In der vorgeschichtlichen Zeit war der Raum zwischen Pripat, Düna und Dnjepr von nordischen Urslawen besiedelt, die sich aber später mit den ostbaltischen Einwanderern stark vermischten. Die slawischen Stämme, die man in der Mitte des 9. Jahrhunderts dort antrifft (Radimitschen, Dregowitschen, Kriwitschen u. a.), weisen infolgedessen vor allem ostbaltische Rassenmerkmale auf. Aus diesen Volksstämmen ging dann unter Warägerherrschaft das Weißruthenentum hervor.

Gleich dem ukrainischen war auch das weißruthenische Volk nach dem Zerfall des Kiewer Reiches den Angriffen fremder Eindringlinge schutzlos ausgeliefert. So kam es, obwohl fast neun Zehntel der Gesamtbevölkerung des späteren litauischen Staates weißruthenisch waren, nicht zur vollen Entwicklung seines völkischen Lebens.

Die Union zwischen Litauen und Polen (1569) leitete das polnische Vordringen in Weißruthenien ein. Der durch Jesuiten zum römisch-katholischen Glauben bekehrte weißruthenische Adel ging größtenteils in das Polenlager über. Trotzdem bewahrte das Bauerntum seinen Volkscharakter.

Auch die Juden kamen mit den Polen nach Weißruthenien und halfen ihnen bei der rücksichtslosen Unterjochung des Landes. Nach den Teilungen Polens unternahm dann Rußland den Versuch, das weißruthenische Volk zu assimilieren, indem es die Landessprache verbot (1867) und die Weißruthenen zum „weißrussischen Stamm des russischen Volkes” erklärte.

Der Zusammenbruch des Zarenstaates im Jahre 1917 und die deutsche Besetzung der Hauptstadt Minsk im März 1918 schienen dem weißruthenischen Bauernvolk eine günstige Gelegenheit zu bieten, sich nach Europa zurückzufinden. Doch ließ der Niedergang des Hohenzollernreiche im November 1918 auch Weißruthenen in die bolschewistisch-moskowitische Blulherrschaft für fast ein Vierteljahrhundert versinken.

Von Weißruthenen selbst wurde ihre Gesamtzahl in der UdSSR, mit rund 10 Millionen angegeben. Nach der sowjetischen Volkszählung von 1939 gab es nur 5 267 000 Weißruthenen. Hierzu kamen noch etwa 3 Millionen im ehemaligen polnischen Weißruthenien und über 1,5 Millionen derjenigen, die sich zum Russentum bzw. Polentum bekannten.

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