Volkskämpfe im Schatten der Reformation.

Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.

Der Freiheitskampf der Reformation war nicht auf das Gebiet des Glaubens beschränkt geblieben. Luthers Ruf nach Freiheit hatten alle, die Zurücksetzung, Unrecht und Unterdrückung erlitten, begierig aufgenommen. Besonders seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ wirkte wie ein Feuerbrand. Dort hieß es: „Der Christ ist ein Herr aller Dinge und niemandem Untertan.“ Luther meinte den Glauben, aber das Volk verstand darunter auch den Staat und das Leben überhaupt und sah in Luther den Befreier von aller Not.

Ulrich von Hutten hatte sich Luther angeschlossen. Jetzt wagte er mit seinem Freunde Franz von Sickingen den Aufstand gegen dessen Landesherrn, den Erzbischof von Trier. Aber es war vergeblich. Sickingen fiel, und Hutten folgte ihm bald in den Tod. Die Sache der Ritterschaft war verloren.

Auch die Zünfte schrieben Luthers Kampfruf auf ihre Fahnen und erhoben sich von neuem gegen Gilden und Rat. In langwierigen Kämpfen errangen sie vielfach die Macht oder doch die Mitregierung, und die meisten Städte wurden zugleich Hochburgen der Reformation. Aber den alten Reichtum und die Bedeutung der Hansezeit konnten sie doch nicht wiedererlangen.

300000 Bauern griffen Spieß, Morgenstern und Streitkolben gegen die Klöster und Burgen. Florian Geyer, Thomas Münzer und andere führten sie. Vom Alpenrande bis zum Harz tobte der Aufruhr. „Ein Reich, ein Kaiser, ein Glaube, Freiheit des Bauemgerichts, gleiche Münzen, Maße und Gewichte, fort mit dem Wucher, freie Pfarrerwahl, Beschränkung der Abgaben“, das waren die Forderungen, die sie in ihren zwölf Bauemartikeln und in dem Entwurf einer Reichsverfassung stellten. Alle ihre Forderungen waren berechtigt, das erkannte auch Luther an. Doch als seine Vermittlung zwischen Bauern und Herren scheiterte, geriet er in schweren Zwiespalt. Sollte er den Schutz der Fürsten aufgeben und sich mit den Bauern verbinden? Er griff zur Feder und schrieb harte Worte „wider die räuberischen und mörderischen Bauern“. Nun ging es abwärts mit den Aufständen. Luther hatte die Bauern verlassen. Furchtbare Rache mußte das geschlagene Bauem-heer erfahren. Scheiterhaufen, Henkerschwert, ausgestochene Augen, herausgeschnittene Zungen, das war das Ende! In noch schwerere Not sank der Bauer zurück. Die Besten der Bauern aber ließen den Glauben nicht fahren:

Geschlagen ziehen wir nach Haus, die Enkel fechten’s besser aus!

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.