Vogeleier Abbildungen


Die hier auf zwei Tafeln abgebildeten Eier sollen einen Überblick geben. Wollte man alle Verschiedenheiten der Färbung abbilden, so würde für manche Art allein, z. B. für den Baumpieper eine Tafel kaum ausreichen. Aber wie die Färbung auch schwankt, das Ei behält in den meisten Fällen seinen Charakter, an dem man die Art erkennt, etwa wie das Gesicht eines bekannten Menschen, mag es sich unter dem Einfluß von Mode, Alter, Krankheit u. dgl. noch so sehr verändern.

Zum Charakter der Sperlinge gehört es, daß im selben Gelege die Eier verschieden sind. So folgte das abgebildete helle Ei*) des Feldsperlings auf drei dunkle. Auch das zuerst gelegte Ei ist zuweilen blasser.

Im Gegensatz zu dieser Verschiedenheit im selben Nest sind öfters Eier verschiedener Arten so ähnlich, daß man ohne sehr genaue Besichtigung des brütenden oder vom Nest abfliegenden Weibchens sich in der Art irren kann. So ist z. B. der Hänflingstypus vielen Körnerfressern eigen.

Sehr charakteristisch sind dieSchnörkel und Haarlinien der Ammerei er. Das Ei der Grauammer ist größer, das der Rohrammer kleiner als das der Goldammer, und beide sind brauner.

Beim rotrückigen Würger sind die Extreme der grünlichen und rötlichen Varietät abgebildet, zwischen denen es eine Stufenreihe von weißlichen und gelblichen Färbungen gibt. Man findet die Eier in demselben Nest und bei verschiedenen Bruten desselben Weibchens übereinstimmend.

Die Eier des Hausrotschwanzes sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen, rein weiß. Da sie eine sehr zarte Schale haben, schimmert der Dotter durch, so daß das frische Ei eine angenehm gelbrötliche Färbung aufweist. Dabei können wir deutlich erkennen, wie die Luftblase am stumpfen Ende sich von dem Inhalt des zerbrechlichen Gefäßes abgrenzt.

*) Es ist in der Abbildung etwas zu grell gestreift ausgefallen infolge nachträglicher Auflichtung des Klischees. Diese hellen Sperlingseier zeigen aber eine Variation von außerordentlich weitem Spielraum.

Vorweg ist hier ein Kuckucksei mit abgebildet. Man findet es in den Nestern der Rotkehlchen, Zaunkönige, Bachstelzen, rotrücki-gen Würger, Rohrsänger und andrer Arten, vor allem aber oft in den Nestern der Grasmücken. Obschon es einem Singvogelei ähnelt und zuweilen den Eiern dieser oder jener Art überaus ähnlich sieht, ist es doch als eine zufällige Ausnahme anzusehen, wenn es mit den Eiern des Pflegewirts völlig in der Färbung übereinstimmt. Bei kleineren Arten fällt es durch seine Größe auf. Das Gewicht seiner dicken Schale bildet das sicherste Kennzeichen. Interessanter als das Kuckucksei ist das, was es an einem vom Kuckuck belegten Neste nach dem Ausbrüten zu beobachten gibt.

Grasmücken-, Rohrsänger-, Laubvogel- und Meiseneier mögen zeigen, wie jede Gruppe ihren deutlichen Charakter besitzt, und wiederum innerhalb jeder Gruppe die einzelnen Arten ihr bestimmtes Gepräge aufweisen, wobei freilich manche sich sehr nähern und z. B. dieselbe Abbildung sowohl für das Ei der Gartengrasmücke wie der Mönchgrasmücke gelten könnte. Kann man auch in solchen Fällen nach dem Ei und selbst nach dem Nest die Art nicht bestimmen, so sind doch immer noch extreme Varietäten da, welche die Eigenart des im Ei schlummernden, auf Leben harrenden Inhalts andeuten.

So mannigfach die Zeichnung der Eier ist, immer hat sie ein gefälliges Aussehen. Gern häufen sich die Flecken am stumpfen Ende zu einem Kranz, oder sie ordnen sich zu spiraligen Reihen, bald sind sie zu Wolken zerrissen, bald wie große und kleine Sterne ausgestreut, immer in der reizend zwanglos natürlichen Form. Zuweilen entgleist auch ein Pünktchen und dann wird analog den Sternschnuppen eine Haarlinie daraus.

Die Frage „Zufall oder Ordnung?“ kehrt in den kleinsten wie in den größten Gebilden der Natur wieder. Aber hier ist diese Frage nur eine ästhetische, und schließlich betrifft sie nur die Außenseite und die einer winzig kleinen Welt.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

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  1. […] Hausbaumläufer Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt. Vogeleier Abbildungen Schwebende Nestbauten Rückblick auf das Singvogelleben in der […]

    1. Februar 2016

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