Weltkriege der Gegenwart : Japanisch-russischer Krieg

Durch die ungeheure Auswanderung wurden die Neu-Europas über See: Union, Kanada, Lateinisch-Amerika, Südafrika, Australien, Algerien und das siebente Neu-Europa jenseits des Urals, Sibirien, das achte jenseits des Kaukasus, Transkaukasien, derart befestigt, daß sie uneinnehmbar wurden. Durch Europa und seine Vorwerke ist der Orient ganz eingeschlossen.

Die Gelben, voran die Japaner, holten jedoch zum Gegenstöße aus. Am 8. Februar 1904 stürmten die japanischen Torpedoboote gegen die russische Flotte vor Port Arthur. Im September waren die Russen aus der südlichen Mandschurei verdrängt; nur in Port Arthur hielten sie sich noch. Aber auch diese Festung fiel am Silvestertage; Stößel ergab sich an Nogi und beide erhielten den Schwarzen Adlerorden. Die Russen, die zuerst unter Alexejeff, dann unter Kuropatkin standen, hielten sich ganz wesentlich in der Defensive. Im ganzen Feldzug haben sie nur drei oder vier Erfolge kleinerer Art erzielt; alle Hauptschlachten haben sie verloren. Die zwei größten waren die von Mukden, die zehn Tage lang, vom Februar bis März 1905, dauerte und in der 700000 Krieger fochten, und die von Tsushima im Mai, wo die Flotte Roschdjestwenskis von Togo vernichtet wurde.

Der Krieg hörte auf, weil die Japaner kein Geld mehr hatten. Weder England noch Amerika wollten weiteres vorstrecken. Den Engländern, die inzwischen die Konjunktur ausgenutzt, und während ihre Nebenbuhler, die Russen, beschäftigt waren, unter der Führung von Younghusband Südosttibet erobert und Lhassa, die Hauptstadt des Dalai Lama, besetzt hatten, sie fanden, daß ihre lieben Verbündeten, die Japaner, schon zuviel gesiegt hatten, und daß es jetzt an der Zeit sei, ihnen die Flügel zu beschneiden. Gleichermaßen waren die Yankees nicht sehr erbaut von dem Anschwellen der gelben Gefahr. So kam es, daß in dem Frieden von Portsmouth (in der Nähe von Boston) im September 1905 Komura, der japanische Bevollmächtigte, auf jede Kriegsentschädigung verzichten mußte. Für das Land des Mikado war das ein harter Schlag. Die Japaner, die unter den Weltmächten die ärmsten sind — man schätzt ihren Gesamtwohlstand auf nur 1/40 des britischen — hatten sich ganz besonders gerade auf die Entschädigung gefreut. Einige vollzogen Harakiri vor lauter Verdruß über die unzulänglichen Bedingungen beim Friedensschluß.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
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Römischer Imperialismus
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Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
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Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
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Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation
Entdeckungen und Erfindungen : Europäer in Afrika, Asien und Amerika
Entdeckungen und Erfindungen : Südeuropa gegen Nordeuropa
Aufstieg der Nordvölker : Holländer und Engländer
Aufstieg der Nordvölker : Kämpfe in Ostasien
Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens
Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große
Aufstieg der Nordvölker : Das Wachstum Preußens
Aufstieg der Nordvölker : England und Frankreich werden Weltmächte
Aufstieg der Nordvölker : Friedrich der Große
Aufstieg der Nordvölker : Die Vereinigten Staaten von Amerika
Zeitalter der Revolutionen : Napoleon
Zeitalter der Revolutionen : Wachstum Englands
Zeitalter der Revolutionen : Lateinisch-Amerika unabhängig
Zeitalter der Revolutionen : Heilige Allianz und Romantik
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Zeitalter der Revolutionen : Der Mikado stürzt den Shogun
Zeitalter der Revolutionen : Erschließung Afrikas
Zeitalter der Revolutionen : 1870/71
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