von Arne Schöfert

Ein Beitrag aus der Reihe „Detailwissen, was kaum jemand interessiert, aber wer es braucht, sucht sich Brandblasen an den Fingern“

Kurzer geschichtlicher Überblick

Kaiser Wilhelm II. war drei mal auf Orientreise im Osmanischen Reich und zwar 1889, 1898 und 1917. Die erste und die letzte Reise führten ihn nur nach Konstantinopel (Istanbul), die zweite bis nach Jerusalem.

Als Dreißigjähriger nutzte er 1889 einen Aufenthalt in Athen, anläßlich der Hochzeit seiner Schwester mit dem griechischen Kronprinzen, zu einem Abstecher nach Konstantinopel. Vom Sultan Abdül Hamid II. wurde der Kaiser herzlichst empfangen, wollte er doch engere politische Beziehungen mit dem Kaiserreich knüpfen. Bismarck war gegen diese Reise, weil er befürchtete, den russischen Zaren, Alexander III., könnte dies unnötig verärgern. Wilhelm wußte das, setzte sich aber darüber hinweg und befahl allen Beteiligten Bismarck nicht vorzeitig über die Reise zu informieren. Vier Tage blieb Wilhelm beim Sultan. Man machte Seightseeing und tauschte großzügige Geschenke und Orden aus.

Schon während der Reise jubelte die deutsche Presse „Ein für die Beziehungen zwischen dem Türkischen und Deutschen Reiche hochwichtiges und denkwürdiges Ereignis hat sich in diesen Tagen am Bosporus vollzogen; (…) Liegen seinem Besuch auch keinerlei politische Motive zu Grunde, so wird derselbe doch in der gesamten mohammedanischen Welt einen mächtigen Eindruck hervorrufen und dazu beitragen, das längst bestehende freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei noch mehr zu befestigen.“ (Illustrirte Zeitung 23.11.1889)

Außer einigen Geschenken nahm der Kaiser ein sympathisches Bild von der Türkei und ein dauerhaftes Interesse für den mittleren Osten mit. Schon 1890 wurde ein Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag geschlossen.

Die Freundschaft hielt sechs Jahre, bis der Sultan 1896 brutal gegen die Armenier vorging und Wilhelm ihn als „elenden Schurken, der nicht mehr Beachtung verdient“ titulierte. In einem Brief an seine Großmutter wurde er noch ausführlicher „Möge ihn Allah bald dahin holen, wo es sehr heiß ist..“.

Aber schon nach einem Jahr war der Ärger vergessen und der Sultan gewann des Kaisers Sympathien anläßlich des Streites mit Griechenland um Kreta wieder.

Read More Drei Reiseandenken an die 2-Orientreise Kaiser Wilhelms II.

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