Tränen des Vaterlandes im Jahre 1630

Wir sind ja nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret
Der frechen Völkerschar, die rasende Posaun,
Das von Blut fette Schwert, die donnernde Kataun
Hat allen Schweiss und Fleiss und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret,
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt, rinnt allzeit frisches Blut,
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fortgedrungen;

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot;
Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

Siehe auch:
Albert Anker-Besuch im Atelier
Das Photographische Porträt
Bagordas-Mantinadas