Schlagwort: Zeichnungsschulen

DIE Idee, dass in der Geschichte der bildenden Kunst eine organische Weiterentwickelung zu sehen sei, ist so alt wie die Geschichte der bildenden Kunst selber. Sie schleppt sich von einem Handbuch zum anderen, aber kaum findet man auf dem Gebiete der Plastik und Malerei einen klaren Hinweis auf das, was sich dauernd entwickelt hat, und das, was mit dem Wechsel der Mode wieder abgestorben ist.

Die Gesamtentwickelung der abendländischen Kunst bietet das Bild eines beständigen Auf- und Abwogens künstlerischer Schaffenskraft. Man kann sich auch nicht verhehlen, dass die Höhepunkte der späteren Kunst in der Fähigkeit, die Gemüter der Menschen zu ergreifen, die Höhepunkte der früheren Jahrhunderte nicht mehr übertroffen haben. Es haben auch stets die Ideale und mit ihnen die technischen Bestrebungen gewechselt, zum mindesten da, wo das Principat in der Kunst von einem Volke zum anderen übergegangen ist.

Gleichwohl ist bei den führenden Geistern das Kunstvermögen nie auf die Stufen früherer Perioden herabgesunken, auch bei den kleineren Talenten nicht. Es giebt für die bildende Kunst einen eisernen Bestand, der von den Karolinger-Zeiten bis auf das Rokoko stets vermehrt und nie verschleudert wurde, der von Cornelius und den Seinen zum kleinen Teil bloss verschmäht, in unseren Tagen weitere Vermehrung fand.

Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst