Bildverzeichnis der 192 Abbildungen unten.

Noch zur Zeit unserer Väter pflegten im Deutschen Land die Bauersleute sich in ihre eigenen Trachten zu kleiden. Man zerbrach sich damals nicht den Kopf darüber, hatte seine Freude an den schlichten, eigenartigen und farbenfrohen Kleidern, die als eine Art von selbstverständlicher Staffage zum Bild des Dorfes, der ländlichen Natur gehörten. Jetzt sind die Volkstrachten vor dem gleichmachenden Einfluß der Mode fast schon verschwunden. Was wir von ihnen heute noch sehen, werten wir als einen unverfälschten Ausdruck heimatlicher Volkskunst aus vergangenen Tagen und lieben in ihnen die Erinnerungen an eine versunkene „gute alte Zeit“. Natürlich sind die bäuerlichen Trachten unter dem bestimmenden Einfluß von Lebensgewohnheit, Arbeit, Klima und wirtschaftlicher Lage entstanden. Aber gleichwohl stellen sie vor allem eine lebensvolle Äußerung der Volksseele dar, so wie sie sich im Spiel geschmacklicher Gestaltungsfreude verrät. Und gerade hierin, in dieser gefühlsmäßigen Bindung an unser Volkstum, mag wohl die Freude begründet sein, mit der wir auf Reise oder Wanderung die noch bestehenden Reste der Trachten „entdecken“, und ebenso auch die Freude, welche uns Bilder dieser Trachten, der noch lebenden wie der verschwundenen, sammeln läßt.-






























































































































































































Bildverzeichnis:

Almer Westfale
Alte Harzer Bauernfrau
Altenburger Bauer
Altenburger Bäuerin
Altenburger Magd
Alter Altenburger
Alter Friesischer Fischer
Artländer Großbauer
Artländer Schnitter
Artländer Spinnerin
Bauer aus dem Ahrtal
Bauer aus dem Allergebiet
Bauer aus dem Alten Land
Bauer aus dem Eulengebirge
Bauer aus dem Harz
Bauer aus dem Hohen Schwarzwald
Bauer aus dem Lippischen
Bauer aus dem Litauischen
Bauer aus dem Riesengebirge
Bauer aus dem Schwarzwaldgebiet
Bauer aus dem westlichen Baden
Bauer aus der Lüneburger Heide
Bauer aus Freudenstadt
Bauer aus Marburg
Bauer aus Oberhessen
Bauer aus Pommern
Bauer aus Reutlingen
Bauer aus Weimar
Bauer in Alltagstracht
Bauer in Arbeitskleidung
Bauer von Rügen
Bäuerin aus Baden
Bäuerin aus dem Allergebiet
Bäuerin aus dem Alten Land
Bäuerin aus dem Bayerischen Schwaben
Bäuerin aus dem Eulengebirge
Bäuerin aus dem Hohen Schwarzwald
Bäuerin aus dem Hunsrück
äuerin aus dem Lahngebiet
Bäuerin aus dem Oberamt Göppingen
Bäuerin aus dem Riesengebirge
Bäuerin aus dem Schaumburgischen
Bäuerin aus der Lüneburger Heide
Bäuerin aus Dresden
Bäuerin aus Marburg
Bäuerin aus Pommern
Bäuerin-Starnberger See
Bauernbursche aus Mittelbaden
Bauernfrau in Trauertracht
Bauernmagd aus dem Schaumburgischen
Bauer-Starnberger See
Braunschweiger Schäfer
Braunschweiger-Bauer
Braunschweiger-Frau
Braunschweiger-Fuhrmann
Braunschweigerin
Braunschweiger-Magd
Braut aus Altenburg
Braut von Mönchgut
Bräutigam aus Altenburg
Bräutigam von Mönchgut
Bückeburger
Bückeburgerin
Bursche aus dem Oberamt Alm
Bursche aus dem Oberamt Tuttlingen
Bursche aus dem Schwalmgebiet
Bursche aus Niederhessen
Dachauer-Bauer
Dachauerin
Dienstmagd aus Leer
Erfurter Bauernmädchen
Fischer von Rügen
Fischersfrau aus Halligen
Fischmeister aus Leer
Fränkische Bäuerin
Fränkischer Bauer
Frau aus Bremervörde
Frau aus dem Harz
Frau aus dem Lahngebiet
Frau aus Oberhessen
Frau aus Rostock
Frau aus Rottweil
Frau aus Schleswig
Frau in Abendsmahltracht
Frau von der Insel Föhr
Friese von den Ost-Inseln
Friesin von den Ost-Inseln
Friesische Bäuerin
Friesische Fischersfrau
Friesischer Bauer
Göttinger Schäfer
Gurkenhändler aus der Mark
Hallore
Hamburger Taubenhändler
Händlerin aus Weimar
Handwerksbursche aus der Mark
Harzer Bauerntochter
Harzerin im Sonntagsstaat
Hessischer Holzknecht
Hochzeitbitter aus dem Spreewald
Hofbesitzer im Sonntagsstaat
Holsteiner Bauer
Lausitzer Bauer
Lausitzer Bauernfrau
Litauische Bäuerin
Mädchen aus dem Thüringer Wald
Mädchen aus der Eifel
Mädchen aus der Mark
Mädchen aus Mecklenburg-Schwerin
Mädchen aus Reutlingen
Mädchen in litauischer Tracht
Magd aus dem Schwalmgebiet
Magd aus Dresden
Magd aus Niederhessen
Mann aus dem Bayerischen Schwaben
Mann aus dem Spreewald
Mann aus Dresden
Märkische Bäuerin
Märkisches Bauernmädchen
Mecklenburgische Bäuerin
Mittelbadische- Bäuerin
Mittelbadischer-Bauer
Mönchguter Bauer
Mönchguter Bäuerin
Mönchguter Fischer
Mönchguter Fischersfrau
Moselländerin
Münsterländerin
Niederrheinischer Bauer
Niedersäschsische Braut
Oberbayerische Bäuerin
Oberbayerische Bäuerin II
Oberbayerischer Bauer
Oberschlesische Bäuerin
Oberschlesischer Bauer
Osnabrücker Rossschulze
Ostpreuße in litauischer Tracht
Ostpreußische Bauernfrau
Ostpreußischer Bauer
Pommerische Bauersfrau
Pommerische Braut
Pommerischer Hochzeitsbitter
Pommerischer Landmann
Rheinischer Lederhändler
Rheinischer Weinbauer
Rheinländerin aus dem Hunsrück
Rügischer Fischer
Saargauer Bauer
Saargauer Bäuerin
Säschsischer Bauernbursche
Schäfer aus dem Harz
Schwäbische Magd
Schwäbischer Bauer
Schwarzwald-Bauer
Schwarzwälder- Bauernfrau
Schwarzwälder-Hausfrau
Schwarzwälderin
Schwarzwälder-Schützenkönig
Schwarzwald-Mädchen
Schwenminger-Bauernbursch
Schwenminger-Bauernfrau
Spielmann von der Saale
Spreewälder Männertracht
Spreewälderin
Südbadische-Bäuerin
Südbadische-Braut
Südbadischer-Bauer
Südbadischer-Hausierer
Südbadische-Winzerfrau
Tegenseer Wildschütz
Vierländer Obstverkäufer
Vierländerin
Wasserträgerin
Weinbergschütze von der Mosel
Wendische Frauentracht
Wendischer Bauer
Wendische Bäuerin
Westfale in Sonntagstracht
Westfälin im Sonntagsstaat
Westfälin in Freitagsstaat
Westfälische Bäuerin
Westfälische Bäuerin II
Westfälische Bauernfrau
Westfälische Bauernsfrau
Westfälischer Bursche
Westfälischer Großbauer
Westfälischer Knecht
Westfälischer Rosschulze
Westfälisches Mädchen
Westfälisches Mädchen II
Winzerin von der Mosel
Württembergische Schwarzwälderin

200 Deutsche Volkstrachten Abbildungen Deutsche Volkstrachten

Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika.

Einem vielverschlungenen Gewebe gleich spinnen sich unsichtbar die Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Amerika über den Ozean, und nicht immer ist dies junge Land mit seiner aufstrebenden Kultur der empfangende Teil gewesen. Auch in der Entwicklung des deutschen Geisteslebens lassen sich die Einwirkungen verfolgen, die von der Neuen Welt ausgehen.

Denn wie im Mittelalter die Farbenpracht des Orients, die dem jugendfrischen Sinn der Germanen durch die Kreuzzüge erschlossen wurde, in unserer nationalen Dichtung widerglänzt, so sollte auch das neuentdeckte Wunderland des Westens in unserer Poesie wieder erscheinen. Freilich nicht umgeben von dem geheimnisvollen Schimmer, den die religiöse Schwärmerei um das heilige Grab wob, die Stätte, wo das junge deutsche Heldentum seine Großtaten verrichtete. Wohl aber tritt die Neue Welt, die seit dem sechzehnten Jahrhundert das Ziel der germanischen Wander- und Abenteuerlust wird, mit der Zauberkraft neuer, fördernder Ideen in das Denken und Dichten des Deutschen Volkes ein. Und an Beweisen deutscher Heldenkraft hat es seitdem auch in Amerika nicht gefehlt.

Read More Amerika in der deutschen Dichtung.

Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika

Deutsche Mystik und deutsche Kunst

Treten wir in die Freiburger Vorhalle ein, so ist unter dem mannigfachen umfangreichen Skulpturenschmuck, der uns allseits umgiebt, diejenige Statue, welche Auge und Sinn am meisten auf sich lenkt, doch die der Madonna, im Mittelpunkt des Ganzen am Pfosten des Portales. Wir sahen, dass wir einen direkten begrifflichen Zusammenhang zwischen ihr und dem festbestimmten Gedankenkreis der Statuenreihen an den Seitenwänden nicht anzunehmen haben; und doch erscheint sie uns fast wie unentbehrlich an dieser hervorragenden Stelle, wo sie den Eintretenden als begrüssende Herrin des heiligen Hauses empfängt, als segenspendende Schutzgöttin den Austretenden entlässt. Nicht nur die Gewohnheit, ihr Bild an eben jener Stelle bei allen gothischen Kirchen zu sehen, ist es, die sie uns hier unentbehrlich und wichtig erscheinen lässt, es ist eben diese Gewohnheit selbst, die Gestalt der Maria mit ihrem Kinde an so ausgezeichneter Stelle anzubringen, welche uns in jedem Falle tiefbedeutungsvoll entgegentritt. Wir begannen die ikonographischen Betrachtungen dieses Kapitels mit den Motiven der Passion, von der wir ausdrücklich zu betonen hatten, dass sie das eigentliche Hauptthema von deutscher Mystik und Kunst ausmachte. Mit einer kurzen Betrachtung des Motives der Maria mit dem Kinde möchten wir endigen. Werden wir durch das Leiden eingeführt in die Tiefen mystischer Lebensauffassung, dorthin, wo die Ueberzeugung bis an jenen Abgrund geführt wird, der das Nichtleben und das Nichtsein bedeutet, so ist uns das Bild der heiligen Maria mit ihrem göttlich-reinen Kinde jenes Zeichen, das uns wieder in das, durch sie verklärte Leben zurückweist. Nicht mit Unrecht hat sie so ihre Stelle am Eingang des Gotteshauses gefunden.

Ohne ihr Bild wäre auch der Symbolschatz der Mystik unvollkommen. Ist die Passion der Grundakkord dieser Gefühlsund Denkungsweise zu nennen, so ist das Motiv der Gottesmutter und der tiefste Sinn desselben einer aus jenem Akkord gestalteten Melodie vergleichbar, die erst wirkliches Leben und Bewegung wird und erst mitteilbares allumfassendes Fühlen in Tönen enthält und überträgt. Ueber dem Leiden schwebt die Liebe, sie belebt, was jenes zu töten, verbindet, was jenes zu trennen schien. Das Leiden trifft den Einzelnen für sich. Zwei Wege hat aber eigentlich die deutsche Mystik: der eine ist das Streben nach Vereinigung der Seele des individuellen Menschen mit dem Göttlichen, von dem sie einen Teil überhaupt in sich schon entdeckt. Nur durch Leiden geht dieser Weg zum Ziel höchster Erlösung. Askese und Ekstase sind die wirksamsten Mittel. Doch nicht allein im tiefsten Grund seiner Seele erkennt der weiterschauende Mystiker das Göttliche; nein er spürt seinen Hauch allüberall, im gesammten Sein. Sich hingeben dem Göttlichen, ebenfalls aufgehen in ihm, schon auf Erden möglichst eng und innig mit beseligendem Bewusstsein, das würde es heissen, wenn man sich dem gesammten Sein, dem Sichtbaren und Unsichtbaren, Sinnlichen und Uebersinnlichen hingiebt in reiner selbstloser Liebe. Das ist der andere Weg. Auch auf ihm ist höchste mystische Erkenntnis und höchste mystische Gotteinigung möglich. Nur die Liebe, die allumfassende, selbstüberwindende ist hier der Weg. Sie schenkt den Menschen der Welt und die Welt dem Menschen; ein inniges Gefühls Verhältnis verbindet Beide. Das vereinigende Element wird die Gottheit genannt. Das Symbolbild ist die Maria mit dem Kinde!

Alle unsere obigen Betrachtungen führten uns vor Augen, wie deutsche Mystik und Kunst, nachdem sie einmal die Bedeutung des Leidens gewürdigt hatten, sich diesem Gefühlsverhältnis zum gesammten Sein mit ganzer Seele hingaben: das Göttliche wurde im Natürlichen erschaut und das Natürliche durch das Heilige wieder verklärt. So entstand in der deutschen Kunst eine göttliche Welt des Scheines, die ihren höchsten Wert und ihre höchste Schönheit darin suchte, ein, durch die Lichtstrahlen der liebenden Seele vermitteltes Spiegelbild der wirklichen Welt zu sein. Unter dem Zeichen der Liebe steht die deutsche Kunst, mehr denn jede andere, jener Liebe, die alles, auch das kleinste umfasst und zu höchster Bedeutung erhebt. Wieder betonen wir es: nur so ist der Naturalismus der deutschen Kunst zu verstehen. Es ist das mystische Gefühls Verhältnis zum gesammten Sein, welches alle Schöpfungen dieser Kunst belebt, welches einzig und allein so manche Sonderlichkeiten, ja manche scheinbare Disharmonien erklärt. In den ergreifendsten Darstellungen der Passion finden wir häufig neben dem furchtbarsten Leiden Züge genrehafter, ja humoristischer Art! Jenes mystische Gefühlsverhältnis gleicht alles aus; das Mitleid erweitert sich zur Liebe auch zum Geringsten !

Verfolgt man die Madonnendarstellungen in der deutschen Kunst, von jenen Statuen an gothischen Portalen bis zur mannigfachen Verwendung des Motives in späteren Tafelbildern und hauptsächlich auch auf den populären, intimeren Charakter tragenden, und gerade für die deutsche Kunst so bezeichnenden Holzschnitten und Kupferstichen, so erstaunt man immer wieder über den Reichtum an origineller Erfindung, mit dem auch dieses Thema ausgenutzt worden ist. Man erkennt den Zug zum Reinmenschlichen, zum Natürlichen und, damit Hand in Hand gehend, das unbewusste Streben nach Verklärung dieses Natürlichen durch das darin hineinbezogene Göttliche. Auch die italienische Kunst zeigt ein verwandtes Streben, wie mehr oder minder die ganze christliche Kunst. Während man aber in Italien die Verklärung des Irdischen in der idealisierenden Schönheitsgestaltung suchte und fand, sah der Deutsche, inniger und unmittelbarer, das Göttliche in jedem Realen, welches er nur mit dem Hauche seelischer Stimmung zu überstrahlen brauchte, um sich mit ihm in künstlerischer Selbstentäusserung zu vereinigen. Und wenn wir in der deutschen Kunst eine Verwandtschaft mit der Weltanschauung der deutschen Mystik erkennen dürfen, so ist es im Vergleich hiermit sehr bezeichnend, dass die Künstler und Kunstkenner der italienischen Renaissancezeit ganz bewusst ihre Kunstphilosophie in Verbindung brachten mit der Ideenlehre Plato’s. Gerade in den Mariendarstellungen entfaltet diese Weltanschauung der deutschen Volksseele und ihrer Kunst ihre reichste und mannigfachste Bethätigung. So erklärt sich der entschiedene Zug ins Genrehafte, den wir in der Entwicklung der deutschen Mariendarstellungen ersehen, besonders in den meisten vollendeten Schöpfungen Dürer’s. — Schon die Mystik schlug diese Richtung wiederum ein. Ertönt in den Predigten der Mystiker hauptsächlich der Grundakkord der Passion, so bewegt sich in der mystischen Poesie die süsse Melodie des Marienmotivs.

Es ist bekannt, wie die mystischen Dichter sich in Sprache und Anschauungen an die weltliche Minnepoesie anschlossen und wie sie ihr Verhältnis zur himmlischen Geliebten Maria nicht sinnlich genug ausmalen konnten.

Nicht ohne Sinn, so dünkt uns, schliessen wir so unsere Ausführung mit dem Hinblick auf das Bild der Madonna, dasselbe in gewisser Weise zu symbolischer Bedeutung erhebend auch für die durch unsere Arbeit gewonnene gesammte Erkenntnis; indem wir zu gleicher Zeit die Art der Verwendung dieses Motives in der deutschen Kunst für typisch erachten für die Weise, wie überhaupt diese Kunst schaut und schafft.

Eine Frage ist es noch, die sich uns gerade nun am Schlüsse all’ dieser Betrachtungen aufdrängt: Was ist es, kurz zusammengefasst, das uns, abgesehen von den eigentlichen philosophischen und religiösen Ergebnissen, die deutsche Mystik darbringt; was danken wir der von der Mystik beeinflussten Kunst ? Die Belebung jenes von der scholastischen Theologie missbrauchten und zu einem für jedes tiefere religiöse Gefühl und jede echte Weltanschauung durch starren Dogmatismus wertlos gemachten Systems von göttlichen und heiligen Begriffen, Personen und Gestalten zu einer, jedem reinmenschlichen Gefühl sofort verständlichen künstlerischen Anschauung; man könnte sagen, die Verdichtung desselben zu einer Mythologie, die nicht Gegenstand eines Kirchenglaubens sein will, sondern weit mehr: das verklärte Spiegelbild der Welt und des menschlichen Wesens; jener Welt und jenes menschlichen Wesens, in dem man das göttliche Sein erkannt hatte! Dies die Antwort. Und in diesem Sinne darf uns die geschilderte deutsche Kunst als gleichwertig erscheinen mit der, ebenfalls mystischem Urgründe entstiegenen Götterwelt Homers und der griechischen Bildner. Etwas Gleichwertiges — und doch nicht dasselbe. Im Vergleich zum hellenischen hatte der germanische Geist auf der einen Seite ein Zuwenig, auf der anderen ein Zuviel erwiesen. Ein Zuwenig in der Fähigkeit typisierender Stilbildung und in der Sicherheit des Verdichtens und Gestaltens, aus welchen Eigenschaften die harmonische Schönheit hellenischer Schöpfungen erblühte; — ein Zuviel an Gedanken und vor allem an drängendem, überfliegendem Gefühl, das sich von der Welt der Materie loslösen und nur sich als das Wahre anerkennen möchte. Mit der Welt der Materie aber rechnet die bildende Kunst. So kommen wir wieder auf denselben Punkt, den wir schon am Schlüsse des vorigen Kapitels erstiegen hatten; wieder erkennen wir: erst in der Musik fand der deutsche Geist die ihm ganz entsprechende Kunst. Der befreite überquellende Strom der Gefühle ergoss sich in Tönen. Hier erst wird dem deutschen Geist die Befreiung, die der Hellene in der bildenden Kunst schon finden durfte. Auch hier erkennen wir ein verklärtes Spiegelbild der Welt; doch jetzt, so zeigte uns Schopenhauers mystische Kunstauffassung, das Spiegelbild der «Welt als Wille». Wieder das Höchste im Reinmenschlichen, Natürlichen, doch diesmal losgelöst vom Zufälligen, Materiellen.

Und sehen wir hier den Deutschen in seinem Kunstdrange das Streben nach Selbstentäusserung im höchsten Masse kundgeben, so wird uns nun, von diesem Standpunkte zurückgesehen, offenbar, wie auch die deutsche bildende Kunst, trotz allem Naturalismus die Worte spricht:

«Alles Vergängliche

Ist nur ein Gleichnis!»

Meister Eckart sagt:

«Swenne ich predien, so pflige ich ze sprechende von abegescheidenheit unt daz der mensche lidig werde sin selbes unt aller dinge.»

Text aus dem Buch: Deutsche Mystik und deutsche Kunst (1899), Author: Alfred Peltzer.

Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Einleitendes und Litterarisches
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Historisches.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Die Kunst der Visionen.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Die Kunstpflege in den mystischen Klöstern.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Die spekulativen Mystiker in ihrem Verhältnis zur Kunst.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Die Mystik als Wesensausdruck des Bürgertums und die bürgerliche Kunst.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Der Künstler und die Mystik.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Schlussbetrachtung.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Mystik, Religion und Kunst.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Die Passion Christi.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Die «minnende» Seele
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Mystik, Kunst und weltliche Dichtung.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Symbolik
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Die Engel und Teufel.
Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Ikonographisches – Der Welt Lohn und der minnenden Seele Heil

Deutsche Mystik und deutsche Kunst