Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche


Nächst der Station Prüfening an der Strecke Regensburg—Nürnberg liegt das Tonwerk der Firma Mayer & Reinhard. Im Jahre 1898 wurden von dem Baumeister Anton Mayer die ersten Gebäulichkeiten errichtet, die der rationellen Herstellung von Mauersteinen und Dachziegeln dienen sollten, und umfangreiche Grundstücke in der von I lechbetten nach Sinzing ziehenden Mulde erworben, deren vorzügliches Lehm- und Tonmaterial durch eine seit Langem schon betriebene kleine Handziegelei aufgeschlossen und bekannt war. Zur Bedienung des lökam-merigen Ringofens mit darüber gelegenen Trockenanlagen diente eine  lOOpferdige Dampfmaschine, die die notwendigen Vorbereitungsmaschinen, Ziegelpressen und Transportvorrichtungen antrieb. Im Jahre 1900 trat der Kaufmann Rudolf Reinhard als Teilhaber ein und das Unternehmen wurde in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Oer Betrieb, der ursprünglich hauptsächlich für Mauersteine gedacht war. wurde immer mehr auf Erzeugung besserer Waren eingerichtet, die bald aut dem ganzen bayerischen Baumarkt Eingang fanden.

Neben Dachplatten. Falzziegeln, Deckensteinen und Drainageröhren wurde in den Jahren 1903/04 die Fabrikation von Hourdis aufgenommen, die bis dahin fast ausschließlich aus Italien eingeführt wurden. Dieser Artikel begegnete immer größerer Nachfrage und die im Jahre 190,5 vorgenommene Erweiterung des Werkes wurde ganz für die Herstellung von Hourdis eingerichtet.

Es wurde ein großer Kammerofen mit 12 Kammern und dazu gehöriger Trockeneinriehtung errichtet und die maschinelle Anlage entsprechend ergänzt, sowie ein Anschlußgeieise nach Station Prüfening angelegt, um den stark gesteigerten Verkehr ankonunender und abgehender Güter rasch und billigst abwickeln zu können. Nach diesen Betriebsvergrößerungen mußte für die gesteigerte Leistungsfähigkeit das entsprechende Absatzgebiet gewonnen werden und es gelang, die Hourdisprodukte neben Bayern auch in Mittel- und Norddeutschland einzuführen und diesem Baumaterial neue Verwendungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Im Jahre 1902 wurden bei der Tongewinnung Flötze lignitischer Braunkohle aufgeschlossen und im Jahre 1903 der Firma das Bergwerkseigentum auf einem Feld von 200 ha für dieses Mineral unter dem Namen „Friedrichzeche“ erteilt. Mit dem fortschreitenden Abbau konnten im Tagbau immer größere Mengen von Kohlen gefördert werden, die zunächst dem Ton beigemengt und zu porösen Hohlsteinen verarbeitet wurden.

Um eine bestmöglichste Verwertung der mächtiger werdenden Flötze zu erreichen, wurden im Winter 1909 auf 1910 die Kesselfeuerungen umgebaut, sodaß sie zur Verbrennung geringwertiger Brennmaterialien geeignet wurden und die eigenen Kohlen voll ausgenützt werden konnten.

Die heutige Produktion des Werkes mit zirka 2000 Waggonladungcn besteht in erster Linie aus dünnwandigen Hohlsteinprodukten, porösen Leichtsteinen, sowie Deckensteinen, Drainageröhren und Dachziegeln. Besonders die erstgenannten Fabrikate geben den Baukreisen Gelegenheit zur Ausführung von Spezialkonstruktionen und es wurde z. B. dieses Material zum Ausbau des Eisen-fachwerkes von Luftschiffhallen vom k. preußischen Kriegsministerium vorgesehen.

Auf der Bayerischen Jubiläums-Landes-Ausstellung 1906 in Nürnberg, der Oberpfälzischen Kreis-Ausstellung 1910 in Regensburg und der Internationalen Baufach-Ausstellung in Leipzig 1913 fanden die Erzeugnisse der Firma allgemeine Beachtung und wurden mit hohen und höchsten Auszeichnungen bedacht.

Die maschinelle Einrichtung der ganzen Fabrikanlage umfaßt 2 Dampfkessel von je 75 qm Heizfläche, 2 Dampfmaschinen von 150 Pferdestärken und 2 Dynamomaschinen. Durch diese Kraftmaschinen werden die sämtlichen Aufbereitungsmaschinen und Pressen angetrieben und die Gebäude mit elektrischem Licht- und Kraftstrom versorgt. Umfangreiche Transportanlagen, wie eine Drahtseilbahn zur Tongrube und zahlreiche Transporteure und Elevatoren von den Pressen zu den Trockenräumen und von dort zu den Brennöfen regeln die Beförderung der Fabrikate.

Die künstlichen Trockenanlagen für sämtliche Erzeugnisse ermöglichen einen ununterbrochenen Jahresbetrieb. wodurch für das ganze Arbeiter- und Aufsichtspersonal gleichmäßiger Verdienst für Sommer und Winter gegeben ist. Eine eigene Betriebskrankenkasse, die sich seit längeren Jahren bewährte, sorgt für ausreichende Unterstützung der Arbeiter und Angestellten in Krankheitsfällen. Das gute Einvernehmen der Werkleitung mit der Arbeiterschaft, sowie das eifrige Bestreben durch Dienstbar-machung aller fortschrittlichen Neuerungen den Betrieb und die Produkte stets zu verbessern und den Anforderungen der Zeit anzupassen, dürften wohl eine Gewähr dafür bieten, daß die Entwicklung des Unternehmens wie bisher auf gesunder Bahn weiter gefördert wird.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.