Weltkarikatur Völkerverhetzung

Eine nach Art der italienischen Beerdigungsbrüder verhüllte Gestalt mit dem Freimaurerzeichen peitscht die Völker alle in den englischen Riesenrachen. Überschrift: „Der Abgrund des Krieges“, Unterschrift: „Es scheint doch unmöglich, daß die Völker so blind sein sollten!“ Italienisches farbiges Titelbild von „Il Mulo“ vom 10. 1. 15, also noch aus demselben Jahre, in dem auch ltalien „so blind war.

Titelblatt der ,,Assiette au beurre“ vom 4. Juli 1901, Sonderheft „Der Krieg“. Ein Soldat aus dem jetzigen Entente – Heer mit erplünderter Uhr und abgeschnittenem Menschenkopf am Sattel. Wir geben auf den folgenden Seiten alle Bilder dieses Heftes wieder, um nicht in den Verdacht parteiischer Auslese zu geraten. Nach diesem berühmten französischen Blatte hätten also die Franzosen und ihre Bundesgenossen die ,,unerhörten Greueltaten“, die man just den Deutschen nachsagte, bereits 1901 ihrerseits begangen.







„Verbrechen.“ Nämlich: wenn’s gegen uns geschieht.

Französische Verspottung des „zweierlei Maßes“, das jetzt in der gesamten französischen Karikatur und. französischen Presse überhaupt geradezu die Grund formet geworden ist, wenn man die Kriegführung einerseits von der Entente, anderseits bei den Mittelmächten beurteilt.

Wie man England vor dem Kriege ansah.

Französische Karikatur von J. Laurian (1899) auf die Raubtierkralle desjenigen Volkes, das nach gegenwärtigen Entente-Legenden zum Schutze der kleinen Nationen, der Freiheit und aller edeln Güter in den Krieg gegen jegliche Annexionen gezogen ist. „Honni soit, qui mal y pense!“

John Bulls Traum. Alle will er vor seinen Siegeswagen spannen und dabei den Zaren auf den Kutscherbock nehmen. Hinten schiebt der französische Präsident.

Wie man´s vor dem Kriege ansah.

Auf dem Triumphwagen des Todes steht „Freiheit“. Die jetzt so berühmte Freiheit der kleinen Völker! Selbstverständlich gehört für den französischen Karikaturisten auch Elsaß-Lothringen dazu, obgleich seine Bevölkerung zu neun Zehnteilen deutsch ist. Mit Ausnahme Armeniens aber standen alle andern Gefesselten: Polen, Finnland, Transvaal, Irland, Philippinen, Cuba unter der Herrschaft heutiger Entente-Länder. Da diese „für die Freiheit der kleinen Völker“ kämpfen, so werden alle jene Gefesselten samt Ägypten und Indien jetzt ja unzweifelhaft mit befreit. — (Französische Karikatur von A. Al. von 1901.)

Wie man England vor dem Kriege ansah.

„Herr Joé Chamberlain besucht Südafrika.“ Ein farbiges ganzseitiges „Petit-Journal“ – Bild über den völkerbefreienden Schutz der kleineren Nationen – in der Praxis.

Italienische Karikatur noch von 1915! Der Engländer: „Kräftig, Verbündete! Ich will ihm die Spitze abbrechen; den Nagel hab ich mir in den Kopf gesetzt.“ Die Alliierten: „Daß du ihm die Spitze abbrechen willst, ist schon wahr, aber den Nagel kriegen wir in den Kopf!“ (Altilo, 28. II. 15)

England im Konzentrationslager. Das Bild ist im Original noch viel wirksamer, weil noch eine Rotplatte verwendet ist: die Welt steht in Blut und Flammen und der Engländer wie der Teufel selber darin. (Französ. Karikatur von Kapka.)

Die englische Menschlichkeit in Süd-Afrika. Die elektrisch geladenen Drähte um die Gefangenenlager. Von Jean Veber. (Assiette au beurre 1901, 26.)

Die englische Kröte, welche die Besiegten zerdrückt. Unterschrift eine Stelle aus einem Bericht Lord Kitcheners: „Ich kann sagen, daß der Krieg in Transvaal nun beendet ist. Das Land ist ruhig, und ich habe das erreicht, indem ich alles Blutvergießen vermied. Die Konzentrationslager, in denen ich die Frauen und Kinder vereinigt habe, vollenden schnell ihr friedenbringendes Werk.“ (Zeichnung von Jean Veber, Assiette au beurre 28. 9. 1901.)

„Clemenceau. Der Tanz des Geschäftteilhabers.“ John Bull leitet die Sache. Clemenceau macht seine Kunststücke mit den englischen Geldbeuteln. Ob diese Verdächtigung zutraf, wissen wir natürlich nicht. Wir geben all diese Bilder ja nicht ihrer Behauptungen, sondern des Geistes wegen, den sie kennzeichnen.

„Englische Zivilisation bei der Arbeit“ (Franzos. Karikatur von Dore.) Eine Art Requisitenwagen für Greuelbeschuldigungen, die jetzt auf die Deutschen umgeladen werden. Denn jetzt ist es eben „die deutsche Kultur die man mit den alten Theaterstücken „bei der Arbeit“ zeigt. Alan sieht: auch die gespießten Kinder befinden sich hier schon, und zwar sozusagen „in englischen Händen“.

„Während wir auf Verstärkungen warten, arbeiten wir ein bißchen selber. Der Negersoldat ist durch die Kopfbekleidung unmißverständlich als Franzose gekennzeichnet. (Aus der „Assiette au beurre“ 9. S. 1902.)

Das „perfide Albion„Schlagen Sie zu, Fürst! Sie hat die Backen so hart wie das Herz.“ (Franzos. Karikatur von Willette, 1889.)

„Englands Spezialität.“ John Bull; „Ich habe nie Verträge gebrochen, nie!“ Der Junge ruft ihm nach: „He, Herr, Sie haben Ihr Gedächtnis verloren!“ und zählt ihm Englands gebrochene Verträge auf: „mit Ägypten, Transvaal, Persien, Tibet, Portugal, den Vereinigten Staaten usw.“ (Amerikanische Karikatur noch von 1915, ebenso wie die folgende aus TheVital Jssue vom 6. 2. 15.

Italienische Karikatur aus „Il Mulo“ noch vom 10. Januar 1915! Beischrift: „Klage der Jungfrau von Orleans. »Mein lieben gab ich hin, um das Land meiner Ahnen von den englischen Horden zu befreien, und jetzt zerren sie Frankreich in ihre Knechtschaft.«“

Wie man dort die englische „Einkreisung“ Deutschlands erkannte

Eduard VII. als „Schiedsrichter der Welt und der Moden“. Sie sind alle Englands „Freunde“ oder seine „Schützlinge“. Unter ihnen auch Italien. Aber, was für die Auffassung der politischen Lage vor dem Kriege höchst bezeichnend ist: Deutschland und Österreich- Ungarn fehlen dabei. So ist dieses Blatt wider Willen ein Dokument dafür, daß man die Weltlage vor dem Krieg ungefähr ebenso wie in Deutschland auf faßte.

Und wie man ihrer in Deutschland bewußt war

Zur Verdeutlichung dieser deutschen Auffassung ausnahmsweise eine deutsche Karikatur. (Aus dem Kladderadatsch vom 28. lll. 1909.) König Eduard spielt mit Italien (unserm damaligen „Bundesgenossen“, der auf dem nebenstehenden französischen Blatt sehr richtig am englischen Bande hält), sowie mit Frankreich, Rußland und Serbien gegen Österreich und Deutschland. Hier nach der „Gazette des Ardennes“, daher die Aufschriften der Bälle französisch.

Wie Engländer vor dem Kriegsausbruch Deutschlands Lage sahn

Zum Thema „Deutschland, der Angreifer“. Aus „John Bull“. Wie man’s „vor Tisch selbst im jetzt so besonders kriegshetzerischen „John Bull“ las. Deutschland, das jetzt in den Ententeblättern als „Weltwürger“ dar gestellt wird, ist hier, vor Kriegsausbruch, geradeso auf gefaßt, wie wir selber das fühlten, nur daß wir deshalb nicht jammerten: als von allen Seiten bedrängt und bedroht. Noch vom Juli 1914!

Der Anschlag auf den Frieden. Ein altes Bild von Steinten aus der „Assiette au beurre“ (11.7. 1901) mit der Überschrift‘. „Wie 93.“ „Die feinen Leute zum dummen Karl: Keine Angst, wir sind da. Der Offizier: Ich geb dir die Waffe. Der Reiche: Ich zahl dir’s. Der Richter: Ich spreche dich frei. Der Priester: Und ich absolviere dich“. Wie Franzosen die Kriegshetzer in Frankreich sahn.


Amerika erfuhr über Deutschland mehr und mehr nur, was England erlaubte, und nur so beleuchtet, wie England das zuließ. Die englische Kontrolle über Menschenverkehr, Post und Kabel war ein Zumessen, Abschneiden und Vorbereiten der geistigen Nahrung des amerikanischen Volkes, die nichts weniger bedeutete, als eine Auslieferung der ganzen amerikanischen Gedanken-Ernährung an die eine Partei. Vielleicht wird die Geschichte in der Tatsache, daß man sich unter Wilsons Regierung das gefallen ließ, die erstaunlichste des ganzen Krieges sehn. Auch der Deutsche kann das Verhalten des amerikanischen Volkes in diesem Kriege erst verstehn, wenn er diese Tatsache in ihren unüberschätz-baren Folgen erfaßt hat.

Aber angesichts dieser geschichtlichen Monstrosität hat auch die Karikatur versagt, die deutsche wie die fremde. Die hier wiedergegebene von Cay aus den Berliner „Continental Times“ erschöpft dieses Thema auch nicht.

Onkel Sam bemüht sich, mit seiltänzerischer Kunst, neutral zu sein, und er kann das ja nicht ändern, daß seine Kanonen und sonstigen guten Sachen der Nächste drüben bekommt, John Bull. (Dieses Bild mußte nach einer schlechtgedruckten Verkleinerung wieder stark vergrößert werden, weil uns die Original-Vorlage fehlte, daher ist Einzelnes fehlerhaft geworden.)


Das moderne Geschäft schießt mit dem Maschinenfeuer dicket Kriegsbestellungen den alten Wehhuber in die Luft, dem das nicht recht ist.


Onkel Sam begrüßt mit Jubel das Goldschiff, nach dem alle seine Magnete angeln: cs bringt das Goldzentrum der Welt von Europa nach New York.


„U. S. Das Heim des Friedens“, „mit ÜbelwolLen gegen keinen, mit Mildtätigkeit gegen alle.“ Die Milde fährt auch mit einem weißen Schiffchen hinaus, auf dessen hinterer Flagge steht: „Guter Wille“. Doch bleibt seine Ladung sehr zierlich und bescheiden neben der im großen, dicken schwarzen Schiff „Munition“.


Onkel Samuel fährt als vergnügter Autokutscher dem Geschäftswagen ins Profitland vor, denn der Deutsche nicht über den Graben „Krieg“ weg.


Wie die Bethlehem-Stahl-Profite in die Höhe gehn, so daß alles zur Börse rennt, um Kriegsgewinn zu erwischen.


Kein Wunder also, wie schön der gute Samuel träumt, während er, russische Anleihe in der Hand, eingenickt ist. Da sieht er sich auf dem Dollarthrone der Welt, und um seine Krone funkeln Diamanten. Freilich, sie ist eigentlich nur sozusagen eine Krone, sie ist beinah ebensosehr eine Narrenkappe.

Tut nichts, derselbe Ohm Samuel, den wir von der Narrenkappen-Krone der Weltherrschaft auf dem Dollarthron träumen sehn, entzündet das Licht der Vernunft und hält es feierlich hoch, die Welt damit zu erleuchten. Auf seinem Schwerte steht plötzlich „Justice„ , „Gerechtigkeit“, und sein Angesicht strahlt nunmehr nichts als Edelsinn.

Nur, es gibt auch noch andere Leute in den U.S.A. „Eine Million Flinten für Rußland!“ Das ist doch mal was! Und statt zu 14 Dollar zu 27,50 das Stück! Das heißt Geschäft! Dem strahlenden Kriegsunternehrner malt sich das Dollarzeichen wie Fortunas Kugel in die Luft.

Aber entsetzlich — 188 Amerikaner sind mit der „Lusitania“ umgekommen, während die lumpigen 4000 Munitionskisten auf ihr doch höchstens für 100 000 Deutsche gereicht hätten und die 1000000 Flinten vom Bilde links ganz sicher keine 188 Germans töten können. Wie unfaßlich brutal sind diese Deutschen !

Amerika kann in seiner tiefen Sittlichkeit nicht so oberflächlich denken, wie einer, der meint: Waffenlieferungen helfen töten, und also ist es vielleicht verzeihlich, daß man im Notfall hundert Menschen gefährdet, um Zehntausende zu retten. Onkel Samuel sucht also durch das Studium der deutschen Antwortnote mit heiligem Ernst zu ergründen, wie der entsetzliche moralische Tiefstand der Deutschen möglich sei.

…freut sich aber auch wieder, wie prächtig er durch die Kriegsaufträge auf der Waage zunimmt, die keine andern Marken kennt, als Dollarzeichen…

… Ist er doch rein zum Sandwich-Mann vor Kriegsaufträgen geworden, durch welche drüben die deutschen Männer, Väter, Söhne hingemäht werden sollen, denen er mit christlicher Bruderliebe Bethlehem-Stahl für die Brust schickt . . .

Richtig, daß wir’s nicht vergessen: das „Licht der Vernunft!“ von vorhin. Richtig, die Menschlichkeit! Nachdem das amerikanische Volksgehirn durch ausschließliche englische Ernährung lange genug hergerichtet ist, um auf die Mache einzugehn, bekommt Onkel Samuel die große Begeisterung. „Verträge! Völkerrecht! Gerechtigkeit! Menschenrechte! Nationale Ehre!“ — Wie Schwerter hebt sich das alles aus dem Grund, und in heiligster Empörung wird die Fahne entrollt.

Vorher aber geht er noch einmal in die Kirche und betet auf den Knien: Gib uns Frieden! ,,Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ steht auf dem Glasfenster, und Onkel Sam, der ja nur aus Friedensliebe bisher Munition geliefert und jetzt den Krieg erklärt hat, ist auf das tiefste erschüttert.

In London dagegen sagt ein Weltkundiger im „Bystander“ (selbstverständlich nicht etwa zu Onkel Sam, denn „die Anwesenden sind immer ausgenommen“, sondern bei ganz, ganz anderer Gelegenheit): was wir auch reden, schreiben und spielen — Wir meinen Geschäft.

Die Kraft ist „Fassade“, Deutschland ist schwach

„Die Fassade.“ „In Deutschland“, hat Briand gesagt, „enthüllen sich Schwächzeichen unterm Schein der Kraft“ Hinter der Fassade liegt in Deutschland schon das meiste auf der Erde herum. Eine der unzähligen Entente-Karikaturen, die ihr Volk durch das Aufsuggerieren falscher Voraussetzungen „ermutigen“, anders gesagt: betrügen, aus „Le Rire rouge“ (20. XI. 15).

Vom jämmerlichen deutschen Heer.

Kinder und Greise werden rekrutiert. Ein Hundertfach immer sich wiederholendes Karikaturen-Motiv.

Und außer den Kindern, Greisen und Krüppeln mit Vorliebe solche, die überhaupt keine Beine mehr haben und sich mit den Händen auf jener Sorte von Karren fortbewegen, die ein deutscher Leser hier erst kennen lernt, wenn er nicht etwa schon in Frankreich und sonst „drüben“ war. Denn in unserm Barbarenlande kennt man ja für solche Krüppel wohl Fahrstühle, diese Jammer-Vehikel aber überhaupt nicht.

Man sieht auf dem Bilde rechts unten: außer den Greisen, Kindern, Krüppeln rekrutieren die „Boches“ auch Frauen und schicken sie regimenterweis in die Schützengräben.

Der Rock ist zu eng, man kann die Arme nicht gut hochheben drin, wenn man sich ergeben will.

„Das Entsetzen vor den neuen Leviathans.“ (Von „keinem Geringem“ als Raemaekers.)

Wie bei den Bouches ihre Offiziere voran in Todesangst überlaufen.

Die Engländer machen’s, als Leute ruhigeren Geblütes, in diesem Punkte meist etwas weniger dumm und meist auf französische Quellen hin. Hier ein Bild aus „The Graphic“ vom 28. 11. 14: Sieben, die sich einem Heldenknaben prompt auf Anruf ergeben. Aber das selber erlebt zu haben, behaupten die Engländer doch lieber nicht; der Held war nach ihrer Angabe ein französischer „boy soldier“.

Wie stimmt das zum jämmerlichen Heer?

Man suche nach derartigem Massenaufgebot an Verleumdungen eines tapfern Feindes und an Betrug des eignen Volkes in Deutschland! Dabei bezeugen aber andre Bilder, daß man im stillen ganz anders über ihn dachte oder doch hätte denken müssen, wenn man überhaupt noch überlegte. Können es Feiglinge sein, die dastehn, wie der Deutsche und der Österreicher auf dem Fels, den hier die englisch-französische, dort die italienische, dort die russische Offensive anbrandet? Oder wer da zwischen den vier Angreifern steht? Oder ein Schwächling, wer, wie der Athlet da, fene vier Kugellasten heben will?

Ganz besonders lehrreich sowohl für die Technik der Karikatur überhaupt, als auch für den Mangel an Besonnenheit, mit dem die französische jetzt rechnet und augenscheinlich rechnen darf, ist dieses große Doppelbild aus den „Lectures pour tons“ vom August 1917. „Die menschliche Rasse gegen die deutsche“. „23 Völker gegen eins“. Trotzdem wir ausweislich von Hunderten und Tausenden feindlicher Spottbilder Feiglinge sind, halten sich Kaiser und Adler in ihrem kleinen Land. Kein Wunder, wenn es solche Riesen sind. Lassen wir aber die allegorischen Riesen weg, wie im nächsten Bild . . .

… so wird mit einem Schlage aus dem Hohnbild ein Bewunderungs-bild. Ganz derselbe Inhalt, nur die Einstellung des Beschauers ist anders. „23 Völker gegen eins“ — und das eine hält sich. Als ein Zeugnis wie unerträglichen Größenwahns würde diese Zeichnung hei der Entente behandelt werden, wenn sie von uns käme!

Das Buch gibt es hier zum herunter laden.

2 Comments

  1. […] Weltkarikatur Völkerverhetzung […]

    24. November 2015

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.