Schlagwort: Zunftfeste

Im Rahmen unserer volkskundlichen Untersuchung interessiert uns auch noch, welche Stellung die Obrigkeit zu den Festen und Bräuchen der Handwerker einnimmt. Neben den Verboten, die unter dem Einfluß von Kirche und Rationalismus die jüngere Zeit beherrschen, ist eine durchaus positive Stellung der Obrigkeit zu den Zunftfesten zu bemerken. Zahlreich sind die Feiern, die von hohen Persönlichkeiten, Rat, Herzog, König oder Kaiser besucht wurden. Zu Ehren zufällig anwesender hochgestellter Herren werden die Handwerksfeste außerhalb der gewohnten Zeiten veranstaltet. Die großen Umzüge bringen ihre Huldigung den Vertretern des Staates dar. Die Tänze werden vor dem Rathaus oder Schloß gezeigt. Dabei wird ein Glas auf das Wohl der Geehrten geleert, worauf diese der Zunft gewöhnlich ein Geschenk vermachen. Beim Erfurter »grünen Montag« fällten die Schuhmacher vier Eichen zu Ehren der Ratsmeister. Die dortigen »Walperherren« haben ihren Namen vom Walpurgisfest, sie sind Nachfolger von Maigrafen (je einer in jedem Stadtviertel) und stellen die oberste Zunftbehörde dar! Der Erfurter Walperzug wird 1310 zuerst erwähnt. Das Fahnenschwingen stellte sich überall in den Dienst einer Ehrung für die Obrigkeit.

Darüber hinaus greift aber auch der Vertreter des Staates aktiv in das Brauchtum ein. Die meisten Zünfte verweisen stolz auf Privilegien, die ihnen bei irgendwelchen sagenhaften (meist kriegerischen) Gelegenheiten vom Staat verliehen worden sein sollen für die Veranstaltung ihrer Feste. Erwähnt wurde schon das Hamburger Högegesetz, das den Brauern für die Festzeit obrigkeitliche Machtbefugnisse überträgt. Im Tischlerumzug der Hamburger Zunft von 1696 marschiert sogar der Bürgermeister in höchsteigener Person mit! Der Berner Küfertanz und der Umzug der Metzger fanden am Ostermontag statt, wenn der Stadtrat neu eingesetzt wurde.

Die Münchener Metzger erhalten für die beim Metzgersprung benötigte Reiterei Sättel aus der königlichen Sattelkammer geliehen. Die Frankfurter Küfer fertigten in der Fasnacht, wenn der Main zugefroren war, ein Faß auf dem Eise an, das sie dem Rate übergaben, der dafür der Zunft 100 Taler zum Geschenk machte. Zum »Fritschitag« bezahlte die Luzemer Regierung das Festkleid des Bruder Fritschi.

Diesen Zeugnissen, die die Obrigkeit zum Teil als aktive Träger des Volksbrauches zeigen, stehen viele obrigkeitliche Verbote der Zunftbräuche gegenüber. Seit dem 15. Jahrhundert werden solche Verbote bekannt. Sie richten sich gegen die »Unordnung« der Feste in den »betrübten Zeiten« und gegen die großen Unkosten der Schlemmereien. Ganz besonders verpönt aber sind die Feste als »heidnischer Unfug«, und solche Wendungen lassen uns erkennen, wie den mehr und mehr kirchlich beeinflußten Obrigkeitsvertretem zumal in der Zeit der Reformation der alte Volksbrauch als im Gegensatz zur christlichen Welt stehend bewußt wird. Damals haftet ihm noch der alte heidnische Sinn an, während er später vergessen wird und die Aufklärung nur noch gegen die »unvernünftigen Possen« wettert, eine Stellungnahme, die bis heute großen Teilen der Literatur eigen ist.

In hohem Grade bemerkenswert bleibt die zweifache Haltung der Obrigkeit, die den Volksbrauch in Ehrfurcht vor den eigenen Traditionen fördert und anderseits im Banne der neuen Lehre ihn bekämpft. Sehr bedeutsam für die Wertung unserer Volksbräuche ist der späte Zeitpunkt, zu dem die christliche Welt noch gegen heidnisches Wesen kämpfen muß.

Siehe auch:
Germanengut im Zunftbrauch
Germanengut: das Zunftbrauchtum
Germanengut: die Zunftfeste
Germanengut: die Zunftfeste – Masken und Narren
Germanengut: die Zunftfeste – Opferbräuche
Germanengut: die Zunftfeste – Heischegänge
Germanengut: die Zunftfeste – Kämpfe und Spiele
Germanengut: die Zunftfeste – Waffen
Germanengut: die Zunftfeste – Fahne

Germanengut im Zunftbrauch

Mit den großen Jahresfesten der Handwerker verbunden finden wir mehrfach Kämpfe und Kampfspiele, die ihrem Charakter nach ebenfalls alten Kulttraditionen entstammen. So darf man in dem »Quaß«-Spiel der Amaberger Bergleute eine Abart des Kampfes zwischen Winter und Sommer vermuten (165). Auch in der Erstürmung der Schembarthölle, wo die Wilden Männer zusammen mit den Schembartläufem gegen die »Teufel« anrennen, mögen ähnliche Traditionen zugrundeliegen. An die Frühlingsfeste erinnern Scheingefechte, deren Ausgang vorher festgelegt Wird. Die »Luzerner Mordnacht« bringt zu Fasnacht einen Kampf zwischen der Zunft des Adels, der die »Österreicher« darstellt, und der mit der Metzgerzunft verbündeten Handwerker, die als »Bürger« der Stadt siegreich aus Land- und Wasserschlachten hervorgehen. Der Brauch bestand bis 1713.

Es ist kaum anzunehmen, daß er sich ursprünglich im Anschluß an ein historisches Ereignis gebildet hat. Hier hat vielmehr ein alter Brauch — nicht mehr verstanden — durch eine historische Einkleidung eine neue Sinngebung erhalten.

Als einen Wettkampf von mehr sportlicher und humoristischer Art haben wir wohl das »Turnier« der Nürnberger Plattnergesellen anzusehen, die noch um 1579 sich auf beräderten Stühlen anrannten und »abräumten«. Auch im vielfach bezeugten Vogelschießen sind Wettkämpfe der wehrfähigen Mannschaft zu sehen. Der Zusammenhang dieser Schießübungen der Pfingstzeit — besonders von den Schützengilden gepflegt — mit wehrpolitischen Aufgaben der Zünfte ist nicht zu verkennen (173).

Bekannt ist das noch heute geübte fischerstechen, das ich noch 1934 in Leipzig sehen konnte (175). Es ist in alter Zeit u. a. aus Nürnberg, Augsburg, Wien, Utrecht und Straßburg bekannt. Besonders berühmt ist das Ulmer Fischerstechen (179) geworden. Eisler (180) nennt den Brauch noch aus Laufen an der Salzach. Das Stechen selbst besteht überall darin, daß sich zwei Burschen in ihren Kähnen aufeinander zurudem lassen und bei Zusammenprall versuchen, einander mit einer langen Stange ins Wasser zu stoßen.

Bemerkenswert ist, daß der Ulmer Zug von einem Fleischer angeführt wird. Ob hier eine Erinnerung an ein altes Recht der Metzgerzunft vermutet werden darf, vermag ich nicht zu sagen, wichtig ist jedoch, daß auch das Fischerstechen — stark handwerksmäßig und beruflich gefärbt — der Struktur nach nicht Berufs-, sondern Verbandbrauchtum ist. Mit dem Fischerstechen war in Laufen, Ulm und Leipzig das »Seilspringen« verbunden. An einem über den Fluß gespannten Seil waren Blumenkränze und Würste aufgehängt. Bei der Durchfahrt sprangen die Fischer an das Seil und versuchten hängend ihre Beute loszubinden, mit der sie schwimmend das Ufer erreichten. Das hier ursprünglich vorliegende Gänsereißen und Aalringen habe ich schon erwähnt.

Neben Scheingefechten und sportlichen Wettkämpfen kannten die Zünftler aber auch ernste Prügeleien, die ebenfalls altertümlichen Charakter besitzen. Von den Münsterschen Schneider- und Wollenwebergesellen wird aus dem 16. Jahrhundert folgender Zwischenfall erzählt:

»Anno 1572, den anderen mantagh na pinxteren uf den guden mandagh als do die snider und wulner knechte gewondtlicher wise ihren meigandc holden, do macheden die snider ihren meigraven einen herlichen krantz und diesen darzu vielle rosen, das es beina ein gantz rosenkrantz (185) war. Solchs verdroet den wulnem, die alleine den rosenkrantzs zufoeren berechtigt (!) sein, quamen also in der wedderkumpst uf den markede zusammen, sloegen und houwen sich geswinde zusamen under einanderen, also das an bieden seiden vielle verwundet worden, und helden die wulner lestlich die uberenhand und namen den snidem ihren krantzs af.«

Der Streit entbrannte hier um das Recht, einen alten Brauch auszuüben. Mit genauer Not konnte unter ähnlichen Umständen 1792 in Freiburg i. B. eine Prügelei verhindert werden.

Diese Vorfälle erinnern an altererbte Feindschaften zwischen einzelnen Verbänden (187), wie sie ohne besonderen Grund — nur aus Kampflust — bestehen und »traditionell gepflegt« werden. Eugen Weiß berichtet — als alter Zimmermann — mit Stolz, wie bei den Richtfesten der alte Hader zwischen Maurern und Zimmerleuten immer wieder in blutigen Schlägereien ausbricht, wobei auch einmal einer auf der Strecke bleibt.

Können wir uns nicht vertragen,

müssen wir uns tapfer schlagen,

das Winkeleisen frei!

Dann fließt auch Blut dabei!

Wichtig ist, daß Wunden, die einer bei solchen Händeln davonträgt, »ehrlich« sind. Die Raufereien sind auch sonst der gesteigerte und notwendige Abschluß vieler Feste, ein Brauch, der nicht auf die Bräuche des Handwerks beschränkt ist.

Siehe auch:
Germanengut im Zunftbrauch
Germanengut: das Zunftbrauchtum
Germanengut: die Zunftfeste
Germanengut: die Zunftfeste – Masken und Narren
Germanengut: die Zunftfeste – Opferbräuche
Germanengut: die Zunftfeste – Heischegänge

Germanengut im Zunftbrauch


An die Opferriten ist sinngemäß die Betrachtung der auch im Handwerk bekannten Heiscbegänge anzuschließen. Im Zusammenhang mit den Festen zieht die Gesellenschaft umher und heischt Gaben unter der Bevölkerung, später verschiedentlich nur unter den Kunden der Meister. Unsere Abb. 2 zeigt einen Schembartläufer, der die von ihm gesammelten Fische an einen Spieß gesteckt hat. Die Schodüvel sammelten Geld und Lebensmittel wie Wurst, Schinken, Brot und Bier. Die Hamburger Brauerknechte beanspruchten zur Höge von ihrem Brauherren ein Stüde geräuchertes Rindfleisch. Von den Münsterschen Handwerkern heißt es im 16. Jahrhundert: Sie »… gengen (zu Fasnacht) die gantze Stadt dorch in alle ihrer meister huser und den sie das jaer über gearbeitet hatten, und bettelden (sammelden wolte ich sagen) aldar geldt, fliesch und worste, dantzeden in allen huseren midt dem hausgesinne und worden auch, dar sie quamen, na gelegenheidt, midt bere getractert. Was sie alsdan von fliesche und worsten kregen, darzu hetten sie tzwo starke mans gekregen, die moesten ihnen solchs in einem drachbome nadidragen, das iederman sehen konthe und mochte, was sie kregen.«

Und beim Umzug der Fleischer am selben Ort (151):

»Wan sie quamen für eines flieshouwers hues, moeste man sie die doeren bewedden ganz uf doen … Die flieshouwer worden in allen huseren, dar sie inquamen, herlichen tractert midt wine und bere… den knechten wordt auch beers genochsam gelanget…«

Diese Heischegänge deutet Höfler als Umzüge der Totendarsteller, die für die Ahnen, die sie verkörpern, »von den Lebenden Gaben, Furcht und Ehrfurcht fordern«. Lily Weiser hat darauf hingewiesen, daß es bis in die jüngste Gegenwart als Beleidigung empfunden wurde, wenn man den österreichischen Perchten Geld gab. Sie heischten vielmehr ganz bestimmte Opferspeisen. So auch meist die Handwerker (die Schembartläufer heischen Fische), wenn sie auch schon vielfach gern Geld neben den Speisen entgegennehmen. Nachdem der eigentliche Sinn des Gabenheischens vergessen worden war, konnte sich der fortlebende Brauch auf der einen Seite in ein Sammeln für Schmaus und Trank des Festes und auf der anderen Seite in Armenfürsorge verwandeln.

Mehrfach kennen die Zünfte den Brauch, daß die erhaltenen Gaben an einen Speer, Spieß, Baum oder Stock gehängt werden. Dieser Gabenspieß muß m. E. zusammen mit den Bäumen und Stäben der Masken und den Stäben, die Hoheitszeichen der Verbände sind, gesehen werden. Den Ulmer Schiffer wird ein »Hauptspeer« vorangetragen, eine große Lanze mit mehreren Zinken, an die die Geschenke gehängt wurden. Solch ein Speer wird der »Hauptmann« genannt, und andere Gabenspieße heißen die »Herren«. Es ist möglich,daß in diesen Ausdrücken eine Erinnerung an den Träger des Spießes erhalten geblieben ist, der als militärischer Hauptmann oft in führender Stellung bei den Zunftumzügen erscheint. Wehrban nennt folgende Gaben aus Ulm: Uhren, silberne Pokale, Ringe, Leuchter, Löffel, seidene Halstücher, Bänder. Diese Gegenstände wurden am Schluß von den Siegern im Fischerstechen verlost. Vom Nürnberger Urbansfest kennen wir den Stock, an dem die Flasche für die Weinspenden getragen wird.

Siehe auch:
Germanengut im Zunftbrauch
Germanengut: das Zunftbrauchtum
Germanengut: die Zunftfeste
Germanengut: die Zunftfeste – Masken und Narren
Germanengut: die Zunftfeste – Opferbräuche

Germanengut im Zunftbrauch

In vielen Fasnachtsumzügen erscheinen schön geschmückte Tiere, besonders Rinder, ähnlich den »Pfingstochsen«, die feierlich herumgeführt werden . Nachher werden sie geschlachtet und beim Gelage verspeist. Höfler hat zahlreiche Beispiele zusammengestellt, die Rinderopfer an den Wilden Jäger in der Sage belegen. Hierin haben wir wohl den Inhalt des Brauches zu sehen: Es sind Tieropfer der das Totenheer verkörpernden Bünde. Im Handwerksbrauch hat sich dieser alte Brauch in etwas gewandelter Form bis in die jüngste Zeit erhalten. Er wird in erster Linie von der dafür am besten geeigneten Metzgerzunft veranstaltet, die ihren Stolz darin sieht, ein möglichst starkes Tier aufzutreiben. Manchmal ist der Brauch zu einer Konkurrenz der verschiedenen Meister entartet.

Am Fasnachtssonntag führten die Salzburger Metzger einen geschmückten Ochsen durch die Stadt zum Gasthof zum Ochsen, »wo sie kurz vor Mittag ankommen und wo mit dem Schlag 12 Uhr vom dritten Stock aus eine ungeheure weißseidene Fahne, welche fast bis zum Boden herabreicht und das Bild eines Ochsen zeigt, unter Musik und lautem Jubel eine ganze Stunde lang geschwungen wird. Dieses Schwingen wiederholt sich zur selben Stunde an den beiden folgenden Tagen, und solange die Fahne zum Fenster heraushängt, wird geschmaust, getrunken und getanzt«.

Die Ähnlichkeit auch für den Fasnachtsumzug der Hamburger Tischlergesellen von 1662, 1670, 1696 und 1727 bezeugt ist, handelt es sich bei den Opferbräuchen nicht um Teile eines auf die Metzger beschränkten Beru/sbrauchtums, sondern um Zunft-, d. h. Verbandsbrauchtum (137). Pottboff erzählt nach dem Innungsbuch der Gothaer Metzger von einem Friedensfest des Jahres 1763, bei dem ein ausgepützter Ochse herumgeführt und dem Herzog geschenkt wurde. Die Beteiligung der Obrigkeit an solchem Opferschmaus, wie wir es bei den oben erwähnten Riesenwürsten auch sahen, könnte möglicherweise eine Erinnerung an die Gottheit, deren Nachfolger die sie verkörpernde Obrigkeit darstellt, sein. Ähnliche Bräuche sind das Ochsenjagen, die Ochsen-, Bären- oder Farrenhetze u. a. Sie sind z. B. aus Braunschweig (1389 und später, Nürnberg (141) und oberfränkischen Kleinstädten (142) bezeugt. In Stadtsteinach wurde das Fleisch des von den Hunden zu Tode gehetzten Stieres an die Armen verteilt. Bemerkenswert ist, daß mehrfach Bräuche Vorkommen, wo Handwerker der Sitte gemäß den Armen etwas spenden. Ich vermute, daß hier unter christlichem Einfluß ein alter Opferbrauch vielfach in eine Wohltätigkeitshandlung verwandelt wurde.

In Kosel wurde früher ein sorgsam geschmückter Ziegenbock durch die Schneiderzunft, die Träger des Ziegenbockwappens, vom Stadtturm heruntergestürzt. Bei einem ähnlichen Brauch in Deutsch-Böhmen fing man das Blut des gestürzten Tieres mit Tüchern auf. Es wurde getrocknet aufbewahrt und galt als Mittel gegen Krankheit und Zauberei. Bocksgestaltige Masken im Zunftbrauch werden wir noch kennenlernen.

Ein alter Opferkult ist wohl auch das bei den Fischern besonders geübte Gänsereißen oder Aalringengewesen. Die Tiere wurden ursprünglich lebend an einem Seil über dem Wasser aufgehängt. Aus Booten versuchten die Fischer ihnen bei der raschen Durchfahrt den Hals abzureißen, wobei die Bewerber leicht ins Wasser purzelten. In jüngerer Zeit nahm man tote Aale für das Spiel.

An den bisher besprochenen Zunftbräuchen fiel auf, daß in ihnen die Metzger eine bevorzugte Stellung einnehmen. Sie sind eines der größten und reichsten Gewerke und haben daher leicht Gelegenheit, alte Bräuche, auch wenn sie mit hohen Kosten verbunden sind, weiterzupflegen. Besonders häufig aber sehen wir die Fleischhauer in Bräuchen, die mit Fruchtbarkeitsriten und Opferhandlungen in Beziehung stehen. Diese Entwicklung ist leicht erklärlich, denn die Metzger sind an einer reichen Ausbeute ihres Handwerks interessiert. Wenn sie und andere Lebensmittelgewerbe (Weinleute, Brauer, Bäcker, Fischer) sich besonders der Nutzkulte angenommen haben, so besagt das nicht, daß diese von ihnen entwickelt und ihnen allein eigentümlich seien, sondern nur, daß ihnen der alte Sinn solcher Bräuche aus begreiflichen Gründen näher lag und länger erhalten blieb. Die zahlreichen Belege aus dem Schuhmacher-, Schmiede-, Schneider- und Tischlergewerbe etwa zeigen uns, daß auch diese Bräuche an der Gesamtheit des deutschen Zunftwesens hafteten und erst in sekundärer Entwicklung sich bei den Metzgern stärker ausprägten. Eine solche Spezialisierung der Bräuche begegnet uns mehrfach, etwa im Fischerstechen, das eine berufsmäßige Sonderform eines allgemeinen Brauches ist, oder in der Tatsache, daß gerade die Schiffer die ehemals kultischen Schiffswagen ausrüsten.

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Germanengut im Zunftbrauch
Germanengut: das Zunftbrauchtum
Germanengut: die Zunftfeste
Germanengut: die Zunftfeste – Masken und Narren

Germanengut im Zunftbrauch