Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.


Anfangs der 1890er Jahre traten einige Fachleute zusammen. um sich der Verwertung einer patentierten Erfindung zu widmen, welche ein neues Material für allerlei Bauzwecke betraf. Nach zweijährigen, gründlichen und  kostspieligen Versuchen stand es bald fest, daß diese Erfindung nur durch Ausgestaltung zu einem Massenartikel eine lebensfähige Sache werden könne und so gründete sich im November 1893 eine offene Handelsgesellschaft, deren Inhaber Herr Fabrikant C. A. Kapferer und Herr Architekt Wilhelm Schleuning, beide mit dem Sitze in Elbart b. Freihung waren, während der dritte Beteiligte, Herr Fabrikant E. d’Orville in Frankfurt a. M., zunächst als stiller Teilhaber und Prokurist mitarbeitete.

Als Fabrikationsort wurde Freihung gewählt, weil eine mit Industriegleis an die Bahnstation Freihung angeschlossene Fabrik, das frühere englische Bleihüttenwerk, leer stand und zu verhältnismäßig billigem Preise zu erwerben war; dann aber auch deshalb, weil die für den Fabrikationsartikel in erster Reihe nötigen Mineralien sicheinwandfrei in der weiteren Umgebung von Freihung vorfanden.

Das Fabrikat, ein farbiger Trockenmörtel, wurde „Terranova“ getauft und dieser Name durch Warenzeichen geschützt. So begannen damals die Begründer obiger Firma mit mäßigem Kapital eine neue Industrie und sie beschritten damit ein Neuland, wie schon das Wort „Terranova“ andeutet, denn vor 1893 kannte die Bauwelt noch keinen farbigen Trockenmörtel für Fassaden- und Innenputz, welcher in allerlei Tönungen und Körnungen fertig in Säcken an den Bau geliefert wurde, wo ihm nur noch Wasser zuzusetzen war. Nach und nach und bei unausgesetzter schwerer Arbeit gewann das Unternehmen in allen Teilen Deutschlands sowie im Ausland immer mehr Freunde und Abnehmer, es hatte also richtig gerechnet, daß ein solches Material geradezu ein Bedürfnis für die Bauwelt sei und bei einwandfreier Qualität auch eine große Zukunft haben müsse.

Etwa acht Jahre nach der Gründung nahm das Werk von Jahr zu Jahr größere Dimensionen an und die anfangs kleine Fabrik mußte immer mehr vergrößert werden; die vorstellende Abbildung zeigt das Stammwerk Freihung in seiner heutigen Ausdehnung, während ein zweites ähnlich großes Werk seit drei Jahren im Rheinland bei Köln ebenfalls vollauf beschäftigt ist.

Vor etwa 12 Jahren schied Herr Architekt Wilhelm Schleuning als aktiver Gesellschafter aus, die derzeitigen Besitzer sind die Herren Fabrikanten C. A. Kapferer in Elbart bei Freihung und E. d’Orville in Frankfurt a. M.; der erstere leitet die Industrie im allgemeinen mit ihren vielen Niederlassungen und Tochtergesellschaften im In- und Ausland, während Herr d’Orville in der Hauptsache der Zweigniederlassung in Frankfurt a. M. mit Export nach verschiedenen Ländern vorsteht.

Heute erfreut sich das Fabrikat überall eines großen Ansehens, es arbeiten in dieser Industrie Hunderte von Arbeitern und kaufmännischen Angestellten unter 7 Direktoren und die Marke „Terranova“ blieb führend in dieser Branche, trotzdem seit mehreren Jahren eine Anzahl Imitationen und Konkurrenzen aufgetreten ist. Der beste Beweis hierfür darf wohl darin erblickt werden, daß die Firma bei den letzten von ihr beschickten Ausstellungen im Jahre 1913 mit den höchsten Auszeichnungen bedacht worden ist und zwar auf der Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig mit dem Kgl. Sächsischen Staatspreis, auf der Weltausstellung in Gent mit dem Grand prix.

Die sich immer noch steigernde Nachfrage nach diesem Original-Fabrikat und die verschiedentlich aufgetauchten Imitationen zwangen die Fabrikherren, zwecks Frachtersparnis für die Käufer eine Dezentralisation der Herstellung vorzunehmen, so zuerst durch Errichtung des oben erwähnten rheinischen Werks und jetzt wieder durch Projektierung eines dritten Werkes im Osten Deutschlands, während sie bis vor wenigen Jahren noch gehofft hatten, ihr Stammwerk Freihung immer weiter und weiter ausdehnen und auf diese Weise die Oberpfalz allein mit teilnehrnen lassen zu können an dem Gedeihen ihres Unternehmens.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.