Von Versailles bis Haag

Der Vertrag von Versailles ist auf einer Lüge aufgebaut, auf der Lüge von Deutschlands alleiniger Schuld am Weltkriege.

Der sogenannte Friedensvertrag von Versailles ist weder Friedensinstrument, noch Vertrag — er ist das Flickwerk übereifriger Fanatiker und unfähiger Dilettanten. Eintausendundsiebenunddreissig bevollmächtigte Vertreter der siebenundzwanzig am Weltkrieg beteiligten Völker hatten sich zu der Friedenskonferenz in Versailles eingefunden…..nicht sie haben den Vertrag beraten und ausgearbeitet, sondern die ,,grossen Drei“ : Lloyd George, Clemenceau und Wilson, denen sich gelegentlich Orlando und der Japaner Saionji zugesellte. Die „grossen Drei“ und die bevorzugten Zwei haben in zahllosen Sitzungen geredet, geschachert, intrigiert, gedroht, gelogen, betrogen und schliesslich, als die Völker ungeduldig wurden und nach endlosen Worten eine Tat verlangten, kurzer Hand beschlossen. .. .über die Köpfe der anderen eintausendzweiunddreissig Delegaten hinweg, die während der monatelangen Konferenz überhaupt nur zu sieben formellen Sitzungen zusammengetreten waren. Nach nutzlos vergeudeten Monaten der Verzögerung wurde der Schluss mit schädlicher Eile herbeigeführt.

Die Schäden des Vertrages, seine Mängel und Fehler wurden am Tage seiner Bekanntgabe erkannt und blosgestellt. Die Unhaltbarkeit des Vertrages wurde von den Beteiligten damit zugegeben, dass schon kurze Zeit nach Inkrafttreten des Dekrets das Verlangen nach neuen Konferenzen laut wurde. Seitdem sind diese Konferenzen beinahe zu einer stehenden Einrichtung geworden, ohne dass die Welt jedoch dem wahren Frieden wesentlich näher gekommen wäre. Weil soweit noch keine der Konferenzen die Kraft und den Mut besass, das Messer an das Krebsgeschwür zu legen: so lange dieses Uebel ungestört am Körper der Menschheit weiterwuchern darf, kann sie nicht gesunden. Und dieses Uebel ist jener Versailler Vertrag. Der muss mit fester Hand und energischem Schnitt beseitigt werden.

Die erste Konferenz nach Versailles erfolgte in London im Februar 1920 — und gelegentlich dieser ersten Konferenz erkannte man schon den Zwiespalt im Lager der Alliierten. Der Krieg, der auf dem Schlachtfeld angeblich gegen die deutschen Weltherrschaftsgelüste geführt wurde, wurde nun am grünen Tisch fortgesetzt: England und Frankreich kämpfen dort um die Weltmacht.

Es folgte im April die Konferenz in San Remo, es folgten die Konferenzen in Hythe (Mai), in Boulogne (Juni), in Brüssel (Juli), in Spa (Juli), in Luzern (August), in Aix-les-Bains (September), in Brüssel (Oktober), in Brüssel (November), in London (Dezember). Kein Monat ohne Konferenz…..und keine Konferenz ohne Enttäuschung. Statt die despotischen Verfügungen des Versailler Vertrages vernünftig zu mildern, verschärfte man sie und missbrauchte die tyrannische Macht zu neuen Gewaltmassregeln gegen Deutschland — trotzdem die Welt fühlte, trotzdem die klardenkenden Staatsmänner aller Länder einsahen, dass Deutschlands Knebelung und Knechtung gleichbedeutend war und ist mit Knebelung und Lähmung des gesamten Welthandels.

Man hoffte nach den Enttäuschungen des Jahres 1920 auf das neue Jahr — und es ist in 1921 nicht anders geworden; weitere Konferenzen: Paris (Januar), London (März), Paris (August), Genf (Oktober), London (Dezember). Ein schwacher Lichtblick: zu den Märzberatungen in London waren zum ersten Male deutsche Delegaten eingeladen worden— sie sprachen, sie wurden gehört… .und die Londoner Konferenz zeitigte das Ultimatum betr. Kriegsentschädigungen, das Deutschlands Lasten erschwerte, nicht erleichterte. Ein erster Schritt in der rechten Richtung: die Wiesbadener Konferenzen (Juni und August) zwischen Loucheur und Rathenau—Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland über Englands Kopf hinweg…..womit Deutschland sich in England zu den alten neue Feinde und in Frankreich keine Freunde erwarb.

Trotzdem war Wiesbaden die erste Station auf dem Wege, der zu einem dauernden Frieden führen kann.

Nun schreiben wir 1922 und schrieben in den umfangreichen Konferenzenkalender die Namen Cannes (Januar) und Genua (April)— fügen ihm nun noch Haag hinzu… .und sind nicht weiter als zuvor. Werden auch nicht weiter kommen bis nicht alle Völker mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten und dem gleichen Bestreben, dem Streben nach einem ehrlichen, wahren, währenden Frieden am Konferenztisch vereinigt sitzen. Wir werden nicht weiter kommen solange die Völker auf beiden Seiten den Hass nähren, statt ihn zu bekämpfen; so lange die Völker auf beiden Seiten siel anmassen den Schwächeren zu bevormun den, statt ihm sein Selbstbestimmungs recht zu sichern und dieses Recht durch grosszügige Unterstützung zu stärken solange die Völker auf beiden Seiten nicht einsehen, dass an Stelle der Macht künftighin das Recht die Welt regieren muss.

Der Sozialökonom Charles Gide tätigte kürzlich den Ausspruch: „Die Welt befindet sich in einem verhexten, in einer höllischen Kreis, der sich schliesst wie eine Hasenschlinge, je mehr man sich anstrengt, daraus zu entweichen.“ Kein besseres Bild ist noch gefunden worden für die Lage der Völker und der Welt in unseren Tagen. Bleiben wir im Bilde diese Hasenschlinge kann nur von den gelockert und gelöst werden, der sie gelegt hat — von den grossen Drei: Am rika, England und Frankreich.

Siehe auch:
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
Die Lüge als Fundament
„Deutsch-Amerikas“ Mission
Schundromane auf dem Scheiterhaufen
Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
Deutschland und der Weltfriede
Vaterland vor der Wiedergeburt
Das Schicksal der deutschen Kolonien
Der letzte Zar im Kreise seiner Familie
Krupp-Werk in Friedens-Arbeit
Die Wolkenburgen der neuen Welt
Deutschlands chemische Industrie in der Nachkriegszeit
Jerusalem die Heilige Stadt
Die Schwarzen Truppen in Deutschland
Schiffsmodelle als Zimmerschmuck
„Bismarck“-„Majestic“- der Meeresriese
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  1. […] Siehe auch: Wir Deutsch-Amerikaner Deutsch-Amerika Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich Wie das alte Österreich starb Wie das alte Österreich starb II Die Deutschen in Amerika Die Deutschen in Amerika II Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss) Die Lüge als Fundament „Deutsch-Amerikas“ Mission Schundromane auf dem Scheiterhaufen Lincoln und das deutsche Element Die Geschichte der Revolution Der Aufbau Palästinas Deutschland und der Weltfriede Vaterland vor der Wiedergeburt Das Schicksal der deutschen Kolonien Der letzte Zar im Kreise seiner Familie Krupp-Werk in Friedens-Arbeit Die Wolkenburgen der neuen Welt Deutschlands chemische Industrie in der Nachkriegszeit Jerusalem die Heilige Stadt Die Schwarzen Truppen in Deutschland Schiffsmodelle als Zimmerschmuck „Bismarck“-„Majestic“- der Meeresriese Quer durch das neue Deutschland Von Versailles bis Haag […]

    11. März 2018
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    11. März 2018

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