Zanzibar


Von allen Städten Ostafrikas, von Aden angefangen bis Port Elisabeth, ist wohl die bekannteste Zanzibar. Die ersten Nachrichten über Zanzibar finden sich im Periplus der erythräischen See (dem Segelhandbuch für den Indischen Ozean), einem nach Autor und Zeit nicht bestimmbaren alten Werke. Hier ist von einem Vorgebirge oder Vorlande Zingis und dem Lande Azania die Rede. Diese Worte sind zweifelsohne auf das arabische Wort Zani, welches identisch mit dem persischen Zang (Neger) sein dürfte, zurückzuführen. Bar bedeutet in der Eingeborenensprache „Küste“, zusammen also Negerküste.

Frühzeitig hat an der ostafrikanischen Küste eine alte Kultur bestanden, welche indessen niemals, wenn auch von einem Reiche der Zang Andeutungen zu finden sind, zu einem einzigen grosseren Staatenwesen vereinigt war. Die Niederlassungen von Persern im 10. und 11. Jahrhundert lassen sich aus Münzfunden, die in Makdischu, Kilwa Kisiwani, Mombassa, Lamu usw. gemacht wurden, nachweisen Auf den Besuch der Chinesen deuten Münzfundc in Kilwa und Makdischu, mit den Jahreszahlen 713 und 1163 hin Die Famao-Familie in Lamu leitet ihren Ursprung von Chinesen oder Malaien, welche an der ostafrikanischen Küste Schiffbruch litten, ab. Zum letztenmal besuchte eine chinesische Handelsflotte die ostafrikanische Küste im Jahre 1430. Marco Polo berichtet 1260 über Zanzibarstadt, Bevölkerung, König, Sprache, Handel, und beschreibt die Bewohner als wahre Riesen an Kraft und im Essen. Die  Haupthandelsartikel seien Elfenbein und Ambra. Absolut authentische Nachrichten über Zanzibar und Ostafrika existieren seit 1490, zu welcher Zeit Vasco da Gama Ostafrika besuchte. 1508 wurde Zanzibar, nachdem es bereits 1503 von den Portugiesen unter Ruy Lorenco Ravesco zur Tributzahlung gezwungen, von den Portugiesen erobert und geplündert. 1635 berichtet der portugiesische  Schriftsteller Rezende über Zanzibar. Danach war die Insel schon nicht mehr tributär und der Gouverneur von Mozambique hatte dort nur noch einen kaufmännischen Angestellten. Im Jahre 1698 erschien an der ostafrikanischen Küste, auf Veranlassung des Imam von Mascat, namens Sef bin Sultan, der von den Küstenstädten gegen die Portugiesen zu Hilfe gerufen worden war, eine arabische Kriegsflotte, welche nach Vertreibung der Portugiesen aus Mombassa, auch Zanzibar einnahm und einen arabischen Statthalter eintsetzte. Innere Unruhen in Mascat waren die Veranlassung, dass unter den späteren Statthaltern eine grosse Selbständigkeit entstand und sie die Herrschaft Mascats abzuschütteln versuchten. Der Gouverneur von Mombasa, Chef der Mazrui Familie, Ali bin Osman, erklärte 1746 seine Unabhängigkeit und ihm folgte im gleichen Jahre der König von Pata. 1784 bis 1785 unterwarf Ahmed bin Said, Imam von Mascat, Zanzibar wieder und zwang die Abtrünnigen zur Anerkennung seiner Oberherrschaft. 1811 besuchte der Kapitän Smee mit dem der East India Company gehörigen Schiff „Ternato“ Zanzibar. Er gibt eine sehr gute Schilderung der damaligen Verhältnisse. Gouverneur war der berühmte Kriegsmann Jakuti, ein Eunuchc und Sklave des Seyid Said, Herrschers, von Mascat. Jakuti begann den Bau des grossen Forts (meist, aber fälschlicherweise, den Portugiesen zugeschrieben), befehligte eine Garnison von 400 -500 bewaffneten Sklaven und erhob Grundsteuern und Einfuhrzölle, die an den Herrscher von Mascat in der Höhe von 60000 Kronen jährlich abgeführt wurden. Sklaven und Elfenbein waren derzeit der Haupthandels-Artikel, die Ausfuhr der Sklaven wurde auf 6 bis 10000 im Jahr geschätzt. Seyid Said, seit 1804 Imam von Mascat und Zanzibar, Unterzeichnete 1822 einen Vertrag mit England bezüglich des Sklavenhandels nach europäischen Ländern und mit Christen. Gleichzeitig gestattete er die Niederlassung eines britischen politischen Armee auf Zanzibar, und machte die Stadt 1832 zu seiner Hauptstadt an Stelle von Mascat.

1830 erschien das erste amerikanische Handelsschiff vor Zanzibar. Es fühlte damals zum ersten Male das bis auf den heutigen Tag so beliebte Baumwollzeug, welches im ganzen mittleren Ost- und Zentral-Afrika unter dem Namen „Mericani“ bekannt ist, ein. 1833 schlossen die Vereinigten Staaten von Nordamerika einen Handelsvertrag mit Zanzibar und 1836 wurde Mr. R. P. Waters zum ersten amerikanischen Konsul in Zanzibar ernannt. Ihm folgte, trotz des älteren Vertrages, erst 1841 der erste britische Konsul, Kapitän A. Hamerton, nachdem England 1839 gleichfalls einen Handelsvertrag mit Zanzibar geschlossen halte. Frankreich errichtete erst 1844, nach Schliessung eines Handelsvertrags, gleichfalls ein Konsulat.

Seyid Said starb im Jahre 1856 an Bord seiner Fregatte „Viktoria“ auf der Fahrt von den Seychellen nach Zanzibar. Seinem Testament zufolge erbte sein ältester Sohn Seyid, Thueni Oman, und der Zweitälteste, Seyid Majid, wurde Sultan von Zanzibar. Unter ihm und seinem Nachlolger, dem seit 1870 regierenden Seyid Bargash bin Said, spielten sich die grossen Entdeckungsreisen nach Innerafrika, welche von Zanzibar ihren Ausgang nahmen, ab, nachdem die Missionare Krapf und Rebmann bereits in den Jahren 1848/49 auf ihren Reisen den Kilimandjaro und den Kenia entdeckt hatten. 1872 erschloss die British India Steam Navigation Company Zanzibar dem Weltverkehr durch eine regelmässige Dampferlinie, welche bis 1888 Alleinherrscherin an der ostafrikanischen Küste blieb. Nachdem 1888 sich die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft auf Grund eines 1885 erhaltenen kaiserlichen Schutzbriefes, sowie eines Vertrages mit dem Sultan an der Zanzibar gegenüber liegenden Küste und die British East Africa Company sich im Norden bis zum Umbaflusse niedergelassen hatte, beschränkte sich die Sultansherrschaft unter dem Nachfolger des Seyid Bargash, seinem Bruder Seyid Chalifa, faktisch nur noch auf die Inseln Zanzibar und Pemba. Mit Seyid Chalifa, der schon 1890 starb, verschwand der letzte unabhängige Sultan von Zanzibar von der Weltbühne. Die Nachfolger Seyid Ali, Seyid Hamed, Seyid Hamoud und Seyid Ali, stehen unter der Schutzherrschaft Englands. Die Regierung liegt in der Hand eines ersten Ministers, dessen Ernennung der Genehmigung des britischen Auswärtigen Amtes unterliegt. Der englische Generalkonsul übt eine Gcneralaufsicht über die Zanzibar-Regierung aus. Die Einnahmen der Regierung beliefen sich im Jahre 1906 auf 191501 Lstrl. und sind seit 1900 die höchsten. Damals betrugen sie nur 123 328 Lstrl. Die Ausgaben bezifferten sich 1906 auf 156 247 Lstrl.

Hauptausfuhrartikel waren 1906: roter Pfeffer (Chillies) 30973 Rupie (1 Rp. = ca. 1,33 Mk.), Kopra 1 766600 Rupie; Nelken 5 349545 Rupie; Nelkenstengel 229724 Rupie. Gegen 1900 hat sich der Wert der Nelken-Ausfuhr mehr als verdoppelt, denn damals betrug er nur 2465373 Rupie. Die vorhergehenden 8 Jahre schwanken die Exportziffern zwischen 1 1/3 und 3 Millionen Rupie. Jedenfalls ist die Gewürznelke heute die typische Pflanze und der Reichtum Zanzibars, und ihr verdankt Zanzibar den Namen Gewürzinsel. Merkwürdigerweise gedeiht die Gewürznelke nicht überall auf Zanzibar, sondern nur auf der Westseite. Besonders am Mucrafluss und nordwestlich nach Mkokotoni hin stehen die Bäume am üppigsten Zanzibar mit der dazu gehörigen Insel produzieren 7/8 des Weltbedarfs, welcher etwa 13 Millionen Pfund beträgt. Neben der Gewürznelke ist die Kokospalme die wichtigste Kulturpflanze auf Zanzibar. Sie findet sich überall wo die Anpflanzung möglich ist, teilweise auch als Grosskultur in grossen Beständen, obgleich sich dies nicht bewährt hat. Nach Aufhebung der Sklaverei hat sich ein vermehrter Anbau der Palmen im kleinen bemerkbar gemacht, da die Palme so recht die Kultur des kleinen Bauern ist, von denen es jetzt auf der Insel eine ganze Menge gibt.

Als ein weiteres wichtiges Produkt Zanzibars wurde der rote Pfeffer (Chillies) genannt. Er gedeiht wild überall auf der Insel. Die Früchte sind grellrot von cytindrischer Form, aufrecht stehend und als die schärfsten weltbekannt. Sie finden bei den Eingeborenen Verwendung zu Saucen und in Europa zu Pickles.

Hiermit schliesst die Reihe der wichtigsten Produkte der Insel. Was sonst noch hervorgebracht wird, kommt für den Exporthandel nicht oder nur in geringem Masse in Betracht. Mit dem Handel Zanzibars geht cs von Jahr zu Jahr, wenn auch nur unmerklich,zurück, diealten, grossen Inder-Firmen wie Taria Topan sterben aus, die Europäer gehen nach der Küste, deren Erschliessung durch Bahnen und eine kräftige Lokalpolitik Zanzibar notwendigerweise zurückdrängen musten. Nicht ohne Einfluss war auch das öftere Auftreten der Pest, welches Zanzibar zeitweise von jedem Verkehr abschloss und ferner eine kurzsichtige Politik der englischen Machthaber. Die Zeit, wo Zanzibar nur noch Lokalbedeutung hat, ist zwar noch fern, aber sie muss und wird eines Tages kommen. Heute laufen noch die Dampfer von vier verschiedenen Linien Zanzibar an, noch ist es für manche Produkte und Waren der Durchgangshafen nach und von Europa und Indien, aber die Hauptproduktc, die einstmals Zanzibars Macht begründeten, Elfenbein und Kautschuk, kommen nur mehr in verschwindend kleinen Posten auf den Markt, die Küste hat sich emanzipiert und verkehrt direkt mit den Absatzgebieten. Auch von Zanzibar wird man eines Tages sagen müssen: sic transit gloria mundi.

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    12. Oktober 2016

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