Schlagwort: Zwingli

Inbetreff der Heimat, des Verfassers und der Entstehungszeit der 12 Artikel gehen noch heute die Meinungen auseinander. Doch hat sich seit den Studien Alfred Sterns!) im Gegensatz zu früher die Forschung nur nocli in 2 Richtungen bewegt. —

Die 12 Artikel wurden von Oberschwaben aus verbreitet. Sie tauchten dort an den versehiedensten Punkten fast gleichzeitig auf.

Diese Tatsache gab schon in der Reformationszeit Anlaß, diesen Landstrich als ihre Heimat zu bezeichnen. Eben sie bildet soweit ich sehe dafür das einzige Beweisstück. Weiter der Sache nachzugehen hatte man auf keiner Seite Ursache. Den Katholiken galt gleichviel, wo jene Artikel herstammten; daß sie von dem lutherischen Gift beeinflußt waren, sab jedermann. Die Wittenberger Reformatoren, denen der Bauernkrieg bekanntlich sofort Schuld gegeben wurde — eine Unterscheidung zwischen Zwingli und Luther war nicht Sache der Gegner —, mochten froh sein, mit der Hervorhebung dieser Tatsache auf leichteste Weise die Schuld von sich auf die unleidlichen Zwinglianer abwälzen zu können, die nach ihrer Meinung mit den Schwärmern in einer Reihe standen. Denn wenn die 12 Artikel in Oberschwaben ihre Heimat hatten, so kamen eigentlich lutherische Kreise für den Verfasser derselben kaum in Betracht, da Obersclnvaben eine Provinz des Zwinglianismus war. Aus eben diesem Grunde mögen sie dem Verdacht Raum und Ausdruck gegeben haben, daß der aus St. Gallen gebürtige und mit Zwingli in Verbindung stehende Memminger Pfarrer Christoph Schappeler ihr Verfasser oder ihr Redaktor gewesen sei. Johannes Carion hat in seiner Chronik, die er von Melanchthon durchsehen ließ, diese Vermutung für Jahrhunderte festgelegt.

Der deutsche Bauernkrieg

Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.

Neben der Lutherkirche war die reformierte Kirche entstanden. Ihre Heimat war die Schweiz. Im deutschen Zürich lehrte Zwingli, im französischen Genf wurde die Reformation von Calvin durchgeführt. Er war viel strenger als Luther. Da gab es keine Lebensfreude, keinen Tanz, kein fröhliches Lied, aber Scheiterhaufen und Hinrichtungen! Seine Lehre, die sich besonders an das jüdische alte Testament anschloß, verbreitete sich vor allem in Frankreich, England, den Niederlanden und in Westdeutschland. In Frankreich wurden in der „Bartholomäusnacht“ mehr als 20000 Reformierte auf Befehl des Königs ermordet. Tausende von „Hugenotten“ verließen nun die Heimat und flüchteten nach Deutschland. In den Niederlanden wütete der finstere Herzog Alba mit seinem „Blutrat“. In hundertjährigem Kampfe gegen Spanien verteidigten die niederländischen „Geusen“

Freiheit und Glauben. Endlich gelang es dem deutschen Grafen Wilhelm von Oranien, den nördlichen Teil — Holland — selbständig zu machen und protestantisch zu halten. Leider wurde der Zusammenhang des Landes mit dem Reich dadurch weiter gelockert. Die südlichen Niederlande — das heutige Belgien — blieben bei Spanien und wurden durch Blut und Tränen wieder zum Katholizismus gezwungen. In Spanien war der Halbjude Torquemada „Kardinalgroßinquisitor“. Alle Gegner der Papstkirche wurden von ihm grausam vernichtet. In England entstand die Hochkirche. Sie war vom Papst unabhängig, behielt aber sehr viel Katholisches bei. Sie besteht noch heute, doch gehört die Masse des Volkes calvinistischen Sekten an.

Die germanischen Länder des Nordens, Dänemark, Schweden und Norwegen waren bald ganz lutherisch und sind es bis auf den heutigen Tag geblieben.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.

Deutsche Geschichte

Der deutsche Bauernkrieg; Untersuchungen über seine Entstehung und seinen Verlauf.

Die ersten Wochen des Oktober 1524 waren nicht nur insofern von Bedeutung, als in ihnen der Aufruhr an Ausdehnung zunahm. Jetzt wie vor- und nachher gab sich die große Masse der Bauern gern zufrieden, wenn sich die geringste Aussicht auf ein Entgegenkommen zeigte. Zu irgendwelcher kraftvollen Aktion ließ sie sich, wohl im Hinblick auf die Macht der Habsburger, die sie kannte, nicht hinreißen. Aber an eben diese Zeit konnte aiikiiüpfen, wem es auf den Nachweis ankam, daß die Gegensätze unversöhnbar seien, daß die Herren gar nicht daran dachten, sich auch nur in ernstliche Diskussion mit ihren Untertanen einzulassen, ln jenen Oktobertagen erfolgte wahrscheinlich der erste bewaffnete Zusammenstoß; er hatte zwar keinen blutigen Ausgang, aber die Bauern wußten nun, woran sie waren. Das Feuer schwelte also immer weiter. Je mehr die katholische Reaktion von sich reden machte, desto rascher breitete es sich aus.

Und die Gegensätze vertieften sich dabei. In der Schweiz, wo die Lage für die evangelisch gesinnten Kantone immer bedrohlicher ward, dachte Zwingli im Spätherbst an einen Krieg gegen die Waldstätte und das Haus Habsburg zugleich.1) In Vorderösterreich verschwand in der zweiten Hälfte Oktober nach den Anständen von Riedheim und Ewatingen unter dem Druck anderer gleich zu berührender Geschehnisse die Gefahr, die soeben noch so nahe gewesen war. Hubmaier kehrte deshalb nach Waldshut zurück. Und nun begann unter seinen Auspizien eine immer stärkere Abwendung vom römischen Katholizismus. Bald konnte selbst die radikalste Richtung, die der Wiedertäufer, hier sich eines Anhangs rühmen. Eben um diese Zeit fand Thomas Münzer den Boden in diesen Grenzgebieten vorbereitet genug, den Samen seiner giftigen Predigt auszustreuen.2) Naturgemäß setzte mit alledem zugleich eine religiöse Propaganda ein, deren Spuren bald sichtbar wurden. Noch die Bauei n im Hegau und die Untertanen des Abts von St. Blasien, die im November ihrem Herrn die Leibeigenschaft mit all den Gefällen und Leistungen aufsagten, die ihm daher gebührten, verlangten nur, daß man sie bei Recht bleiben lasse, worunter sie eben Befreiung von jenen Pflichten begriffen.3) Seit dem Dezember aber taucht unter den Bauern des südlichen Schwarzwalds jenes Schlagwort vom göttlichen Recht als Bezeichnung für eben diese Forderungen auf.

Der deutsche Bauernkrieg