugnissen und ist untermischt mit viel fremdem Gut. Denn er ist bunt zusammengesetzt aus Berichten römischer Offiziere, Inschriften fremder Steinmetzen, Straf- und Bußparagraphen kirchlicher Synoden und Mönchsorden und aus Anekdoten christlicher Bekehrungsgeschichten, aus deutschen Zaubersprüchen, nordischen Götterliedern und isländischen Romannotizen, aus noch heute nicht verschollenen Sagen und still geduldeten Bräuchen unsrer Bauern. Es fehlt ein klares, echtes zusammenfassendes Bild, denn die altnordische Völuspa, die von der Götterdämmerung singt, ist voller Rätsel und noch dazu aus christlichen Ideen erwachsen; es fehlt auch fast völlig der Schmuck der Bildnerei. Aber überall, wo er nicht zu stark verschüttet ist, bricht auch aus germanischem Boden ein reicher Strom von Glaubenspoesie hervor, die denn doch trotz aller Renaissance und allem Humanismus uns oft tiefer ergreift als alle andre Heidenpracht, weil sie aus einem Geist geboren ist, von dem wir noch immer einen Hauch in uns selber verspüren.

die Quellen der germanischen Mythologie Mythologie der Germanen

Das deutsche Volk hat vier große Ausdehnungsepochen erlebt: zur Zeit der Völkerwanderung zogen germanisch-deutsche Stämme über Donau, Main und Rhein und erfüllten all die Lande bis zu den Alpen und bis zum Wasgenwald. Daß diese Gebiete dauernd behauptet wurden, ist ein glänzender Beweis für die neuerdings oft angezweifelte Kolonisationsfähigkeit unseres Volkes. Ein zweites Zeitalter begann mit Karl dem Großen. Die Slaven, die inzwischen nachgerückt waren, wurden zurückgedrängt. Eine Reihe von Ostmarken, bis hinunter nach Siebenbürgen und hinauf bis nach Estland und Livland, wurde begründet. Nicht eher trat Ruhe ein, bevor die ganze Ostsee so gut wie ein deutsches Binnenmeer geworden war. Sehr bald nach Kolumbus begann dann eine überseeische Auswanderung, die bis zur Gegenwart anhält. Als viertes Gebiet deutscher Siedlungstätigkeit ist Südeuropa zu nennen. Von den Zügen der Burgunder, Langobarden und Franken, die alle von deutscher Erde kamen, über die Romfahrten unserer Kaiser, über den Kreuzzug Barbarossas, dem bei dieser Gelegenheit Nemanja der Serbenzar als Vasall huldigte, bis zu den Türkenkriegen, der österreichischen Herrschaft in Italien und der Besetzung Bosniens führt im Grunde nur eine einzige große Linie. Die Versuche früherer Zeiten hatten jedoch keinen dauernden Erfolg; erst von den Taten Prinz Eugens hebt ein frisches Zeitalter bleibender Siedlung von immer wachsender Macht an. Zwar wird Serbien, das unter Prinz Eugen und Maximilian von Bayern erobert worden war, zurückgegeben, allein Ungarn wird wenigstens den Türken für immer entrissen, und an seinem Südsaume wohnen heute schwäbische Bauern bis an das Eiserne Tor. Auch nach dem Adriatischen Meere zu setzt eine neue deutsche Wanderung ein, die allerdings zum großen Teile durch die wiederum anschwellende italienische und slawische Flut verschlungen wird. Demgemäß war die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina in die österreichisch-ungarische Monarchie 1879/82 nur ein Glied in der langen, fast nie abbrechenden Kette deutscher Südwanderung.

Die Welt ist in der Gegenwart eng geworden, für niemand aber enger als für die Deutschen. Hat der Brite ungefähr ein siebtel Quadratkilometer unbebauten Landes für sich zur Verfügung, können der Russe ein elftel und der Yankee immerhin ein zwanzigstel Quadratkilometer für sich beanspruchen, so steht dem Deutschen nur ein achtzigstel Quadratkilometer Landes unter der eigenen Flagge offen. Es ist wahr, Millionen von unseren Volksgenossen haben eine Heimat in Amerika, Südafrika und Australien gefunden. Weil sie aber in jene überseeischen Gebiete kamen, als sie schon von fremden Mächten besetzt waren, so konnten sie sich dem Drucke fremder Staatsgewalt nicht entziehen und wurden entweder schon entvolklicht oder sind gegenwärtig, mit Ausnahme vielleicht von Pennsylvanien und Südbrasilien, im Begriffe, ihr Volkstum zu verlieren. Schon Caprivi sagte:

„Wir müssen entweder Menschen oder Waren exportieren.“

Wir haben uns notgedrungen auf die Waren verlegt und sind so zu einer weitgehenden Industrialisierung gelangt. Es wäre denkbar, daß im Osten und Südosten noch neues Land für deutsche Bauern zu finden wäre. Einstweilen jedoch ist der Gedanke daran in den maßgebenden Kreisen vollkommen verblaßt. So kam es denn, daß das Deutschtum in eine bedenkliche Enge geraten ist. Es gleicht einem überhitzten Dampfkessel, der zu platzen droht. Zugleich war der fast gänzliche Verzicht auf eine tätige auswärtige Politik von schlimmen geistigen Folgen begleitet. Eine übermäßige Steigerung innerer Kämpfe trat ein. Wir gleichen fast zwei Mühlsteinen, die nichts mehr zu mahlen haben, und die sich deshalb gegenseitig zerschroten und tiefe Wunden zufügen. Außerdem ist aber selbst der Bestand unserer staatlichen Macht bedroht. Wenn alle andern wachsen, wenn England und Frankreich, wenn Japan und Amerika fortwährend ihren Besitz und ihre Einflußkreise ausdehnen, so kann das unmöglich auf das im Stillstände verharrende Mittel-Europa ohne Rückwirkung bleiben. Andere gewinnen — und wir verlangten niemals Kompensationen. Es ist klar, daß, wenn eine solche Politik länger andauert, das Gleichgewicht in der Weltpolitik empfindlich gestört werden muß. So ist denn auch tatsächlich bereits seit mehreren Jahren das bisher kaum bestrittene Übergewicht Deutschlands ins Schwanken geraten. Wenn man die Entwicklung genau verfolgt, so kann man sogar sagen, daß der Niedergang bereits in der letzten Zeit Bismarcks anfing. Schon Bismarck war nur mit großer Mühe zur Erwerbung von Kolonien zu bewegen, schon er vernachlässigte die Flotte; auch ist er an dem Uganda-Vertrag, durch den nicht nur ein blühendes Reich mit 3 Millionen Einwohnern an England weggeschenkt, sondern auch der Plan eines transkontinentalen deutschen Länderringes durch ganz Mittelafrika vereitelt wurde, nicht ganz unschuldig. Nur das Gesetz der Trägheit ließ den Reichswagen noch weiter rollen, und der Glanz, der von Bismarck ausging, blendete noch ein Jahrzehnt hindurch die Augen der andern Völker, so daß sie das Sinken unserer Macht vorerst nicht wahrnahmen. Stillstand ist eben Rückgang. Und heute ist uns nicht nur die Möglichkeit, neue Siedlungsgebiete zu bekommen, erschwert, wenn nicht verhindert, sondern es handelt sich auch um unsere ganze staatliche Zukunft.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
Hellenismus
Wuti und Cäsar
Römischer Imperialismus
Germanen
Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
Die Condottieri
Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation
Entdeckungen und Erfindungen : Europäer in Afrika, Asien und Amerika
Entdeckungen und Erfindungen : Südeuropa gegen Nordeuropa
Aufstieg der Nordvölker : Holländer und Engländer
Aufstieg der Nordvölker : Kämpfe in Ostasien
Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens
Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große
Aufstieg der Nordvölker : Das Wachstum Preußens
Aufstieg der Nordvölker : England und Frankreich werden Weltmächte
Aufstieg der Nordvölker : Friedrich der Große
Aufstieg der Nordvölker : Die Vereinigten Staaten von Amerika
Zeitalter der Revolutionen : Napoleon
Zeitalter der Revolutionen : Wachstum Englands
Zeitalter der Revolutionen : Lateinisch-Amerika unabhängig
Zeitalter der Revolutionen : Heilige Allianz und Romantik
Zeitalter der Revolutionen : Die Woge des Liberalismus
Zeitalter der Revolutionen : Englands Hand über Asien und Afrika
Zeitalter der Revolutionen : 1848
Zeitalter der Revolutionen : Krimkrieg
Zeitalter der Revolutionen : Erschließung Ostasiens
Zeitalter der Revolutionen : Bürgerkrieg in Nordamerika
Zeitalter der Revolutionen : Einigung Italiens und Deutschlands
Zeitalter der Revolutionen : Der Mikado stürzt den Shogun
Zeitalter der Revolutionen : Erschließung Afrikas
Zeitalter der Revolutionen : 1870/71
Zeitalter des Nationalismus : Der Staatsbegriff in der Neuzeit
Zeitalter des Nationalismus : Disraeli
Zeitalter des Nationalismus : Russisch-türkischer Krieg
Zeitalter des Nationalismus : Der Berliner Kongreß
Zeitalter des Nationalismus : Dreibund
Zeitalter des Nationalismus : Afrikanische Wirren
Zeitalter des Nationalismus : Deutsche Kolonien
Zeitalter des Nationalismus : Bismarcks Ausgang
Zeitalter des Nationalismus : Goldausbeute und Industrie
Zeitalter des Nationalismus : Wachstum der Bevölkerungen
Zeitalter des Nationalismus : Japanisch-chinesischer Krieg
Zeitalter des Nationalismus : Der Jamesons-Raid
Zeitalter des Nationalismus : Der Streit um die Goldfelder in Venezuela
Zeitalter des Nationalismus : Kämpfe in vier Erdteilen
Zeitalter des Nationalismus : Spanisch-amerikanischer Krieg
Zeitalter des Nationalismus : Nationalitätenhader in Österreich

Männer; Völker und Zeiten