Schlagwort: Weltanschauung

Die Rolle des Mohammedanertums in der Gegenwart

Ibn Saud, der König von Hedschas, vertritt am stärksten die Forderung nach einem unabhängigen Arabien. In seiner klug abwartenden und äußerst verschlossenen Haltung ist er den Briten seit langem ein unbehaglicher Faktor in ihrer Rechnung im Vorderen Orient.

Deutsche Kampfflugzeuge donnern über die Moscheen und heiligen Stätten des Islams in Nordafrika. Der Krieg hat sich bis auf den Boden der islamitischen Welt ausgedehnt. Hierbesitzt England seine stärksten Bastionen, aber hier tritt gegen die Briten nicht nur der deutsche Flieger und Soldat zum Kampfe an, sondern auch der Nationalismus der arabischen Völker, an deren Fahnen der Halbmond des Propheten leuchtet. Unsere Truppen haben in Bosnien und auf dem übrigen Balkan Berührung gefunden mit den Überresten der Islamiten, die von den bis vor die Tore Wiens brandenden Wellen der Türkenheere auf dem Boden des Abendlandes zurückgelassen worden sind. Verschleierte Frauen gehen durch die Straßen von Sarajevo, und vom Turm der Moscheen in Saloniki ruft der Muezzin die Gläubigen. Ist nun der Islam eine dahindämmernde Religion des Fatalismus, wie manche meinen mögen? Gibt es einen Panislamismus, eine Einheit von politischer Bedeutung? Ist es der Islam oder das Nationalgefühl, das die Völker des Orients zum Kampf um die Freiheit antreibt?

Wer die Wirklichkeit des Islams von heute verstehen will, muß ein wenig zurückgreifen in die Vergangenheit. Denn vieles ist nur aus ihr erklärlich, und zum Ursprung drängen die lebendigen Kräfte des modernen Mohammedanismus, die mit einer geistigen Erneuerung ihres Glaubens auch Anspruch auf eine neue Weltgeltung verbinden. Islam heißt „Hingabe“. Daß Mohammed lbn Abdallah diese Lehre verkündete, weiß jedes Schulkind. Aus Elementen vorhandener Religionen, so des orientalischen Christentums, der jüdischen Religion und des arabischen Heidentums, aus religiöser Verzückung und im Glauben an ein nahe bevorstehendes Weltgericht, bei dem er seine Araber für das Paradies retten wollte, gewann der Prophet in jener kargen Wüstenlandschaft bei Mekka und Medina am Ostufer des Roten Meeres seine Offenbarungen und Gesichte. Dort vernahm er seine Visionen und die Worte Gottes, die dann in die 114 Suren des Korans gegossen wurden. Das war um die Zeit zwischen 570 und 632 nach der Zeitrechnung, und seitdem sind die Städte des Hedschas allen Gläubigen heilig. Es war eine völkisch-arabische Religion, die da entstand.

Magazientexte Was geht im Islam vor?

Obgleich uns kaum ein anderer Satz so vernünftig und einleuchtend erscheint wie die Behauptung, daß alles was geschieht seine wohlbegründete Ursache habe, so fällt es doch in jedem einzelnen Falle außerordentlich schwer, Ursache und Wirkung voneinander zu scheiden. Das gilt für das ganze Gebiet der menschlichen Forschung, und es gilt ganz besonders für die Fragen geschichtlicher Art. Sollen wir die tiefe Religiosität des mittelalterlichen Menschen als eine Folge seiner gesamten naiven Welteinstellung ansehen, oder sollen wir umgekehrt seine begrenzte und kindliche Auffassung von den Dingen des Diesseits und des Jenseits als eine Folge seiner Religiosität betrachten? Man sieht, Ursache und Wirkung gehen ineinander verschwommen über, ja erscheinen geradezu als ein einziger Komplex.

Die abendländische Menschheit hatte vor dem Ausbruch der Reformation einen eigenartigen Zustand der Sättigung mit Religiosität erreicht, der notwendig zu einer innern Abkehr führen mußte. Am stärksten trat diese Erscheinung in Italien hervor. Dieses Land war zwar gleich den deutschen Ländern jenseits der Alpen in zahllose kleine Staaten zerfallen, aber es befand sich in einem ungleich höheren kulturellen Zustand. Mit Recht nannte Luther das päpstliche Rom ein Sündenbabel. Es mochte richtig sein, was zeitgenössische Schriftsteller melden: je näher man nach Rom kam, um so weniger fromm wurden die Leute! Italien hatte den Höhepunkt jenes großartigen und merkwürdigen Aufschwungs, der als Renaissance bezeichnet wird, um 1500 bereits hinter sich. Die Stimmung der höheren und mittleren Stände — vom Bauern wissen wir freilich nichts — gegenüber der christlichen Kirche bestand, wenn wir Jacob Burckhardt Glauben schenken dürfen, „aus einem tiefen Unwillen, gemischt mit Verachtung und einer gewissen äußern Anpassung an die Kirche“, da diese auf so vielerlei Weise mit dem äußern Leben verflochten war. Man hielt sich an Taufe und Beichte, an den sonntäglichen Gottesdienst und an die kirchliche Trauung, Aber man nahm diese Dinge nicht sehr ernst. Bekannt ist auch das oft schauerlich verbrecherische Leben der fürstlichen Stände Sn den vielen kleinen und kleinsten Residenzen des unglücklichen Landes, und man weiß, wie gänzlich ohne jeden Einfluß im Sinne einer Milderung der Sitten oder Verringerung der politischen Gegensätze in dieser ganzen Epoche die Kirche blieb. Das ist um so weniger verwunderlich, als ja viele Päpste selbst ein ausschweifendes und verbrecherisches Leben führten und die allerwenigsten von ihnen den Anspruch auf wirkliche Frömmigkeit erheben konnten.

Galileo Galilei

Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika.

(1886.)

Für den denkenden Deutschen gibt es heute wirklich eine deutsche Frage in Amerika, die endlich einmal zum Austrag gebracht werden muß. Freilich existiert sie eigentlich schon lange, und jede Schule, jede Kirche, jeder Verein ist ein Versuch, sie zu lösen. Niemand wird nun leugnen wollen, daß alle diese Versuche, dem deutschen Charakter so recht gemäß, vereinzelte, zersplitterte waren, so ganz im seligen bundestaglichen Geiste, daß ihnen ein gemeinsamer, kräftiger, großer Zug fehlte. Nur ein Motiv liegt allen Bestrebungen verborgen oder ausgesprochen zugrunde, und das ist — sonderbar und charakteristisch genug — die Religion. Im Einklang oder im Widerspruch zur religiösen Weltanschauung haben die Führer der verschiedenen Parteien das Deutschtum zu erhalten gesucht. Nun hat sich seit einigen Jahren jedoch ein Umschwung vollzogen. Allen Schreihälschen zum Trotz, die sich im stillen für Bismarcke halten, hat die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches auch uns aufs tiefste beeinflußt. Der gewaltige Hauch nationaler Begeisterung hat über den Ozean her auch uns berührt. Wir fühlten uns nicht mehr allein als Bayern, Schwaben und Krähwinkler, nicht mehr bloß als Protestanten, Katholiken oder Atheisten, sondern als Deutsche. Und während wir mit stolzer Freude, wie ein Mann, der über Nacht reich geworden ist, uns darauf besinnen, daß wir einem Volke angehören, das viel größer ist, als wir eigentlich gedacht hatten, sehen wir, wie die Amerikaner in ihren besten Erziehungsanstalten durch Erlernung der deutschen Sprache sich die Schätze deutschen Geistes anzueignen streben. Wahrlich, wir wären ein unbegreiflich verblendetes Geschlecht, wollten wir nicht wenigstens erhalten, was diese erst mühsam anstreben.

Und wie uns ein gesteigertes deutsches Gefühl, wie uns das Vorbild der Amerikaner mahnt, unser Deutschtum zu bewahren, so gebieten uns noch ganz andere Erwägungen, für dessen Fortbestand zu kämpfen. Es liegt mir fern, das deutsche Volkstum als ein besonders heiliges zu preisen. Wer jedoch die furchtbare politische Korruption, die erschreckende Gewissenlosigkeit in Geldsachen und die tiefer verborgenen, oft grauenerregenden gesellschaftlichen Schäden mancher Kreise hier beobachtet und dabei den Anteil und das Verhalten des Deutschtums im allgemeinen erwägt, der mag sich doch vielleicht der größeren sittlichen Freiheit seines Volkes freuen. Sieht er nun ferner, wie es die Kirche in ihrem Wirken meist nur zum entgegengesetzten Extrem bringt, dem, wie z. B. in der fanatischen Temperenzbewegung, jeder Begriff von sittlichem, wahrem Lebensgenuß abgeht, wie sie im besten Falle dem Menschen vor der innewohnenden Bestie Angst macht, ohne dieselbe doch zähmen zu können, dann wird er sich auch wohl fragen, warum es im ganzen bei unserem Volkstum anders steht. Und ohne Überhebung, denn jeder aufrichtige Mensch ist sich seiner Schranken und Schwächen stets bewußt, darf er sich sagen, daß es allein die deutsche Erziehung ist, die wohl imstande wäre, unser ganzes Volksleben veredelnd umzugestalten.

Eine deutsche Frage existiert für uns aber noch viel mehr, seitdem das erwachende Nationalgefühl im alten Vaterlande den Aderlaß der jährlichen Auswanderung ganz empfindlich zu merken beginnt. Da der alte Kosmopolitismusschwindel glücklicherweise nur noch in den Köpfen von Sonderlingen spukt, so fragt sich das deutsche Volk jetzt mit Recht: was wird denn aus unseren Landsleuten jenseits des Ozeans? Die deutsche Regierung, welche diese Frage noch aus anderen Gründen stellt, scheint sogar Emissäre in unsere Mitte zu senden, um den Stand der Dinge zu erforschen. Diese geben dann in Vorträgen*), Broschüren und Zeitungsartikeln, die leider nicht ganz unwahre Antwort, daß unser Deutschtum als solches hier seinem Untergang entgegenschreite. Und früher oder später muß diese Antwort auch einmal auf die Auswanderung zurückwirken. Nun gibt es bei uns zwar Leute, die kurzsichtigerweise den Rückgang des Deutschtums in Abrede stellen oder sich und ihrem Anhang wenigstens einreden, es wäre dem nicht so. Meist sind es solche, die in ihrem Kreise von der Einwanderung, d. h. dem Import leben, denen es in ihrer Weisheit nie aufgegangen ist, daß ein Volkstum zu existieren aufgehört, hat, sobald es kein eigenartiges, den neuen Verhältnissen entsprechendes Geistesleben entwickelt. Und auf welchem Gebiete haben wir denn mehr als die schwächsten Ansätze hierzu aufzuweisen?

Die alten Ratschläge sind längst aufgebraucht. Karl Schurz hat uns gesagt:

„treibt Musik und lehrt eure englischen Mitbürger Feste feiern“.

Wir sind es müde, nur „clowns“ und Musikanten zu sein. Ein Anderer rät uns:

„lernt Englisch und importiert euern geistigen Bedarf vom Vaterland“.

Ist längst geschehen, und mit dieser Klugheit haben wir es dahin gebracht, daß bald kein Deutscher mehr im Kongreß sitzen wird. Ja, das deutsche Volk hat vollkommen recht, wenn es seinen Auswanderern abrät, auf solche Weise zum amerikanischen Kulturdünger zu werden.

*) Vgl. A. Sariorius, Die Zukunft des Deutschtums in Amerika. Deutsche Zeit-und Streitfragen, Heft 212.

Noch mehr aber empört sich unser eigenes Gefühl gegen diese Düngermission. Das amerikanische Deutschtum ist eine geistige, eine sittliche Macht kraft seiner Erziehung, kraft nationaler Geistesschätze ohnegleichen. Will es diese Macht aber betätigen, dann muß es mit der wahren deutschen Erziehung, die ganz andere Menschen bildet als die landläufige, bei der eigenen Jugend neu beginnen und durch Lehre und Vorbild auf die Volksschulen des Landes einwirken. Vor allem aber müssen wir uns, über Parteien und Meinungen hinweg, in dem einenden Bande der Muttersprache zusammenschließen.

Gestützt aber auf das weitverbreitete Verlangen unseres deutschen Volkes in Amerika, für welches die wenigen charakterlosen Überläufer nicht in Betracht kommen, dürfen wir es wohl wagen, die Erhaltung des Deutschtums zur Volkssache zu machen und damit auch seine Zukunft zu sichern. Wir schlagen darum vor, daß sich alle diejenigen, in denen das stolze Gefühl noch lebt, dem größten Kulturvolk der Neuzeit anzugehören, und welche durch die Erhaltung unserer Sprache und Kultur an der Zukunft dieses Landes mitarbeiten wollen, sich zu tätiger Gemeinschaft zusammenschließen.

Sollte es gelingen, auf dieser breiten Grundlage unseres gesamten hiesigen Deutschtums einen allgemeinen Verband zur Erhaltung der deutschen Sprache und Kultur zu errichten, so müßte dieser naturgemäß sich nicht bloß nach unsern Verhältnissen organisieren, sondern nach diesen auch seine letzten Zwecke bemessen. Während wir gern bereit sind, vom ausländischen Vorbild zu lernen, sind wir doch stark genug, auf eigenen Füßen zu stehen. Hat uns das Fiasko des deutsch-amerikanischen Schulvereins doch gezeigt, wie geistloses Importieren zum Untergang führt. Lassen wir uns von diesem Fiasko aber nicht ab-schrecken, denn es war der Abschluß des letzten Versuchs einer Richtung, die überhaupt nur vom Importe lebt. Wenn wir uns aber ermannen und endlich selbstschöpferisch auftreten, dann sei es uns nicht hohle Phrase, daß politische wie religiöse und antireligiöse Agitation für immer ausgeschlossen sein muß. In dem heißen Wunsche, die deutsche Sprache zu erhalten, begegnet sich unser ganzes hiesiges deutsches Volk trotz aller Verschiedenheit der Meinungen und Richtungen, die hier und da leider auf Kosten der Einheit unseres Volkstums geflissentlich wachgehalten werden. Hinweg darum mit aller Cliquenwirtschaft, hinweg mit den falschen Propheten, die alle der deutschen Sache zu dienen vorgeben und dabei nur ihre eigenen Zwecke fördern. Warum aber sollte das höchste Gut eines Volkes mit all den Schätzen an Geist, Gemüt, Sitte und Kultur, unsere Muttersprache, nicht ebensogut ein Band der Einheit abgeben wie der nationale Gedanke, der seit 1870 die verschiedensten Elemente des alten Vaterlandes zur Weltmacht vereinigt?

Freilich gilt es für unser ganzes hiesiges Geistesleben einen neuen´Wurf zu tun, und besonders unsere Schulverhältnisse wären im Geiste der vorstehenden Kritik umzuschaffen. Man fürchte jedoch nicht für das bestehende Alte. Alle die Äußerungen unseres gesellig geistigen Lebens, die Vereine, Schulen, Kirchen wie die Presse können dabei nur erstarken. Das fast ausschließliche Zehren von der Einwanderung und dem Import der verschiedensten Art, das endlich doch einmal, wie jede kopflose Wirtschaft, zum Bankerott führen muß, wird aufhören, indem auch hier die Lebenskeime unseres unverwüstlichen Volkstums zur Entfaltung kommen.

Und glauben wir nicht, daß uns das einsichtige Amerikanertum, das ja längst bei den Deutschen in die Schule geht, in unsern deutschen Bestrebungen entgegengetreten werde. Hier findet sich oft mehr Verständnis und Unterstützung als bei den eigenen Volksgenossen.

„Wie im Mittelalter das Lateinische, so ist heute das Deutsche die Sprache der Gelehrsamkeit und Bildung, und kein Student kann auf diese Anspruch machen, welcher das Deutsch nicht gründlich ‚beherrscht‘,“

sagte kürzlich der Präsident unserer besten amerikanischen Universität. — Den eingefleischten Nativisten dürfen wir aber entgegenhalten, daß das Deutschtum zufällig auch eine Geschichte hat in Amerika, daß auch deutsches Blut und deutscher Fleiß die Größe unserer Republik haben gründen helfen, daß wir als echte amerikanische Bürger uns darum das Recht nicht nehmen lassen, ein eigenes Geistesleben zu führen.

An uns aber wird es liegen, ob wir, ähnlich den Helden des Revolutions- und Bürgerkrieges, zur geistigen Entwicklung dieses Landes beitragen, was an uns ist, oder ob wir, noch immer mit dem alten Fluche beladen, klanglos nach und nach zerbröckeln und in ein anderes Volkstum aufgehen, nachdem wir das reiche geistige Erbe des Vaterlandes mit der Muttersprache elend vergeudet haben. Das Verhalten unseres Deutschtums in der nächsten Zeit wird die-Antwort auf diese wichtige Frage sein.

Text aus dem Buch: Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika : aufsätze und vorträge zur deutsch-amerikanischen Bewegung, Verfasser: Goebel, Julius.

Siehe auch:
Die deutsche Bewegung in Amerika. Rückblicke und Aussichten.

Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika

Die großen Entdeckungen, die an der Schwelle der Neuzeit gemacht wurden, sind nichts weniger als Zufall. Heinrich der Seefahrer arbeitete ganz planmäßig. Die Steigerung des mathematischen Wissens erzeugte in Toricelli den Gedanken einer Erdumsegelung, einen Gedanken, den er an Kolumbus weiter gab. Die Geister waren reif geworden. Sie dürsteten nach neuen Taten, nach neuen Eroberungen. Auf fünf Gebieten ging dieser Entdeckergeist erfolgreich vor. ln der Welt der Technik fand er das Pulver, den Buchdruck und das Fernrohr; jenseits der Meere fand er unbekannte Erdteile — im Luftraum neue Sterne; in der Welt der Kunst und Wissenschaft kehrte er zur Antike zurück und erzeugte im Verein mit ihr neue Farben und neue Formen; auf dem Gebiete des Glaubens erstand die Lehre der Sikh, die Reformationen Luthers, Calvins undKnox und in Tibet der Lamaismus. Die ganze Weltanschauung aber wurde durch Kopernikus umgedreht, der — gleichfalls hierin zur Antike, zu Hipparch zurückkehrend — statt der Erde die Sonne in den Mittelpunkt des Planetensystems stellte.

Daß der Drang zu Entdeckungen in der Luft lag, geht auch daraus hervor, daß zu gleicher Zeit nach drei Seiten hin die Erdkunde beträchtlich ausgedehnt wurde. Um 1480 ging Covilhab nach Abessinien und Indien, 1492 entdeckte Kolumbus, auf normännischen Berichten fußend, Amerika. Endlich, 1498 umsegelte Vasco da Gama das Kap der Guten Hoffnung und gelangte über die ostafrikanischen Plätze nach dem indischen Kalikutt. Kolumbus machte im ganzen vier Fahrten. Er ist auf den Antillen und an der Küste des südamerikanischen Kontinentes gelandet. Sehr bald bemächtigten sich die Spanier Kubas und Mexikos. Dem großen Forscher selbst aber, dem Kolumbus haben sie mit Undank gelohnt.

Im Jahre 1500 entdeckte der Portugiese Cabral Brasilien. An dessen Erschließung beteiligten sich in der Folge die Fugger und Welser von Augsburg. In den nächsten Jahren setzten sich die Portugiesen, namentlich unter der Führung des genialen Admirals Albuquerque an allen wichtigen Punkten des indischen Ozeans, von Mozambique bis Aden, und von Ormudzd am Eingänge des Persischen Golfs bis nach Singapur fest und errichteten so ein zusammenhängendes Netz starker Flottenstützpunkte.

Um die Wende des Jahrhunderts wurde durch Franzosen in englischem Dienste, die Cabots, Nordamerika angefahren, doch führte dies einstweilen zu nichts.

In den Jahren 1519—1521 vollführte Magelhaens die erste Weltumsegelung, bei der er selbst den Tod fand. Kurz darauf wird Ostasien von der Seeseite her bekannt. Einstweilen wurden jedoch nur vereinzelte Faktoreien in China angelegt.

Die Haupttätigkeit der Konquistadoren beschränkte sich fast ein Jahrhundert lang lediglich auf die Tropen. Erst von den 1570er Jahren an, als neben Spaniern und Portugiesen auch andere Nationen tatkräftig zu überseeischer Kolonisation schritten, werden auch Gebiete der gemäßigten Zone, zunächst vor allem Sibirien und Nordamerika, danach Chile und Argentinien in die Besiedlung einbezogen.

Der Gesichtskreis der Menschheit war verdoppelt.

Das wichtigste Element der neuen Zeit ist aber vorläufig der Nationalismus. Er durchbrach den Universalismus des Mittelalters, und er hemmte den aufsteigenden Absolutismus der Fürsten. Freilich hat er sich auch wieder mit dem Absolutismus verbündet, nämlich gegen die Allgewalt und die universalen Absichten der Kirche.

Der hochstrebende und hochbegabte Maximilian, den man den letzten Ritter nannte, wollte noch selbst Papst werden. Ebenso wollten Karl der Fünfte und sein Sohn Philipp der Zweite das Papsttum meistern. Im Jahre 1527 hat Karl der Fünfte Rom und den Papst in den Staub getreten. Es war eine späte Rache für Kanossa. Der Staat riß also die Gewalt der Kirche an sich. Nun aber erhielt der Staat eine nationale Färbung. Die Folge davon war, daß auch eine nationale Kirche als wünschenswert angesehen wurde. Der gescheiterte Versuch einer Ekklesia Gallicana war der erste Schritt in dieser Richtung. Jetzt wollte Heinrich der Achte die Hoheitsrechte des Papstes für England übernehmen, ohne an dem Dogma oder dem Ritus etwas Sonderliches zu ändern. Ebenso gründeten die Wasa eine skandinavische Nationalkirche. Und die mitteleuropäischen Fürsten verfochten den Satz: Cujus regio, ejus Religio, der Herr über ein Land ist auch Herr über dessen Glauben.

In das Erwachen des Volks- und Staatsgefühles spielten im Unterbewußtsein die Rassengegensätze hinein. Der germanische Norden wurde protestantisch; der kelto-romanische Süden mit Einschluß Polens blieb katholisch.

Seit 1519 war der Habsburger Karl der Fünfte der Herr der Welt. Als Enkel des „letzten Ritters“ trug auch er sich stets mit phantastischen hohen Plänen. Seinem griesgrämigen harten Gesichte, das aus den Bildern Tizians und Cranachs gut bekannt ist, hätte man dergleichen kaum zugetraut; die Nase ist nicht so kühn entwickelt, wie bei Maximilian, aber das andere Erbteil der Habsburger, die breit vorgeschobene Unterlippe war dafür besonders stark ausgeprägt. Beide Eigentümlichkeiten, die Lippe und die überhängende Nase, die bis zum heutigen Tage im Geschlecht der Habsburger andauern, gehen auf eine ganz bestimmte Ahnfrau zurück, Cimburga, die Tochter des heidnischen Herzogs von Masovien (im Littauischen Gebiete), die an den Vater Maximilians, Friedrich den Dritten „des heiligen römischen Reiches Schlafmütze“, verheiratet war.

Die Habsburger hatten sich schon damals zu einer internationalen Dynastie entwickelt. Nicht nur masovisches Blut floß in ihren Adern, sondern auch oberitalienisches (durch die Este, die freilich im Grunde welfischen Ursprungs waren) und romanisches durch Maria von Burgund, die Tochter Karls des Kühnen, die Maximilian freite, und die spanische Mutter Karls des Fünften. Gleichermaßen hatte der habsburger Staat jetzt schon eine bunte, vielvolkliche Färbung angenommen. Seitdem Rudolf von Habsburg den Tschechen Ottokar, der von der Ostsee bis an die Grenzen von Serbien und Friaul herrschte, auf dem Lechfeld geschlagen hatte (1281), waren Ungarn und Kroaten, Tschechen und Polen in den Staatsverband gekommen. Es ist heute Mode geworden, die undeutsche Gesinnung der Habsburger zu bemängeln. Man könnte aber auch den Spieß umkehren und sagen, es ist ein Wunder, daß innerhalb eines solchen Völkergemisches die Habsburger noch so deutsch geblieben sind. Jedenfalls wurde die Südostmark des Reiches von Deutschen, und zwar von dem Bayernstamme, mit Einsprengung fränkischer und einiger schwäbischer Kolonisten besiedelt und beherrscht. Die Deutschen blieben bis zu dem Ausgleich von 1867 in Österreich das ausschlaggebende Volk.

Ein deutsches Bewußtsein war allerdings in Karl dem Fünften mit nichten entwickelt. Er fühlte sich in erster Linie als König von Spanien. Er pflegte zu sagen: Spanisch rede ich mit meinen Rittern, Französisch mit den Dienern und Deutsch mit den Pferden. Trotzdem hat er einen beträchtlichen Teil seines Lebens in deutschen Landen zugebracht. In seiner Staatskunst nahm Deutschland ungefähr den gleichen Anteil wie die Südeuropäischen Besitzungen in Anspruch. Karl der Fünfte wollte das Universalreich restlos verwirklichen. Dem stellten sich zwei Hauptfeinde entgegen, die Türken und die Franzosen. Ganz naturgemäß schlossen sich denn auch diese beiden zu einem Bündnis zusammen. Die Kluft der Religion war kein Hindernis. Franz der Erste, tatendurstig, unermüdlich auf dem Schlachtfelde und im Ratssaal, eine ritterliche, feurige Erscheinung, Freund der Abenteuer und der Frauen, sah mit Verdruß und Sorge, wie Frankreich von vier Himmelsrichtungen zugleich eingekreist und umklammert wurde, von Spanien, Oberitalien, Deutschland und den Niederlanden her, auf den Befehl Karls des Fünften, der überall in jenen Gebieten herrschte, von Nordwesten her durch den englischen Heinrich den Achten, der des Kaisers Bundesgenosse war. Da meinte der bedrängte Franz: helfe was helfen kann! und näherte sich dem Großtürken, Suleiman dem Prächtigen, der denn auch zweimal, 1529 und 1532 mit seinen reisigen Scharen vor Wien zog. Seltsam ist die Verknüpfung der Dinge. Der Anprall der Feinde der Christenheit, der Türken rettete die, so das wahre Christentum aus dem Schlamm und Wüste der Zeiten wieder rein und verklärt herauszuholen trachteten, rettete die Reformation.

„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage, weh dir, daß du ein Enkel bist!“

Alles Menschliche wird im Laufe der Jahre getrübt von Fremdstoff überwuchert, ja, nicht selten geradezu in sein Gegenteil verkehrt. Das zeigen, wie Recht und Staat und Kunst, so auch die Kirchen der Welt. Buddha hat alle Götter beseitigen wollen, und jetzt strotzt der buddhistische Himmel von Gottheiten aller Art. Christus predigte Armut und Abkehr vom Luxus, und die römische wie die griechische Kirche verkam in Üppigkeit und leitete die größten Geldgeschäfte der Welt. In Avignon, wo von 1309—1391 die Päpste hausten, und im Rom des Spaniers aus dem Hause Borgia, Alexanders des Sechsten, war eine bunte Weib erwirtschaft an der Tagesordnung. Julius der Zweite (1503—1513), der auf Alexander folgte, war ein streitbarerKriegs-mann, der sich in schimmernden Harnisch hüllte und bei Schlachten und Belagerungen selbst mitwirkte. Leo der Zehnte (1513—1523) ging völlig in der Kunst und in heiterem Lebensgenüsse auf. Raffael, Bramante, Michelangelo und der kleinere Benvenuto Cellini erfuhren von den Päpsten die höchste Förderung; allein rein geistlich betrachtet waren gerade jene Päpste nicht sehr geeignet, für das Christentum Propaganda zu machen. Sie waren im Grunde in den Geschmack und die Sitte der Antike, wenn man will, in das Heidentum zurückgefallen. Der Kunst gereichte das wildbewegte Leben, die Leidenschaft des Hasses und der tolle Sinnengenuß damaliger Päpste zum größten Vorteil. Leonardo da Vinci, das Genie der Genies, war der Artilleriekommandant des Cesare Borgia, eines natürlichen Sohnes Alexanders des Sechsten. Die Frömmigkeit des Nordens empörte sich jedoch gegen solche Lebenskunst, wie Rom sie pflegte. Schon seit über einem Jahrhundert waren Bestrebungen im Gange, um die Kirche „an Haupt und Gliedern“ zu reformieren. Kaiser und Könige liehen dem Reformierungswerke bereitwillig die Hand. Große Konzilien wurden berufen, um die schwebenden Fragen zu ordnen. Ein Konzil, das zu Konstanz, saß nicht weniger als vier Jahre (1414—1418). Schon vorher hatte Wycliffe in England eine Abkehr von den Mißbräuchen der Kirche gepredigt. Durch Schüler Wycliffes angeregt, lehnte sich der Tscheche Hus gegen die herrschende Kirche auf. Er wurde vor das Konstanzer Konzil gezogen und obwohl ihm ein deutscher Kaiser, der unruhige igismund, freies Geleit zugesichert hatte, öffentlich verbrannt.

Die Flammen des Scheiterhaufens zündeten aber ein noch größeres Feuer an, nämlich die Hussitenkriege, durch die halb Osteuropa und ein ziemlicher Teil Deutschlands verwüstet wurden. Die alte Avarenwut brach bei den Tschechen wieder hervor. Ihr hervorragendster Führer Ziszka hatte eine Trommel, deren Fell aus einer Menschenhaut bestand. Die Heere des Kaisers und die Lokalmiliz konnten gegen die Hussiten nicht bestehen. Zuletzt erlangten diese so ziemlich, was sie gefordert.

Die Sehnsucht nach einer Kirchenreform wurde weiterhin durch den Humanismus und die Renaissance verstärkt. Das war eine Bewegung, die an die geistigen und künstlerischen Errungenschaften der Antike wieder anknüpfte. Die Herrlichkeit des klassischen Altertums kam den Menschen wieder zum Bewußtsein. Das Schrifttum der Griechen und Römer wurde von Gelehrten, wie Erasmus von Rotterdam, Reuchlin, Hutten, Macchiavelli, Melanchthon wieder erweckt. Die K nstler, wie Giotto, Brunellesschi, Donatello, Sansovino, Lionardo, Michel Angelo Buonarrotti, Raffael Sanzio aus Perugia, Dürer, knüpften vorzüglich an die Baukunst, Malerei und an die Bildhauerei der Alten an. In der Folge wurden Wissenschaft und Kunst selbständig fortgebildet. Unter den Malern wurden am berühmtesten Tizian, dessen Farben kein Meister je wieder erreicht hat, ferner Correggio, Paolo Veronese und Andrea del Sarto; bei uns Holbein. Ich habe nie verstanden, warum der eckige, ungefällige Lucas Cranach bei uns so viel Beifall erringen konnte. Dagegen wird jedermann dem Lobe unserer Bildhauer, des Peter Vischer und des Adam Kraft, und unserer Schnitzer, des Veit Stoß und des Tilmann Riemenschneider (der wahrscheinlich zu den Ahnherren Bismarcks gehörte) freudig zustimmen.

Die Musik wurde durch Palestrina wiedergeboren, sowie durch Orlando di Lasso, einen Niederländer aus Mons, der in Bayern Kapellmeister wurde. Nicht minder wurde das Epos eines Ariost und Tasso durch die Antike angeregt. Den höchsten Triumph aber feierte das Drama; es hatte drei Hauptträger zu gleicher Zeit, die großen spanischen Dichter Lope de Vega und Calderon, vor allem aber Shakespeare. Deren Zeitgenosse war Cervantes, mit dessen Don Quixote der moderne Roman beginnt.

Ein tüchtiger Trunk macht froh, kann aber auch streitbar oder gar wehmütig machen.

So hatte die Renaissance gleichfalls die verschiedensten, ja entgegengesetzte Wirkungen. Die neuerwachte Liebe zum Altertum entzündete eine große Begeisterung. „Es ist eine Lust zu leben“ rief Hutten. Man fühlte sich doppelt Mensch, seitdem man die reichen Schätze der Antike entdeckt. Es war, als wenn man früher immer nur mühsam hart an der Küste entlang gesteuert hätte und jetzt erst mit geschwellten Segeln sich mutig hinauswagte in die offene See! Allein die Erweiterung unserer Kenntnis brachte auch einen Rückschlag. Er erzeugte einen Mißmut, eine heftige Unzufriedenheit über die Zustände um 1500. Dem höheren Menschen, dem die Antike die Augen geöffnet, mußten diese Zustände ein Greuel sein. Sie entsprachen so gar nicht dem Bilde, das er sich von den Schönheiten der Kunst, den Tatsachen der Wissenschaft und den Möglichkeiten staatlichen Lebens gemacht. Sie entsprachen auch nicht im mindesten der Überlieferung von dem Urchristentum, das man jetzt erst, nachdem durch den Humanismus die Kenntnis des Griechischen und Hebräischen wieder verbreitet worden, in seiner wahren Gestalt hatte erfassen lernen.

So wurde auf der einen Seite durch das Studium der Antike das Heidentum befördert, dem ein Poggio und der Hesse Mutianus Rufus offen und so manche Literaten und Künstler insgeheim huldigten. Auf der anderen Seite aber wurden die verschütteten Quellen des Christenstums wieder aufgedeckt. Renaissance und Reformation haben sich gegenseitig bedingt, aber auch ihrem innersten Wesen nach sich gegenseitig bekämpft.

Martin Luther war der Sohn eines Bergmanns aus Nordthüringen. Möglich, daß er einen Guß slavischen Blutes in seinen Adern hatte. Er begann seine Laufbahn als Magister, aber warf alle Ehren und Aussichten hin, um als Bettelmönch bei den Augustinern einzutreten. Er quälte sich darüber ab, wie der Mensch selig werden könnte, und rieb sich auf mit asketischen Übungen. Nach drei Jahren ward er jedoch Professor der Philosophie in Wittenberg (1508). Wiederum drei Jahre später reiste er in Ordensangelegenheiten nach Rom. Dort konnte er beobachten, wie stark die damalige Kirche von den Forderungen des Urchristentums abgewichen war. Einstweilen aber wirkten diese Beobachtungen im Stillen, ohne ihn zu Taten fortzureißen. Ähnlich wie manchmal Dichter erst viele Jahre später ein persönliches Erlebnis in ihrer Kunst verwerten.

Wiederum wirkte eine seltsame Verwicklung der Dinge. Leo der Zehnte wollte, von den glänzendsten Künstlern der Renaissance beraten, St. Peter und den Vatikan erbauen — das erhabenste Werk der Christenheit. An seinem Ausbau und seiner Ausschmückung arbeiteten Bramante, Michel Angelo, Perugino; ferner der Liebling der Grazien, Raffael, und später der Begründer des Barock, Bernini Um die Kosten zu der Kirche und dem daran anstoßenden Vatikan, dem ungeheuren Baue, der nicht weniger als elfhundert Zimmer faßt, zu erhalten, schickte der Papst einen Ablaß in die Welt und veranlaßte, daß von den Erzbischöfen und Bischöfen der Ablaß tüchtig vertrieben, das heißt einem gläubigen Publikum zum Kauf angeboten wurde. Zu den Verschleißern, die mit Ablässen hausieren gingen, gehörte Tetzel, der 1517 nach Wittenberg kam. Tetzel war nicht besser und nicht schlechter als viele seiner Genossen. Nun aber geriet er Luthern ins Gehege. Der streitbare Augustinermönch empörte sich darüber, daß der Kommissar des Papstes

„mehr auf Geld, denn auf Beicht’, Reu’ und Leid gesehen“.

Er schlug 95 Thesen an der Schloßkirche zu Wittenberg an, in denen er sich gegen das Ablaßwesen wandte. Auch bot er dem Tetzel eine Disputation an. Dieser, der übrigens schon einmal in Innsbruck zum Tode verurteilt worden war, und zwar wegen Ehebruchs, klagte Luther der Ketzerei an. Nun war das Rad im Rollen. Luther nahm den Kampf gegen den Papst auf. Der Bann wurde ihm in einer päpstlichen Bulle angedroht. Luther verbrannte die Bulle am 10. Dezember 1520 unter großem Zulauf von Studenten und Bürgern vor dem Elstertore von Wittenberg. Das Jahr darauf verteidigte der Reformator seine Anschauungen vor dem Reichstag zu Worms. Danach übersetzte er die Bibel auf der Wartburg, wo er „incognito“ als Ritter Jörg hauste.

Ganz wie ein Ritter benahm sich der Schweizer Reformator, Zwingli, derauch inseiner Lehre weltlicher, nüchternerwar als sein großer Zeitgenosse. Er gürtete sich ein Schwert um und ging, um für seine neue Lehre zu fechten. Zwingli fiel 1532 in der Schlacht bei Kappel.

Auf allen Gebieten brachte die Zeit Neues: Erfindungen, Entdeckungen, Renaissance und Reformation, soziale und staatliche Umwälzungen. Auf politischem Gebiete brachte sie den Europäern überseeische Kolonien und einen Staat, den Karls V., in dem die Sonne nicht unterging. Der Gegenwurf gegen den neuen Imperialismus war die Erhebung der Massen. Durch Vorläufer in Frankreich 1358 und England 1381 vorbereitet, trat seit 1491 auch in deutschen Landen eine Gärung der Bauern hervor. Es kam zum Krieg. Die Bauern verlangten freie Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde, Abschaffung der Leibeigenschaft, Holz-, Jagd- und Fischereirecht, Minderung von allerlei Abgaben, endlich die Einführung von Reichs steuern. Luther erklärte sich gegen die „räuberischen und mörderischen Bauern“. Nicht ohne Mühe siegten 1525 die Fürsten und Städte bei Frankenhofen in Thüringen und Königshofen an der Tauber.

Im gleichen Jahre wurde die große Schlacht von Pavia geschlagen. In ihr entschied sich die Niederlage Frankreichs. Franz I. wurde besiegt und gefangengenommen. Nun aber nahmen die Türkenkriege die Aufmerksamkeit in Anspruch.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
Hellenismus
Wuti und Cäsar
Römischer Imperialismus
Germanen
Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
Die Condottieri

Männer; Völker und Zeiten