Von Roosevelts Jagdfahrt in Afrika


Der Expräsident der Vereinigten Staaten, Roosevelt, hat bekanntlich im letzten Jahr eine Jagdfahrt durch Britisch-Ost- und Zentralafrika unternommen, und der Ruf eines gewaltigen Nimrods, der ihm anhafter, hat durch seine dortigen Jagderfolge noch eine Steigerung erfahren. Zur Abwechselung wollen wir nun einmal von einem „vorbeigelungenen“ Jagderlebnis Roosevelts erzählen, das einem Brief des afrikanischen Vertreters der von Herrn Paul Küller soeben gegründeten Afrikanischen Seidengesellschaft zu entnehmen ist. Es bildet im merhin einen Beitrag zur Charakteristik Roosevelts, der ja nächstens auch Berlin einen Besuch abstatten wird. Roosevelt kam – so berichtet jener – am 20. Dezember in Entebbe an, und es war im Govt. House am selben Abend ein „at home“, zu dem ich auch geladen war und wo ich Roosevelt vorgestellt wurde.

Ich sah ihn aber nochmals am folgenden Tage bei einer „tea-party“ bei F. A. Knowles, wo er mich in ein längeres Gespräch verwickelte. Einige Tage später sfiess ich auf ganz frische Spuren von drei starken Leoparden und sofort kam mir der Gedanke, Roosevelt zur Jagd auf diese Biester einzuladen. Ich glaubte ja kaum, dass der Ex-Präsident meine Einladung annehmen würde, aber kaum hatte ich mein Frühstück beendigt, als ich zu Roosevelt gebeten wurde. Es wurde dann verabredet, dass Roosevelt mit seinem Sohn Kermit und Knowles mir eine Stunde später nachfolgen sollten. Ich bestellte noch schnell zu Haus, dass Tisch, Stühle, Whisky, Bier, Biskuits und alles, was zu des Leibes Nahrung und Notdurft gehört, nach Mbuya gebracht werden sollten, bewaffnete mich selbst mit Revolver und Jagdmesser und fuhr nach Mbuya voraus, um das Aufsuchen der Leoparden persönlich zu überwachen. Inzwischen waren auch der Tisch, die Getränke usw. angelaugt, aber noch keine Stühle. Gegen 4 Uhr traf die ganze Gesellschaft richtig ein, ich führte sie zum Hause und, in Ermangelung eines Besseren, legten wir vier uns so lang wie wir waren, auf die Erde und warteten auf die Nachrichten über die Leoparden, deren Lager bis jetzt noch nicht ausfindig gemacht worden war. Hier hatte ich nun die beste Gelegenheit, Roosevelt genau beobachten zu können. Er trug ein leidlich sauberes gelbes Jagdhemd und einen ganz alten geflickten Khaki-Anzug, in dem ich mich geniert hätte, über die Strasse zu gehen, aber dafür ist er ja auch Roosevelt und dann sind wir auch in Afrika, wo es nicht so genau darauf ankommt. Ich wette, dass von den zehn Knöpfen, die er an jeder Seite des Beinkleides trug auch nicht drei von derselben Art waren, er hatte vielmehr eine ganze Knopfsammlung an sich. Dafür hatte er aber prachtvoll gehaltene schneeweisse Zähne — ob sie alle echt waren, kann ich aber leider nicht sagen. — Herr Roosevelt liess sich von mir ganz genau alles über unsere Seidennester-Kultur und über die Herstellung der Seide usw. auseinandersetzen und interessierte sich lebhaft für die Sache, wie ich aus seinen Fragen und Bemerkungen entnehmen konnte.

Er selbst erzählte einige sehr nette Jagdgeschichten und sehr interessante Episoden aus seiner amerikanischen Präsidentschaftszeit, so dass wir beinahe hierüber den eigentlichen Zweck unserer Expedition vergassen. — Endlich kam einer von unseren Leuten zurück und meldete, dass sie die Spur der Leoparden völlig verloren hätten und nicht weiter verfolgen könnten. Von irgend welchen Ausdrücken des Bedauerns wollte Roosevelt nichts wissen, er sei bei jeder Leopardenjagd auf ein negatives Resultat gefasst. — Erzeigte mir noch seine Gewehre, liess mich diese probieren und nach einem Abschiedstrunk brachen wir in drei Rickshaws auf und kamen gegen 6 Uhr wieder in Kampala an. Wenn uns auch das Jagdglück nicht hold gewesen ist, so war ich doch froh und zu einem gewissen Grade stolz, einer der wenigen gewesen zu sein, die Roosevelt bei sich als Gast haben konnten.

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    12. Oktober 2016
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