Waschtag auf einer südwestafrikanischen Farm

Das blendend leuchtende Tagesgestirn pflegt in „Südwest“ mit ziemlicher Pünktlichkeit die Schläfer aus demSchlummer zu wecken. Frohgestimmt durch das schöne Sonnenwetter, dessen Abglanz sich gewissermassen auf die Gemüter überträgt, geht jeder freudig seiner Arbeit nach.

Weniger froh sieht die farbige Dienerschaft dem kommenden Tag mit seiner Arbeit entgegen, denn anstatt sich einer nützlichen Beschäftigung hinzugeben, isst, raucht, schwatzt oder schläft sie lieber.

In schleppendcr Gangart naht auch die stattliche Sapupera, eine junge Hererofrau, die ihr kleines, nettes Baby nach üblicher Landessitte im Lammfell auf dem Rücken trägt. Beim Anblick der Wäsche erfasst sie jedesmal ein starres Entsetzen, das sich allmählich in dem einen empörten Wort: „itsch“ zischend durch ihre ausgefeilten Vorderzähne hörbar macht. Nun, so sehr verdachte ich ihr dies nicht, zumal sich im heissen Klima durch den häufigen Wäschewechsel in 8 Tagen schon ein Berg aufhäuft, um so höher, weil darunter helle Anzüge und Waschkleider reichlich vertreten sind.

Nachdem sich die braune Schöne nach einer Weile an den für sie so unangenehmen Anblick gewöhnt hat, äussert sie, lieber im Freien waschen zu wollen, da ihr die eingeschlossene Luft der Küche gesundheitlich weniger zuträglich sei. Dagegen ist nichts einzuwenden. Sie lässt sich vor der Küchentür in sitzender Stellung auf der Erde nieder, greift kühn in die Waschwanne und bearbeitet eins der eingeweichten Stücke mit derselben Kraftanwendung und Ausdauer, wie sie es ehedem beim Gerben ihrer Felle gewohnt war. Wertvollere Kleider wäscht man lieber selbst, um zu verhüten, dass sie Schaden nehmen. Damit der Verbrauch der Seife möglichst eingeschränkt wird, tut man gut, die in Südwest gebräuchliche Stückenseife vorher im Schatten an der Luft hart trocknen zu lassen. Wir hatten alle möglichen Sorten von Seife erprobt, meist hatten sie sich aber als zu scharf erwiesen. Schliesslich wurde ein für alle mal die bewährte Sunlight-Seife eingeführt. Wenn man die Farbigen sich selbst überlässt, so verbrauchen sie enorm viel Seife, d. h. diese wandert in ihre oft meterlangen, verborgenen Taschen und dient zur Säuberung aller Gewandung ihrer Bekannten, Verwandten und guten Freunde. „Uns hat die Ding nodach“ (ich brauchte es), ist ihre stete Ausrede, wenn sie sich ertappt sehen. Ganz abgesehen von dem Schaden, den die diebischen Dienstboten verursachen, muss man es ausserdem vermeiden, dass sie — wie sie es so gern tun — über ihren harmlos vertrauenden Baas (Gebieter), der nicht merkt, wenn er bestohlen wird, im gemütlichen Kreis ihrer Stammesgenossen sich lustig machen können.

Die Sunlight-Seife schien sogar Sapupera sehr zu imponieren, wenigstens äusserte sie dies nickend mit den lobenden Worten: „Naua! nana!“ (sehr gut), wobei sie die angeordnete Sparsamkeit vergessend, mit um so grösserem Eifer damit einrieb. Ab und zu gestattete sie sich eine längere Pause, die sie höchst angenehm mit Rauchen, Gähnen und Dehnen oder mit der Fürsorge für ihr Baby auszufüllen pflegte. Mitunter gesellten sich einige ihrer Stammesgenossinnen hinzu; da wurde flott geschwatzt, gelacht, geraucht und mit dem Kinde heiumgetändelt, bis ich diesen netten Zeitvertreib störte und sie alle zurück an die Arbeit trieb. Mit schuldbewussten Mienen und langer Schnute schlenderten sie dann von dannen.

Inzwischen ist schon Spül- und Blauwasser zurecht gesetzt, das die Leute am Tage zuvor eimerweise auf dem Kopf vom Revier (Flussbett) her in die Küche geschafft hatten. Zuweilen war dies sonst sehr weiche Wasser aber so unklar, dass wir es erst durch Tücher giessen mussten.

Wozu eigentlich das Blauen und Stärken der Wäsche nötig sei, blieb den Schwarzen trotz belehrender Vorträge meinerseits vollkommen unverständlich. Unsre Hererofrau lachte nur zuweilen belustigt auf und murmelte so was von „wunderlichen weissen Menschen, die lauter unnütze Dinge täten“.

Nun wird gemeinsam auf dem Hof die Leine gezogen und bald flattert die Wäsche lustig im Winde. Die heisse Sonne trocknet schnell und bleicht die noch der blendenden Weisse entbehrenden Stücke nach wiederholtem Anfeuchten in kurzer Zeit schneeweiss. Das in Deutschland durchaus nötige und zeitraubende Abkochen der weissen Wäsche kann daher einfach fortfallen. Bei bunten Sachen ist es ratsam, die Stücke, wenn sie sauber sind, sofort nachzuspülen und im Schatten trocknen zu lassen, damit empfindliche Farben nichts einbüssen.

In der Regel treiben sich ein paar Herero-Kinder zwischen der Wäsche umher, um mit lebhaften Armbewegungen und schnalzenden Zurufen die „Bockis“ (Schaf- und Ziegenlämmer) abzuwehren, die gar zu gern die Wäsche anzuknabbern versuchten.

Nach dem Einsprengen und Legen lässt man die Wäsche einige Stunden eingewickelt liegen. Nicht minder energisch wird sie dann von unsrer Hererofrau mit einer Handrolle bearbeitet, wobei diese wiederum, wenngleich nur selten, ihr gewohntes „itsch—“, den persönlichen Ausdruck ihrer Entrüstung, vernehmen lässt. Trotzdem wird alles glatt, ohne Falten gelegt, so dass ich andern Tags wieder unter Assistenz der Hererofrau plätten konnte.

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